Ruth Schneeberger

Auf der Suche nach den eigenen Wurzeln

Der Klever Verein "Mosaik" hatte Besuch aus den USA.

NRZ vom 16.07.2002

Donald Fehlings (li.) suchte mit Mosaik-Mitgliedern nach niederrheinischen Vorfahren. (Foto: ThoLi)

KLEVE. Andere fliegen nach Honolulu oder Australien, um wenigstens im Urlaub Ruhe vor der Bagage zu haben - Donald Fehlings nutzt seine Ferien, um nach seiner Familie zu suchen. Zwar lebt er seit seiner Geburt in Washington und hat dort eine eigene Familie gegründet - aber er ist auf der Suche, und zwar seit Jahrzehnten. Der US-Bürger ist zurzeit im Kreis Kleve zu Gast, um seine Vorfahren aus Till aufzuspüren. Denn - so viel weiß er - sie lebten alle am Niederrhein, über Jahrhunderte hinweg. Deshalb besuchte er am Wochenende den familienkundlichen Verein "Mosaik" in Kleve, bei dem er Mitglied ist.

"Ich bin vor einem Jahr übers Internet Mitglied geworden", erzählt der 73-jährige ehemalige Luftwaffen-Colonel. Die Suche nach seinen Wurzeln hat aber schon im Teenager-Alter begonnen. Als er 1958 über die Luftwaffe die Möglichkeit bekam, in Bitburg stationiert zu werden, ergriff er die Chance, in Deutschland seine Familiengeschichte aufzuarbeiten. Er lernte einen Genealogen kennen, der ihn in die Familienforschung einweihte. Doch erst jetzt, mithilfe von Mosaik, macht seine Arbeit solche Fortschritte, dass er mit seiner Familie an die Stätte seiner Vorfahren reist. "Wir wollen sehen, wie sie gelebt haben, wir wollen es spüren", so Donald Fehlings. Der inzwischen seinen Stammbaum bis ins Jahr 1184 zurückverfolgt hat, zu einem gewissen Lambertus Fehlings. Mittels Akten, Archiven, Todesscheinen und Geburtsurkunden versucht er, wie ein Detektiv herauszufinden, was seinen Urgroßvater 1846 dazu bewegt hat, nach Amerika auszuwandern. "Es waren wahrscheinlich ökonomische Gründe", ahnt er. Und ist nebenbei völlig überwältigt, wie Deutschland seit den 60er Jahren aufgeblüht ist: "Damals war das noch ein vom Krieg gebeuteltes Land. Was man hier wieder aufgebaut hat, ist beeindruckend." Die Zusammenarbeit mit "Mosaik" bedeutet ihm sehr viel. "Wer hier mit einem Mitglied spricht, bekommt die geballte Information von vielen Jahren Forschungsarbeit."

"Er ist unser 500. Archiv-Besucher in diesem Jahr", freut sich Mosaik-Vorsitzender Martin Wennekers. Der selbst seinen Stammbaum bis ins Jahr 1680 zurückverfolgt hat, und weiß, dass seine Vorfahren die unterschiedlichsten Berufe hatten. "Das ist das Spannende daran: Es sind nicht nur schlichte Zahlen, sondern Menschenleben." Auch der zweite Vorsitzende, Johannes Boßmann, weiß: "Das ist ein lebenslanges Hobby, das nie endet." Ob der Urururgroßvater der Liebe wegen ins Nachbardorf zog oder die Urtante ein uneheliches Kind bekam, was damals ein handfester Skandal war - all das kann man bei Mosaik erforschen. Dienstags 14 bis 17, samstags 10 bis 13 Uhr, Lindenallee 54, Tel: 1 35 09. Und im Oktober, wenn der Verein 15. Jubiläum in der Stadthalle feiert.

zuletzt bearbeit am 09.12.2005