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Rainer
Hoymann, 22. November 2009
Der
Lustgarten
in Kleve.
Hoffnung
auf eine Rekonstruktion.
| Links:
Johann Moritz, Porträt [Auszug] aus dem 17. Jahrhundert
von einem unbekannten Künstler. |
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1664
erwarb Johann Moritz von Nassau-Siegen vom Großen Kurfürsten
über dem Kermisdahl das Areal zum Bau eines neuen Stadthauses und
zur Anlage des dazugehörigen Lustgartens. Der erst nach 1671
vollendete Prinzenhof war später im Besitz verschiedener
Adelsfamilien und diente u.a. eine Zeit lang als Hotel. Gegen Ende
des Zweiten Weltkriegs wurde das Haus bei den Bombenangriffen auf
Kleve zerstört.
Damals
ging auch der Lustgarten unter, der 1903/04 von der Stadt
angekauft und in eine öffentliche Anlage, den Prinz-Moritz-Park,
umgewandelt worden war. Eine um 1685 angefertigte Serie von
Radierungen von Romeyn de Hooghe ermittelt einen Eindruck von dem
ursprünglichen barocken Garten mit Orangerie, Heckenrondell und
Aussichtsterrasse.
Zentrale
Anlage des Lustgartens war ein Rondell, ein durch acht Strahlen
und zwei konzentrische Kreise gegliedertes, labyrinthartiges
Heckenwerk. Vier von Kletterpflanzen überwachsene Torpavillons
und vier mit Flachgiebeln gedeckte Torbögen bildeten im Wechsel
den Zugang. An den Heckenspitzen ragten stufenförmig gestutzte
Bäumchen heraus. Inmitten des Hecksterns stand die Figur einer
Pomona, der Göttin der Baumfrüchte. Die Sektoren des Rondells
wurden nämlich als Obstgarten genutzt. Die Pomona war zugleich
das Symbol des Herbstes. Als solches korrespondierte sie mit den
Figuren der übrigen Jahreszeiten in der südlichen Abschlusswand.
In
den Nischen der Mauern, die den Lustgarten an der West- und
Südseite abschlössen, wuchsen Orangenbäume in großen
Gartenvasen. Die südliche Abschlusswand war zusätzlich durch
drei giebelgedeckte Rundenbogennischen, in denen die Bilder von
Gottheiten standen, strukturiert. Romeyn de Hooghes Stich lässt
zwei Bildnisse erkennen: In der Nische am Kermisdahlhang stand der
Sonnengott Apollo, in der Mitte eine Flora. Sie verkörperten den
Sommer und den Frühling. So dürfte in der hinteren Nische wohl
eine Statue des Winters gestanden haben. Im großen Rundspiegel im
Vordergrund spiegelte sich - möglicherweise verzerrt - der Garten
wider, eine Erfindung, die aus der italienischen Gartenkunst
stammte.
Die
Ostseite des Lustgartens wurde von einer hohen Fichtenhecke
abgeschirmt. Zum Kermisdahl hin war das Gelände abgeböscht und
bildete parallel zur Hecke eine Terrasse, die die Aussicht auf den
Prinzenhof und die Schwanenburg sowie in die weite Ebene mit den
Galleien und dem Kermisdahlbogen bis zum Papenberg vermittelte.
Unterhalb der Terrasse öffnete sich die ,wilde Natur', das vom
Kunstgärtner vernachlässigte Gebiet, das negletto des
italienischen Gartens. .Hier lagen versteckt verschwiegene
Ruheplätze, Aussichtspunkte und kühle Grotten.
Text
am 22.11.2009 den Wegehinweisschildern im Park entnommen.
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Lustgarten
des Johann Moritz |
Aufnahme
zu Beginn des 20. Jahrhunderts |
Situation
am 22. November 2009 |
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Haupttor
an der Nassauer Allee mit der durch Pilaster
gegliederten Mauer; in den Nischen stehen Orangen-
und Taxusbäumchen. |
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Eingangsbereich
in der Nähe des Prinzenhofes mit dem Standbild
von "Otto
dem Schützen". |
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Irrgarten
(Doolhof) mit 4 steinernen Bögen von der Art des
Hauptportales und 4 Torhallen mit Sitzbänken im
Innern; in der Mitte eine lebensgroße Plastik. |
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Parkmauer
und 3 Nischen in den Achsen der Hauptwege mit
lebensgroßen Mamorstandbildern antiker Gottheiten |
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Hohe
Fichtenhecke, welche die Anlage gegen den Ostwind
schützt und zugleich statt einer Mauer abschließt;
gegenüber dem Hauptportal ein steinerner Bogen |
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Kermisdalhang
mit wildwachsendem Gehölz, versteckten Grotten
und Gartenhäuschen |
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