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Die
Einführung schwerer Artillerie-Geschütze führt im 17.
Jahrhundert dazu, dass die Burgen und Befestigungsanlagen aus dem
Mittelalter mit ihren hohen und schmalen Türmen immer
verwundbarere Ziele werden. Daher beginnen die Militärtechniker
mit dem Bau von neuen Befestigungsanlagen, die mit dicken,
niedrigen Mauern und keilförmigen Bastionen ausgestattet werden.
Einer
dieser modernen Trutzburgen ist die Schenkenschanz. Benannt ist
die Feste auf der Insel Grevenward nach ihrem Gründer, dem im
Dienst der Niederländer stehenden Martin
Schenck von Nideggen
(Passwortgeschützter
Bereich). Aufgrund ihrer Lage an der Gabelung des
Rheins in Waal und Maas gilt die Festung als Schlüssel zu den
Niederlanden.
Ausgebaut
wird die Schenkenschanz von einem der berühmtesten
Festungsbaumeister dieser Zeit, Adrian Anthonisz, der mit seiner
Arbeit im Jahre 1595 fertig wird.
Zwischen
1611 und 1635 wird die Festung weiter vergrößert. Trotz dieser
Maßnahmen fällt sie im Juli 1635 in die Hände eines spanischen
Kommandos, das die Feste in einem Handstreich nimmt.
Bis
dahin hatte der große Krieg, der seit 1618 durch die Lande tobte,
im Kleverland wenige Spuren hinterlassen. Was sich aber mit der
Eroberung der Schenkenschanz durch den spanischen Kommandeur
Eyndhouts schlagartig ändern sollte.
Mit
rund 1500 Musketieren dringt Eyndhouts am 28. Juli 1635 in die
Feste ein - die niederländische Besatzung der Schanz hat keine
Chance zu Verteidigung.
Als
die Niederländer vom Fall der Feste hören, ist die Aufregung groß
- sofort bricht ein Heer von rund 6000 Mann auf, um sie zurückzuerobern.
Was sich als äußerst schwierig und langwierig herausstellen soll
- und als Katastrophe für die einheimische Bevölkerung des
Kleverlandes.
Im
Laufe des folgenden Jahres werden immer mehr Truppen in der
Umgebung der Schanz zusammengezogen. Die Belagerer erbauen rund um
die Feste weitere Stützpunkte. Die Soldaten wollen ernährt
werden, um jeden Preis. Die Kornkammern von Kleve, Uedem,
Kranenburg, Kalkar, Xanten, Emmerich, Goch und weitere Städte
werden erbarmungslos geschröpft. Teilweise plündern die Soldaten
und vertreiben die Einwohner. In dem Jahr der Belagerung kommt es
zu zahlreichen Scharmützeln zwischen spanischen
Entlastungstruppen und den staatlichen Truppen der Niederländer,
die einen enormen Blutzoll fordern. Unter anderem verliert der
Eroberer des Schanz, Kommandeur Eyndhouts, sein Leben.
Im
April des Jahres 1636 dann der Sturm auf die Schanz. Nachdem die
Festung zunächst mit schwerem Geschützfeuer beschossen worden
ist, stürmen 2000 Elite-Soldaten unter dem Kommando von Johann
Moritz von Nassaue (der bei den Kämpfen übrigens sein Ohr
verliert) die Festung. Die Übergabe-Erklärung wird am 29. April
unterzeichnet, einen Tag später verlassen die letzten spanischen
Soldaten die Festung.
Im
Kleverland herrschen derweil katastrophale Zustände. Die Städte
sind entvölkert. Viele Zivilisten werden getötet, so der
Emmericher Pastor Otten, der als angeblicher Spion hingerichtet
wird. Und auf der einst prunkvollen Großen Straße in Kleve wächst
Gras - es ist still geworden in der Schwanenstadt. |