Das Bild zeigt das verbündete Heer der niederländischen und der französischen Truppen auf der Waalseite. Rechts wird die Schanz von Düffelward angegriffen. In der vorderen Reihe sind drei Reiter zu sehen, hinter denen die niederländische Flagge weht. 

Gerrit van Santen, um 1647 - Die Eroberung von Schenkenschanz durch Friedrich Heinrich von Oranien im April 1636

Amsterdam, Rijksmuseum

Jan Jessen

"Die Belagerung der Schenkenschanz"

1635/36 bricht eine Katastrophe über die Menschen im Kleverland herein

NRZ vom 14. August 1999

 

Die Einführung schwerer Artillerie-Geschütze führt im 17. Jahrhundert dazu, dass die Burgen und Befestigungsanlagen aus dem Mittelalter mit ihren hohen und schmalen Türmen immer verwundbarere Ziele werden. Daher beginnen die Militärtechniker mit dem Bau von neuen Befestigungsanlagen, die mit dicken, niedrigen Mauern und keilförmigen Bastionen ausgestattet werden.

Einer dieser modernen Trutzburgen ist die Schenkenschanz. Benannt ist die Feste auf der Insel Grevenward nach ihrem Gründer, dem im Dienst der Niederländer stehenden Martin Schenck von Nideggen (Passwortgeschützter Bereich). Aufgrund ihrer Lage an der Gabelung des Rheins in Waal und Maas gilt die Festung als Schlüssel zu den Niederlanden.

Ausgebaut wird die Schenkenschanz von einem der berühmtesten Festungsbaumeister dieser Zeit, Adrian Anthonisz, der mit seiner Arbeit im Jahre 1595 fertig wird.

Zwischen 1611 und 1635 wird die Festung weiter vergrößert. Trotz dieser Maßnahmen fällt sie im Juli 1635 in die Hände eines spanischen Kommandos, das die Feste in einem Handstreich nimmt. 

Bis dahin hatte der große Krieg, der seit 1618 durch die Lande tobte, im Kleverland wenige Spuren hinterlassen. Was sich aber mit der Eroberung der Schenkenschanz durch den spanischen Kommandeur Eyndhouts schlagartig ändern sollte.

Mit rund 1500 Musketieren dringt Eyndhouts am 28. Juli 1635 in die Feste ein - die niederländische Besatzung der Schanz hat keine Chance zu Verteidigung.

Als die Niederländer vom Fall der Feste hören, ist die Aufregung groß - sofort bricht ein Heer von rund 6000 Mann auf, um sie zurückzuerobern. Was sich als äußerst schwierig und langwierig herausstellen soll - und als Katastrophe für die einheimische Bevölkerung des Kleverlandes.

Im Laufe des folgenden Jahres werden immer mehr Truppen in der Umgebung der Schanz zusammengezogen. Die Belagerer erbauen rund um die Feste weitere Stützpunkte. Die Soldaten wollen ernährt werden, um jeden Preis. Die Kornkammern von Kleve, Uedem, Kranenburg, Kalkar, Xanten, Emmerich, Goch und weitere Städte werden erbarmungslos geschröpft. Teilweise plündern die Soldaten und vertreiben die Einwohner. In dem Jahr der Belagerung kommt es zu zahlreichen Scharmützeln zwischen spanischen Entlastungstruppen und den staatlichen Truppen der Niederländer, die einen enormen Blutzoll fordern. Unter anderem verliert der Eroberer des Schanz, Kommandeur Eyndhouts, sein Leben.

Im April des Jahres 1636 dann der Sturm auf die Schanz. Nachdem die Festung zunächst mit schwerem Geschützfeuer beschossen worden ist, stürmen 2000 Elite-Soldaten unter dem Kommando von Johann Moritz von Nassaue (der bei den Kämpfen übrigens sein Ohr verliert) die Festung. Die Übergabe-Erklärung wird am 29. April unterzeichnet, einen Tag später verlassen die letzten spanischen Soldaten die Festung.

Im Kleverland herrschen derweil katastrophale Zustände. Die Städte sind entvölkert. Viele Zivilisten werden getötet, so der Emmericher Pastor Otten, der als angeblicher Spion hingerichtet wird. Und auf der einst prunkvollen Großen Straße in Kleve wächst Gras - es ist still geworden in der Schwanenstadt.

Chrispyn de Passe d. Ä., 1635/36 - Das fürstliche Würfelspiel um Schenkenschanz (Kupferstich eines Flugblattes)

Sammlung Angerhausen

 

Innerhalb eines Zeltes haben sich um einen Tisch mit dem Holzmodell der Schenkenschanz versammelt (von links nach rechts): Papst Urban VIII. (sitzend), den Ölzweig des Friedens in seiner Hand haltend, der Kurfürst und Bischof von Mainz, Anselm Kasimir Wambold von Umstadt, der Kurfürst und Bischof von Köln, Ferdinand von Bayern, der Kardinal-Infant Ferdinand von Habsburg, Befehlshaber der spanischen Truppen am Niederrhein, Philipp IV., König von Spanien, Kaiser Ferdinand II., Friedrich Heinrich von Oranien (sitzend), Statthalter der Niederlande und dessen Verbündete, der französische König Ludwig XIII., der dem Oranier einen Geldbeutel reicht, und Kardinal Richelieu. Die beiden Parteien würfeln um den Besitz der Schenkenschanz.

Unter dem Tisch lugen die Leidtragenden des Krieges hervor, zwei Bauern, die stellvertretend für die Klever, Jülicher und Kölner Bauern im Niederstift stehen. Zwei Geldsäcke am Fuße des Stuhls des Oraniers weisen auf die enorme Finanzkraft der Niederländer. Auf der linken Seite ist durch eine zurückgeschlagene Zeltwand das der Schenkenschanz am Ufer der Waal gegenüberliegende Haus Bylandt zu sehen.

 

 

Das Bild zeigt nun eine Säulenhalle, den den Blick freigibt auf die Schenkenschanz mit abziehenden spanischen Truppen (rechts), Haus Bylandt (in der Mitte) und eine Schar tanzender klevischer Bauern, den den Sieg der Niederländer feiert.

Auf der rechten Seite des Tisches ist Friedrich Heinrich von Oranien aufgesprungen, sein Stuhl ist umgekippt, sein Schatten fällt über das auf dem Tisch befindliche Holzmodell der Schenkenschanz. Neben ihm steht Kardinal Richelieu, daneben Graf Wilhelm von Nassau mit dem Feldherrenstab in der Hand. Von der gegnerischen Seite ist nur der Kardinal-Infant Ferdinand von Habsburg am Tisch verblieben. Er betrachtet den - wohl schlechten - Würfelwurf, den er getan, und kratzt sich deswegen am Kopf. Im Abmarsch befinden sich der König von Spanien, der Kaiser, der Papst und der Bischof von Köln. Unter dem Tisch strecken nun die Repräsentanten der Geistlichkeit von Kurköln, Kleve, Jülich und Berg ihre Köpfe und Hände hervor, in denen sie Teller mit Speiseresten (eine Fischgräte ist zu erkennen) halten.

Die beiden Kupferstiche zeigen auf eindringliche Weise einerseits die kämpfenden Kontrahenten, andererseits sozialkritisch die jeweiligen Verlierer des Kampfes.

 

Chrispyn de Passe d. Ä., 1636 - Das glückliche Ende des fürstlichen Würfelspiels um die Schenkenschanz (Kupferstich eines Flugblattes)

Sammlung Angerhausen

zuletzt bearbeit am 27.10.2005