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BRIENEN.
„Diese
Anlage wird hoffentlich der Stadt Kleve Antrieb und Mittel bieten,
Gewerbetätigkeit zu entwickeln und Handel an sich zu
ziehen." Sagte 1836 ein Minister. Und meinte den Spoykanal
samt der Kammerschleuse in Brienen. Heute ist die Schifffahrt nur
noch von geringer Bedeutung für die Schwanenstadt. Die Schleuse
aber immer noch in Betrieb.
Sie wird benötigt, um den Höhenunterschied zwischen dem
Pegelstand des Spoykanals und des Rheins auszugleichen. Und
funktioniert wie eh und je nach dem gleichen Prinzip: Ein Schiff fährt
in die Schleusenkammer ein, dabei ist das untere Schleusentor
geschlossen. Dann wird auch das Tor, durch das das Schiff
eingefahren ist, dicht gemacht. Das Wasser wird aus der
Schleusenkammer abgeleitet das untere Tor öffnet sich und das
Schiff kann weiterfahren. Umgekehrt funktioniert's ähnlich - dann
muss allerdings das Wasser in die knapp 80 Meter lange Kammer
geleitet werden.
Früher bedurfte es etlicher Arbeiter, die schweren, großen
Eisentore per Hand zu öffnen und zu schließen, die sich am Ein-
und Ausgang der Schleusenkammer befinden. Die Technik macht's möglich:
Heute erledigen gerade mal zwei Mann diesen Job: Rudolf Scholten
(43) und Jonas Bülow (23). Die Zeiten als „Belgische
Spitzen", Holzflöße und Segelschiffe en masse, Richtung
Kleve und zurück fuhren, sind aber lange vorbei: „Wir schleusen
pro Tag etwa fünf Schiffe", erzählt Scholten. An Bord
dieser Schiffe: Güter der Margarine-Union und Rhenania. Dazu
kommen Sport- und Passagierschiffe.
Die Schleuse hat eine wechselvolle Geschichte
Der „Schichtleiter an Schleuse", so die korrekte
Berufsbezeichnung Rudolf Scholten's, weiß einiges zur Geschichte
seines Arbeitsplatzes zu erzählen: „Die erste Schleuse hat hier
Moritz von Nassau 1656 bis 1658 bauen lassen." Die hielt aber
nicht lange: Schon 1661 wurde sie vom Hochwasser zerstört. 1688
bis 1693 bauten sich die Klever dann etwas Stabileres - eine
Steinschleuse. Die fiel den Fluten von 1809 zum Opfer. Genauso wie
das legendäre Bauernmädchen Johanna Sebus, deren Denkmal in der
Nähe der heutigen Schleuse steht. Die wiederum stammt aus
den Jahren 1907/08 und ersetzte damals das Bauwerk, das der Staat
Preußen nach der Hochwasserkatastrophe errichten ließ.
Am
Ende des Zweiten Weltkriegs wäre sie beinahe menschlicher
Dummheit geopfert worden: Als sich die Wehrmacht auf dem Rückzug
befand, hielt sie es für nötig, Deiche, Brücken und Schleusen
zu sprengen, um die Alliierten am Vormarsch zu hindern. Erfolglos,
wie man heute weiß. Das Bauwerk zeigte sich allerdings recht
widerspenstig: Lediglich oberhalb des Wasserspiegels richteten die
angebrachten Sprengladungen Zerstörungen an. Unter Wasser
explodierten die Minen nicht. Dem heute 81-jährigen Wilhelm van
Koeverden wurde die zweifelhafte Ehre zuteil, die gefährlichen Überbleibsel
zu entschärfen und auszubauen.
Am 10. Januar 1949 konnte schließlich die neue Brücke eingeweiht
werden - eine Hubbrücke, die komplett in die Höhe verschoben
wird, wenn ein Schiff die Schleuse passiert. Das letzte große
Segelschiff sei am 4. Dezember 1964 durch die Kammer gefahren, erzählt
Scholten.
Bei
Hochwasser sind die Schotten dicht
Jetzt könnte man ja denken, dass Scholten und Bülow einen
ruhigen Job haben. Bei gerade mal fünfmal pro Tag die Tür auf
und zu machen. Von wegen. Denn sie haben auch andere Aufgaben:
„Wir kassieren bei den Schiffern Gebühren, messen den
Pegelstand des Rheins und sorgen dafür, dass der Spoykanal nicht
zu voll läuft."
Letzteres ist besonders wichtig: In die Spoy läuft Wasser aus
einem Einzugsbereich von 67 Quadratkilometern Fläche. Wenn's
regnet, wird der kleine Kanal schnell voll: Und wenn Scholten und
Bülow das Wasser nicht ablassen würden, würden die Anwohner
nasse Füße kriegen. Wenn's richtig dicke kommt, springt das
Pumpwerk des Deichverbandes ein. Bei Hochwasser über 5,40 Meter
Pegelstand in Emmerich schließen Bülow und Scholten zusätzlich
zu den rheinwärts gelegenen kleinen Stemmtoren die großen
Hochwassertore (das große, Richtung Kleve gelegene Tor nennt sich
Schiebetor). Ab 8,10 Meter dürfen keine Schiffe mehr passieren.
„Und ab 9,30 Meter müssen wir Dammbalken aus Stahl
installieren." Zuletzt ist das 1998 passiert. Übrigens:
unter einem Meter Pegelstand („das passiert im Sommer öfter„")
bleiben die Tore in Brienen auch geschlossen. Damit der Spoykanal
nicht leer läuft. |