|
Johann
Moritz wurde am 18. Juni 1604 auf dem nassauischen Stammschloss
Dillenburg als dreizehntes Kind Johanns des Mittleren geboren.
Sein Großvater Johann von Nassau (der Ältere) war ein Bruder
Wilhelms I. von Oranien. Die Familie besaß somit enge
verwandtschaftliche Beziehungen zu den Niederlanden. Daher
dienten viele Nassauer im Militär der Generalstaaten.
Auch
Moritz trat im Herbst 1620 - 16jährig - in den Kriegsdienst der
Vereinigten Niederlande ein. Er nahm an der Belagerung
der Festung Schenkenschanz
während der Jahre 1635 und 1636 teil. Nach neun Monaten
heftiger Kämpfe gelang es den niederländischen Truppen die
strategisch wichtige Festung wieder einzunehmen. Das Land und
die Stadt Kleve waren verwüstet. Bei diesen Kämpfen lernte
Johann Moritz Friedrich
Wilhelm von Brandenburg
kennen, damals noch Kurprinz des Kurfürstentums Brandenburg.
Im
August 1636 wurde Johann Moritz von der Westindischen Compagnie
(WIC) zum Generalgouverneur ihrer brasilianischen Besitzungen
ernannt. Er festigte die Kolonie und verteidigte sie gegen die
Portugiesen. Außerdem förderte er den Anbau und den Handel mit
Zuckerrohr. Während seiner siebenjährigen Regentschaft in Holländisch-Brasilien
gründete Johann Moritz in unmittelbarer Nachbarschaft der Stadt
Recife eine fürstliche Residenz mit Namen Mauritsstad, in der
er die Schlösser Vrijburg und Boavista errichten ließ.
Er
half bei der Erforschung des Landes und brachte, nachdem er
seinen Gouverneursposten wegen Unstimmigkeiten mit der WIC
aufgegeben hatte, eine umfangreiche, naturhistorische und
ethnographische Sammlung mit nach Europa. Diese Sammlung
verwendete er zum größten Teil zum Erwerb von Waldgebieten am
Stadtrand von Kleve, so dass er dort seine barocken Parkanlagen
schaffen konnte. Der Erwerber, der "Große Kurfürst"
Friedrich Wilhelm legte damit den Grundstock für das heutige Völkerkundemuseum
in Berlin.
Nach
seiner Rückkehr nahm Johann Moritz 1644 wieder den Militärdienst
in den niederländischen Staaten auf. Seine Bekanntschaft mit
Friedrich Wilhelm von Brandenburg scheint sich gefestigt zu
haben, als der brandenburgische Kurfürst Louise Henriette, die
älteste Tochter des niederländischen Statthalters Friederich
Heinrich, heiratete.
1647
ernannte der Große Kurfürst den nassauischen Grafen zum
Statthalter von Kleve (mit den Städten Kleve, Emmerich, Rees,
Wesel, Goch, Xanten, Dinslaken und Duisburg), Mark (mit den Städten
Bochum, Hagen, Iserlohn, Lüdenscheid, Lünen, Soest, Hamm und
Lippstadt sowie den Vogteien über Essen und Dortmund), Ravensberg (mit den Städten Bielefeld, Herford und Vlotho) und
1658 auch von Minden (mit den Städten Minden und Lübbecke).
Als niederländischer Kommandant der rechtsrheinischen Festungen
und als brandenburgischer Statthalter hatte Johann Moritz somit
eine Doppelfunktion inne, die ihn zu einem Garanten der Stabilität
der westlichen Territorien Brandenburgs machte.
Von
Anfang an widmete sich Johann Moritz der Modernisierung und
Erweiterung der statthalterlichen Residenz Kleve. Seine
Aufmerksamkeit galt zum einen den Schlossbauten, wie etwa dem
Umbau der Schwanenburg, dem Bau der kleinen Residenz Freudenberg
und dem Prinzenhof. Darüber hinaus bezog er die Stadt und ihre
hügelige und waldreiche Umgebung in ein System von Allee,
Schneisen, Sternbergen, Kanälen und Sichtachsen ein. Die durch
seine niederländischen Truppen im Kampf gegen die Spanier verwüstete
Klever Niederung schuf Johann Moritz zu einem Paradiesgarten des
Friedens um. Waffen wurden umfunktioniert zu Gartenkunstwerken.
Eine Kanone musste zum Postament für den Gott Amor dienen. Der
Harnisch des früheren Festungskommandanten der Schenkenschanz
wurde zur Siegertrophäe im Kleve Tiergarten. Dies machte auch
Eindruck bei den Repräsentanten der Stadt Amsterdam. Die Stadt
Amsterdam schenkte dem Prinzen eine Statue
des Bildhauers Artus Quellinus für seine Gärten. Diese
Statue stellt Pallas Athene dar, die Göttin der Wahrheit.
Obwohl
Prinz Johann Moritz sich wegen dieser Aufgaben fortan hauptsächlich
in Kleve aufhielt, wohnte er doch zuweilen in seinem Haager Stadtschloss, dem
Mauritshaus,
das heute Meisterwerke der niederländischen Maler aus dem 15.
bis zum 18. Jahrhundert beherbergt. Er tat das insbesondere
dann, wenn er im Auftrag des brandenburgischen Kurfürsten
Friedrich Wilhelm, in Den Haag und in Amsterdam niederländische
Künstler anwarb. Diese bekamen den Auftrag, die brandenburgischen
Residenzen Berlin und Potsdam
nach dem künstlerischen Geschmack ihrer Zeit zu gestalten.
Dabei verhalf er dem holländischen Klassizismus zum Durchbruch.
Von
der niederländischen Kultur geprägt, ließ Johann Moritz seine
Bauten und Gartenanlagen am Niederrhein, im Siegerland und in
der brandenburgischen Neumark von den führenden niederländischen
Architekten Jacob
van Campen, Pieter Post und dessen Sohn Maurits entwerfen.
Selbst Handwerker rekrutierte der Fürst in den Niederlanden.
Auch
Maler und Bildhauer wählte Johann Moritz bevorzugt aus den
Niederlanden. Jan de Baen, Govert
Flinck und Pieter Nason porträtierten ihn als Klever
Statthalter und Herrenmeister des Johanniterordens.
Der
Kurfürst betrachtete Johann Moritz als seinen Mentor,
insbesondere in Fragen der Kunst und der Wissenschaft. Er verließ
sich dabei ganz auf ihn und ließ ihm freie Hand in der Auswahl
der Künstler. Viele von ihnen mussten erst eine Probe ihres Könnens
in Kleve ablegen. Auf diese Weise erhielt die Residenzstadt
Kleve eine Brückenfunktion zwischen Den Haag und Berlin.
Wie
sehr den Holländern in Amsterdam und Den Haag dieser durch
Johann Moritz von Nassau nach Berlin und Potsdam vermittelte
Einfluss der niederländischen Künstler, Architekten und Gärtner
damals bekannt war, zeigt ein um 1690 in Amsterdam
herausgegebenes Buch mit dem Titel: Conspectus Berolini et
Cliviae (Ansichten von Berlin und Kleve)
Seine
diplomatischen Fähigkeiten und die guten Kontakte zu den
Niederlanden prädestinierten ihn für hochrangige Missionen.
1657/58 reiste er als brandenburgischer Delegierter zur
Kaiserwahl nach Frankfurt am Main und 1661 als kurfürstlicher
Unterhändler nach England. Bereits 1652 erhob ihn Kaiser
Ferdinand II. in den Reichsfürstenstand.
Im
gleichen Jahr, am 15. Juni 1652, wurde Johann Moritz auf Antrag
des Großen Kurfürsten zum Meister des Johanniterordens der
Ballei Brandenburg ernannt. Es gelang ihm auch hier, das im Dreißigjährigen
Krieg verwüstete Ordensgebiet wirtschaftlich und kulturell zu
entwickeln.
Als
Johann Moritz am 20. Dezember 1679 in Bergendael bei Kleve
starb, hatte der Fürst, dessen Motto bereits in jungen Jahren
"Qua patet orbis" lautete, dank seiner geographisch
weit gestreuten Ämter von Brasilien bis Brandenburg Residenzen
und Landschaften gestaltet.
Der
Gartenkunst und mehr noch einer großräumigen
Landschaftsgestaltung galt seine besondere Leidenschaft. Stets
verband er Lust- und Nutzgarten durch den Anbau von Obstbäumen
oder Futterpflanzen, die Anlage von Fischteichen, Vogelhäusern
und Tiergärten. Höhepunkt seiner Landeskultivierung ist das
Gebiet um die Stadt Kleve, wo Alleen und Kanäle noch heute
weite Sichtachsen öffnen und Gärten, Aussichtspunkte und
Residenzen miteinander verknüpfen.
|