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Zu
Meersen wurde Lothars Reich 870 in das West- und Ostfrankenreich
aufgeteilt. Mit einer letzten Grenzänderung zu Ribemont wurde 880
die Grenze festgelegt, die mit wenigen Änderungen fast 800 Jahre
die deutsch-französische Grenze blieb.
Die
Realisierung dieser Zuordnung stieß bei den Westfranken auf
erhebliche Vorbehalte. Erst König Heinrich I., der
"Sachsenherzog", gelang es im Jahr 925 die Rheinlande
als "Herzogtum Lothringen" als eines von fünf Herzogtümern
- neben Sachsen, Franken, Schwaben und Bayern - in das Reich
einzugliedern. Heinrich I. gilt als Gründer des Deutschen
Reiches.
Besiegelt
wurde dies jedoch letztlich erst 936, als der spätere Kaiser Otto
I., der Stifter des
"Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation", durch
seinen Sieg über Herzog Giselbrecht von Lothringen in der
Schlacht bei Birten, sowie drei Jahre später in den Kämpfen bei
Xanten und Andernach, die Zugehörigkeit des Rheinlandes - und
damit des linken Niederrheins - zum Deutschen Reich endgültig
entschied.
Der
Niederrhein war nunmehr nicht mehr Grenzregion, sondern lag
zentral im Bereich der drei großen Herzogtümer Sachsen, Franken
und Lothringen. Daher wurde Duisburg zu einem bevorzugten
Versammlungsort. In der Duisburger Pfalz sind von 922 bis 1016
allein 18 Königsaufenthalte urkundlich dokumentiert.
Otto
I, auch "der Große" genannt, wurde 962 in Aachen
zum Kaiser gekrönt und
war dem Niederrhein eng verbunden. 944 wohnte er auf dem Eltenberg
in der Burg seines Schwagers, des Gaugrafen von Hamaland,
Wichmann.
Der
Gaugraf
Wichmann hatte keine männlichen
Erben, daher gründete er um 960 (je nach Quelle 963 bzw. 968)
unter der Protektion des Kaisers das freiweltliche,
reichsunmittelbare Frauenstift
Hochelten. Das Stift
wurde dem heiligen Vitus, dem sächsische Nationalpatron,
gewidmet. Die Leitung übergab er seiner ältesten Tochter Liutgard.
Unterstellt waren die Reichsstifte direkt dem Kaiser. Gaugraf
Wichmann war ein Sachse und dieser Schritt stärkte die Position
der Sachsen am Niederrhein, der ansonsten in den Händen fränkischer
Gutsherren war, deutlich.
Kaiser
Ottos Sohn, Otto
II., übernahm den Schutz
für Elten und war ebenfalls ein Freund des Niederrheins. Er war
mit der byzantinischen Prinzessin Theophano vermählt, die gerne
auf dem Valkhof zu Nimwegen weilte. Im Sommer 980 brachte die
Kaiserin, bei der Durchreise nach Nimwegen, im heutigen Reichswald
ihren Sohn, den späteren Kaiser Otto
III., zur Welt (Kessel
bei Goch soll der Geburtsort sein).
Als
Graf Wichmann von Hamaland 983 starb, mag es so ausgesehen haben,
als ob er sein Haus gut bestellt habe; seine Tochter Luitgard
herrschte als Äbtissin auf dem Eltenberg, und Adela,
seine Zweitgeborene, erbte Hamaland und wurde dessen Gräfin.
In
zweiter Ehe hatte Adela als etwa vierzigjährige im Jahr 993 den Grafen
Balderich (auch Balderik
- gestorben 1021) geheiratet. Sie residierten auf der Burg Uflach
(in einigen Texten auch Uplade)
in der Nähe des Eltener Berges. Sie verfügten über umfangreiche
Besitzungen am Niederrhein (Düffel und Hattuariergau) und den
heutigen Niederlanden (in den Provinzen Gelderland, Overijssel,
Drenthe und Friesland).
Adela
hatte nach dem Tod ihres Vaters Wichmann jahrzehntelang vergeblich
versucht Erbansprüche gegen das Reichsstift St. Vitus in
Hochelten geltend zu machen. Sie vertrat die Auffassung, dass
ihr Vater die secundum legem Saxonicam - nach Sachsenrecht
erforderliche Zustimmung der Erben - nicht eingeholt habe.
Zusätzliches
Konfliktpotential baute sich auf als Adela in Zyfflich 1002 ein
weiteres Reichsstift gründete. Diesmal wurde es dem
Nationalheiligen der Franken, St. Martin, gewidmet. Adela zur
Seite standen der Kölner Erzbischof Heribert und der fränkische
Herzog von Brabant. Konzipiert wurde der Bau des Zyfflicher
Stiftes von Heribert. Dieser ließ aus den Trümmern des antiken
Roms Baumaterial an den Niederrhein bringen, um so den Geist des römischen
Weltreichs wieder auferstehen zu lassen.
Die
greise Adela, verurteilte Mörderin ihres Sohnes (was wohl nicht
der Tatsache entsprach), war um 1017 gezwungen die Burg Uflach
gegen das Reichsheer des Nachfolgers Otto des III., Kaiser
Heinrich des II., das mit über 1000 schwerbewaffneten Männern
Stellung bezogen hatte, zu verteidigen. Ihr Mann, Balderich, der
Jahrhunderte später eine mögliche Grundlage für die "Schwanenritter-Sage"
bilden sollte, erblickte jedoch früh den Ernst der Lage und nahm
mit seinen Rittern Reißaus. Zum ersten Mal in der Geschichte des
Mittelalters kam es damit zu einer Burgverteidigung nur durch
Frauen - ein ungeheuerliches Ereignis, dessen Kunde bis nach
Frankreich drang.
Ursache
für diese letzte Auseinandersetzung
mit der Zentralmacht war
die gewachsene Macht von Adela und Balderich. Der Kaiser
bevorzugte mehr und mehr Bischöfe und weniger mächtige
Gefolgsleute als Vertreter des Herrschers in der Region. Daher
wurde auch Wichmann von Vreden, der südliche Nachbar, zum Präfekten
am Niederrhein ernannt. Um das Ansehen ihres Ehemannes zu erhöhen,
hatte zuvor Adela Balderich für diesen Posten ins Spiel gebracht.
Die Entscheidung gegen Balderich zog brutale kriegerischen
Auseinandersetzungen nach sich, die schlußendlich dazu führten,
dass Wichmann von Vreden seinen Militärtitel "Präfekt"
zu Gunsten von Balderich im Jahr 1010 verlor. Als Wichmann von
Vreden sechs Jahre später einer Einladung Balderichs folgte und
ihm auf seiner Burg Uflach einen Besuch abstattete, ließ ihn
Adela auf dem Heimweg ermorden. Das Finale nahm seinen Lauf. Der
Kaiser vernichtete Uflach und damit Adela. Sie starb 1021 in Köln
(an dieser Stelle ein herzliches "Danke schön!" an
Peter Schut).
Die
Burg fiel und damit endete ein Krieg, der zwischen 1015 bis 1017
am Niederrhein tobte. Der Sachsenkaiser Heinrich der II. teilte
den Niederrhein in die Grafschaften Kleve und Gelderland auf.
Rutger
wurde der erste Graf von Kleve und veranlasste 1020 den Bau der
Klever Burg.
Der
Niederrhein gehörte in dieser Phase bereits zum eigenständigen
Herzogtum Nieder-Lothringen. Um 1100 zerfiel dieses in die Herzogtümer
Brabant und Limburg. Da die Interessen des Hauses Brabant sich auf
den Kernbereich konzentrierten, nahm der Einfluss der
Territorialgewalten Köln, Lüttich, Hennegau, Namur, Geldern, Jülich
und Kleve zu.
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