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Sieben-Schmerzen-Retabel

Jan Jessen

 

"In Kalkar entsteht ein bedeutsames Kunstwerk"

Douwermanns "Sieben Schmerzen"

 

NRZ vom 03. Juli 1999

 

"Wann Henrick Douwermann das Licht der Welt erblickte, ist im Dunkeln der Geschichte verborgen. Nur das Todesjahr des wohl bekanntesten niederrheinischen Bildhauers des ausgehenden Mittelalters ist überliefert: 1543 starb der Schnitzkünstler, dessen Werke mit dazu beitrugen, den Niederrhein zu einer wichtigen Kulturlandschaft erblühen zu lassen.

Als Geburtsort Douwermanns gilt Dinslaken, Beweise hierfür gibt es aber nicht. Er wurde bis 1506 in Kleve ausgebildet, als sein Lehrer gilt Dries Holthuis. In Kleve richtete Douwermann 1510 seine erste Werkstatt ein und heiratete.

Der begnadete Künstler fiel in Kleve vor allem durch die Schulden auf, die er gemeinsam mit seiner Frau machte. So lässt sich im Klever Schöffenbuch nachlesen, dass die beiden innerhalb von fünf Jahren mit gut 140 Gulden in der Kreide standen - eine für damalige Verhältnisse überaus hohe Summe. Warum Douwermann aber so hoch verschuldet war, bleibt fraglich.

Um 1517 zieht es Henrick Douwermann nach Kalkar - um dort 1518 den Auftrag für sein wohl bekanntestes und umfangreichstes Werk entgegenzunehmen: Das "Sieben - Schmerzen - Retabel" in der Kalkarer St.-Nicolai-Kirche. Als Retabeln bezeichnet man übrigens Aufsätze, die Altäre "krönen".

Als Auftraggeber des Werkes traten die Stadt Kalkar, die Kirche und die Kalkarer Marienbruderschaft auf - das Geld für das Retabel wurde von wohlhabenden Bürgern gespendet.

Gut vier Jahre arbeitete Douwermann an dem opulenten Werk, das noch heute als eines der beeindruckendsten Zeugnisse der Bildhauer-Kunst gilt. Ostern 1522 wurde das Retabel dann feierlich eingeweiht, sogar der Weihbischof kam zu dem Ereignis in die Hansestadt.

Insgesamt sind im reich ausgestatteten Retabel 148 Figuren zu sehen, die in einem Hintergrund von Architektur- und Landschaftsansichten eingebunden sind. Alle Figuren sind mit Liebe zum Detail geschnitzt, haben individuelle Gesichtszüge - für damalige Verhältnisse außergewöhnlich. Nach der Rentabel schuf der Künstler nur noch wenige, kleinere Werke." 

Besuchen Sie die Kirche Sankt Nicolai in Kalkar und erfahren Sie mehr über die großartige Kunst des Mittelalters am Niederrhein.

 

zuletzt aktualisiert am 03.10.2005