|
Rutger
(Graf von 1020 bis 1050)...
ist
den Klosterrather Annalen (Annales Rodenses) zufolge der
Stammvater der Klever Grafen. In Flandern wurden zwei Brüder von
den dortigen Fürsten ihrer Herrschaften beraubt und vertrieben
und haben sich in den Schutz des Kaisers begeben. Der Kaiser, dies
wird wahrscheinlich Heinrich der II. gewesen sein, hat die Brüder
am Niederrhein mit reichen Lehen und Gütern ausgestattet. Der
eine dieser Flamenses (Flaminge), Gerhard, hat Wassenberg
erhalten, der andere Rutger, hingegen Kleve. Der erste wurde so
zum Stammvater der Grafen von Geldern, der zweite derer von Kleve.
Die
Klever Schwanenritter-
und die Gelderner
Drachensage, die den
Ursprung der beiden Adelshäuser beschreiben sollen, enthalten
daher bestenfalls einen
"wahren
Kern" (Passwortgeschützter
Bereich).
Wahrscheinlich
ist, dass um 1020, nach dem Tod der verfeindeten Grafen Wichmann
(gestorben 1016) und Balderich (gestorben 1021) ein Machtvakuum am
unteren Niederrhein entstanden ist. Gerhard und Rutger konnten
also mit Besitz und Rechten der alten Grafschaften des Hamalandes
und des Hattuariergaues ausgestattet worden sein. Beide Brüder
sind damit Nachbarn des Bischof von Utrecht und Erzbischofs von Köln
geworden, die ebenfalls aus dem Erbe der verstorbenen Grafen
Nutzen ziehen konnten. Die Besitzverhältnisse im Kleverland
glichen daher einem Flickenteppich und die späteren Grafen von
Kleve mussten sich immer wieder mit den Erzbischöfen von Köln,
den Bischöfen von Utrecht und den Grafen von Geldern
auseinandersetzen, um ihren Expansionswillen durchzusetzen.
Die
Bildung des Klever Territoriums nahm vom Reichswald, östlich und
südlich von Nimwegen, seinen Ausgang. Durch Rodungen und
durch die Umwandlung von Überschwemmungszonen in Kulturland schuf
man sich die wirtschaftlichen Grundlagen. Zur Sicherung des
Reichswaldkomplexes erbaut Rutger (evtl. auch einer seiner
Nachfolger) noch im 11. Jahrhundert die Burg
Kleve. Die Burg entsteht
an strategisch günstiger Stelle im Osten, wo der Höhenrücken am
dichtesten und steilsten an die Rheinebene herantritt. Der Name
der Burg, der sich von "Kliff" (= Abhang) herleitet,
beschreibt die exponierte Lage. 1092 besteht die Burg bereits, da
sich in diesem Jahr ein Graf erstmals nach ihr benennt. Im Schutz
der Burg entwickelt sich im Laufe des 12. und 13. Jahrhunderts das
gleichnamige Kirchdorf, in dem 1142 noch keinerlei städtisches
Leben anzutreffen ist, das aber schon 1242 zur Stadt erhoben wird.
Ungeklärt
sind die Genealogie und Reihenfolge
der Klever Grafen im 11.
Jahrhundert. Quellenmäßig gesichert ist erst die Existenz des
Dietrich III., der sich 1092 comes Thiedericus de Cleve nennt und
bis 1120 urkundlich bezeugt ist.
Von
Rutger
II. (Graf von 1051 bis
1075) ...
ist
anzunehmen, dass er den Erzbischof Anno von Köln gegen den
Pfalzgrafen Heinrich unterstützt hat, denn er erhielt die Burg
und Herrschaft
Tomburg bei Rheinbach mit
dem dazugehörigen Flamersheimer Wildbann als pfalzgräfliches
Lehen. Er wurde außerdem noch Vogt des von Anno gegründeten Kölner
Mariengradenstiftes.
Bis
heute ist ungeklärt, ob in der Zeit von 1075 bis 1092 ein oder -
was unwahrscheinlich ist - sogar zwei weitere Grafen, Dietrich I.
und II., regierten.
Dietrich
III. (Graf von ca. 1092
bis 1118) ...
erweiterte
die südlichen Besitztümer um das pfalzgräfliche Hauskloster
Brauweiler. Der Aufstieg des Hauses Kleve vollzog sich bis zu
dieser Zeit in enger Anlehnung an die Erzbischöfe von Köln.
In
1114 kam es am Niederrhein und in Westfalen zu einem erfolgreichen
Aufstand unter Führung des Erzbischofs Friedrich I. von Köln
gegen Heinrich den V. Die Grafen Dietrich der III.
und Gerhard von Geldern standen auf Seiten des Kaisers und
hatten damit auf das falsche Pferd gesetzt. Es gelang jedoch
Dietrich anschließend, wieder in das Lager des Erzbischofs zurückzukehren.
Seit dem Ende des Konflikts erhoben die Kölner Erzbischöfe Lehnansprüche
an das Klever Haus. Den Beweis der Rechtmäßigkeit ihrer
Oberansprüche konnten Sie jedoch nicht erbringen. Im 13. und 14.
Jahrhundert haben die Klever Grafen dann ihre Belehnung direkt vom
Kaiser und Reich eingeholt.
Gute
Kontakte zu den geistigen Würdenträgern waren notwendig, denn
neben den politischen Kräften waren Klöster und Orden die
tragenden Fundamente des geistigen Lebens und der
gesellschaftlichen Strukturen des Mittelalters. Am Niederrhein
ragten insbesondere das St. Viktorstift zu Xanten - in dem zu
dieser Zeit der Kleriker Norbert
von Xanten wirkte - und
das 1223 gegründete Zisterzienserkloster
auf dem Kamper Berg
heraus.
|

103.74 KB
|

99.40 KB
|
|
"Dionysiuskapelle
mit Norbertzelle vom hl. Norbert - bewohnt 1115"
fotografiert
am 7. Sept. 2002 in Xanten (Torbogen zum Dom) |
Die
Umwandlung der niederrheinische Landschaft durch Kultivierung,
Urbarmachung, Rodungen und Besiedlungen setzte sich fort. Die Mönche
wirkten dabei als "Entwicklungshelfer" für die
landwirtschaftliche Bevölkerung.
Eine
beträchtliche Steigerung der Macht erreichten die Klever Grafen,
indem sie schon früh die Vogtei über die reichbegüterten und
angesehenen Stifte und Klöster des Niederrheins erlangten.
Als
Vögte des Stiftes Zyfflich
(seit 1117) gelang es ihnen, Besitz und Rechte der Kirche zu
entfremden. Auf dem ursprünglichen, zwischenzeitlich
trockengelegten Kirchengut errichteten sie die Kranichenburg.
Einige Jahrzehnte später wurde dann die gleichnamige Stadt
(heute: Kranenburg) gegründet.
Auch
über die reichste geistliche Institution am unteren Rhein, das
St. Viktorstift zu Xanten, erlangte das Haus Kleve um 1120 das
Vogteiamt.
Damit
ging der Machtzuwachs und steigende Einfluss der Klever Grafen vor
allem zu Lasten der Klöster und Stifte des Niederrheins!
Allerdings
sind das St.
Clemensstift in Wissel und das Prämonstratenserinnenstift
Bedburg Stiftungen der Klever Grafen. Bis 1341 dienten sie den
Grafen als Grablege und Hausstift bzw. Hauskloster. Anschließend
übernahm das Stift
Kleve (Einblick in die Fürstengruft)
diese Funktion.
In
Bedburg lagen Arnold
der I. (Graf von ca. 1120
bis 1147)...
und
dessen Frau Ida, die Tochter des Herzogs Gottfried I. von
Niederlothringen (Brabant) begraben. Idas reiche Mitgift war
Wesel. Damit beherrschte das Haus Kleve das Lippemündungsgebiet.
Der überregionale Straßen- und Schifffahrtsverkehr erwies sich
als sehr lukrativ. Der bereits 1142 blühende Handelsplatz Wesel
erhielt 1241 die Stadtrechte.
Die
Heirat mit Ida
von Brabant (Passwortgeschützter
Bereich)
bedeutete nicht nur wegen der attraktiven Mitgift
einen gewaltigen Schritt vorwärts. Die Verwandtschaft mit dem
einzigen Herzoghaus weit und breit wertete das Klever Grafenhaus
in beträchtlichem Maße auf. Im Herzog von Brabant hatten die
Klever Grafen einen mächtigen Bundesgenossen gefunden, einen, der
es sogar mit dem Erzbischof von Köln aufnehmen konnte, in dessen
Schatten die Grafschaft Kleve sich bis dahin nicht so recht hatte
entwickeln können.
Arnolds
Sohn Dietrich
der IV. (Graf von 1150
bis 1172)...
setzte
den Aufstieg des Geschlechts fort. Verheiratet war er mit
Adelheid von Sulzbach, einer Verwandten des Stauferkönigs Konrad
III.. Es verwundert daher nicht, dass auch die Beziehung zu dessen
Nachfolger, Friedrich I., den die Italiener später Barbarossa
(=Rotbart) nannten, gut blieben.
Am
3. Kreuzzug
unter Barbarossa und König Richard Löwenherz nahmen auch die
Klever Ritter unter Führung von Dietrich dem V. teil. Dies galt
auch für die folgende Kreuzzüge und ist Folge der Verwandtschaft
mit dem Herzoghaus Brabant.
Gottfried
von Bouillon, Herzog von Brabant
(Passwortgeschützter
Bereich) war es, der die Heilige Stadt
Jerusalem erobert hatte.
Während
der Besitz südlich von Köln (Tomburg, Mariengradenstift)
zunehmend an Bedeutung verlor, wuchs die Orientierung in Richtung
Utrecht und Holland. Seit 1126 ist Arnold von Kleve am
Utrechter Hof nachweisbar. Er verfügt seit 1150 u. a. über einen
umfangreichen Lehnbesitz in der Betuwe.
Sein
Sohn, Dietrich der IV., half 1159/60 zusammen mit den Grafen von
Holland dem Bischof von Utrecht vor der Gefangennahme durch Aufständische.
Holland und Kleve machten jahrzehntelang gemeinsame Politik
vornehmlich gegen Geldern, aber auch zeitweise gegen Brabant.
Dietrich
der V. (Graf von 1173 bis
1200)...
heiratete
Margaretha, die Schwester des Grafen von Holland. Der Graf von
Holland wiederum vermählte sich mit der Schwester von Dietrich.
Mehrmals kam es zu Fehden, in denen der kriegslustige Klever das
Land des geldrischen Nachbarn verheerte. Im Mai 1189 brach
Dietrich, wie zuvor erwähnt, mit Barbarossa zum Kreuzzug
ins Heilige Land auf. Er soll auch bei der Gründung des Deutschen
Ritterordens in Akkon
beteiligt gewesen sein.
Vertreten
wurde Dietrich der V. während seiner Abwesenheit durch den jüngeren
Bruder Arnold
der II.. Arnold war mit
Adelheid, der Erbtochter von Heinsberg verheiratet. Der gemeinsame
Sohn erbte Heinsberg
und begründete die dortige klevische Seitenlinie, die sich aber
in der Folgezeit nach Heinsberg nannte.
Der
Klever Hof stand im 12. Jahrhundert in großem Ansehen. Kunst und
Minnesang wurden gepflegt. Heinrich
von Veldeke weilte auf
der Klever Burg und gab einmal, als dort die Hochzeit einer
Schwester des Grafen mit dem Landgrafen von Thüringen gefeiert
wurde, sein berühmtes, noch unvollendetes Werk "Eneide"
der Klever Gräfin zum Lesen.
Als
Dietrich der V. starb war sein Sohn und Nachfolger,
Dietrich
VI. (Graf von 1208 bis
1260)...
noch
minderjährig und stand daher unter der Vormundschaft seines
Onkels, dem Grafen Dietrich von Holland. Die Grafschaft Kleve
genoss ab diesem Zeitpunkt den Schutz der mächtigen Brabanter
Herzöge. 1208 übernahm Dietrich der VI. die Regentschaft. Seine
Schwester, Margarete, heiratete den Grafen Otto II. von Geldern.
Sie veranlasste den Bau des Klosters
Graefenthal bei
Goch-Asperden. Graefenthal war die Grabstätte des
Grafengeschlechts von Geldern. Bis 1376 wurden hier 13 Grafen, Gräfinnen
und Herzöge bestattet.
Er
erhielt als Lehen von Brabant das Land Heusden
an der unteren Maas. 1233 heiratete Dietrichs erstgeborener Sohn
eine Tochter des Herzogs von Brabant. Damit einher ging ein
Freundschafts- und Bündnisvertrag. Dietrich der VI. war in einer
Vielzahl von Fehden involviert: Er half den Bischof von Utrecht in
Kriegszügen gegen Adlige und Bauern aus Groningen und Overijssel
und unterstützte den Erzbischof von Bremen gegen aufständische
Bauern. Er galt als emsiger Befürworter bei der Wahl des Grafen
Wilhelm von Holland zum deutschen Kaiser und führte 1253 auf der
zeeländischen Insel Walcheren das holländische Heer zum Sieg über
Franzosen und Flamen.
Zu
Lasten des Erzbistum Kölns versuchte er - vergeblich - Kleves
territoriale Machtstellung zu erweitern. Immerhin gelang es
ihm den Status Quo weitgehend zu konservieren.
Die
Rivalität zu Geldern war besonders ausgeprägt. So strebten beide
Grafenhäuser nach Einfluss im Stift Utrecht. Zu Lasten von Kleve
gelang es Geldern 1247 die wichtige Stadt Nimwegen an sich zu
binden. Auch die komplizierten Besitz- und Hoheitsrechte in der
Oberbetuwe führten vielfach zu Streitigkeiten zwischen den
Nachbarn. Überhaupt dominiert zur Mitte des dreizehnten
Jahrhunderts Graf Otto II. von Geldern am Niederrhein.
Die
Territorialpolitik führt in dieser Zeit - nicht nur am
Niederrhein, sondern überall in Mitteleuropa - zu einer Vielzahl
von Städtegründungen.
Die Städte wurden planvoll angelegt, befestigt und mit
Stadtrechten versehen.
 |
| 545,29
KB |
|
|
|
Klever
Stadtrechtsprivileg, 25. April 1242 (Abschrift, um 1600)
Die
Stadt Kleve erhielt ihr Stadtrecht im Jahre 1242 von Graf
Dietrich (VI)
von Kleve. Die Urkunde, die nur in
Form einer Abschrift erhalten ist, enthält zwei
'verkehrsfördernde' Bestimmungen:
Art.
1. Alle Kaufleute der Stadt erhalten Zollfreiheit an den
gräflichen Rheinzöllen in Orsoy, Schmithausen, Huissen
und Nimwegen;
Art.
5. Innerhalb der Grafschaft sind die Klever Bürger auf
dem Wege zu den Jahrmärkten von der Zollabgabe
befreit.
Außerdem
enthält die Urkunde u.a. Bestimmungen über die Aufnahme
von Neubürgem, der eine achttägige Prüfung vorausgehen
muss (Art. 6), sowie über das Recht von Neubürgern, nach
Ablauf von einem Jahr und sechs Wochen frei mit ihren
Gütern wegziehen zu dürfen (Art. 9). |
Graf
Dietrich VI. von Kleve folgte mit einer kurzen Verzögerung den
Beispielen des Erzbischofs von Köln und des Grafen von Gelderns.
Die klevischen Städte, die in der Folgezeit bis ins 15.
Jahrhundert entstanden, bildeten eine eigen Stadtrechtsfamilie und
übernahmen meist das Kleve-Kalkarer Recht. Dietrich VI. schuf die
Grundlage für die spätere dichte Städtelandschaft und reiche Städtekultur
am klevischen
Niederrhein. Er konnte die verstreuten Besitz- und
Hoheitsrechte zur Landesherrschaft konsolidieren. Seit etwa 1240
ist in den Quellen von der "terra Clevensis" die Rede.
Das Territorium der Grafschaft Kleve entwickelte sich zu einer
eigenständigen politischen Größe.
Die
bedeutendste Vergrößerung des Territoriums der Klever Grafen
gelang 1255, als Dietrich VI. eine Ehe seines Sohnes und
Nachfolgers
Dietrich
VII. (Graf von 1260 bis
1275)...
mit
der Erbtochter Aleidis von Heinsberg vereinbaren konnte.
Dadurch
geriet das Land Hülchrath zwischen Neuss und Köln sowie die
Herrschaft Saffenburg an der Ahr und wahrscheinlich auch schon das
Land Linn zwischen Uerdingen und Neuss in klevischen Besitz.
Der
Bruder von Dietrich VII., Dietrich
Luf (I.) regiert zur
gleichen Zeit selbständig über Wesel und eine Reihe rechts- und
linksrheinischer Außenbesitzungen. Ihm gelingt der Erwerb der
Herrschaft Ringenberg und die Sicherung des Besitzes in Castrop
und Strünkede.
Dietrich
VII. hat die Städtepolitik des Vaters fortgesetzt. Die Orte
Dinslaken, Büderich, Orsoy und evtl. Huissen wurden zu Städten
erhoben. Es sind außer Dinslaken alles Zollorte. Die Städte
Huissen, Orsoy und Büderich erhoben ertragreiche Flusszölle und
versetzten damit die Klever Grafen in eine günstige finanzielle
Situation. Denn mochte der Rhein auch noch so sehr durch
territoriale Zersplitterung, Zölle und Stapelrechte,
Raubrittertum und vielerlei Gefahren belastet sein: als große
Verkehrsader war der naturgegebene Strom allen anderen
Transportmöglichkeiten überlegen. Für die klevischen
Landesherren waren die Rheinzölle die ergiebigste Einnahmequelle.
Zum Ende des 15. Jahrhunderts sollen sie allein mehr als ein
Viertel der landesherrlichen Einkünfte ausgemacht haben.
Dietrich
VIII. (Graf von 1275 bis
1305),...
Sohn
von Dietrich VII., hat eine betont friedliche Politik betrieben.
Als einziger rheinischer Herrscher konnte er sich aus den
Rivalitäten, die zur Schlacht
bei Worringen (1288)
führten, heraushalten.
Er
suchte die Nähe zu den deutschen Königen. 1290 heiratete er
Margarethe von Habsburg-Kiburg, eine Verwandte des deutschen
Königs Rudolf
von Habsburg. Als Mitgift
erhält er die Reichsstadt Duisburg verpfändet, die vom Reich
nicht wieder eingelöst wird und damit in Klever Besitz übergeht.
Die
Grafschaft Kleve war einerseits mit dem Herzogtum Brabant, dem
Sieger der Schlacht bei Worringen, verbündet und half
andererseits den geschwächten geldrischen Grafen, die auf Seiten
des Verlierers, dem Erzbischof von Köln, gestanden haben. Dadurch
gelang es den Klevern den Einfluss beim südlichen Nachbarn zu
vergrößern.
Dietrich
VIII. stand in dem sich seit 1295 anbahnenden großen Konflikt
zwischen dem englischen König Eduard I. und dem französischen
König Philipp
dem Schönen wie die meisten niederländischen
Territorialherren auf Seiten des Engländers. In Verträgen mit
Brabant und Holland kann der gefährdete Außenbesitz von Heusden
und Altena gesichert werden.
Als
im Sommer 1296 der holländische Graf Florenz (Floris) V.
gefangengenommen und ermordet wird, versuchen die beiden
klevischen Brüder Graf Dietrich VIII. und Dietrich Luf II. in
Holland die Regierung zu übernehmen. Während Dietrich zeitweise
sogar in Haag residiert, tritt Dietrich Luf als besonders eifriger
Sachwalter des englischen Königs auf. Doch wegen des Widerstands
des holländischen Adels und Volks muss sich der Graf von Kleve
bald zurückziehen; und nachdem Johann von Hennegau 1299 in
Holland die Regierung angetreten hat, ist es mit dem klevischen
Einfluss und dem nahezu zwei Jahrhunderte bestehenden guten
Verhältnis zu Holland vorbei.
Positiv
entwickelten sich die guten Kontakte zum Habsburger Königshaus.
Mit König Albrecht
von Habsburg arbeitet Dietrich VIII. noch enger zusammen als
mit dessen Vater Rudolf.
Er
wird einer der treuesten Helfer und zeitweise einflussreichster
Berater des Königs in rheinisch-niederländischen
Angelegenheiten.
Als
Lohn wird der Besitz Duisburg und Büderich anerkannt, Kranenburg
zum Reichslehen erklärt und die einträglichen Rheinzölle
bestätigt. Vor allem aber erhält Dietrich das Privileg, dass
kein Landfriedensbewahrer oder Reichslandvogt im Territorium Kleve
irgendwelche richterlichen oder hoheitlichen Rechte ausüben darf.
Nachteilig
verlief die Entwicklung in den südlich gelegenen Landesteilen,
die vom Bruder Dietrich Luf II. verwaltet wurden. Luf II. war in
zahlreiche Kriegsunternehmen verwickelt und dadurch hoch
verschuldet. Zur Entschuldung mussten das Land Linn an den Bruder
Dietrich VIII. und alle südlich von Köln gelegene klevischen
Besitzungen (Tomburg, Saffenburg) an den Kölner Erzbischof
verkauft werden.
Dietrich
VIII. gelang es beinahe Moers in das Klever Territorium
einzugliedern. Unter seiner Herrschaft finden sich auch die ersten
Ansätze zur modernen Verwaltung der Grafschaft durch
Beamte.
Die
häufigen Rheinlaufveränderungen brachten neben Landverlusten
auch Neulandbildungen mit sich. Dieses Neuland nahmen die Klever
Grafen regelmäßig an sich! Dietrich VIII. siedelte die in
Deichbau- und Entwässerungsangelegenheiten erfahrenen
holländischen "broekers" an. Dadurch gelang es
"herrenlose" Land zu kultivieren. Das Tillerbruch wurde
1294 an ein von zwei Holländern geführtes Konsortium zur
Urbarmachung übertragen. Ein Jahr später erhielten wiederum
Holländer ein weiteres Privileg zur Erschließung des
Uedemerbruchs. Erst der Ausbruch der Pest sowie Hungerkatastrophen
und der damit einhergehende Bevölkerungsrückgang stoppten die
Landerschließungsmaßnahmen.
Die
umfangreichen Wasserbauarbeiten zur Erschließung bisher
unbesiedelten Landes und auch die Trockenlegung von Bruchgebieten
gingen weit über die Möglichkeiten einer freiwilligen
Zusammenarbeit der Ansiedler hinaus. Gegen Ende des 13.
Jahrhunderts wurde daher das Amt des Deichrichters mit einer
eigenen, mit öffentlich-rechtlichen Befugnissen ausgestatteten
Organisation eingeführt.
Dietrich
IX. (Graf von 1310 bis 1347),...
Halbbruder von
Otto
(Graf von 1305 bis 1310), hatte sich gleich zu Beginn
seiner Herrschaft gegen die Ansprüche des Kölner Erzbischofs
Heinrich von Virneburg zu erwehren, der die Grafschaft Kleve als
erledigtes Lehen einziehen wollte. Mit Hilfe benachbarter Grafen
und des deutschen Königs Ludwig des Bayern konnte Dietrich sich
behaupten; doch war eine über zwei Jahrzehnte andauernde
Feindschaft zwischen Kleve und dem Erzstift die Folge.
Nach
dem Tod von Dietrich Luf II. (1308) waren dessen Besitzungen nicht
an die Klever Hauptlinie zurückgefallen, sondern an dessen Sohn
Dietrich Luf III. gelangt.
Als
der schwache und hoch verschuldete Graf im Jahr 1332 verstarb,
fiel lediglich Kervenheim zurück an das Klever Haupthaus. Der
Rest des reichen Besitzes ging an Köln und Jülich.
Auch
Dietrich IX. hielt sich aus kriegerischen Verwicklungen, nach den
anfänglichen heftigen Fehden mit Mark und Kurköln, heraus.
Dadurch verlor Kleve an Einfluss und die abseits vom Zentrum
gelegenen Enklaven gingen verloren: Altena 1332 an Holland und
Heusden 1334 an Brabant. Auch der größte Teil des Reichswaldes,
der ja ältestes Gut der Grafen war, wurde damals an Geldern
verkauft.
Dietrich
IX. konzentrierte sich auf den Raum zwischen Kleve, Kalkar und
Wesel. Die übrigen Besitzungen wie Duisburg, Linn, Orsoy,
Dinslaken, Kranenburg und Malden waren verpfändet oder zur
Ausstattung von jüngeren Familienmitgliedern vergeben worden.
Im
Herzen der Grafschaft leitete er eine Konsolidierung ein und
versuchte die noch fehlenden Rechte und Güter zu gewinnen. Auch
die Binnenkolonisation wird fortgesetzt. Es entstehen weitere
Bruchsiedlungen und Kolonistendörfer, die überwiegend von
Einheimischen bewohnt und bewirtschaftet werden. Neue
Siedlungen legte man besonders um Kalkar, Uedem, Sonsbeck und
Veen, im rechtsrheinischen bei Bislich, in der Hetter und im
Ringenberger Bruch an.
Die
Städte Rees und Xanten, um die man sich bemühte, blieben vorerst
noch bei Köln.
Hatte
Dietrich IX. zunächst auf der Monterberg bei Kalkar regiert, so
machte er gegen Ende seines Lebens wieder die Klever Burg zur
Residenz. Parallel dazu verlegte er das von ihm 1334 in Monterberg
gegründete Stift 1341 nach Kleve.
Der
Verwaltungsapparat wurde in seiner Regierungszeit geordnet und
reformiert.
Diese
Entwicklung setzte sich unter seinem Nachfolger und jüngeren
Bruder Johann (Graf von 1347 bis 1368)
fort. Johann war zuvor Domdechant von Köln gewesen und galt als
Kenner des römischen Rechts. Er hatte große Verwaltungserfahrung
und vollendete den Ausbau des Klever Territorialstaates.
Zu
einem großen Aufschwung der klevischen Städte gegen Mitte des
Jahrhunderts führte die damals hier aufblühende Tuchproduktion.
Wesel, Kalkar und Kleve wurden die führenden Gewerbestädte.
Vorhandene Städte baute er weiter aus und legte den Grundstock für
die Stadtwerdung in Griethausen und Schermbeck. Nach Griethausen
verlegte er den alten Nimweger Zoll (1357).
Johann
war mit Mechthild von Geldern verheiratet. Mit dem Erzbischof
Wilhelm von Gennep stellte er leidlich gute Beziehungen her. Dabei
musste er allerdings geloben, auf die eng an klevischen Besitz
grenzenden kölnischen Ämter Kempen, Rees und Xanten keine
Absichten zu haben.
Johann
richtet seine Außenpolitik rheinabwärts nach Nordwesten aus und
ist bald völlig in die geldrischen und niederländischen Wirren
verstrickt, die seine Regierungszeit bis zuletzt beherrschen.
Reinald,
der erste Herzog von Geldern, wurde beerbt von dem ältesten Sohn
Reinald II. Der Bruder, Eduard, wollte sich damit nicht abfinden.
Johann von Kleve stellte sich auf Seiten von Reinald II. und griff
auch mit Truppen in den Bürgerkrieg ein. Zunächst schien Johann
Erfolg zu haben: 1355 erhielt er als Lohn das wichtige Emmerich,
die Liemersch und die Einkünfte der Veluwe verpfändet.
Alte
Positionen an der Maas und Waal (Nimweger Zoll, Ressen) musste er
hingegen aufgeben, da dort Eduards Partei das Sagen hatte.
1361
kam die Wende, als Eduard bei Thiel seinen Bruder besiegte,
gefangen nahm und absetzte. Auch Johann musste sich zwei Jahre später
mit Eduard aussöhnen und sich völlig aus Geldern zurückziehen.
Die
geldrische Politik hatte insgesamt mit einem Fiasko geendet. Moers
war in diesem Konflikt verlorengegangen. Denn der überaus
geschickte Johann von Moers, ein adeliges Finanzgenie, war der
entscheidende Berater des siegreichen Eduard und konnte die
klevische Lehnsherrschaft für die nunmehrige Grafschaft Moers
abschütteln. Dadurch wurde das klevische Linn isoliert und fiel
einige Jahrzehnte später an Köln.
Johann
war am Ende bei den Städten und dem Adel hoch verschuldet. In
seiner Regierungszeit fielen auch viele Krisen und Katastrophen:
Pest, Judenpogrom, Hungersnöte und die seit dem 13. Jahrhundert
auch am Niederrhein immer wieder auftretende Lepra.
Da
seine Ehe ohne Nachkommen geblieben war, übernahm Adolf von der
Mark, Sohn der ältesten Tochter Dietrichs IX., bis dahin Bischof
von Münster, das Erbe der Nachkommen Rutgers aus dem Geschlecht
der Flaminge.
Adolf
(Graf von 1368 bis 1394)...
war der erste Graf von Kleve aus
dem Hause Mark. Bis 1609 regierte es das Klever Territorium. In
die Regierungszeit Adolf fällt die Gründung der ersten
Narrenorganisation Europas, der "gezelschap
van den ghekken". Auch rangt sich um die jüngste
Tochter unter den sechzehn Kindern eine Sage, die der Dichter
Gottfried Kinkel in seinem Stück "Otto
der Schütz" (Passwortgeschützter
Bereich) verewigte.
Durch
Erbfolge fiel 1391 die Grafschaft Mark, zu der das westfälische
Gebiet von Bochum, Hagen, Altena und Hamm gehörte, an die
Grafschaft Kleve.
Nach
dem Tod seines gleichnamigen Vaters trat 1394 der 21jährige, am
brabantischen Hof in Brüssel erzogene Graf
Adolf II. die Herrschaft in Kleve an und stieg 1417, auf
dem Konzil zu Konstanz, in den Rang des Herzogs von Kleve auf.
|