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Keine
Werbung für die Stadt
Mit
diesem Mann lässt sich für Kalkar keine Stadtwerbung machen.
Auch wenn Sonoy in der Geschichte des niederländischen
Aufstandes des 16. Jahrhunderts - dem Freiheitskampf gegen die
spanische Vorherrschaft - eine wichtige Position zukommt, gibt
es in der Geburtsstätte Kalkar keine Gedenktafel, die an den
Sohn der Stadt erinnert.
Archivarin
Anna Gamerschlag ist der Name Sonoy nur aus den Akten bekannt.
Ein Buch, eine Ausstellung oder größere wissenschaftliche
Arbeiten sind dem Blutsäufer bislang noch nicht gewidmet
worden. Verständlich: Im reichen Fundus des Kalkarer Archivs -
gespickt mit 1300 Urkunden - wird Sonoy nicht einmal erwähnt.
Wer will sich schon mit einem Mörder brüsten?
Die
Geschichte von Diederik Sonoy ist eine Geschichte des Unrechts.
Der Historiker Henk von Nierop zeigt schonungslos, wie der
Kalkarer Sohn in einen „dreckigen Krieg"; verstrickt war,
bei dem vor allem die Landbevölkerung
zu leiden hatte. Und in diesem
Gemetzel nimmt Sonoy eine
herausragende Stellung ein. Er
war der wichtigste Mitarbeiter
von Prinz Willem von Oranien, für den er militärische Feldzüge
vorbereitete und 1572 als Gouverneur in Nord-Holland - im
Noorderkwartier - Dienst schob, um Landesverräter festzunehmen
und verhören zu lassen.
Perfide
Phantasie
Sonoy
füllte diesen Auftrag mit einer reichlich perfiden Phantasie
aus, die auf keiner rechtlichen Grundlage beruhte: Bauern,
Landstreicher, Flüchtlinge und arme Bürger, die im Verdacht
standen, sich nicht der Sache Oraniens anzuschließen und zum
spanischen Erzfeind überzulaufen, drohte die Folterinquisition
des gebürtigen Niederrheiners und Geusenführers. „Als
Gouverneur war er ein gnadenloser Richter", erzählt der
Niederländer Henk van Nierop.
Grausamkeit
ohne Grenzen
Die
Grausamkeiten Sonoys kannten kaum Grenzen. „Und Willem von
Oranien hat ihm immer die schützende Hand über den Kopf
gehalten", meint van Nierop. Im Keller seines
Hauptquartiere Huis te Schagen wurden die fürchterlichsten
Foltermethoden ausgedacht. Autor van Nierop weiß zahlreiche
Beispiele in seinem Buch wirkungsvoll zu beschreiben. So etwa
die Geschichte der drei Bauern Pieter Nanningszoon sowie Coppen
und Nanning Corneliszoon aus Hoorn. Sonoy ließ die Unschuldigen
festnehmen und verlangte, dass sie sich des Landesverrates
schuldig erklärten. Insgesamt wurden die Brüder Corneliszoon
24 Mal unter Folter „verhört".
Coppen
Corneliszoon war als Erster dran. „Binnen weniger Tage",
so schreibt van Nierop, „wurde der alte Mann zehn Mal auf die
Streckbank gelegt und dabei seine Fußsohlen in einem
Schraubstock zerquetscht." Zudem wurde ein in Branntwein
getränktes Hemd am lebendigen Leib angezündet. „Drei Liter
Branntwein waren es, den Rest haben die Folterknechte selbst
getrunken", so van Nierop.
Die Folter auf der Streckbank war im 16. Jahrhundert nicht ungewöhnlich.
Doch die Lust von Sonoy war besonders pervers, und er ließ auch
für die damalige Zeit neue und abartige Methoden anwenden. Zum
Beispiel die Verwendung von Ratten: Das Tier wurde auf den Bauch
des Opfers gesetzt und unter einer speziellen Haube
eingesperrt. Darauf wurde ein Feuer entzündet. Die Ratte geriet
in Panik und tat das, was in ihrer Natur liegt - sie nagt...
Der
Amsterdamer Historiker van Nierop beschreibt dies alles in einer
erschreckenden Deutlichkeit. Diederik Sonoy wird als Monster
dargestellt. Er ging im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen,
über Leichenberge gar.
Nur
über zwei
Aufsätze bekannt
Dass
Diederik Sonoy, der 1592 in der Nähe von Groningen stirbt, der
geschichtsbewussten Stadt Kalkar kaum bekannt ist, ist
erstaunlich. Lediglich zwei Aufsätze des ehemaligen Klever
Museumsleiters Friedrich Gorissen aus den 60er Jahren sind
Archivarin Anna Gamerschlag bekannt. Für die Aufarbeitung der
Geschichte des - wie auch immer - „berühmten Sohn"
Kalkars bleibt daher noch einiges zu tun.
Henk
van Nierop: Het verraad van het Noorderkwartier. Oorlog, terreur
en recht in de Nederlandse Opstand. ISBN: 90 351 2018 3.
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