Diederik Sonoy

Andreas Gebbink

Mord war sein Hobby

HEIMATKUNDE / Vor 450 Jahren machte der Kalkarer Diederik Sonoy in den Niederlanden Karriere als Richter Gnadenlos.

Wir am Niederrhein - NRZ vom Freitag, den 25. Januar 2002

 

Einer neuen Foltermethode war Diederik Sonoy niemals abgeneigt. In seinem Keller muss es grausam zugegangen sein: Ratten, die sich durch menschliche Oberkörper fressen, entsetzliche Schreie verzweifelter Bauern, die bereits zum sechzehnten Mal auf der Streckbank gequält wurden. Diederik Sonoy hat sie alle auf dem Gewissen. Er war die rechte Hand Willem von Oraniens, Statthalter im Norden Hollands und regierte mit brutaler Härte. Diederik Sonoy war ein Kind vom Niederrhein. Geboren 1529 in Kalkar. Doch in seiner Heimatstadt ist die Karriere des Tyrannen kaum bekannt Der Amsterdamer Historiker Henk van Nierop hat die Geschichte von Dederik Sonoy in einem historischen Sachbuch aufgerollt.

Fotos: Universitätsbibliothek Amsterdam

 

Keine Werbung für die Stadt

Mit diesem Mann lässt sich für Kalkar keine Stadtwerbung machen. Auch wenn Sonoy in der Geschichte des niederländischen Aufstandes des 16. Jahrhunderts - dem Freiheitskampf gegen die spanische Vorherrschaft - eine wichtige Position zukommt, gibt es in der Geburtsstätte Kalkar keine Gedenktafel, die an den Sohn der Stadt erinnert.

Archivarin Anna Gamerschlag ist der Name Sonoy nur aus den Akten bekannt. Ein Buch, eine Ausstellung oder größere wissenschaftliche Arbeiten sind dem Blutsäufer bislang noch nicht gewidmet worden. Verständlich: Im reichen Fundus des Kalkarer Archivs - gespickt mit 1300 Urkunden - wird Sonoy nicht einmal erwähnt. Wer will sich schon mit einem Mörder brüsten?

Die Geschichte von Diederik Sonoy ist eine Geschichte des Unrechts. Der Historiker Henk von Nierop zeigt schonungslos, wie der Kalkarer Sohn in einen „dreckigen Krieg"; verstrickt war, bei dem vor allem die Landbevölkerung zu leiden hatte. Und in diesem Gemetzel nimmt Sonoy eine herausragende Stellung ein. Er war der wichtigste Mitarbeiter von Prinz Willem von Oranien, für den er militärische Feldzüge vorbereitete und 1572 als Gouverneur in Nord-Holland - im Noorderkwartier - Dienst schob, um Landesverräter festzunehmen und verhören zu lassen.

Perfide Phantasie

Sonoy füllte diesen Auftrag mit einer reichlich perfiden Phantasie aus, die auf keiner rechtlichen Grundlage beruhte: Bauern, Landstreicher, Flüchtlinge und arme Bürger, die im Verdacht standen, sich nicht der Sache Oraniens anzuschließen und zum spanischen Erzfeind überzulaufen, drohte die Folterinquisition des gebürtigen Niederrheiners und Geusenführers. „Als Gouverneur war er ein gnadenloser Richter", erzählt der Niederländer Henk van Nierop.

Grausamkeit ohne Grenzen

Die Grausamkeiten Sonoys kannten kaum Grenzen. „Und Willem von Oranien hat ihm immer die schützende Hand über den Kopf gehalten", meint van Nierop. Im Keller seines Hauptquartiere Huis te Schagen wurden die fürchterlichsten Foltermethoden ausgedacht. Autor van Nierop weiß zahlreiche Beispiele in seinem Buch wirkungsvoll zu beschreiben. So etwa die Geschichte der drei Bauern Pieter Nanningszoon sowie Coppen und Nanning Corneliszoon aus Hoorn. Sonoy ließ die Unschuldigen festnehmen und verlangte, dass sie sich des Landesverrates schuldig erklärten. Insgesamt wurden die Brüder Corneliszoon 24 Mal unter Folter „verhört".

Coppen Corneliszoon war als Erster dran. „Binnen weniger Tage", so schreibt van Nierop, „wurde der alte Mann zehn Mal auf die Streckbank gelegt und dabei seine Fußsohlen in einem Schraubstock zerquetscht." Zudem wurde ein in Branntwein getränktes Hemd am lebendigen Leib angezündet. „Drei Liter Branntwein waren es, den Rest haben die Folterknechte selbst getrunken", so van Nierop. Die Folter auf der Streckbank war im 16. Jahrhundert nicht ungewöhnlich. Doch die Lust von Sonoy war besonders pervers, und er ließ auch für die damalige Zeit neue und abartige Methoden anwenden. Zum Beispiel die Verwendung von Ratten: Das Tier wurde auf den Bauch des Opfers gesetzt und unter einer speziellen Haube eingesperrt. Darauf wurde ein Feuer entzündet. Die Ratte geriet in Panik und tat das, was in ihrer Natur liegt - sie nagt...

Der Amsterdamer Historiker van Nierop beschreibt dies alles in einer erschreckenden Deutlichkeit. Diederik Sonoy wird als Monster dargestellt. Er ging im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen, über Leichenberge gar.

Nur über zwei Aufsätze bekannt

Dass Diederik Sonoy, der 1592 in der Nähe von Groningen stirbt, der geschichtsbewussten Stadt Kalkar kaum bekannt ist, ist erstaunlich. Lediglich zwei Aufsätze des ehemaligen Klever Museumsleiters Friedrich Gorissen aus den 60er Jahren sind Archivarin Anna Gamerschlag bekannt. Für die Aufarbeitung der Geschichte des - wie auch immer -  „berühmten Sohn" Kalkars bleibt daher noch einiges zu tun.

Henk van Nierop: Het verraad van het Noorderkwartier. Oorlog, terreur en recht in de Nederlandse Opstand. ISBN: 90 351 2018 3.

 

 

zuletzt aktualisiert am 23.10.2005