Erna Adelmeier:

Bis hierher flog der Klever Schwan: Eindrücke aus Ravenstein an der Maas

Kalender für das Klever Land - Auf das Jahr 1970, Kleve 1969, S. 147 ff

 

Das Schloss der Herren von Ravenstein - Kupferstich, Museum Kurhaus Kleve.

 

Wir fahren mit dem Zuge von Nijmegen nach 's Hertogenbosch. Brabant ist schneller erreicht als erwartet. Da drüben liegt schon die Maas, und gleich am jenseitigen Ufer beginnt die andere Provinz. 

Von der Eisenbahnbrücke aus ein hübscher Ausblick auf den Fluss unter uns, die gemächliche Fähre, den ersten Brabanter Ort, der bis dicht an das Wasser reicht. Hohe Bäume mit dichten Kronen, eine Kirche, eine Windmühle, dicht zusammengescharte Häuser, ein kleiner Bahnhof. 

Unser Zug hält nicht, er rollt weiter.


Wie hieß doch die Station? Haben wir richtig gelesen: Ravenstein? Der Schaffner bestätigt es uns; er erklärt, dass nur einfache Personenzüge hier halten: ab Nijmegen jede Stunde, während des Berufsverkehrs auch halbstündlich.

Ravenstein... . Längst sind wir weiter, da beschäftigt uns immer noch dieser Name, der so vertraut klingt, als würden wir ihn gut kennen. Und dann fällt es uns plötzlich ein: die letzten Klever Herzöge waren Herren in Ravenstein. Auf Dokumenten kann man es lesen, unter Bildnissen steht es geschrieben, bei Stiftungen erwähnt, und auch auf dem Grabmal Wilhelms des Reichen ist es eingemeißelt; Johann Wilhelm widmete das kunstvolle Monument in der Lambertuskirche von Düsseldorf seinem Vater, »dem Durchlauchtigsten Fürsten, Wilhelm, Herzog von Jülich, Kleve, Berg, Grafen von Mark und Ravensberg, Herrn in Ravenstein ... . «

Wären wir vierhundert Jahre früher an das südliche Maasufer gereist, dann hätten wir uns hier auf klevischem Boden befunden. Dieser Gedanke macht uns Spaß; er reizt zu einem neuen Ausflugsplan. 

Von Kleve aus ist es nur ein Katzensprung bis nach Ravenstein, zumal man sich den Weg mit dem Wagen durch den Reichswald verkürzen kann. Buslinien führen nicht unmittelbar dorthin. Wir selbst wählen für die erste nähere Bekanntschaft mit dem alten Städtchen wiederum die Eisenbahn, weil uns der Blick von der Maas her so gut gefallen hat.

Von Nijmegen aus brauchen wir genau eine Viertelstunde für die Fahrt. Schon die zweite Station ist Ravenstein. Der Bahnhof liegt am Ende der Ortschaft. Wir müssen ein Stück zurückgehen, um zum Stadtkern zu gelangen. Auf einem Hügel steht ein Kloster, der Kirchturm des benachbarten Dorfes Herpen ist zu sehen, gepflegte Einfamilienhäuser rücken näher heran, Pappeln rauschen, Weiden bauschen sich. Bald haben wir die Schlossgracht erreicht, die das alte Ravenstein lückenlos umschließt und von einem stattlichen Wall nach außen hin abgesichert ist. Man spürt noch heute, dass Wall und Graben dem Schutze einer Festung dienten. Doch liegt jetzt ein romantischer Zug über dieser ursprünglich gegen den Feind gerichteten Anlage. Schwäne gleiten ruhig übers Wasser, Enten tummeln sich munter und geschwätzig. Ein Angler hofft auf einen guten Fang. Viel Grün ist überall angepflanzt. Am meisten gefällt uns der dichte Kranz alter Bäume. 

Vorn Schloss ist nichts mehr zu sehen. Ein paar alte Mauerreste stecken noch tief im Boden. Doch sagen Bezeichnungen wie »0ude slot« und »Kasteelse Plaats« noch aus, wo die Burg einst stand; und die »Hertogswetering« wie die »Kleefsestraat« weisen auf die einstige Zusammengehörigkeit mit dem Herzogtum Kleve hin, ebenso wie der »Keurvorstenplein« und die »Brandenburgerstraat« an den weiteren Geschichtsverlauf erinnern.

Will man berichten, wie Ravenstein entstand, dann muss man mit dem noch älteren Herpen beginnen, dessen Kirchturm wir schon bei unserer Ankunft sahen. Bewohnt war das Land an der Maas bereits vor Christi Geburt. Bodenfunde bestätigen Niederlassungen der Römer; und man weiß auch, dass es in der Gegend vier römische Fährstationen gab. Zur Zeit der Franken soll St. Willibrord sich hier aufgehalten haben. 

Die ältesten schriftlich belegten Geschichtsquellen stammen aus Herpen, das 816 zuerst genannt wird. 870 wird durch den Grafen Ansfridus das Patronatsrecht über die Kirche von Herpen an die Abtei von Lorsch übertragen. 1191 wird in der Burg zu Herpen eine Schenkungsurkunde für die Abtei von Bern gezeichnet und versiegelt. 

Von einem der Herren von Herpen heißt es 1159:

»hem sach men uten sadele werpen
menighen man, met sulcker nide,
dat hem die ribben in de side
moesten bughen ende craken.« 

Durch Heirat gelangt die »Heerlijkheid Herpen« Ende des zwölften Jahrhunderts an Hendrik van Cuijk, dessen ältester Enkel das angestammte Land, dessen zweiter Enkel Herpen übernimmt. In dieser Linie vererbt es sich, bis der letzte männliche Nachfolger stirbt und dessen Schwester Maria Herpen bekommt. Sie heiratet Jan van Valkenburg. Ihrer beider Sohn, Walraven van Valkenburg, lässt die Burg zu Herpen abreißen und baut aus dem gleichen Material eine Festung unmittelbar an der Maas, in einer für die Verteidigung günstigeren Lage. 

Er hat allen Grund dazu, weil er sich durch einen ungerechtfertigten Zoll, den er den Maasschiffen abzwingt, Feinde geschaffen hat. Es kommt deswegen zu Auseinandersetzungen mit dem Herzog von Brabant, der die neue Festung vergeblich belagert und schließlich nachgibt. Die Burg, in deren Schutz sich bald Handelsleute und Handwerker ansiedeln, muss bereits 1360 fertig gewesen sein, denn in mehreren Urkunden aus dieser Zeit spricht Walraven von »onze stad Ravenstein«. Der Name soll durch die Verbindung der Begriffe Burg = Stein und Gräben = Raven zurückzuführen sein. Andere vermuten, dass der Name des Erbauers darin weiterlebt. 

Auf Walraven folgt sein Halbbruder Reinout und danach dessen Neffe Simon van Salm. Dieser gerät in Streit mit Herzog Adolf von Kleve, wird gefangengenommen und muss Ravenstein gegen seine Freilassung einsetzen. Seither führt das Land von Ravenstein das Wappen von Kleve in gleicher oder leicht abgewandelter Form. Adolfs II. ältester Sohn wird Herzog von Kleve, sein zweiter Sohn Adolf Herr in Ravenstein. Sowohl dieser junge Adolf wie auch dessen Sohn Philipp zeichnen sich als Feldherren in Burgund aus und gewinnen großes Ansehen bei Hofe. Noch heute heißt in Brüssel eine Straße nach ihnen »rue Ravenstein«. 

Im Jahre 1526 ernennt Philipp seinen Neffen Wilhelm den Reichen zu seinem Universalerben. Doch wird der Herzog, nachdem er sich mit Karl V. in die geldrischen Erbfolgekriege verwickelt hat, im Vertrag von Venlo 1543 verpflichtet, die Festungsanlagen von Ravenstein zu schleifen. Das Schloss selbst darf stehen bleiben. Es übersteht glücklicherweise auch den großen Brand, der Ravenstein im Jahre 1606 heimsucht. Außer dem Schloss ist nur noch ein einziges Haus bewohnbar. Eine Erinnerungstafel hält das schreckliche Ereignis im Gedächtnis. 

Mit dem Wiederaufbau wird sofort begonnen. Die Bevölkerung ist tüchtig. Drei Jahre später stirbt Johann Wilhelm, der nach dem Tode seines Vaters Wilhelm (1592) regierte, kinderlos. Das Klever Herzogshaus ist damit erloschen. Im Erbfolgekrieg wird für Ravenstein zunächst eine vorläufige Lösung gefunden: Brandenburg und Neuburg übernehmen die Herrschaft zusammen, ab 1614 Brandenburg allein. Im Jahre 1630 wird dem Herzog Wolfgang Wilhelm von Neuburg das Ravensteiner Land zugesprochen; ihm folgen 1647 Philipp Wilhelm, Pfalzgraf von Neuburg, 1690 Johann Wilhelm, Kurfürst von der Pfalz (der als einziger aus seinem Hause wenigstens für einige Tage auf Schloss Ravenstein residiert), 1716 sein Bruder Karl Philipp, danach bis zum Einfall der Franzosen (1794) Karl Theodor, Prinz von Sulzbach. Von den Franzosen an die Batavische Republik verkauft, dann dem Königreich Holland zugeschlagen, Frankreich einverleibt und schließlich nach dem Wiener Kongress (1815) endgültig dem Königreich der Niederlande zugehörig, erlebt Ravenstein eine wechselvolle Geschichte.

Kaum aufzuzählen, wie oft es im Laufe dieser Jahre besetzt gewesen ist: durch holländische Soldaten, die neue Befestigungen anlegen, immer wieder durch die Franzosen, die sie zerstören und die das Schloss als Kaserne und als Lazarett benutzen. Was von dem einst so stattlichen Gebäude übrigbleibt, scheint den Ravensteinern den Aufbau nicht wert; sie reißen es 1818 ab. 

Trotz all der unruhigen Jahre haben sich die Ravensteiner immer zu helfen gewusst. Beispielhaft ist ihre Kirchenlotterie: sie haben sie 1729 gegründet, um statt der vorhandenen kleinen eine größere und schönere Kirche bauen zu können: die St. Luciakirche, einen schönen Kuppelbau, der heute noch steht und wertvolles Silber beherbergt. Es bleibt genug Kapital übrig, um eine Lateinschule und eine Französische Schule einzurichten, dem Stadtdoktor und der Hebamme jährliche feste Zulagen für die unentgeltlich zu behandelnden Bedürftigen der Stadt zu geben; schließlich wird Geld als Hypotheken ausgeliehen. Und selbst heute besteht noch aus der damaligen, so überraschend einträglichen Lotterie ein Fonds - jährlich 3500 Gulden -, der für bestimmte gemeinnützige Zwecke verwendet wird. Seit der Franzosenzeit sind keine Lose mehr verkauft worden.

In unmittelbarer Nachbarschaft der Kirche erinnern zwei Kapellen an die Jesuiten, die sich 1773 in Ravenstein niederließen, das Gymnasium Aloysianum leiteten und ein Noviziat einrichteten, bis sie Mitte des vorigen Jahrhunderts ihren Sitz nach Velp verlegten. Die älteste Kirche der Stadt, die reformierte Kirche (1641 erbaut) können wir leider nicht besichtigen; sie wird gerade restauriert und soll noch im Laufe dieses Jahres wieder zugänglich sein.

Viele hübsche alte Winkel gibt es in Ravenstein, schmale Gassen, malerische Durchblicke, Häuser von kleinbürgerlicher Bescheidenheit und andere, die deftig und stattlich aussehen wie das Rathaus. Wo neu gebaut wurde, ist es behutsam geschehen. Zwei Stadttore, das Maastor und das Schlosstor, sind noch erhalten. Wall und Graben verleihen der Stadt den Eindruck traulicher Geborgenheit. Hochauf reckt sich eine Windmühle; sie ist weit über hundert Jahre alt und mahlt immer noch das Getreide. 

Über die Wälle hinaus hat sich die Stadt kräftig ausgedehnt. Schmucke Häuser liegen dort, Wohnungen für ältere Leute, Schulen. Innerhalb von sechs Jahren sind in Ravenstein sechs Schulen gebaut worden! Auch die Industrie liegt außerhalb; die meisten ihrer Bauten fügen sich gut in das Bild der wachsenden Stadt ein. Ausnahmen gibt es leider auch hier: eine Anlage, die uns den Blick gerade dort verstellt, wo wir ihn gern frei schweifen lassen möchten.

Für viele Menschen ist Arbeit genug vorhanden. Es werden Herren- und Jugendschuhe hergestellt, Viehfutter, Möbel, Installationen für Schwimmbäder und bald auch Kraftwagen eines deutschen. Werkes. Außerdem findet sich hier eine Anzahl kleinerer Betriebe. Eine ansehnliche Töpferei - mitten im. Ort, wohin sie am besten passt - fertigt Blumentöpfe und gärtnerische Keramik, Schalen, Vasen und Krüge an, die einfache Ware in Pressformen, also industriell, die femeren Sachen handwerklich auf der Töpferscheibe gedreht. 

Die Stadt hält auf Tradition und Geselligkeit. Sie hat eine eigene Kapelle und eine Reihe von Vereinen. Und natürlich feiert sie auch Kirmes, vier Tage lang! Jeweils am dritten Samstag im Juli fängt die Kirmes an. Ihr schönster Tag ist der Montag mit dem Vogelschießen, das die »St.-Barbara-Schützengilde oder -bruderschaft« durchführt und mit Medaillen belohnt. Um die Königswürde wird nur alle drei Jahre geschossen. Und wer das Glück hat, wie der letzte König, dreimal hintereinander König zu werden, der erringt die Würde eines Schützenkaisers. Ich habe den Kaiser kennengelernt. Er hat mir alles Schützensilber gezeigt: das Königssilber, das der neue König trägt, das Preissilber, das dem alten König ein Trost sein soll, und das Kaisersilber, bei dem an einer Brustplatte drei große Vögel hängen. (Seit 1816 führt die Stadt einen Raben im Wappen.) Auch die beiden ersten Ketten bestehen mehr aus Platten als aus Gliedern. Jeder neue König - ebenso wie jeder alte König - fügt seiner Kette, ehe er sie weitergeben muss, einen silbernen Schild in Form eines Wappens an; mehrere tragen die drei Kleeblätter aus dem Klever Wappen eingraviert, auch noch im späten achtzehnten Jahrhundert; andere sind Anspielungen auf den Beruf des Schützenkönigs; die älteste zeigt die Jahreszahl 1649. Obwohl in Notzeiten manche Silberplatte verkauft wurde (im Museum von 's Hertogenbosch ist eine davon zu sehen), haben sich derart viele Platten angesammelt, dass man die Ketten verstärken musste. Sie bestehen aus je einer breiten Brust- und einer Nackenplatte, die durch Ketten miteinander verbunden sind. An beiden großen, kragenartigen Platten hängen die vielen Schilder, wiederum durch Ketten verbunden, herab, so dass das Ganze fast wie ein Umhang aus Silber anzusehen ist.

Vom Silberschatz abgesehen, ist die Schützengilde auch sonst nicht arm; sie verfügt über feste, zum Teil durch Urkunden zugesicherte Einnahmen, - und sie hat sie wohl verdient: Im vierzehnten Jahrhundert hauste im Ravensteiner Land, vor allem in Herpen, Reck und Schayk, die Pest derart, dass die Leichen nicht bestattet werden konnten. Da kam die Bruderschaft - man weiß heute nicht mehr, ob sie schon bestand oder sich zur Hilfeleistung erst zusammenschloss -, begrub die Toten und pflegte die Kranken. Tatsächlich wurde der Pest dadurch Einhalt geboten. Aus Dankbarkeit dafür stifteten die Bauern aus jenen drei Ortschaften von bestimmten Stücken Ackerlandes jeweils den Zehnten der Ernte. Das blieb so bis auf den heutigen Tag. Nur hat man in neuerer Zeit den Anteil der Getreideernte in Gulden umgerechnet und zahlt die Beträge aus, weil es so einfacher ist. Doch weiß sich der jetzige Schützenkaiser gut zu erinnern, dass sein Vater noch mit dem Karren fortgefahren ist und den Roggen für die Bruderschaft eingeholt hat.

Stolz ist die Stadt auch auf den 1840 hier geborenen Ignarius Maria Wils, der sich mit siebzehn Jahren ins soldatische Abenteuer stürzte, zuerst in Rom, dann an der Seite von Don Carlos in Spanien, danach 1870/71 in Frankreich, und ab 1872 wieder in Spanien, wo er ein Jahr später, erst fünfundzwanzigjährig, als Oberstleutnant fiel. Sein lebensgroßes Porträt hängt im alten Ratssaal. Dort wird auch sein Schwert aufbewahrt und die Ernennungsurkunde, die er bei seinem Tode in der Brusttasche trug. 

Ein weitaus bescheideneres Bild ist im neuen Rathaus zu sehen: »Carl Theodor von Pfalz-Sulzbach, hertog von Julich-Cleve-Berg etc. regeerde over Ravenstein van 1742-1794«. Die Titel stimmen zwar nicht ganz - Kleve hat nie zur Pfalz gehört -, aber es macht mir doch Freude, festzustellen, dass die Erinnerung an die Zugehörigkeit zu Kleve sich nicht vergessen lässt und immer wieder zwischen andere Erinnerungen drängt. 

Zwei Hotels gibt es in Ravenstein. Das eine, mitten im Ort, nennt sich auf dem ansprechenden Wirtshausschild stolz »De Keurvorst van de Pfaltz«. Das andere, unmittelbar an der Maas gelegen und seiner einstigen Bestimmung nach »'t Veerhuis« (das Fährhaus) benannt, hat vor wenigen. Jähren seinen Speisesaal neu ausmalen lassen. Natürlich führte der Maler neben den für die Stadttypischen Motiven auch das Wappen mit dem Raben aus, aber ebenso selbstverständlich setzte er einen großen Schwan unter die Ansicht von Ravenstein.  

Da Ravenstein zu Brabant gehört, kann man hier auch die traditionelle »Brabantse Koffietafel« bekommen; sie enthält (der Brabanter Dialekt wird auf der Speisekarte beibehalten): Boere-soep, Roggebrood, Boere-mik (Weißbrot), Rezijne-mik (Rosinenbrot), Bestelle (Anisbrötchen), Mikkemanne (Weckenmann als Tafelverzierung, mit einem gekochten Ei im Arm), Peperkoek, Goei boter (Rahmbutter), Vette kees (vollfetten Bauernkäse), Eijer, Gekokte ham, Raauwe ham, Boere-metworst, Zult (Sülze), Stroop (Rübenkraut), Honig, Jam, 'n Bakje leut (ein Täßchen Kaffee), Warm van de koei (Milch, warm von der Kuh - jetzt natürlich aus der Molkerei), Kandij-kluntjes (Kandiszucker). 

Es wird auf Brabanter Tischtüchern - rotweiß gewürfelt - aufgetragen, selbstverständlich in Brabanter Geschirr, das weißgrundig ist und ein stilisiertes Blumenmuster in Blau, Rot, Grün und Gelb zeigt. Auf Bestellung kann man sich auch von Mädchen in Brabanter Tracht bedienen lassen. Das ist dann ganz stilecht. Vor ein paar Jähren wurde einmal sogar eine »Brabantse Koffietafel« für ein paar hundert Gäste mitten auf dem. Markt aufgebaut, wie in alten Zeiten. 

Das Städtchen selbst ist klein. Es hat nur 2500 Einwohner. Mit den umliegenden Kirchdörfern kommen insgesamt 6700 Einwohner zusammen. Das »Land von Ravenstein« umfasste früher außer der Stadt selbst noch die Dörfer Neder- und Overlangel, Demen, Dennenburg, Huisseling, Herpen, Schayk, Reek, Velp, Zeeland, Uden, Volkel und Boekel mit ihrem Umland. Davon sind auf die Dauer nur die ersten fünf Dörfer bei Ravenstein geblieben. Nach und nach kamen Neerloon, Dieden, Deursen und seit der letzten Maasregulierung Keent hinzu. Auch Herpen, auf das Ravenstein in seinem Ursprung zurückgeht, gehört jetzt erneut zu Ravenstein. Am 1. April 1941 ist es eingemeindet worden.

Wir sprechen mit dem Beamten, der von dort übernommen wurde. Vorsichtig forsche ich nach, ob er sich noch an ein Klever Wappen oder Symbol erinnern kann, vielleicht an einen Schwan? »lm Wappen von Herpen war immer ein Schwan«, antwortet er stolz. »Auch unser Gemeindestempel hatte einen Schwan«, fügt er mit Nachdruck hinzu, »Ich habe damit gestempelt bis zum letzten Tage!«

zuletzt bearbeitet am 26.09.2008