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KLEVE.
Andere fliegen nach Honolulu oder Australien, um wenigstens im
Urlaub Ruhe vor der Bagage zu haben - Donald Fehlings nutzt
seine Ferien, um nach seiner Familie zu suchen. Zwar lebt er
seit seiner Geburt in Washington und hat dort eine eigene
Familie gegründet - aber er ist auf der Suche, und zwar seit
Jahrzehnten. Der US-Bürger ist zurzeit im Kreis Kleve zu Gast,
um seine Vorfahren aus Till aufzuspüren. Denn - so viel weiß
er - sie lebten alle am Niederrhein, über Jahrhunderte hinweg.
Deshalb besuchte er am Wochenende den familienkundlichen Verein
"Mosaik" in Kleve, bei dem er Mitglied ist.
"Ich
bin vor einem Jahr übers Internet Mitglied geworden", erzählt
der 73-jährige ehemalige Luftwaffen-Colonel. Die Suche nach
seinen Wurzeln hat aber schon im Teenager-Alter begonnen. Als er
1958 über die Luftwaffe die Möglichkeit bekam, in Bitburg
stationiert zu werden, ergriff er die Chance, in Deutschland
seine Familiengeschichte aufzuarbeiten. Er lernte einen
Genealogen kennen, der ihn in die Familienforschung einweihte.
Doch erst jetzt, mithilfe von Mosaik, macht seine Arbeit solche
Fortschritte, dass er mit seiner Familie an die Stätte seiner
Vorfahren reist. "Wir wollen sehen, wie sie gelebt haben,
wir wollen es spüren", so Donald Fehlings. Der inzwischen
seinen Stammbaum bis ins Jahr 1184 zurückverfolgt hat, zu einem
gewissen Lambertus Fehlings. Mittels Akten, Archiven,
Todesscheinen und Geburtsurkunden versucht er, wie ein Detektiv
herauszufinden, was seinen Urgroßvater 1846 dazu bewegt hat,
nach Amerika auszuwandern. "Es waren wahrscheinlich ökonomische
Gründe", ahnt er. Und ist nebenbei völlig überwältigt,
wie Deutschland seit den 60er Jahren aufgeblüht ist:
"Damals war das noch ein vom Krieg gebeuteltes Land. Was
man hier wieder aufgebaut hat, ist beeindruckend." Die
Zusammenarbeit mit "Mosaik" bedeutet ihm sehr viel.
"Wer hier mit einem Mitglied spricht, bekommt die geballte
Information von vielen Jahren Forschungsarbeit."
"Er
ist unser 500. Archiv-Besucher in diesem Jahr", freut sich
Mosaik-Vorsitzender Martin Wennekers. Der selbst seinen
Stammbaum bis ins Jahr 1680 zurückverfolgt hat, und weiß, dass
seine Vorfahren die unterschiedlichsten Berufe hatten. "Das
ist das Spannende daran: Es sind nicht nur schlichte Zahlen,
sondern Menschenleben." Auch der zweite Vorsitzende,
Johannes Boßmann, weiß: "Das ist ein lebenslanges Hobby,
das nie endet." Ob der Urururgroßvater der Liebe wegen ins
Nachbardorf zog oder die Urtante ein uneheliches Kind bekam, was
damals ein handfester Skandal war - all das kann man bei Mosaik
erforschen. Dienstags 14 bis 17, samstags 10 bis 13 Uhr,
Lindenallee 54, Tel: 1 35 09. Und im Oktober, wenn der Verein
15. Jubiläum in der Stadthalle feiert. |