12000 Jahre Niederrhein - 800 Jahre Kleve

Das Herzogtum

 

Die Klever Herzöge Adolf, Johann I, Johann II., Johann III., Wilhelm V. und Johann-Wilhelm vor dem historischen Kleve.

 

Graf Adolf II. / Herzog Adolf I.  

"der Kluge und Siegreiche"

 

(2.8.1373 - 23.9.1448, Regierungszeit: 1394 bis 1448)

Um die Mitte des 14. Jahrhunderts war die Territorialbildung am Niederrhein abgeschlossen. Der Raum war aufgeteilt und das Lehnrecht durch den Aufbau eines neuen Verwaltungsapparates, einschließlich Gerichtsbarkeit, überwunden.

 

Damit wuchs auch bei den lokalen Grafen der Wunsch die Herzogwürde zu erlangen.

Dies gelang als erstem dem Grafen von Geldern, der 1339 vom Kaiser den Herzogtitel verliehen bekam. 1356 folgte der Markgraf Wilhelm von Jülich, 1380 die Grafen von Berg.

Nach dem Tod des gleichnamigen Vaters trat 1394 der 21jährige, am brabantischen Hof in Brüssel erzogene Graf Adolf II. bzw. Herzog Adolf I. die Herrschaft in Kleve an und stieg 1417 auf dem Konzil zu Konstanz in den Rang des Herzogs von Kleve auf. Er beherrschte ein Gebiet, dass von Duisburg aus nach Norden bis in die heutige Niederlande reichte.

 

1397 noch stand seine Herrschaft auf der Kippe, denn es kam zu einer Fehde zwischen Berg und Kleve. Der Grund für diese Auseinandersetzung war die Verbindung von Kleve und Mark nach dem Tode des Grafen Engelbert III. von der Mark (1391), die dem klevischen Zweig des märkischen Grafenhauses ein solches politisches Gewicht gab, dass der Herzog Wilhelm von Berg befürchtete, auf mittlere Sicht an Einfluss und Geltung zu verlieren. Nachdem er zahlreiche Helfer angeworben hatte, darunter Rainald, den Bruder und Erben des Herzogs Wilhelm von Geldern-Jülich, kam es vor den Toren der Stadt Kleve - im heutigen Ortsteil Kellen - zur Schlacht bei Cleverham

 

Für die bergische Seite führte diese Schlacht zur Katastrophe. Herzog Wilhelm von Berg sowie vier weitere Grafen und 600 Ritter wurden gefangen genommen. Sie mussten gegen hohes Lösegeld freigekauft werden. Wilhelm von Berg hatte alleine für seine Person die Summe von 74.000 Goldschilden aufzubringen. Von Rainald erhielt Adolf II. außer Lösegeld noch das Versprechen, dass er ihm Emmerich abtreten würde, sobald er zur Regierung käme, was dann auch schon 1402 (1404 ?) der Fall war (Bereits 1355 wurde Emmerich an den Grafen Johann von Kleve verpfändet, allerdings band erst diese Abtretung Emmerich fest an Kleve).

Kleve stieg durch diese erfolgreiche Machtprobe in die vordere Reihe der Reichsfürstentümer auf. Graf Adolf II. konnte mit den eingenommenen Lösegeldern das solide Fundament für eine schon von seinen Zeitgenossen als ungewöhnlich erfolgreich und wirkungsvoll gerühmte Regierungstätigkeit legen.

 

Der 1417 erlangte Herzogtitel ist jedoch Folge burgundischer Politik. Das Klever Herrscherhaus war der Bundesgenosse Burgunds im Norden. Um Adolf fest in die burgundische Politik einzubinden, wurde der Klever mit der Schwester Philipps des Guten, Maria von Burgund, verheiratet. Ein einfacher Graf genügte da nicht, so dass die burgundische Diplomatie die Erhebung zum Herzog durch Kaiser Sigismund auf dem Konzil zu Konstanz veranlasste.  

 

Wie kein anderes Haus außerhalb des burgundischen Reiches war Kleve in die burgundisch-niederländische Hochkultur integriert, ein treuer Bundesgenosse für die burgundischen Interessen und ein Brückenkopf Burgunds zum übrigen Niederrhein und zum Deutschen Reich. Mit Hilfe der Klever Herrscher wurde europäische Politik gemacht und geschickte Heiratspolitik verwandelte Kleve in eine Großmacht!

 

Der Hundertjährige Krieg zwischen Frankreich und England tobte seit über 50 Jahren. Frankreich war damals in zwei Parteien gespalten: Die pro-englischen Bourguignons und die anti-englischen Armagnacs. Das Haupt der erstgenannten Partei war Philipp von Burgund (Philipp der Gute), das Haupt der anderen Charles d`Orleans. Beide gehörten der französischen Königsfamilie Valois an. Als diese beiden Todfeinde sich annäherten und auf diese Weise das Ende einer für Frankreich so verhängnisvollen Periode einleiteten, wurde die Versöhnung besiegelt durch die 1440 veranstaltete Heirat des Charles d`Orleans mit Maria von Kleve (Passwortgeschützter Bereich), der Tochter Adolf II. und Maria von Burgund.

 


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In die Regierungszeit von Herzog Adolf I. fällt auch der Erwerb von Ravenstein an der Maas in den heutigen Niederlanden.

Maria von Kleve und ihr Gemahl Charles d`Orléans. (Ausschnitt aus einem Gobelin, Paris um 1450, Musée des Arts Décoratifs)

Die Hochzeit des Grafen Adolf II. von Kleve mit der Maria von Burgund, Tochter des Herzogs Johann Ohnefurcht von Burgund, 1406. (Federzeichnung eines unbekannten Zeichners aus dem - wahrscheinlich - 17. Jahrhundert, Düsseldorf, Stadtmuseum)

Blütezeit

"Die großen Herzöge des Westens" prägten in dieser Epoche den Geschmack und die Mode an allen Fürstenhöfen Europas. Das Mäzenatentum der Herrschenden förderte die Entwicklung des künstlerischen Handwerks. Bildung und Klugheit waren erstrebenswerte Tugenden.

Die Schwanenburg wurde zu einer Schatzkammer. Die Klever Herzöge arrangierten aufwendige Schwanenfeste (heute würde man dies Events nennen).  Der internationale Charakter der niederrheinischen Fürstenhäuser und die Eheschließung zwischen Mitgliedern der fürstlichen Familien untereinander stifteten eine gemeinsame Kultur, bei der jeder Hof dem anderen, auch auf dem Gebiet der Kunst, nacheiferte.

Das "späte Mittelalter" profitierte von der Entwicklung der arbeitsteiligen Wirtschaftsformen und technischen Entwicklungen. So wurde beispielsweise in 1316 erstmals in Kleve eine Windmühle in Betrieb genommen.

Die Produktivität der Landwirtschaft wuchs durch die Einführung der Dreifelderwirtschaft, durch die Neuerung der Agrartechnik (z. B. dem schweren Pflug), durch die Bearbeitung von neuem, bisher unkultiviertem Land, durch den Anbau neuer Fruchtarten und durch die Übernahme der von den Zisterziensern vermittelten Veredlungsmethoden gegenüber dem Stand des 11. Jahrhundert auf etwa das Drei- bis Vierfache.

Italienische Bankiers siedelten sich zwischen 1300 und 1365 am Niederrhein in sogenannten Lombardensiedlungen an und entwickelten eine fortschrittliche Geldwirtschaft. 

Einen maßgeblichen Einfluss für den Reichtum der Region hat jedoch die Produktion und der Handel mit Tüchern.  Die Arbeitsteilung ermöglichte den Aufbau einer blühenden "Industrie". Goch, Kalkar und Kleve waren die Produktionszentren des Textilgewerbes. Das Gewerbe wurde beständig weiterentwickelt: In Kalkar gelang es um 1500 neben einfachen Stoffen in brauner, grauer und weißer Farbe auch blau, grün und blutrot gefärbte Qualitätstücher herzustellen. 

Wüllenamter übten seit Ende des 13. Jahrhunderts scharfe Qualitätskontrollen aus. Dadurch festigte sich die lokale Marktstellung und unerwünschten Wettbewerbern wurde das Eindringen in den Markt erschwert. 

Die Produkte wurden über den Rhein weitläufig verschifft. Auch die entfernten Städte Brügge, Antwerpen, London, Bergen, Stralsund, Wismar, Danzig, Reval und Riga wurden angefahren. Daher blühten  Emmerich, Rees und insbesondere Wesel als Handelsstätte auf. Wesel wurde 1407 Mitglied der Hanse und schon bald darüber hinaus der regionale Vorort aller Hansestädte des Herzogtums.

Der wachsende Umfang der Handelstätigkeiten forderte von den Kaufleuten das Führen von Geschäftsbüchern, so dass das neben den Stifts- und Klosterschulen Stadtschulen eingerichtet wurden, die die erforderliche Bildung vermittelten. 

Der wachsende Wohlstand fand seinen Ausdruck auch in allen Bereichen der Kunst: 

Aus Wesel stammte der bedeutendste niederrheinische Maler der Spätgotik, der um 1440 geborene Derick Baegert (siehe auch: "Kölner Erzbischof als gottloser Geselle"). Sein Sohn Jan, der Neffe Jan Joest und Joos von Cleve haben in seiner Werkstatt gelernt. 

Am Niederrhein wirkten unter anderem die Bildschnitzer Meister Arnt, Kerstken van Ringenberg, Henrik Douvermann, der Klever Dries Holthuys (passwortgeschützter Bereich) und Arnt van Tricht. Sie wurden berühmt für ihre in Eichenholz geschnitzten Altäre, die man teilweise noch heute in den Kirchen von Kalkar, Xanten, Kranenburg, Kleve und Straelen besichtigen kann. 

Wie in jeder Umbruchphase gab es Gewinner und Verlierer. Hungersnöte und soziale Unruhen waren insbesondere im 14. Jahrhundert zu beklagen. Damit einher ging das Auftreten, der aus dem Orient eingeschleppten, Pest. Diese Seuche trat zu Anfang des 13. Jahrhunderts erstmals am Niederrhein auf. Keine Stadt, kein Dorf blieb von dieser Seuche verschont. Man schätzt, dass ein Viertel, wenn nicht gar ein Drittel der Bevölkerung hingerafft wurde. 

Wen wundert es da, dass die Frömmigkeit in dieser Zeit einen nie geahnten Höhepunkt erreichte. Niemals zuvor und später sind im Klever Land so viele klösterliche und klosterähnliche Gemeinschaften gegründet und mit Gütern ausgestattet worden, die durch Gebet und gottgefälliges Leben für das Seelenheil des Stifters sorgen sollten. Das Prozessionswesen nahm fast beängstigende Formen an. Mit Wallfahrten suchte man Verdienste zu erwerben und das göttliche Strafgericht von sich abzuwenden.

Herzog Johann I. 

"der Schöne und Kriegerische"

 

(14.1.1419 - 5.9.1481, Regierungszeit: 1448 bis 1481)

Der älteste Sohn und Nachfolger Adolfs, Johann I., war dem Hause Burgund durch seine Erziehung am Brüsseler Hof verbunden. Ab dem neunten Lebensjahr wuchs Johann unter der Obhut seines Onkels, dem Herzog Philipp des Guten, auf. Er blieb sechszehn Jahre am burgundischen Hof. Seine Untertanen nannten Johann nach seiner Rückkehr an den Klever Hof "dat Kint van Vlanderen". Vom Vater ist überliefert, dass er den Sohn als "Johanneken met de Bellen" wegen seines vom burgundischen Hof angenommenen Aufwands zu bezeichnen pflegte. 

In Geheimverhandlungen hatte Johanns Vater noch 1442 dem deutschen König Friedrich III. eine Eheverbindung zwischen Kleve und Habsburg vorgeschlagen; doch dieser Plan zerschlug sich. Kleve wurde daher seit etwa 1450 - was seine Politik, seine Kultur und das verfeinerte Hofleben angeht - nicht mehr als ein burgundisches Satellitenterritorium.

Die enge Verbindung zwischen Kleve und Burgund wurde schließlich durch die Heirat zwischen Johann und Elisabeth von Etampes-Nevers am 22.04.1455 weiter gefestigt. Elisabeth war eine Tochter Johannes von Burgund, eines Vetters Philipps des Guten.

Johann I. focht in mehreren Kriegszügen gegen den alten Rivalen Kurköln (in der Soester Fehde 1444 - 49, der Münsterischen Stiftsfehde 1450 - 57, der zweiten Soester Fehde 1462 -63, dem Krieg gegen Erzbischof Ruprecht 1467 - 69) im Grunde schon im Interesse seines burgundischen Onkels, der ein Königreich erstrebte, dem Kleve so gut wie Brabant und Holland einverleibt werden sollte.

Das zeigte sich insbesondere in der Soester Fehde (pdf-Datei, 153 kb, passwortgeschützter Bereich) , die durch den Wunsch der Stadt Soest ausgelöst wurde. Soest wollte sich der Herrschaft des Erzbischofs Dietrich von Köln entziehen und sich der kleve - märkischen Herrschaft unterstellen. Bei der Auseinandersetzung ging es aber letztlich um die Entscheidung über die Vorherrschaft am Niederrhein und Hellweg. Mit Hilfe beträchtlicher Gelder und Truppen sicherte Burgund das klevische Territorium und dehnte Kleves Einflussbereich im Süden deutlich aus. 

Burgund - Erbe Brabants - war der "historische" Gegner von Kurköln. Beide Mächte hatten ihre Gegenpositionen auch in der seit dem Ende des 14. Jahrhunderts üblichen Weise sichtbar markiert, indem sie kirchenpolitisch verschiedenen Lagern anhingen: Burgund (und damit auch Kleve) stand auf Seiten des Papstes Eugen IV., Erzbischof Dietrich war Anhänger des Baseler Konzils. Mit dem päpstlichen Legaten und Kardinal Nikolaus von Kues vermittelte Herzog Philipp der Gute von Burgund 1449 den Frieden von Maastricht, der die erste Fehde auf der Grundlage des Status quo beendete, und demonstrierte damit, wer unter überregionalen Aspekten der eigentliche Sieger war. Soest und zum Ende der zweiten Auseinandersetzung auch die Stadt Xanten fielen an Kleve, Kurköln war abgeschlagen und finanziell ruiniert. 

Weitere Gebietsgewinne gelangen Johann I. 1473 durch die Unterstützung Burgunds in dessen Auseinandersetzung mit Arnold von Geldern. Die Ämter Goch und Düffel sowie der einträgliche Zoll bei Lobith und die Vogtei von Elten wurden klevisch. 

Das Vorhaben Burgunds die Königswürde zu erreichen, scheiterte jedoch endgültig 1477 mit der Schlacht bei Nancy. Der letzte Burgunderherzog, Karl der Kühne, fiel in dieser Schlacht und wurde beerbt von seiner Tochter Maria von Burgund. Maria von Burgund versuchte zusammen mit ihrem habsburgischen Ehemann, Maximilian von Österreich, die Herrschaft über ihr Erbe auszuüben. Dies gelang jedoch nur zum Teil. In Geldern beispielsweise traten die Stände gegenüber Habsburg in Opposition. Geldern gewann somit 1492 seine Unabhängigkeit zurück. 

Dennoch war es diese Heirat zwischen Maria von Burgund und Maximilian von Habsburg, die die Grundlage für das Erscheinungsbild Westeuropas (passwortgeschützter Bereich), wie es sich heute darstellte, legte. Adolf von Kleve-Ravenstein, der Bruder des Herzogs Johann, war der nächste Blutsverwandte der Maria von Burgund und er fädelte im Auftrag des Hauses Kleve diese europäische Hochzeit ein.

Herzog Johann liebte die Künste und entfaltete auf der Klever Schwanenburg ein aufwendiges Hofleben nach burgundischem Vorbild. Er sammelte 1460 den ersten Humanistenkreis des Rheinlandes um sich. 

Herzog Johann II.  

"der Fromme"

 

(23.4.1458 - 15.1.1521, Regierungszeit: 1481 bis 1521)

Er wurde am 23.04.1458 geboren und wie der Vater am burgundischen Hof erzogen. Johann nahm an der Belagerung von Nancy (1477) teil, bei der Herzog Karl der Kühne von Burgund fiel. Vergeblich machte er sich Hoffnungen auf eine Ehe mit Karls Erbtochter Maria. Auch eine geplante Ehe mit der geldrischen Herzogstochter Philippa kam nicht zustande. Am 03.11.1489 heiratete Johann in Soest die 16jährige Mathilde, eine Tochter des Landgrafen Heinrich von Heesen. 

Da er sich wegen des Todes Karls des Kühnen und des damit eingetretenen Erlöschens der männlichen Linie in Burgund offenbar diesem Hause nicht mehr so stark verpflichtet fühlte, versuchte Johann es mit einer selbständigen Politik, als in Holland seit Maximilians Heirat mit der reichen Erbin die alten Gegensätze der beiden Parteien "Hoeck" und "Kabeljau" wieder auflebten und die Hoeck`schen Franz von Brederode zum Grafen von Holland ausriefen. Er zog mit den Hoeckschen gegen Utrecht, wo David von Burgund Bischof war, erstürmte es und setzte seinen Bruder Engelbert an Davids Stelle. Als Maximilian die Stadt nach zweimonatiger Belagerung zurückerobert hatte und den jungen Hitzkopf zur Rechenschaft ziehen wollte, kam es schließlich nur deswegen nicht zu einem Einfall ins Klevische, weil Maximilian ihm wegen der nahen Blutsverwandtschaft zu seiner Gattin und wegen seiner großen Jugend verzieh, wobei aber - wie die Chronisten vermuten - der nachgelassene Schatz von Johanns Vater keine unerhebliche Rolle gespielt haben soll. 

Offenbar hat Maximilian, der als römischer König und später als deutscher Kaiser großen Einfluss besaß, Johann aber auch ein festes Versprechen abgenommen, die Hoeck`sche Partei aufzugeben, denn Johann ist für den Rest seiner Regierungszeit stets auf der Seite Maximilians zu finden. 

Die unfruchtbaren Kämpfe mit Geldern, in die Johann Zeit seines Lebens verwickelt war, sind zwar nur zu einem Teil von ihm ausgelöst worden, gingen sie doch im wesentlichen von Adolf van Egmonds Sohn Karl aus, der sich nach seines Vaters Tode mit französischer Unterstützung in Geldern festsetzte und trotz aller Anstrengungen Maximilians bis zu seinem Tode das Land auch zu halten vermochte. Die ständige Kriegsführung und der Luxus, mit dem Johann sich umgab, nicht zuletzt auch die Notwendigkeit der Ausstattung seiner Bastard-Nachkommen führten dazu, dass der Herzog sich ständig in Geldnöten befand, die ihn teilweise sogar zur Verpfändung von Grundbesitz zwangen. Außer drei legitimen hatte Johann wohl 63 (!?) illegitime Kinder. Vom Volk wurde der Herzog wegen seiner produktiven vor- und außerehelichen Betätigungen der Beiname "der Kindermacher" gegeben. 1501 musste er den Ständen die Einsetzung eines Rates zur strikten Kontrolle der Landesverwaltung und eines Generalrentmeisters zugestehen. 

Unter ihm hatte das klevische Land bis auf Stift und Stadt Essen, die Johann zum Erbvogt wählten, keinen Gebietszuwachs zu verzeichnen. 

Einen entscheidenden Schritt zur Vereinigung der niederrheinischen Territorien tat Johann, als er mit Zustimmung der Landstände (passwortgeschützter Bereich) am 25.11.1496 mit dem Herzog Wilhelm IV. von Jülich-Berg einen Vertrag über eine Ehe seines Sohnes Johann mit der Jülicher Erbtochter Maria abschloss. Darin wurde festgelegt, dass das Paar die Herzogtümer Jülich, Berg und Kleve sowie die Grafschaften Mark und Ravensberg erben sollte. 

Den Beinnamen "der Fromme" erwarb sich Johann wohl nur dadurch, dass er sich dem Klerus sehr wohlwollend zeigte und Kirchen und Klöstern gegenüber freigebig mit Privilegien war. Papst Innozenz VIII. zeichnete ihn deswegen mit der Goldenen Rose 1489 aus.

Von den Geschwistern Johanns wurde Engelbert der Erbe seines Großvaters Johann von Burgund in Nevers und Etampes. Durch ihn und seine Nachkommen wurde der Name Cleve auch unmittelbar mit der französischen Geschichte verknüpft. Seine wegen ihrer Schönheit berühmte Urenkelin Maria von Cleve sollte an der Seite Heinrichs III. den französischen Thron besteigen. Doch sie ereilte ein plötzlicher Tod, dessen Rätselhaftigkeit mit der Gegnerschaft der Königinmutter Katharina von Medici gegen diesen Plan Heinrichs in Verbindung gebracht wird. 

Der dritte Bruder Johanns, namens Dietrich, wurde von seiner Tante der Herzogin Maria von Orléans an den Hof von Blois gerufen, dort aufgezogen und mit dem Titel eines Grafen von Valois belehnt. Er starb kinderlos in Frankreich.

Philipp, der jüngste Bruder, dem der klevische Humanist Hemerick sein registrum sophologicum gewidmet hat, wurde Bischof zunächst in Nevers, dann in Reims. 

Johann starb am 15.01.1521 und wurde in der Stiftskirche zu Kleve beerdigt. 

zuletzt bearbeit am 04.10.2005