|
Dicht
gedrängt stehen hunderte Klever am 22. Oktober 1958 vor den
Türen des neugebauten Kaufhofs und warten auf die langersehnte
Neueröffnung des Warenhauses. Die Polizei muss die
Menschentrauben davor bewahren, die Eingangsglastüren
einzudrücken. Die Freude über die Eröffnung des nach dem
Krieg wieder hergestellten Kaufhofs war riesig - die Neugierde
mindestens genauso groß. Gleich drei Mal muss das Haus an
diesem Tag geschlossen werden - das Gebäude ist überfüllt.
"Der
Wiederaufbau des Kaufhofs mit der besonderen Glasfassade des
Architekten Professor Wunderlichs sorgte sicher in Kleve für
eine Aufbruchstimmung", sagt rückblickend
Geschäftsführer Herbert Wetzels. Mit der modernen Architektur
des Kaufhofs wurde den Klevern klar, dass "hier etwas Neues
entsteht", so Wetzels. Die Rolltreppen gaben dem Haus etwas
großstädtisches Flair. Mittlerweile gibt es Überlegungen, die
Fassade unter Denkmalschutz stellen zu lassen.
An
der Stelle des Kaufhofs stand bereits seit 1912 in Kleve das
Warenhaus der Gebrüder Weyl. Zum Kaufhof wurde das Haus erst im
Jahr 1929, als der Sohn des Kaufhof-Gründers Leonhard Tietz,
Alfred Leonhard-Tietz, das Haus in Kleve übernimmt. Von den
Nationalsozialisten enteignet, emigrierte die jüdische Familie
Tietz später ins Ausland.
In
Kleve ging während der Kriegsjahre der Betrieb zwar weiter. Mit
dem Bombenangriff am 7. Oktober 1944 wird das Kaufhaus
allerdings komplett zerstört. Es dauert 14 Jahre bis 1958 im
Herzen der Innenstadt eine Großbaustelle entsteht: der neue
Kaufhof - ein "Vollsortimentshaus" mit drei
Verkaufsetagen wird wieder aufgebaut. Völlig neu in der Kleve
war der Selbstbedienungsmarkt für Lebensmittel im
Untergeschoss. Ein Novum auch für den Kaufhof-Konzern, denn
Kleve war erst das zweite Haus, in dem eine solche
Selbstbedienungsabteilung eingerichtet wurde. Eine Attraktion
war auch der "Erfrischungsraum mit 150 Sitzplätzen".
"Damals haben wir im Kaufhof über 300 Menschen
beschäftigt. Der Kunde wurde im Haus individuell bedient",
sagt Wetzels, "allein in der Strumpfabteilung hatten wir
fünf Beschäftigte". Heute arbeiten etwa 80 Mitarbeiter
und Mitarbeiterinnen im Kaufhof. "Punktuell kann man
darüber reden, ob man mehr Mitarbeiter einsetzen sollte - aber
aus Kostengründen ist dies nur begrenzt möglich", sagt
Wetzels. Die Kunden wollten heute selbst aussuchen, eine Vorwahl
treffen, so Wetzels. "Man schaut natürlich manchmal ein
bisschen wehmütig auf die alte Zeit zurück, aber vieles ist
heute einfach nicht mehr zu finanzieren", sagt der
Geschäftsführer. Ein schweres Geschäft, in Zeiten, wo
steigende Steuern, verteuerte Miete und die private
Altersvorsorge immer stärker das Portemonnaie der Kunden
belasten. "Das ist die berühmte Mark, die eben nur einmal
ausgegeben werden kann", so Wetzels, der dennoch in seiner
Klever Filiale "deutlich schwarze Zahlen schreibt".
Jedes Jahr kaufen in Kleve 600.000 Kunden im Kaufhof ein - über
eine Million Teile gehen hier über die Verkaufstheken.
Grundlegend
wurde das Sortiment des Kaufhofs 1986 umgestellt - von nun an
richtete der Kaufhof sich auf Textil- und Sportbekleidung aus
und nannte sich "Kaufhof Mode & Sport". Eine
zusätzliche, vierte Etage kam hinzu und erweiterte die
Gesamtfläche auf über 5.000 Quadratmeter - zwei Jahre später
kam Herbert Wetzels nach Kleve. Am heutigen Samstag feiert er
sein zwölfjähriges Dienstjubiläum. "Es macht mir bis
heute einen irrsinnigen Spaß, hier in Kleve zu arbeiten,"
sagt er. Sehr schnell habe er sich mit den Menschen, der Stadt
und seinen Mitarbeitern im Hause identifiziert.
Bei
der Firmenleitung habe er sich immer wieder für eine
grundlegende Modernisierung des Hauses ausgesprochen - im
November 1998 war es dann soweit. Fünf Millionen Mark wurden
damals in das Haus investiert - neue Geschäftsfelder kamen
hinzu. Eine Parfümerie, Bücher, Schreibwaren und Kurzwaren
fanden Einzug. Markenshops von Esprit, S. Oliver, Gerry Weber
und Adidas wurden eingerichtet. Die Verkaufsfläche wurde noch
einmal um 250 Quadratmeter erweitert. "Ziel war es, die
Attraktivität zu steigern und die Verweildauer der Kunden im
Haus zu verlängern - um so Arbeitsplätze zu sichern", so
Wetzels.
Die
Planungen für die "Neue Mitte" begrüßt Wetzels und
stellt klar, dass "ich froh über alles bin, was die
Innenstadt stärkt". Die Betonung liege bei Innenstadt,
ergänzt er. Der Blick in die Zukunft ist für Herbert Wetzels
unternehmerische Pflicht. In Kleve, so Wetzels, sei die Welt
weitestgehend in Ordnung. Der Standort ist gesichert, das Haus
schreibt schwarze Zahlen. Und so denkt der
Kaufhof-Geschäftsführer sogar über eine erneute
Vergrößerung nach. Eine Aufstockung des Gebäudes sei zwar
nicht angedacht, aber eine Erweiterung auf dem Kaufhofgelände.
Sollte die Vergrößerung 800 Quadratmeter nicht übersteigen,
so würde er sich für einen Ausbau des bisherigen Sortiments
einsetzen. Könnte die Kaufhoferweiterung aber umfangreicher
realisiert werden, dann möchte er neue Sortimentbereiche, wie
beispielsweise Haushaltswaren, in das Programm aufnehmen. |