NRZ vom 5. Juni 2000

Vater Rheins Macht

Schmitthausen verliert seine Bedeutung

 

"Als "Vater Rhein" sich noch frei und ungezügelt durch die niederrheinischen Landen schlängelte, machte er des öfteren Kapriolen - die dann für die Bewohner der an seinem Bett entstandenen Siedlungen oft massive Schwierigkeiten mit sich brachten.

In den 30er Jahren des 13. Jahrhunderts traf es Schmitthausen - bis dato ein großer Zoll- und Handelsplatz, der viele Kaufleute, Händler und fahrendes Volk in seine Mauern zog und dessen Reichtum die Nachbarorte in den Schatten stellte. Durch die Versandung des Rheins verlagerte dieser sein Bett - wobei böse Zungen behaupten, dass auch die Bewohner der Stadt Emmerich durch Grabungsmaßnahmen dazu beigetragen hätten, dass Schmitthausen binnen kurzem auf dem sprichwörtlichem Trockenen saß.

Die Verlagerung des Rheins führte dazu, dass Schmitthausen in die Bedeutungslosigkeit versank. Emmerich und Kleve dagegen wuchsen, lagen sie doch nun beide an Flussufern (Rhein und Niers) und konnten somit regen Handel treiben. Einen bis heute sichtbaren Preis musste Emmerich aber zahlen: Ein Teil der Martini-Kirche wurde von den Fluten weggerissen, der seltsame Grundriss des Gotteshauses zeugt noch heute von "Vater Rheins" Macht."

von Jan Jessens

zuletzt bearbeit am 15.09.2005