12000 Jahre Niederrhein - 800 Jahre Kleve

Nachkriegszeit

31.07.1946

Mitteldeutscher Rundfunk: Sendung anlässlich der Entlassung der ersten deutschen Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion

0:55 Min.

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02.08.1946

Vortrag von Karl Heinrich Knappstein, Ministerialdirigent im hessischen Ministerium für Befreiung, über die Ziele der Entnazifizierung

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30.09.1946

Rundfunkbericht von der Urteilsverkündung im Nürnberger Prozess

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Dez. 1946

Dankesworte eines Frankfurter Schulkindes und seines Lehrers an das amerikanische Volk

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1947

Reportage vom Schwarzen Markt in Köln

1:53 Min.

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17.10.1947

Nordwestdeutscher Rundfunk: Verlesung der Demontageliste für die britische und amerikanische Zone Deutschlands

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18.06.1948

Verkündung der Währungsreform für die drei Westzonen Deutschlands. Sprecher: Robert H. Lochner

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21.06.1948

Wochenschau: über die neuen Waren nach der Währungsreform

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Bedburg, 29. März 1945 - Wie Nomaden hausten Tausende in den Zelten.

Bedburg, 7. März 1945 - Jedes Stückchen Boden ist belegt.

Bedburg, April 1945 - Erste deutsche Verwaltung im Bereich der II. Britischen Armee. Sitzend von links nach rechts: Hans Thelosen, Peter Albers, Disch (früherer Beigeordneter der Stadt Essen), Dr. Dr. Janssen, Dr. Josef Stapper, Eberhard Wehren, unbekannt. Stehend von links nach rechts: Franz Reinders, Richard Vierboom, J. Kannengießer, A. v. Dyck, unbekannt, unbekannt.

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Bedburg, 7. März 1945 - "Kriegscamping"

Bedburg, 16. Februar 1945 - Die alten Menschen - hier Einwohner von Materborn - traf die Vertreibung am härtesten, viele von ihnen starben.

Bedburg - Der große Treck.

Bedburg - Am 7. März verpflegte die Anstaltsküche fast 8.500 Menschen.

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Um die Vorbereitungen für den Rheinübergang geheim zu halten, wurde die gesamte Bevölkerung zwischen Kleve und Sonsbeck evakuiert. So sah es am 3. März 1945 bei Kervenheim aus.

Bedburg, Anstaltskirche - Sonntag, 4. März 1945 - Alles konnte man den Niederrheinern nehmen, nur nicht den Glauben. 

Bedburg, 7. März 1945 - Kaplan Bausch im Gespräch mit Vertriebenen.

Bedburg, Ende März 1945 - Sein Soll betrug 5 Särge pro Tag.

Quelle:

Beiträge zur Geschichte der Stadt Kleve im 20. Jahrhundert - Hansjoachim Hennig (Hrsg.)

hier: Die Zeit des Überlebens - Rolf Eilers (Seiten 89 bis 93)

"Kleve ist eine tote Stadt, ohne Bewohner, ohne Kirchen und Priester - ein Grab", notierte Pfarrer Bullmann schon zum 15. Oktober 1944 in seinem Tagebuch. Wie viel mehr galt diese Beschreibung für die Zeit, als die Bewohner des Kreises interniert in dem riesigen Lager in Bedburg-Hau (siehe Fotos oben) auf das Ende der Kämpfe harrten. Die Briten hatten nämlich, um ungestört und unbeobachtet den Rheinübergang vorbereiten zu können, zunächst die gesamte Zivilbevölkerung, die in dem Gebiet zwischen dem Rhein und der B 57 wohnte, letztlich dann die ganze Kreisbevölkerung in den Anstalten von Bedburg-Hau interniert. Vom 5. März bis in den April hinein lebten dort in den Häusern und in einer rasch errichteten Zeltstadt unter den schwierigsten Lebensbedingungen etwa 24.000 bis 26.000 Menschen. Nach sechs Wochen, in denen Kleve menschenleer wie eine Geisterstadt gelegen hatte, zog Mitte April 1945 ein Häuflein von nicht einmal 3.000 Überlebenden wieder in die Stadt ein und durchsuchte die Trümmer nach den Resten ihrer Habe. 

Man hatte die Klever aus dem Lager entlassen, nachdem der Rheinübergang geglückt war und nun die Kapitulation Deutschland unmittelbar bevorstand. Sie beendete bekanntlich am 8. Mai 1945 den Zweiten Weltkrieg. Mitte Mai zählte man 2.793 Menschen in der Ruinenstadt, bis Oktober 1945 verdreifachte sich diese Einwohnerzahl. Die britische Besatzung, besorgt so viele Menschen könnten in den Kellern und halbzerstörten Häusern unmöglich den Winter überstehen, ordnete zum Herbst 1945 eine neuerliche Evakuierung in den Kreis Kempen, der im Krieg weniger gelitten hatte, an. Doch die Klever klammerten sich an ihre Stadt. Nur rund 750 folgten den Aufruf, die übrigen entschieden sich für die Weiterexistenz in den Trümmern ihrer Häuser. Ja ohne Rücksicht auf den fehlenden Wohnraum kehrten aus der "Grünen Zone", also den benachbarten Kreisen des Niederrheins und aus Mitteldeutschland die Evakuierten zurück. Mitte 1946 überschritt die Einwohnerzahl in Kleve bereits wieder die Zahl von 13.000. Die Stadt musste zeitweise ein totales Zuzugsverbot verhängen, damit ihr die Wohnungsnot nicht über den Kopf wuchs. Aber erst zwanzig Jahre nach Kriegsbeginn erreichte die Einwohnerzahl mit 22.000 Einwohnern
ihren Vorkriegsstand wieder.

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Typisch für die Nachkriegsjahre: Mutter & Sohn - der Vater gefallen oder in Kriegsgefangenschaft - organisieren den Alltag auf einfachste Art. Der Krieg hatte am Niederrhein tiefe Spuren hinterlassen. Die Frau versorgt ihre Kinder im Lager Materborn. Quelle: NRZ Kleve, 08.02.2008

Auch im 21. Jahrhundert werden im Klever Land bei Bauarbeiten immer wieder Minen aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden.

Die Klever Familien hatten zahlreiche Kriegstote zu beklagen, fast ebenso viele Opfer unter der Zivilbevölkerung (541) wie unter den Wehrmachtsangehörigen (680). Die wirkliche Zahl der Opfer der Luftangriffe lag höher als die der registrierten Toten. Eine Reihe von ihnen hatte man nicht mehr identifizieren können, wie die ukrainischen Arbeiter, die im Gefängnis Krohnestraße bis zur Unkenntlichkeit verbrannt waren. Ihre Gräber auf dem Klever Friedhof und auf dem Soldatenfriedhof in Donsbrüggen tragen die Aufschrift "Unbekannt".

Viele Kinder waren verwaist, der Krieg hatte ihnen die Väter genommen. Von den Schülern, die 1948 die Klever Hilfsschule besuchten, hatte mehr als ein Drittel keinen Vater daheim: sie waren im Krieg gefallen oder befanden sich noch in Kriegsgefangenschaft, in der Unterstadtschule fehlte einem Fünftel der Kinder der Vater. Die britische Militärregierung drängte darauf, die Kinder so rasch wie möglich von der Straße zu bringen. Bereits in den Monaten Oktober und November 1945 begann daher unter unsäglichen Schwierigkeiten der Schulunterricht wieder. Die Erfahrungen in der Großstädten hatten den Briten gezeigt, dass die von den Erwachsenen in ihren Existenzkampf hineingezogenen Kinder zu verwahrlosen drohten. Und Existenzkampf hieß damals auch in Kleve nicht nur Schlangestehen vor den Lebensmittelgeschäften, Hamsterfahrten über Land oder Tausch- und Schwarzmarktgeschäfte organisieren. Eine Zeugin berichtete:

"Jeder griff und nahm, was er brauchte; die meisten unbewohnten Wohnungen, Zimmer und Häuser der Evakuierten boten Freistätten und leerten sich mehr und mehr. Kinder und Halbwüchsige stahlen und zerstörten mutwillig. Die Nähmaschine der Schule wurde ... einfach aufgeladen und nie zurückgegeben. Vom Kindergarten nahmen die Leute Tische, Stühlchen und jedes Restinventar."

"Die erheblichen Lebensmittelvorräte, die die Firma Mertens in Grieth für die Stadt gelagert hatte, wurden geplündert: in den Kellener Margarinewerken stahlen die Leute 40 Tonnen Fett, eine Menge, von der der gesamte Kreis sich hätte monatelang versorgen können."

Denn in dieser Katastrophengesellschaft des ersten Nachkriegswinters ging es ums Überleben. Der von den Briten eingesetzte Bürgermeister Stapper und sein kleiner Stab, der unter der Kontrolle der britischen Offiziere - und auch mit deren Unterstützung - arbeitete, sah sich anfangs vor fast unlösbaren Versorgungsproblemen: "Keine Molkerei, kein Mühlenbetrieb, keine Bäckerei und keine Metzgerei, mit Ausnahme der der Anstalt in Bedburg-Hau, war noch betriebsfähig. Es fehlt an dem notwendigsten Transportraum ... die meisten landwirtschaftlichen Flächen liegen brach, der Viehbestand zählt nur noch Bruchteile des Vorkriegsbestandes. In den ersten zwei Monaten organisierte die neue Verwaltung für die etwa 3.000 Menschen in der Stadt täglich eine warme Mahlzeit, die an drei Stellen ausgegeben wurde. Fünf Wasserpumpen versorgten sie mit Wasser, das eimerweise nach Hause getragen werden musste. Dreimal am Tag heulten die Sirenen auf: Ihr Signal zeigte den Klevern, von denen viele keine funktionierende Uhr mehr besaßen, welche Stunde geschlagen hatte. Und jeden Abend versank die ganze Stadt im Dunkel, denn auch die Elektrizitätsnetze waren zerstört.

Der Verwaltung gelang es rasch, vier Bäckereien in Gang zu setzen, die Vollkornbrot für die Stadt buken. Dafür hatte sie Benzinmotore für eine Mühle beschaffen, mit Treibstoff versorgen und Braunkohlenbriketts aus dem Kölner Raum herbeikarren müssen, um den fehlenden Strom zum Backen zu ersetzen. Um Milch heranzufahren, montierten findige Handwerker zwei "gefundene" britische Armeetanks auf deutsche Lastwagen, die sie aus alten Fahrzeugen zusammengestückelt hatten. Nachdem die in der Stadt lebenden Menschen registriert worden waren, organisierte die Firma Boss soviel Papier, dass eine Art von Lebensmittelkarten gedruckt werden konnte, um die Verteilung der kargen Lebensmittel gerecht zu gestalten. Und karg blieben diese Rationen noch lange.

Im Sommer 1946 appellierte die neue Klever Stadtvertretung, da die Fettzuweisung weiter abzusinken drohte, an die Militärregierung, "dem Notschrei der Bevölkerung der Stadt Kleve Gehör zu schenken und alle deutscherseits getroffenen Maßnahmen zu unterstützen, die ein langsames Verhungern der Bevölkerung verhindern". 

Im folgenden Winter erreichte "die Ernährungskrise einen ihrer Höhepunkte, verursacht durch den Ausfall an Gemüse und Milch infolge der anhaltenden Trockenheit des letzten Sommers und Herbstes. Die Fettration wurde verschwindend klein. Auch die Fleischration sank vielfach bis auf 50 g je Woche. Aber auch diese kleinen Rationen mussten teilweise noch gegen Zucker ausgetauscht werden. Der Ernährungszustand der Bevölkerung ist dadurch sehr zurückgegangen und damit die Anfälligkeit für Krankheiten gestiegen. Namentlich die Tuberkulose ist im Vordringen." Im April 1947 versuchten die notleidenden Menschen in Kleve erneut, auf ihre Lage aufmerksam zu machen: alle Betriebe und Verwaltungen traten in einen befristeten Warnstreik als Protest gegen die katastrophale Ernährungslage. Aber Besserung war nicht in Sicht: die Not blieb auch im dritten Nachkriegsjahr groß. Im Winter 1947/48 wandten sich die Klever Gewerkschaften im Namen der Bevölkerung an den Ministerpräsidenten des neugegründeten Landes Nordrhein-Westfalen: die Menschen hier seien am Ende ihrer Kraft. Sie könnten nicht weiterarbeiten, wenn sich die Ernährung nicht bessere. Selbst die aufbauwilligen demokratischen Kräfte in der Stadt resignierten. Die Arbeitnehmervertreter forderten sogar die Einführung einer "befristeten Todesstrafe" für Großschieber und Schwarzschlächter, um die Versorgung gleichmäßiger und gerechter zu machen. Verständlich, denn die Mangelsituation hatte eine spezifische Hungerkriminalität ausgelöst. Viele Lebensmittel verschwanden auf dem Schwarzmarkt, wurden "verschoben", zu Wucherpreisen verkauft, für Kompensationsgeschäfte und Tausch genutzt. Schmuggel, Viehdiebstähle auf den Weiden, Raubzüge durch die Obstgärten, aber auch Überfälle auf einzelliegende Gehöfte nahmen überhand. Schwarzbrenner erzeugten den berüchtigten "Knolli-Brandy" aus Zuckerrüben; ein besonders dreister Übeltäter hatte seine Brennerei sogar - ohne Wissen der Beamten - im Keller der Klever Zollverwaltung eingerichtet. Die Polizei und das seit April 1946 wieder arbeitende Amtsgericht hatten alle Hände voll zu tun. Schließlich halfen sich die Betroffenen selbst. Im Kreis Kleve richteten sie eine Bürgerwehr ein, die 1947 die Stärke von 3.000 Mann erreichte. Sie vermochte die Wirtschaftsvergehen wirksam zu bekämpfen und große Lebensmittelmengen für die allgemeine Versorgung zu sichern.

Ein Lichtblick und Hoffnungszeichen bildete für viele Klever in diesen Jahren die sogenannte "Schweizer Spende" (Erinnerungen Klever Bürger an die Schweizer Spende). Diese Hilfsorganisation gab in den Notjahren 1945 bis 1948 Milch und Nährmittel aus, später auch eine warme Mahlzeit für die Klever Kinder. Die Schweizerinnen unterhielten auf dem Schulhof der Unterstadt eine Nähstube, verteilten Schuhe und Kleidungsstücke und halfen den Müttern, die Kleidung für ihre Kinder zu flicken. Ihre Hilfe blieb in Kleve unvergessen. 1984 erhielt ein Vertreter dieser Schweizer Hilfsorganisation die erste Johanna-Sebus-Medaille als Anerkennung dieser Leistung. Aber in der zerstörten Stadt fehlte es nicht nur an Lebensmitteln. Die in den Kellern und notdürftig reparierten Wohnungen hausenden Familien brauchten genauso dringend Schuhe, Kleidung und Haushaltswaren. Ihre Situation beschreibt ein Bericht des Klever Bürgermeisters, der im Dezember 1945 eine Reihe von Haushalten erfassen ließ, wohl als Grundlage für eine gerechte Zuteilung: "Witwe W. Fünf Kinder im Alter von 17 bis zu fünf Jahren. Es ist vorhanden: Schlafgelegenheit: zwei Betten mit Strohsäcken, zwei Federbetten und eine Wolldecke. Alles andere Bettzeug fehlt. Haushaltswäsche fehlt ganz bis auf drei Handtücher, etwas Kleidung und Leibwäsche. Die Kinder haben nur ein Hemd. Ein schulpflichtiger Junge hat keine Schuhe und keine Strümpfe, so dass der Schulbesuch nicht möglich ist. Zwei Kinder haben auch keinen Mantel. Geschirr: Es sind zwei Tassen im Haushalt, so dass mehrere Personen aus einer Tasse trinken müssen. Ebenso fehlt bei dem übrigen Geschirr das Allernotdürftigste. Möbel: Stühle fehlen, Kleiderschrank fehlt. Ein Tisch und eine geliehene Bank sind vorhanden." Ein Fall von vielen aus diesem Bericht! Und die Aussichten auf eine bessere Ausstattung erschienen damals eher trübe. "Im Bereich der Versorgung mit gewerblichen Waren ist ein starker Rückgang gegenüber dem Vorjahr 1946 zu verzeichnen. Im Kalenderjahr 1946 wurden an Textilwaren durchschnittlich noch 16 Punkte pro Kopf der Bevölkerung ausgegeben, im Jahre 1947 aber nur noch 9 Punkte. Wenn es in diesem Tempo weitergeht, beträgt die Wartezeit für einen Wintermantel 300 Jahre, für einen Männeranzug 140 Jahre. Um ein Paar Lederschuhe zu erhalten, wird man acht Jahre warten müssen. Rechnet man Arbeits- und Berufsschuhe hinzu, ist ein Zeitraum von sechs Jahren erforderlich, bis jeder einmal bedacht wird. Nicht besser steht es mit Haushaltsgeräten. 60 Ofen aller Art, 68 Kohle- und Grudeherde und 135 Kohlekleinherde und Kochhexen wurden ausgeteilt. Dieses Tempo vorausgesetzt wird in 150 Jahren jeder Haushalt einen Ofen bekommen. Einen Kochtopf wird jeder Haushalt im Laufe von 16 Jahren bekommen, desgleichen eine Bratpfanne. Auf einen Löffel muss man durchschnittlich neun Jahre warten, auf eine Gabel 27 Jahre und auf ein Tischmesser 70 Jahre. Den Rekord erreichen die Bettstellen mit 450 Jahren." Der Verfasser des Berichts hatte offenbar seinen Humor noch nicht verloren."

Am schlimmsten aber drückte die Wohnungsnot in der zerstörten Stadt, die Überfüllung und Enge in allen irgendwie bewohnbaren Räumen und Kellern. Die britische Besatzung ordnete schon im Sommer 1945 die "Aktion Obdach" an. Danach sollten als erster Schritt die leicht beschädigten Wohnungen winterfest gemacht werden. Die Engländer verpflichteten alle arbeitsfähigen Männer zu solchen Arbeiten. Der von ihnen gezahlte Stundenlohn von 0,70 RM bot manchen Familien angesichts der noch zerstörten Betriebe in der Stadt eine erste Einkommensquelle. Zu diesem Zweck mussten die städtischen Arbeiter - Baumaterial gab es nicht - stark beschädigte oder ganz zerstörte Häuser "ausschlachten", Dachziegel, Fenster, Türen, alles was verwendbar war, demontieren. Aber auch die Privatleute sahen die Trümmerstätten "vielfach als eine Art Gemeinschaftseigentum an". Und halfen sich selbst. Sie hätten sogar die einzige, weitgehend unbeschädigte Schule, die Unterstadtschule "ausgeschlachtet", wäre sie nicht von einem ihrer Lehrer beherzt verteidigt worden. Aber, auf krummen wie auf geraden Wegen - mit Lebenswillen, Durchhaltevermögen und gegenseitiger Hilfe schlug man sich durch. Und die Stadt tat das Äußerste, um für ihr bald einsetzendes "Wohnungsnotprogramm" so viel Baumaterial wie möglich am Schwarzmarkt vorbei in den regulären Wohnungsbau zu leiten und in den folgenden Jahren den Wiederaufbau der Stadt in Gang zu bringen.

Die britische Militärregierung

Die Politik der britische Militärregierung unterschied sich deutlich von der belgischen Besatzungspolitik der Jahre 1918 bis 1926. Die drei Ziele waren: re-education, responsible goverment, Federation of Germany.

Da die Alliierten - entgegen der Erwartung - in Deutschland nach der Eroberung keine funktionierende deutsche Verwaltung vorfanden, übernahm das Militär die anfängliche Regierungsgewalt. Der Kreiskommandant in Kleve setzte den Steuerberater Dr. Stapper in das Amt des Bürgermeisters ein. Zusammen mit fünf Beamten, zwei Angestellten, 500 Blatt Schreibmaschinenpapier und einigen Bleistiften begann deren schwierige Arbeit.

Dr. Stapper wurde jedoch Opfer der in Kleve unglücklich verlaufenen Entnazifizierung. Wahrscheinlich aufgrund einer Denunuziation musste er sein Amt als Bürgermeister im Mai 1946 niederlegen. Stapper war am 30. Januar 1933 Mitglied des Stahlhelms geworden, der 1934 kollektiv in die SA übergeführt wurde. Als nominelles SA-Mitglied hatte Stapper sich aber jeder Teilnahme an irgendwelchen Aktivitäten enthalten, so dass er 1938 wegen "fehlendem Interesse" aus der SA ausgestoßen worden war. Stapper konnte erst 1952 das Bürgermeisteramt wieder übernehmen. Er blieb fast drei Jahre der oberste Repräsentant der Stadt und ersetzte Wilhelm Reintjes aus Kellen.

Der nationalsozialistische Bürgermeister Alwin Görlich hingegen wurde in der Kategorie 5 "Entlasteter" eingeordnet. Dies war die niedrigste Stufe im Entnazifizierungsprozess (Hauptschuldige = 1 / Mitläufer = 4). Alwin Görlich hat u. a. die NSDAP und SA im Kreis aufgebaut, die Machtergreifung der Nazis in der Stadt rücksichtslos durchgesetzt und die Verfolgung von KPD und SPD mitgetragen.

In Gerichtsprozessen wurden die Untaten der Nazizeit aufgearbeitet:

- Der Synagogenbrand 1938 konnte dem SS-Mann Nitzold zugeschrieben werden. Die Mittäter mussten jedoch mangels Beweise freigesprochen werden. 

- Die Folterung politischer Häftlinge im Klever Gefängnis fand 1948 ihre Sühne. Allerdings der Hauptschuldige, der Polizeimeister Franz Peters saß nicht mit auf der Anklagebank. Der gleiche Richter, der einen Teil der politischen Haftbefehle unterzeichnet hatte, hatte ihn 1946 wegen gesundheitlicher Schwäche aus der Untersuchungshaft entlassen. Nachdem er mehrere Jahre - offenbar wieder genesen - im Bundesgrenzschutz Dienst getan hatte, wurde er dort durch Zufall entdeckt und schließlich 1959 doch noch zur Rechenschaft gezogen und zu einer Zuchthausstrafe verurteilt.

- Auch der "Fall Klüttgen", der in der Bevölkerung heftige Empörung hervorgerufen hatte, kam vor Gericht. Bei dem britisch-amerikanischen Luftlandeunternehmen vom 17. September 1944 waren zwei amerikanische Fallschirmspringer gefangen, entwaffnet und nach Kranenburg gebracht worden. Dort hatte sie der SA-Sturmbannführer Klüttgen ohne Grund und Anlass kaltblütig erschossen. Er wurde zum Tode verurteilt und am 29.09.1948 in Dachau gehenkt.

Ein weiteres wichtiges Ziel der britischen Militärregierung war die Bildung von verantwortlichen Parlamenten in Kommunen und Ländern.  

Unmittelbar nach der Potsdamer Konferenz im August 1945 wurden in der Britischen Zone auch Parteiorganisationen neugegründet. SPD und KPD konnten in Kleve schnell wieder erstehen. Die ehemalige Partei "Zentrum" hingegen musste der "Christlich-Demokratischen Partei" weichen. Den Antrag auf Gründung dieser Partei in Kleve stellte Albers am 17. August 1945. Danach wurde der Kontakt zu kölner Parteifreunden gesucht. Adenauer, der spätere Bundeskanzler, war in diesem Zusammenhang auch bei Albers in Kleve. Die CDP einigte sich im Dezember 1945 mit der CDU auf einen gemeinsamen Parteinamen: der Christlich Demokratischen Union. Diese Partei rekrutierte sich aus "bürgerlichen Kreisen": Beamte, Bauern, Freiberufler und Angestellte und übernahm die dominierende Vorkriegsrolle des Zentrums.

Bereits am 14. November 1945 berief die Militärregierung in Kleve einen 16köpfigen Ratsausschuss. Zwölf Monate später erhielt die Stadt eine erste Vertretung mit beschließender Stimme. Im Juli 1946 begannen die Vorbereitungen für die erste Kommunalwahl, die auf September 1946 festgesetzt wurde. Zuvor - am 1. April 1946 - revidierten die Briten die Gemeindeordnung. Nunmehr hatte der Bürgermeister überwiegend repräsentative Funktionen. Neben ihm amtierte ein unpolitischer Beamter: der Stadtdirektor. Der erste Stadtdirektor Kleves wurde der 1933 aus seinem Amt als Erster Beigeordneter entlassene Bernhard Baak. 

Die Währungsreform

Die triste und hoffnungslose Nachkriegszeit endete mit der Währungsreform 1948. Mit der neuen Währung setzte eine Epoche ein, die als "Wirtschaftwunder" bezeichnet wird.

zuletzt bearbeit am 03.02.2008