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Jan Jessen

 

"Heiratspolitik verwandelt Kleve in eine Großmacht"

In zwei Jahrhunderten wird die Schwanenburg zum Brennpunkt europäischer Entscheidungen

 

NRZ vom 3. Juli 1999

 

Eine Ehe, gerade in Adelskreisen, wurde früher meist nicht aus Liebe geschlossen - Hochzeiten waren politische Ereignisse, das Schicksal ganzer Länder hing von ihnen ab.

Das Herzogtum Kleve wurde in den Jahren 1400 bis 1600 durch geschickte Heiratspolitik zu einer wichtigen Macht in Europa. Den Anfang dieses Aufstiegs macht das Konzil von Konstanz. Hier wurden die Grafen von Kleve 1415/1416 (Anmerkung: Hier irrt der Autor, richtig ist 1417.) in den Herzogstand erhoben.

Denn der damalige Graf von Kleve, Adolf II., hatte Maria von Burgund geheiratet - und damit die Beneluxstaaten und Nordostfrankreich unter seine Kontrolle gebracht. Kleve wurde somit zu einem der reichsten Staaten Europas, aus Graf Adolf II. wurde Herzog Adolf I. - und seine Kinder konnte Adolf jetzt europäisch bedeutsam verheiraten. Was er auch tat: Seine Tochter Maria schloss die Ehe mit Charles d'Orléans, womit die Grundlage für das Ende des Hundertjährigen Krieges zwischen England und Frankreich geschaffen wurde (die Tochter Marias heiratete später den König von Frankreich, was zu einem so starken Bündnis auf dem Festland führte, dass England aufgeben musste und sich aus Europa zurückzog).

Agnes, die zweite Tochter Adolfs, wurde mit Carlos de Viana liiert, dem Thronerben von Navarra, Katalanien, Aragon, Neapel und Sizilien: der klevische Einflussbereich dehnte sich somit bis in tiefste Spanien aus.

Der älteste Sohn Adolfs, Johann, der spätere Herzog Johann I. , heiratete Elisabeth aus dem französischen Königshaus Valois, und holte somit das Loire-Gebiet in den Besitz Kleves.

Das letzte Kind des Herzogs, ebenfalls Adolf genannt, heiratete in Portugal ein - und arrangierte später in Brüssel die wichtigste Hochzeit des Jahrtausends: die Heirat zwischen Kaiser Maximilian und Maria von Burgund, die um 1480 geschlossen wurde und die den Aufstieg der Habsburger zur Weltmacht zur Folge hatte.

1573 wurde in Frankfurt eine weitere immens wichtige Klever Hochzeit gefeiert - die Tochter Wilhelm V., Maria Eleonore, heiratete den Herzog von Preußen, Albrecht Friedrich. Ohne diese Heirat wäre Berlin heute nicht Hauptstadt. Denn die älteste Tochter des Paares heiratete den Kurfürsten von Brandenburg, womit ein riesiges Reich entstand - von der Maas bis an die Memel

 

zuletzt aktualisiert am 20.09.2005