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Wir
fahren mit dem Zuge von Nijmegen nach 's Hertogenbosch. Brabant
ist schneller erreicht als erwartet. Da drüben liegt schon die
Maas, und gleich am jenseitigen Ufer beginnt die andere Provinz.
Von
der Eisenbahnbrücke aus ein hübscher Ausblick auf den Fluss
unter uns, die gemächliche Fähre, den ersten Brabanter Ort, der
bis dicht an das Wasser reicht. Hohe Bäume mit dichten Kronen,
eine Kirche, eine Windmühle, dicht zusammengescharte Häuser, ein
kleiner Bahnhof.
Unser
Zug hält nicht, er rollt weiter.
Wie hieß doch die Station? Haben wir richtig gelesen: Ravenstein?
Der Schaffner bestätigt es uns; er erklärt, dass nur einfache
Personenzüge hier halten: ab Nijmegen jede Stunde, während des
Berufsverkehrs auch halbstündlich.
Ravenstein...
. Längst sind wir weiter, da beschäftigt uns immer noch dieser
Name, der so vertraut klingt, als würden wir ihn gut kennen. Und
dann fällt es uns plötzlich ein: die letzten Klever Herzöge
waren Herren in Ravenstein. Auf Dokumenten kann man es lesen,
unter Bildnissen steht es geschrieben, bei Stiftungen erwähnt,
und auch auf dem Grabmal Wilhelms des Reichen ist es eingemeißelt;
Johann Wilhelm widmete das kunstvolle Monument in der
Lambertuskirche von Düsseldorf seinem Vater, »dem
Durchlauchtigsten Fürsten, Wilhelm, Herzog von Jülich, Kleve,
Berg, Grafen von Mark und Ravensberg, Herrn in Ravenstein ... . «
Wären
wir vierhundert Jahre früher an das südliche Maasufer gereist,
dann hätten wir uns hier auf klevischem Boden befunden. Dieser
Gedanke macht uns Spaß; er reizt zu einem neuen Ausflugsplan.
Von
Kleve aus ist es nur ein Katzensprung bis nach Ravenstein, zumal
man sich den Weg mit dem Wagen durch den Reichswald verkürzen
kann. Buslinien führen nicht unmittelbar dorthin. Wir selbst wählen
für die erste nähere Bekanntschaft mit dem alten Städtchen
wiederum die Eisenbahn, weil uns der Blick von der Maas her so gut
gefallen hat.
Von
Nijmegen aus brauchen wir genau eine Viertelstunde für die Fahrt.
Schon die zweite Station ist Ravenstein. Der Bahnhof liegt am Ende
der Ortschaft. Wir müssen ein Stück zurückgehen, um zum
Stadtkern zu gelangen. Auf einem Hügel steht ein Kloster, der
Kirchturm des benachbarten Dorfes Herpen ist zu sehen, gepflegte
Einfamilienhäuser rücken näher heran, Pappeln rauschen, Weiden
bauschen sich. Bald haben wir die Schlossgracht erreicht, die das
alte Ravenstein lückenlos umschließt und von einem stattlichen
Wall nach außen hin abgesichert ist. Man spürt noch heute, dass
Wall und Graben dem Schutze einer Festung dienten. Doch liegt
jetzt ein romantischer Zug über dieser ursprünglich gegen den
Feind gerichteten Anlage. Schwäne gleiten ruhig übers Wasser,
Enten tummeln sich munter und geschwätzig. Ein Angler hofft auf
einen guten Fang. Viel Grün ist überall angepflanzt. Am meisten
gefällt uns der dichte Kranz alter Bäume.
Vorn
Schloss ist nichts mehr zu sehen. Ein paar alte Mauerreste stecken
noch tief im Boden. Doch sagen Bezeichnungen wie »0ude slot« und
»Kasteelse Plaats« noch aus, wo die Burg einst stand; und die »Hertogswetering«
wie die »Kleefsestraat« weisen auf die einstige Zusammengehörigkeit
mit dem Herzogtum Kleve hin, ebenso wie der »Keurvorstenplein«
und die »Brandenburgerstraat« an den weiteren Geschichtsverlauf
erinnern.
Will
man berichten, wie Ravenstein entstand, dann muss man mit dem noch
älteren Herpen beginnen, dessen Kirchturm wir schon bei unserer
Ankunft sahen. Bewohnt war das Land an der Maas bereits vor
Christi Geburt. Bodenfunde bestätigen Niederlassungen der Römer;
und man weiß auch, dass es in der Gegend vier römische Fährstationen
gab. Zur Zeit der Franken soll St. Willibrord sich hier
aufgehalten haben.
Die
ältesten schriftlich belegten Geschichtsquellen stammen aus
Herpen, das 816 zuerst genannt wird. 870 wird durch den Grafen
Ansfridus das Patronatsrecht über die Kirche von Herpen an die
Abtei von Lorsch übertragen. 1191 wird in der Burg zu Herpen eine
Schenkungsurkunde für die Abtei von Bern gezeichnet und
versiegelt.
Von
einem der Herren von Herpen heißt es 1159:
»hem
sach men uten sadele werpen
menighen man, met sulcker nide,
dat hem die ribben in de side
moesten bughen ende craken.«
Durch
Heirat gelangt die »Heerlijkheid Herpen« Ende des zwölften
Jahrhunderts an Hendrik van Cuijk, dessen ältester Enkel das
angestammte Land, dessen zweiter Enkel Herpen übernimmt. In
dieser Linie vererbt es sich, bis der letzte männliche Nachfolger
stirbt und dessen Schwester Maria Herpen bekommt. Sie heiratet Jan
van Valkenburg. Ihrer beider Sohn, Walraven van Valkenburg, lässt
die Burg zu Herpen abreißen und baut aus dem gleichen Material
eine Festung unmittelbar an der Maas, in einer für die
Verteidigung günstigeren Lage.
Er
hat allen Grund dazu, weil er sich durch einen ungerechtfertigten
Zoll, den er den Maasschiffen abzwingt, Feinde geschaffen hat. Es
kommt deswegen zu Auseinandersetzungen mit dem Herzog von Brabant,
der die neue Festung vergeblich belagert und schließlich
nachgibt. Die Burg, in deren Schutz sich bald Handelsleute und
Handwerker ansiedeln, muss bereits 1360 fertig gewesen sein, denn
in mehreren Urkunden aus dieser Zeit spricht Walraven von »onze
stad Ravenstein«. Der Name soll durch die Verbindung der Begriffe
Burg = Stein und Gräben = Raven zurückzuführen sein. Andere
vermuten, dass der Name des Erbauers darin weiterlebt.
Auf
Walraven folgt sein Halbbruder Reinout und danach dessen Neffe
Simon van Salm. Dieser gerät in Streit mit Herzog Adolf von
Kleve, wird gefangengenommen und muss Ravenstein gegen seine
Freilassung einsetzen. Seither führt das Land von Ravenstein das
Wappen von Kleve in gleicher oder leicht abgewandelter Form.
Adolfs II. ältester Sohn wird Herzog von Kleve, sein
zweiter Sohn Adolf Herr in Ravenstein. Sowohl dieser junge
Adolf wie auch dessen Sohn Philipp zeichnen sich als Feldherren in
Burgund aus und gewinnen großes Ansehen bei Hofe. Noch heute heißt
in Brüssel eine Straße nach ihnen »rue Ravenstein«.
Im
Jahre 1526 ernennt Philipp seinen Neffen Wilhelm den Reichen zu
seinem Universalerben. Doch wird der Herzog, nachdem er sich mit
Karl V. in die geldrischen Erbfolgekriege verwickelt hat, im
Vertrag von Venlo 1543 verpflichtet, die Festungsanlagen von
Ravenstein zu schleifen. Das Schloss selbst darf stehen bleiben.
Es übersteht glücklicherweise auch den großen Brand, der
Ravenstein im Jahre 1606 heimsucht. Außer dem Schloss ist nur
noch ein einziges Haus bewohnbar. Eine Erinnerungstafel hält das
schreckliche Ereignis im Gedächtnis.
Mit
dem Wiederaufbau wird sofort begonnen. Die Bevölkerung ist tüchtig.
Drei Jahre später stirbt Johann Wilhelm, der nach dem Tode seines
Vaters Wilhelm (1592) regierte, kinderlos. Das Klever Herzogshaus
ist damit erloschen. Im Erbfolgekrieg wird für Ravenstein zunächst
eine vorläufige Lösung gefunden: Brandenburg und Neuburg übernehmen
die Herrschaft zusammen, ab 1614 Brandenburg allein. Im Jahre 1630
wird dem Herzog Wolfgang Wilhelm von Neuburg das Ravensteiner Land
zugesprochen; ihm folgen 1647 Philipp Wilhelm, Pfalzgraf von
Neuburg, 1690 Johann Wilhelm, Kurfürst von der Pfalz (der als
einziger aus seinem Hause wenigstens für einige Tage auf Schloss
Ravenstein residiert), 1716 sein Bruder Karl Philipp, danach bis
zum Einfall der Franzosen (1794) Karl Theodor, Prinz von Sulzbach.
Von den Franzosen an die Batavische Republik verkauft, dann dem Königreich
Holland zugeschlagen, Frankreich einverleibt und schließlich nach
dem Wiener Kongress (1815) endgültig dem Königreich der
Niederlande zugehörig, erlebt Ravenstein eine wechselvolle
Geschichte.
Kaum
aufzuzählen, wie oft es im Laufe dieser Jahre besetzt gewesen
ist: durch holländische Soldaten, die neue Befestigungen anlegen,
immer wieder durch die Franzosen, die sie zerstören und die das
Schloss als Kaserne und als Lazarett benutzen. Was von dem einst
so stattlichen Gebäude übrigbleibt, scheint den Ravensteinern
den Aufbau nicht wert; sie reißen es 1818 ab.
Trotz
all der unruhigen Jahre haben sich die Ravensteiner immer zu
helfen gewusst. Beispielhaft ist ihre Kirchenlotterie: sie haben
sie 1729 gegründet, um statt der vorhandenen kleinen eine größere
und schönere Kirche bauen zu können: die St. Luciakirche, einen
schönen Kuppelbau, der heute noch steht und wertvolles Silber
beherbergt. Es bleibt genug Kapital übrig, um eine Lateinschule
und eine Französische Schule einzurichten, dem Stadtdoktor und
der Hebamme jährliche feste Zulagen für die unentgeltlich zu
behandelnden Bedürftigen der Stadt zu geben; schließlich wird
Geld als Hypotheken ausgeliehen. Und selbst heute besteht noch aus
der damaligen, so überraschend einträglichen Lotterie ein Fonds
- jährlich 3500 Gulden -, der für bestimmte gemeinnützige
Zwecke verwendet wird. Seit der Franzosenzeit sind keine Lose mehr
verkauft worden.
In
unmittelbarer Nachbarschaft der Kirche erinnern zwei Kapellen an
die Jesuiten, die sich 1773 in Ravenstein niederließen, das
Gymnasium Aloysianum leiteten und ein Noviziat einrichteten, bis
sie Mitte des vorigen Jahrhunderts ihren Sitz nach Velp verlegten.
Die älteste Kirche der Stadt, die reformierte Kirche (1641
erbaut) können wir leider nicht besichtigen; sie wird gerade
restauriert und soll noch im Laufe dieses Jahres wieder zugänglich
sein.
Viele
hübsche alte Winkel gibt es in Ravenstein, schmale Gassen,
malerische Durchblicke, Häuser von kleinbürgerlicher
Bescheidenheit und andere, die deftig und stattlich aussehen wie
das Rathaus. Wo neu gebaut wurde, ist es behutsam geschehen. Zwei
Stadttore, das Maastor und das Schlosstor, sind noch erhalten.
Wall und Graben verleihen der Stadt den Eindruck traulicher
Geborgenheit. Hochauf reckt sich eine Windmühle; sie ist weit über
hundert Jahre alt und mahlt immer noch das Getreide.
Über
die Wälle hinaus hat sich die Stadt kräftig ausgedehnt. Schmucke
Häuser liegen dort, Wohnungen für ältere Leute, Schulen.
Innerhalb von sechs Jahren sind in Ravenstein sechs Schulen gebaut
worden! Auch die Industrie liegt außerhalb; die meisten ihrer
Bauten fügen sich gut in das Bild der wachsenden Stadt ein.
Ausnahmen gibt es leider auch hier: eine Anlage, die uns den Blick
gerade dort verstellt, wo wir ihn gern frei schweifen lassen möchten.
Für
viele Menschen ist Arbeit genug vorhanden. Es werden Herren- und
Jugendschuhe hergestellt, Viehfutter, Möbel, Installationen für
Schwimmbäder und bald auch Kraftwagen eines deutschen. Werkes. Außerdem
findet sich hier eine Anzahl kleinerer Betriebe. Eine ansehnliche
Töpferei - mitten im. Ort, wohin sie am besten passt - fertigt
Blumentöpfe und gärtnerische Keramik, Schalen, Vasen und Krüge
an, die einfache Ware in Pressformen, also industriell, die
femeren Sachen handwerklich auf der Töpferscheibe gedreht.
Die
Stadt hält auf Tradition und Geselligkeit. Sie hat eine eigene
Kapelle und eine Reihe von Vereinen. Und natürlich feiert sie
auch Kirmes, vier Tage lang! Jeweils am dritten Samstag im Juli fängt
die Kirmes an. Ihr schönster Tag ist der Montag mit dem
Vogelschießen, das die »St.-Barbara-Schützengilde oder
-bruderschaft« durchführt und mit Medaillen belohnt. Um die Königswürde
wird nur alle drei Jahre geschossen. Und wer das Glück hat, wie
der letzte König, dreimal hintereinander König zu werden, der
erringt die Würde eines Schützenkaisers. Ich habe den Kaiser
kennengelernt. Er hat mir alles Schützensilber gezeigt: das Königssilber,
das der neue König trägt, das Preissilber, das dem alten König
ein Trost sein soll, und das Kaisersilber, bei dem an einer
Brustplatte drei große Vögel hängen. (Seit 1816 führt die Stadt
einen Raben im Wappen.)
Auch die beiden ersten Ketten bestehen mehr aus Platten als aus
Gliedern. Jeder neue König - ebenso wie jeder alte König - fügt
seiner Kette, ehe er sie weitergeben muss, einen silbernen Schild
in Form eines Wappens an; mehrere tragen die drei Kleeblätter aus
dem Klever Wappen eingraviert, auch noch im späten achtzehnten
Jahrhundert; andere sind Anspielungen auf den Beruf des Schützenkönigs;
die älteste zeigt die Jahreszahl 1649. Obwohl in Notzeiten manche
Silberplatte verkauft wurde (im Museum von 's Hertogenbosch ist
eine davon zu sehen), haben sich derart viele Platten angesammelt,
dass man die Ketten verstärken musste. Sie bestehen aus je einer
breiten Brust- und einer Nackenplatte, die durch Ketten
miteinander verbunden sind. An beiden großen, kragenartigen
Platten hängen die vielen Schilder, wiederum durch Ketten
verbunden, herab, so dass das Ganze fast wie ein Umhang aus Silber
anzusehen ist.
Vom
Silberschatz abgesehen, ist die Schützengilde auch sonst nicht
arm; sie verfügt über feste, zum Teil durch Urkunden
zugesicherte Einnahmen, - und sie hat sie wohl verdient: Im
vierzehnten Jahrhundert hauste im Ravensteiner Land, vor allem in
Herpen, Reck und Schayk, die Pest derart, dass die Leichen nicht
bestattet werden konnten. Da kam die Bruderschaft - man weiß
heute nicht mehr, ob sie schon bestand oder sich zur Hilfeleistung
erst zusammenschloss -, begrub die Toten und pflegte die Kranken.
Tatsächlich wurde der Pest dadurch Einhalt geboten. Aus
Dankbarkeit dafür stifteten die Bauern aus jenen drei Ortschaften
von bestimmten Stücken Ackerlandes jeweils den Zehnten der Ernte.
Das blieb so bis auf den heutigen Tag. Nur hat man in neuerer Zeit
den Anteil der Getreideernte in Gulden umgerechnet und zahlt die
Beträge aus, weil es so einfacher ist. Doch weiß sich der
jetzige Schützenkaiser gut zu erinnern, dass sein Vater noch mit
dem Karren fortgefahren ist und den Roggen für die Bruderschaft
eingeholt hat.
Stolz
ist die Stadt auch auf den 1840 hier geborenen Ignarius Maria Wils,
der sich mit siebzehn Jahren ins soldatische Abenteuer stürzte,
zuerst in Rom, dann an der Seite von Don Carlos in Spanien, danach
1870/71 in Frankreich, und ab 1872 wieder in Spanien, wo er ein
Jahr später, erst fünfundzwanzigjährig, als Oberstleutnant
fiel. Sein lebensgroßes Porträt hängt im alten Ratssaal. Dort
wird auch sein Schwert aufbewahrt und die Ernennungsurkunde, die
er bei seinem Tode in der Brusttasche trug.
Ein
weitaus bescheideneres Bild ist im neuen Rathaus zu sehen: »Carl
Theodor von Pfalz-Sulzbach, hertog von Julich-Cleve-Berg etc.
regeerde over Ravenstein van 1742-1794«. Die Titel stimmen zwar
nicht ganz - Kleve hat nie zur Pfalz gehört -, aber es macht mir
doch Freude, festzustellen, dass die Erinnerung an die Zugehörigkeit
zu Kleve sich nicht vergessen lässt und immer wieder zwischen
andere Erinnerungen drängt.
Zwei
Hotels gibt es in Ravenstein. Das eine, mitten im Ort, nennt sich
auf dem ansprechenden Wirtshausschild stolz »De Keurvorst van de
Pfaltz«. Das andere, unmittelbar an der Maas gelegen und seiner
einstigen Bestimmung nach »'t Veerhuis« (das Fährhaus) benannt,
hat vor wenigen. Jähren seinen Speisesaal neu ausmalen lassen.
Natürlich führte der Maler neben den für die Stadttypischen
Motiven auch das Wappen mit dem Raben aus, aber ebenso selbstverständlich
setzte er einen großen Schwan unter die Ansicht von Ravenstein.
Da
Ravenstein zu Brabant gehört, kann man hier auch die
traditionelle »Brabantse Koffietafel« bekommen; sie enthält
(der Brabanter Dialekt wird auf der Speisekarte beibehalten):
Boere-soep, Roggebrood, Boere-mik (Weißbrot), Rezijne-mik
(Rosinenbrot), Bestelle (Anisbrötchen), Mikkemanne (Weckenmann
als Tafelverzierung, mit einem gekochten Ei im Arm), Peperkoek,
Goei boter (Rahmbutter), Vette kees (vollfetten Bauernkäse),
Eijer, Gekokte ham, Raauwe ham, Boere-metworst, Zult (Sülze),
Stroop (Rübenkraut), Honig, Jam, 'n Bakje leut (ein Täßchen
Kaffee), Warm van de koei (Milch, warm von der Kuh - jetzt natürlich
aus der Molkerei), Kandij-kluntjes (Kandiszucker).
Es
wird auf Brabanter Tischtüchern - rotweiß gewürfelt -
aufgetragen, selbstverständlich in Brabanter Geschirr, das weißgrundig
ist und ein stilisiertes Blumenmuster in Blau, Rot, Grün und Gelb
zeigt. Auf Bestellung kann man sich auch von Mädchen in Brabanter
Tracht bedienen lassen. Das ist dann ganz stilecht. Vor ein paar Jähren
wurde einmal sogar eine »Brabantse Koffietafel« für ein paar
hundert Gäste mitten auf dem. Markt aufgebaut, wie in alten
Zeiten.
Das
Städtchen selbst ist klein. Es hat nur 2500 Einwohner. Mit den
umliegenden Kirchdörfern kommen insgesamt 6700 Einwohner
zusammen. Das »Land von Ravenstein« umfasste früher außer der
Stadt selbst noch die Dörfer Neder- und Overlangel, Demen,
Dennenburg, Huisseling, Herpen, Schayk, Reek, Velp, Zeeland, Uden,
Volkel und Boekel mit ihrem Umland. Davon sind auf die Dauer nur
die ersten fünf Dörfer bei Ravenstein geblieben. Nach und nach
kamen Neerloon, Dieden, Deursen und seit der letzten
Maasregulierung Keent hinzu. Auch Herpen, auf das Ravenstein in
seinem Ursprung zurückgeht, gehört jetzt erneut zu Ravenstein.
Am 1. April 1941 ist es eingemeindet worden.
Wir
sprechen mit dem Beamten, der von dort übernommen wurde.
Vorsichtig forsche ich nach, ob er sich noch an ein Klever Wappen
oder Symbol erinnern kann, vielleicht an einen Schwan? »lm Wappen
von Herpen war immer ein
Schwan«, antwortet er stolz. »Auch unser Gemeindestempel hatte
einen Schwan«, fügt er mit Nachdruck hinzu, »Ich habe damit
gestempelt bis zum letzten Tage!«
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