12000 Jahre Niederrhein - 800 Jahre Kleve

Bad Cleve 

 

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Hotel Maywald im Jahr 1912. Es ist die Ansicht von der Nassauer Allee aus. Von der rückwärts gelegenen Terrasse hatte man einen Blick über den Kermisdahl in die Ebene hinein. Dieser Blick genießen heute die Gäste und Mitarbeitern der Kreisverwaltung.

Hotel Maywald, das beste Haus am Platz nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg

 

 

Für Kleve begann eine völlig andersartige, wichtige Phase der Stadtgeschichte, als der Badearzt Dr. Heinrich Schütte 1742 in der Nähe des Neuen Tiergartens eine mineralhaltige Quelle entdeckte (siehe auch: "Eine Quelle gegen die Rezession") und damit die Entwicklung der ehemaligen Herzogstadt zu einem Kurort einleitete. Während der folgenden eineinhalb Jahrhunderte war die "Berg- und Gartenstadt Kleve" - mit nur wenigen Unterbrechungen - ein beliebtes Ziel des deutschen und des niederländischen Fremdenverkehrs.

Die "feine" Gesellschaft aus Preußen und Holland traf sich zum Bade- und Kurbetrieb in Kleve, dessen Ambiente von den von Moritz von Nassau geschaffenen großzügigen Garten- und Parkanlagen profitierte. Vielfach wurde der Ort im 18. und 19. Jahrhundert auch als Alters- und Zweitwohnsitz gewählt.

Die in diesem Umfeld sich entwickelnde Restaurant- und Hotellandschaft kann heute leider nur noch auf Fotos bewundert werden. Wieder war es der Zweite Weltkrieg der einen Teil der Gebäude zerstörte. Andere Objekte fielen später der Abrissbirne zum Opfer. Allerdings gelang es das Kurhaus, nachdem es bereits als Möbellager genutzt wurde, in den neunziger Jahren zu renovieren. Es beherbergt heute eine umfangreiche Kunstsammlung. Einige Räume wurden originalgetreu restauriert, so dass die Pracht von "Bad Cleve" auch heute noch zu ahnen ist. Die Eröffnung eines Kneippbeckens in 2001 belegt, dass die Erinnerung an die Zeit, in der Cleve eine Kurstadt war, noch wach ist. Eine weitere Chance bot sich mit der Ruine des Schützenhauses. Doch der preiswerte Abriss wurde dem - teuren, aber chancenreichen - Erhalt von Kulturgütern vorgezogen.

 

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So sah einst die Tiergartenstraße in Höhe des Amphitheaters aus - ungepflastert, ohne Bürgersteige und noch völlig gefahrlos zu überqueren. Hinter dem Stahlbrunnen - wo es das leicht säuerlich schmeckende Clever Mineralwasser gab. Der Brunnen wurde nach Plänen des Baurats Umpfenbach aus Düsseldorf 1847 errichtet. Nach dem Krieg wusste man nichts Besseres, als das Häuschen, das weder der Straßenführung noch irgendwelchen Bauvorhaben im Wege stand, abzureißen - das 1845 erbaute Friedrich-Wilhelms-Bad. Eine lichte Wandelhalle verband das Gebäude mit dem 1872 eröffneten Bad-Hotel.

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Hotel Robbers um die Jahrhundertwende, wie es die Clever und die Besucher der Stadt liebten: mit dem großen luftigen Glaspavillon, wo regelmäßig die Kurkapelle ihre Aufwartung machte; der gemütliche Bierschänke mit Pils vom Fass und der herrlichen Aussicht auf die Tiergartenstraße und den Napoleonsgraben von der schattigen Freiterrasse aus.

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Hier hat der Photograph Hotel Stirum wohl gerade während eines Ruhetages abgelichtet - sonst herrscht hier vor allem an Sommertagen stets reger Betrieb. Der Vorgänger des Hotels war ein zweigeschossiger Rokokobau, 1746 auf der östlichen Kanalinsel (im Neuen Tierpark) errichtet. 1810 kaufte Graf Friedrich-Albert von Limburg-Stirum das Anwesen. Sein endgültiges Aussehen erhielt das Gebäude jedoch erst gut 25 Jahre später, als Werner Artz, bis dato Wirt im "Goldenen Adler" in Cleves Innenstadt, in dem verbreiterten und um ein Stockwerk erhöhten Haus den "Stirumschen Hof" eröffnete. Im hölzernen Pavillon zur Rechten spielten zur Unterhaltung der Besuch abwechselnd die Clever Kurkapelle und die Militärkapelle der 56er.

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Das Schützenhaus am Erlenbusch, hier auf einer Photographie um 1910, war einst Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens der Stadt. Cleves Schützenfeste waren seit 1830 ein Ereignis, zu dem Besucher von nah und fern anreisten. In diesen Wochen drohte die Stadt vor Besuchern aus den Nähten zu platzen. Der große Bau des Schützenhauses, 1845 als Ersatz für das kurz zuvor abgebrannte Schützenzelt am Kanal errichtet, war auf diesen Besucherandrang zugeschnitten. Hier fand 1881 als einer der Höhepunkte in der Geschichte des Hauses die Internationale Jagdausstellung statt, die der Stadt über Wochen hinweg einen enormen Andrang bescherte.

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Ein Hinweisschild links vom Mauerrest: mehr blieb an dieser Stelle nicht vom Hotel Maywald.

Der Text auf der Gedenktafel lautet: "Das Hotel Maywald wurde 1822 erbaut und am 07.10.1944 durch Bomben zerstört. Dieser Fundamentrest wurde bei den Bauarbeiten zur Kreishauserweiterung 1993 gefunden." Daneben sehen Sie eine Abbildung des Hotels vom Kermisdahl aus gesehen. Die Terrasse des Hotels bot einen weiten Blick über die Ebene.

Im Prinz-Moritz-Park entstand - trotz massiver Proteste der Bevölkerung - in den neunziger Jahren ein großzügiger Anbau der Kreisverwaltung. Das Gebäude überdeckt jetzt das ehemalige Grundstück des Hotel Maywald; ein Neuaufbau an historischer Stätte ist damit unmöglich geworden.

Am Kermisdahl findet sich diese Terrasse. Es ist der Rest des ehemaligen Bootsstegs des Hotels (Herbst 2001).

zuletzt bearbeit am 05.12.2005