12000 Jahre Niederrhein - 800 Jahre Kleve

Preußen

 

"Wahs Klewe grafchaft Marck ist, sein die wassalle dume oxen aber Malicieus wie der deuffel. Auf ihre Privilegia sein sie sehr gesteuret ... die Nacion ist sehr intrigandt und fals(ch) dabev und sauffen wie die bester (= Biester), mehr wißen sie nichts."

(Friedrich Wilhelm der I.)

 

"Taugt er was, soll er in Berlin eingesetzt werden, kann er nichts, soll er nach Kleve." 

(Friedrich der Große)

 

"Die Klever sind schwachsinnig, wirr- und im Rausch ihrer Väter - gezeugt; sie haben weder natürliche noch erworbene Begabungen.« »(Ihr) Adel ist zu sehr dem Wein ergeben und hat beinahe den Verstand versoffen; das sind diejenigen Untertanen, aus denen man am wenigsten Nutzen ziehen kann."

 (Friedrich der Große)

 

"Die Klever im Urteil ihrer preußischen Landesherren" (Passwortgeschützter Bereich)

 

Unter dem Großen Kurfürsten hatte der Statthalter Moritz von Nassau noch eine sehr weitgehende Handlungsfreiheit. Die engen Beziehungen zu den wirtschaftlich blühenden Niederlanden sicherten der preußischen Haupt- und Residenzstadt Kleve eine bevorzugte Rolle.

Dem lokalen Adel und den Ständen (Passwortgeschützter Bereich)  war es nur anfangs gegenüber Preußen gelungen, die verbürgten Rechte zu sichern. Damit war die Befreiung von bestimmten Steuerzahlungen verbunden sowie die Kompetenz, autonomes Recht zu setzen, erhalten geblieben. 

Dies ändert sich unter Friedrich I. und seinen Nachfolgern grundlegend. Preußens Schwerpunkt lag weit im Osten: Berlin und Königsberg waren die Zentren, Kleve liegt tief im Westen und auch die Sprache der Untertanen unterschied sich von der im sonstigen Preußen. Die Menschen im Klever Land bedienten sich einer Sprache, die dem Niederländischen glich.

Friedrich I., dessen Favoritin aus Emmerich (Passwortgeschützter Bereich) kam und der durch exzessive Ausgaben des Hofes Preußen beinahe den Staatsbankrott bescherte, senkte den Ausgabeetat für die Unterhaltung der öffentlichen Gebäude einschließlich Schwanenburg und Prinzenhof auf 400 Taler pro Jahr. Auch die Nachfolger hielten an diesem starren Satz fest. Daher wurde ein Schlossteil nach dem anderen baufällig und drohte einzustürzen. Man ließ nicht nur das, was schadhaft war, sondern auch das was als überflüssig galt, einreißen. Als die Kriegs- und Domänenkammer, die 1723 in Kleve während der Regierungszeit Friedrich Wilhelms I. errichtet wurde und den Einfluss der Stände erheblich beschnitt, nach Potsdam berichtete, dass der Johannisturm der Schwanenburg im oberen und unteren Mauerwerk baufällig sei, im übrigen auch "unter die lästigen Gebäude gerechnet werden könne, welche viel Unterhaltungskosten erforderten und keinen wesentlichen Nutzen hätte", wurde am 6. Januar 1784 der Abbruch des Turmes angeordnet. Dasselbe Schicksal nahm fast um die gleiche Zeit der herrliche Pallas, der auf Abbruch verkauft wurde und viele tausend Tonnen Tuffstein und andere Materialen "lieferte".

Friedrich II. von Preußen ("der Große") residierte, wenn er ins Klever Land kam, bereits nicht mehr auf der Schwanenburg. Als er mit Voltaire in Moyland zusammentraf, hatte er zuvor das kostbare Mobiliar von der Burg nach Schloss Moyland schaffen lassen. Auf seine Anordnung wurden 1748 die übrigen "unbrauchbaren und unnützen Möbel und Haushaltsgeräte" verkauft. Mit diesem Ausverkauf, dem im Laufe der Zeit auch die kostbaren Goldleder- und Seidentapeten sowie die Kamingemälde zum Opfer fielen, gingen für die Kulturgeschichte der Region unschätzbare Werte verloren.

 

Preußen treibt im 17. Jahrhundert und auch noch im 18. Jahrhundert keine aktive Sprachpolitik. In der Praxis sind es vielmehr die administrative Anweisungen, nach denen z. B. die Landeskinder an Landesuniversitäten zu studieren haben oder, dass der Schriftverkehr mit Berlin nicht mehr in der niederländischen Sprache abgewickelt werden soll, die die traditionellen Sprachgewohnheiten verdrängen. Als in den Schulen und bei Gottesdiensten der Gebrauch des Niederländischen, unter Androhung hoher Strafen, untersagt wurde und Lehrer ohne ausreichende Deutschkenntnisse erwarten mussten, aus dem Schuldienst entfernt zu werden, war eine jahrhundertealte Sprachkultur zerstört (Passwortgeschützter Bereich). Da auf niederländischer Seite eine ähnliche Entwicklung stattgefunden hatte, wurde neben der politischen auch eine sprachliche Grenze gezogen.

 


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Karte der deutschen Mundarten

 

 

 

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hatten sich ebenfalls verschlechtert. Die Handelsströme gingen an Preußen vorbei. Das Zunfthandwerk fiel gegenüber England, in dem James Watt 1765 die Dampfmaschine erfand, zurück. Das Kunsthandwerk konnte mit der französischen Konkurrenz nicht mithalten. Viel Geld verschlangen die modernen stehenden Heere und Stadtbefestigungen Preußens.

Während der Regierungszeit Friedrichs des II. wurde das klevische Land wieder einmal in kriegerische Auseinandersetzungen gestürzt. In der Zeit des siebenjährigen Krieges (1756 bis 1763), waren die Residenzstadt und das Land zum zweiten Mal während einer zusammenhängenden Zeitperiode von den  Franzosen (und den Österreichern) besetzt. Der mit den Preußen kämpfende Herzog von Braunschweig erfocht im Juni 1758 bei Krefeld zwar einen Sieg über die französischen Truppen. Doch hatte dieses Ergebnis keinerlei Einfluss auf die Besitzverhältnisse in den klevischen Ländern, die Preußen wie stets in solchen Kriegszeiten ihrem Schicksal überlassen musste.

Diese Haltung Preußens zu den westlichen Provinzen erstaunt, denn die niederrheinischen Besitzungen brachten, trotz ihres nur kleinen Flächenanteils am gesamten preußischen Staatsgebiet - namentlich durch den Rheinhandel der klevischen Städte und durch das Aufkommen an Zöllen - einen gewichtigen Beitrag zu den Staatseinkünften. Überdies verlieh die "Bastion am Rhein" dem brandenburgisch-preußischen Staat auch ein zusätzliches Prestige.

Friedrich der Große (für den sich an den Niederrhein unangenehme Jugenderinnerungen knüpften, seit er 1730 - nach seinem missglückten Fluchtversuch - in Wesel vor dem erzürnten Vater gestanden hatte) erwog im Herbst 1759 einen Tausch von Kleve, Geldern und Moers gegen zentraler gelegene Gebiete in Mitteldeutschland. Damit stellte er ähnliche Überlegungen an, wie sein Vorfahr, der Große Kurfürst, achtzig Jahre zuvor. Als französische Heerhaufen Kleve erstmals besetzt hielten, war dieser ebenfalls für kurze Zeit bereit, den linksrheinischen Teil von Kleve an Frankreich, Holland oder Schweden abzugeben, um dadurch Stettin zu retten.

Doch Kleve war fast zwei Jahrhunderte, von Berlin aus gesehen, eine "isolierte Provinz" und in erster Linie ein Außenfort, das - zumal nach den Erfahrungen des Siebenjährigen Krieges - "als nicht zu halten" angesehen wurde. So hatte der König - nachdem 1757 die französischen Truppen, unterstützt von nahezu allen rheinischen Fürsten, in den preußischen Besitz am Niederrhein einfielen - angeordnet, Kleve, einschließlich der Festung Wesel, zu räumen. 

Es sei nicht zu vermeiden, riet Friedrich seinen Nachfolgern, Kleve-Mark im Falle eines Krieges mit Frankreich von Anfang an preiszugeben, sofern Preußen keine starken Verbündeten hätte. "Aus diesem Grunde habe ich die Befestigung von Geldern schleifen lassen und die von Wesel eingeschränkt. Auch beabsichtige ich, das ganze Polygon unterminieren zu lassen, um es in die Luft zu sprengen, sobald die Besatzung abrückt."

Der Niedergang Kleves am Ende des siebenjährigen Krieges und dem Abzug der Franzosen im Februar 1763 war daher wirtschaftlicher, kultureller und politischer Natur.

Viele junge Leute verließen die Heimat und wanderten insbesondere in die reichen holländischen Hafenstädte aus. Das städtische Vermögen war fast aufgezehrt; Kleve war - da die Schulden das 63-fache des Vermögens und immerhin noch das 7-fache des jährlichen Steueraufkommens betrugen - dem Bankrott nahe. Öffentliche Impulse zur Belebung der Wirtschaft waren nicht mehr möglich. 

Und dennoch huldigte der Adel und das Bürgertum den Nachfolger des "Alten Fritz", dem neuen König Friedrich Wilhelm II. (Regent von 1786 bis 1797). In einem nach der Zerstörung Kleves im zweiten Weltkrieg verlorengegangenen Gemälde wird die Feier für Friedrich Wilhelms II. (Passwortgeschützter Bereich) in Kleve dargestellt.

 

Pfälzer finden eine neue Heimat

Allerdings wurde das Klever Land seit 1741 auch zur neuen Heimat durch die Ansiedlung von auswanderungswilligen Pfälzern auf der Gocher Heide.

Die "innere Kolonisation" Friedrich des Großen, die dazu beitragen sollte, den "Reichtum des Landes an Menschen" zu fördern, legte die Grundlage dafür.

Die Massenauswanderung aus der Kurpfalz war bereits 1685 eingeleitet worden, als von den Untertanen die Glaubensanpassung gefordert wurde. Hinzu kamen wirtschaftliche und soziale Umstände, wie Missernten, Überbevölkerung, Besitzzersplitterung aufgrund der Realteilung und überhöhte Belastungen von Seiten des Staates.

Die Auswanderungsbewegung nach Nordamerika wurde indessen seit 1739 durch den Seekrieg zwischen England und Spanien stark eingeschränkt. Daher richtete eine Gruppe von 20 Familien aus der Pfalz mit 120 Personen, deren Weiterreise nach Amerika gescheitert war, ein Siedlungsgesuch an die preußische Kriegs- und Domänenkammer in Kleve. Sie erhielten 130 Hektar in Erbpacht. Später kamen noch über 50 neue Siedlerfamilien hinzu. Der Name "Pfalzdorf" taucht zum ersten Mal 1747 in den Akten auf.

 

Louisendorf - Luftaufnahme aus dem Jahr 2000

Etwa 80 Jahre später gründeten die Nachkommen der Pfälzer Siedler zwei weitere pfälzische Siedlungen am Niederrhein: Die nach systematischen Plan quadratisch angelegte und zu Ehren der verstorbenen preußischen Königin Luise benannte Kolonie "Louisendorf" (1821) und die später entstandene Siedlung Neulouisendorf. (1832).


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Chronik zur Dorfgeschichte von Louisendorf - Tafel an der Kirche (Aufnahmen vom 08. Sept. 2002)

 

Kleve und die Französische Revolution

Im Dienste der Aufklärung hat das verarmte Kleve eine besondere Rolle gespielt! Schon seit der Reformation, die keiner Partei den erhofften Durchbruch gebracht hatte, war man in dieser Stadt auf ein verträgliches Neben- und Miteinander aller Bürger angewiesen. Internationale Verträge verbürgten das Gleichgewicht und garantierten die Rechte der Minderheiten. Das war für europäische Verhältnisse ungewöhnlich und wurde von fremden Beobachtern mit Staunen vermerkt. 

Auf einem solchermaßen vorbereiteten Boden konnten die bürgerfreundlichen Ideen des Philosophen auf dem Königsthron (Friedrich der Große) gedeihen, vielleicht üppiger als es das Haupt der preußischen Monarchie wünschen durfte. Die Ansammlung der hohen Landesbehörden und ein angesehenes Gymnasium machten die Stadt zum intellektuellen Vorort des ganzen Landes. In diesem Milieu fanden einzelne Vordenker, wie z. B. Johann-Gottlieb Bärstecher, ihr Gehör, konnten sich Gleichgesinnte zusammenschließen, um den Gedanken die Tat folgen zu lassen. Von unschätzbarer Wirkung ist der in Kleve seit Mitte 1767 erscheinende Courier du Bas-Rhin, eine in französischer Sprache geschriebene und in der ganzen zivilisierten Welt gelesene Zeitung. Ein weitgespanntes Netz von kenntnisreichen Korrespondenten sorgte dafür, dass der Redakteur Manzon vorzüglich unterrichtet war über die politischen, intellektuellen und kulturellen Ereignisse in der Welt, unabhängig von den Informationen der preußischen Regierung, die das Blatt als Sprachrohr für ihre auswärtige Politik nutzte. Jean Manzon war ein herausragender Journalist mit hohem moralischen Engagement, piemontesischer Jesuitenschüler und Freidenker, Freund der Aufklärer, die seine Zeitung benutzen um ihre Ideen in Frankreich zu verbreiten. Gewiss musste er Rücksicht nehmen auf die Mächtigen, von denen es abhing, ob seine Zeitung erscheinen durfte. Aber seine moralische Macht war doch auf die Dauer so groß, dass auch die Inhaber der staatlichen Macht die Folgen ihres Tuns zu bedenken hatten.

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Ausgabe Nr. 48 des Courier du Bas - Rhin vom 16. Juni 1781

Wer hat Lust und Zeit die Texte von französisch auf deutsch zu übersetzen? 

eMail: Rainer.Hoymann@niederrheinlande.de DANKE!

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Im Courier konnte man zweimal wöchentlich den Fortgang des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges verfolgen, aber auch den Wortlaut der Deklaration der Menschenrechte vom  4. Juli 1776. Der gebildete Franzose hatte nur den Courier als Quelle, um sich objektiv über die letzten Tage Voltaires zu unterrichten; denn in Paris kolportierte man das Gerücht von seiner Bekehrung auf dem Sterbebett - was sich schlecht mit der heimlichen Bestattung des Leichnams vertrug. Linguet, der Freund Voltaires und der große französische Publizist, verdankte Manzon die Befreiung aus der Bastille. Und es ist Manzon, der die Schrecken der Bastille in Europa hinausposaunt. Am 1. Januar 1783 - sechseinhalb Jahre vor der Erstürmung der Bastille - fordert Manzon die Franzosen zu dieser Tat bereits auf!

Kein Wunder, dass die Zeitung immer wieder, für kürzere oder längere Zeit, in Frankreich verboten wurde und heimlich vertrieben werden musste. Aber das geschah ihr auch zuweilen in der holländischen Republik. Dort hatte man mit großer Aufmerksamkeit die Berichte des Courier über die Zustände in der pariser Bastille gelesen. Nun aber richtete Manzon die Aufmerksamkeit der Welt auf eine andere, auf die amsterdamer Bastille. Seit mehr als zwanzig Jahre schmachtete im dortigen Zuchthaus, wie Manzon im Mai und Juni 1785 schreibt, jener Professor Gaudio, der es gewagt hatte, in der Republik, wo die Schriften der französischer Aufklärer und Encyclopädisten heimlich gedruckt wurden, die Ideen der Rousseau und Voltaire zu verbreiten und damit den Zorn der kalvinistischen Predikanten heraufbeschworen hatte. 

Am 13. September 1787 überschritten preußische Truppen die holländische Grenze bei Wyler. König Friedrich Wilhelm II. hatte sich entschlossen seinem niederländischen Verwandten  Wilhelm V. , verheiratet mit Prinzessin Wilhelmina von Preußen, eine Nichte König Friedrichs des Großen, unter die Arme zu greifen.  Als Statthalter geriet Wilhelm V. in große politische Probleme. Seine konservativen Auffassungen standen in krassem Gegensatz zu den Wünschen der reformwilligen, an den demokratischen Ideen der Aufklärung orientierten Bürger und Regenten. Nur mit Hilfe der preußischen Truppen, die in zwei Wochen die Bürgerwehren geschlagen hatten, und dank der politischen Unterstützung aus England konnte sich der Statthalter gegenüber den von Frankreich unterstützten "Patrioten", der Reformbewegung, behaupten.

Allerdings Manzon wusste, dass das, was sich gerade in Holland abgespielt hatte und ein für allemal erledigt schien, sich an jeder anderen Stelle wiederholen werde. Er fürchtete, "dass jene Epidemie, die wir in unserer Zeitung das amerikanische Fieber genannt, diese in Unordnung geratene Freiheitsliebe, noch schlimmer wüten wird." Und eindringlich beschwört er die Regierungen, die nötigen Reformen durchzuführen, ehe es zu spät ist. 

Währenddessen fand am 10. Juni 1788 in Kleve ein Treffen zwischen den Mitgliedern des preußischen Königshaus und der Familie des niederländischen Statthalters statt. Doch diese Siegesfeier kam zu früh: Die in Holland zunächst erfolgreich unterdrückte patriotische Bewegung griff auf Brabant und auf das Fürstenbistum Lüttich über und die Nachrichten aus Paris wurden immer beunruhigender. 

Erst am 15. Juli trifft ein Brief vom 16. Juli ein, der die Ereignisse in Paris vom 13. bis 15 Juli ausführlich schildert. Jetzt weiß man, dass das Volk die Bastille gestürmt hat. Und ein Bürger Kleves war an vorderster Front dabei: Anacharsis Cloots. Manzon wiederholt am 6. August seine Warnung: "Man beeile sich allerseits, freiwillig und ohne Nötigung das zu tun, wozu man früher oder später gezwungen wird". Doch Preußen glaubt nach dem holländischen Spaziergang zu wissen, wie man den Pöbel bändigt: "Bedenkt auch euer dickes Fleisch, verwegne Zeitungsschreiber! Schreibt jetzt bescheiden, artig keusch, und schreckt nicht alte Weiber; denn setzt einmal das voraus: Wir machen Spaß, nicht Ehre draus, mit Pöbel Krieg zu führen."

Der Patriotenfeldzug zweiter Akt wurde vorbereitet. General Schlieffen, Gouverneur von Wesel, wurde aufgefordert, seine Truppen marschbereit zu halten. Das Oberdirektorium wurde nach Kleve verlegt. Am 22. November setzten sich die von Schlieffen geführten preußischen und kurpfälzischen Truppen in Richtung Lüttich, das dem Westfälischen Kreis angehört, in Marsch. In Lüttich und später auch in Brüssel rebellierte das Volk gegen das Establishment. Als auch österreichische Truppen am 22. November 1790 die belgischen Territorien betreten und Brüssel von den Patrioten säubern, scheint die Ruhe wieder einmal hergestellt.

Aber auch diese Ruhe dauert nur kurz: Österreich rüstet weiter zum Krieg gegen Frankreich, verbündet mit Preußen. Der französische König Ludwig XVI sollte wieder in seine vollen Rechte eingesetzt werden. Darauf hatten sich der preußische König Friedrich Wilhelm der II. und der Österreichische Kaiser Leopold II. in Pirna 1791 geeinigt.

Die französische gesetzgebende Versammlung beschloss dem zuvor zu kommen. Sie erklärte im Frühjahr 1792 Österreich den Krieg. Ohne dass ihnen starker Widerstand erwachsen wäre, gelang es dem französischen Revolutionsheer bis zum Rhein vorzudringen. Noch im selben Jahr überfielen sie Moers, Geldern, das Kloster Kamp und weitere niederrheinische Orte. In Kleve verließen 90 Familie, der größte Teil gehörte der Oberschicht an, die Stadt. Dies bedeutete bei einer Einwohnerzahl von etwa 5300 Menschen, das jedes zehnte Haus leer stand. Zu den Staatsdienern die Kleve verließen, gehörte auch der Kammerpräsident Freiherr von Stein (Passwortgeschützter Bereich) und seine Angehörigen. Im Zuge der Stein`schen Reformen trat der in Kleve geborene Peter Christian Wilhelm Beuth (Passwortgeschützter Bereich) seine Aufgabe in Berlin an. Schon in jungen Jahren kam er in die preußische Hauptstadt.

Preußen hatte seine westlichen Länder wieder einmal aufgegeben.

Das gesamte Gebiet westlich des Rheins wurde von den Franzosen besetzt und die Stadt Geldern von der französischen Militärregierung durch Verordnung vom 14. November 1794 zum Sitz einer Bezirks- oder Distriktverwaltung für die eroberten preußischen und österreichischen Landesteile am linken Rheinufer bestimmt.

In Kleve fanden sich einige "Nichtbürger", die auf dem Großen Markt einen Freiheitsbaum pflanzten. 1795 zerschlug der Klever Pöbel, wie es in den Annalen heißt, von den negativen Ausstrahlungen der französischen Revolution angestachelt, die Skulptur des Eisernen Mannes, die Prinz Moritz als Friedenssymbol in seine Sichtachse am Springenberg gestellt hatte. 

Im Friedensschluss von Basel am 5. April 1795 räumte die Krone Preußen, deren Ansehen ohnedies schon unter der Führungsschwäche des Neffen und Nachfolgers Friedrich des Großen, Friedrich Wilhelm II., gelitten hatte, der Republik Frankreich die Hoheitsrechte über die linksrheinischen preußischen Gebiete ein, die dann mit dem Gesetz der Republik vom 9. März 1801 zu einem Teil des französischen Staates wurden (Passwortgeschützter Bereich)

Erst am 5. Januar 1814 - fast zwanzig Jahre später sollte Preußen zurückkehren.

zuletzt bearbeitet am 20.11.2008