Anlässlich seiner 1430 gefeierten Verbindung mit Prinzessin Isabella von Portugal stiftete Herzog Philipp von Burgund für die Angesehensten seiner Länder den Orden vom Goldenen Vlies. Weltliche Ritterorden stifteten im Spätmittelalter auch andere Souveräne, doch neben dem englischen Hosenbandorden sollte der heute noch lebende Orden vom Goldenen Vlies als habsburgischer Hausorden zum vornehmsten in der Christenheit werden. Dies kraft der Doppelstellung des Hauses Österreich in Spanien und im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, das Glanz und Ansehen zuvorderst seinem burgundischen Erbe verdankte. In jeder einzelnen Ordenskette - sie werden vom Ordenssouverän verliehen - konkretisiert sich die faszinierende Grundidee des Ordens vom Goldenen Vlies, nämlich die Vorstellung von der Gleichheit und Brüderlichkeit seiner Mitglieder, welche ihre Ordenszugehörigkeit wie ein untrennbares Band zusammenhält. Aus der Anfangszeit des Ordens hat sich nur dieses eine, aus separaten Gliedern zusammensetzbare Exemplar erhalten. An der frühest erhaltenen Kollane nimmt das ursprüngliche Formkonzept, nämlich den Gründungsgedanken zu veranschaulichen, exemplarisch Gestalt an: Aus losen Einzelelementen ersteht die Kollane nur dann als Ganzes, wenn alle ihre Glieder glücklich ineinander verhakt zusammenhängen - erst im Moment ihres Zusammenschlusses verhelfen sie sich zum gegenseitigen Halt.
Für jeden der 30 Ordensritter steht ein Feuereisen, auf den Ordenssouverän fallen aus Symmetriegründen zwei Feuereisen und Feuerstein sowie der damit geschlagene Funkenkranz waren länger schon die private Devise Herzogs Philipps. Nur das von der Kette herabhängende Kleinod, das Goldene Vlies selbst, bezieht sich ausschließlich und direkt auf den Orden vom Goldenen Vlies. Abzuleiten ist das Goldene Vlies zum einen alttestamentlich von Gideons Begnadungswunder mit dem betauten Widderfell, zum anderen aus der griechischen Mythologie: Jason und die Argonauten rauben das Goldene Vlies aus Kolchis.

Orden vom Goldenen Vlies

 

 

zuletzt aktualisiert am 25.09.2005