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Zugleich
war in Kleve die zweijährige Bausperre über die gesamte
Innenstadt abgelaufen, die ein wildes Bauen verhindern sollte
und die Zeit verschaffte um eine sinnvolle Neuplanung vornehmen
zu können. Diese Planung unter Leitung des Düsseldorfer
Architekten Dr. Hermann Hecker kann aus heutiger Sicht als
gescheitert bezeichnet werden. Positiv war sicherlich die
Entscheidung das St. Antoniushospital, dessen Hauptgebäude das
heutige Rathaus bildet, moderner und größer außerhalb der
Innenstadt neu zu errichten. Auch konnte Kleve am 23. Mai 1957
erstmals die Errichtung eines eigenes Rathaus abschließen.
Allerdings zerstört seit den fünfziger Jahren eine breite
Verbindungsstraße zwischen Herzogbrücke und Tiergartenstraße
die bisherigen Gärten des ehemaligen St. Antoniushospitals.

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| Lebensmittelkarten
1949 - 1950 |
Trotz
Währungsreform, Ende der Entnazifizierung und Aufhebung der
Bausperre war die wirtschaftliche Entwicklung in Kleve anfangs
gehemmt. Die Niederlande wünschte zum Ausgleich ihrer
Kriegslasten die Annexion weiterer deutscher Gebiete. Der
niederländische Außenminister, van Kleffens, forderte u. a.
den gesamten Niederrhein bis zur Höhe von Neuss. Die deutschen
Einwohner sollte ausgewiesen werden. In der niederländische Bevölkerung
bildete sich jedoch allmählich eine Mehrheit für bescheidenere
"Grenzkorrekturen". Kleve, Kranenburg und Emmerich
blieben allerdings auf der Forderungsliste. Am 28. März 1949
erfolgte die endgültige Abfindung der Niederländer: Es wurden
nur die Ortschaften Elten, ein Teil des Selfkants sowie im Teile
von Zyfflich, Wyler und Hommersum abgetreten. Jetzt war der Weg
frei für Investitionen des Landes und des Bundes und auch der
Verbleib des Landgerichts in Kleve war gesichert.
Freiwillige
Helfer räumten die Trümmer der Kirchen beiseite, Anwälte,
Richter und Justizbeamte sorgten für die Enttrümmerung der
Schwanenburg und des Marstalls, danach im Verein mit der Stadt für
den Wiederaufbau des Schwanenturms. Als Bürgermeister Fritz
Kock am 1. Oktober 1950 unter dem Jubel der Bevölkerung den
Schwan wieder auf die Spitze des Turms bringen konnte, da
"wurde neuer Mut und neue Zuversicht in den Herzen der
Menschen in Stadt und Land geweckt."
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Aktivitäten
zur Wiedererrichtung des Schwanenturms gezeigt in
einer Ausstellung des Klevischen Vereins im August
2010 - 60 Jahre nach dem Wiederaufbau. |
Die
Einweihung des "Beltermann"-Denkmals
am 2. Dezember 1951 an der Herzogbrücke hatte eine ähnliche
Signalwirkung.
Es
dauerte ein Jahrzehnt bis die Folgen des Krieges weitgehend
beseitigt waren, dabei wurden rund eine Mio. cbm Schutt
beseitigt.
Das
Klever Land wurde wieder einmal zur neuen
Heimat für viele
Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten. Ende der
vierziger, Anfang der 50er Jahre entstanden Nierswalde,
Reichswalde und Rodenwalde.
Mit
der Gründung des Ameland-Vereins
(Link
zum Webangebot des Vereins)
im Oktober 1953 lebte die Tradition der Ameland - Fahrten wieder
auf. In Buren im Osten der Insel wurde erstmals wieder ein
Zeltlager für die Kinder organisiert. Wegen der großen
Nachfrage wurden ab Sommer 1954 jährlich zwei Ferienlager
durchgeführt, und das bis zum heutigen Tag! Ein weiteres Stückchen
Normalität war gewonnen.
Am
26. Februar 1955 verstarb der Landtagsabgeordnete und Landrat Peter
Albers mit 54 Jahren.
Mit seinem Namen „wird der Wiederaufbau
des demokratischen Gemeinwesens
in den Städten und Dörfern am Niederrhein immer verbunden
sein" (Alois Puyn).
Die
wirtschaftliche Erholung der Stadt wurde von der traditionellen
Industrie getragen. Die Schuhfabrik
Gustav Hoffmann und
Bause sowie die Lebensmittelbetriebe XOX, Bensdorp und van
den Bergh wurden
unmittelbar nach Beendigung des Krieges durch Teile der
Belegschaft wieder aufgebaut und begannen mit der Produktion.
Einzel- und Großhandel, Speditionsgewerbe, Druckereien
(Boss-Druck, Bösmann), das Bau- und Bankgewerbe profitierten
davon.
Die
weitere Entwicklung wurde durch öffentliche Kreditprogramme -
insbesondere dem Grenzlandfonds - erleichtert. Zwischen Januar
1949 und Mai 1951 erhielt die Klever Wirtschaft 1,288 Mio. DM.
Die 50iger Jahre waren geprägt durch eine Hochkonjunktur, die
getragen wurde vom Nachhol- und Neuausstattungsbedarf der Bevölkerung.
Etablierte
Firmen wie XOX expandierten (es hieß: wenn der Wind richtig
gestanden habe, sei die ganze Stadt von einem intensiven Duft
nach frischen Backwaren erfüllt gewesen) und neue Betriebe
entstanden. Dazu zählten der Fahrzeuganhänger - und der
Leichtmetall- und Stahlbau ebenso wie die Heizungsmontage und
die Maschinen- und Werkzeugfabrikation. Die Beschäftigung im
Einzelhandel wuchs schnell und Kleve wurde mehr und mehr zum
Einkaufzentrum für den unteren Niederrhein. Dicht gedrängt
standen hunderte Klever am 22. Oktober 1958 vor den Türen des neugebauten
Kaufhofs und warten auf
die langersehnte Neueröffnung des Warenhauses.
Auch
der Fremdenverkehr lebte wieder auf - 1955 zählte man bereits
wieder 18.349 Übernachtungen. Es wundert daher nicht, dass die
Arbeitslosigkeit im Raum Kleve, die bis 1956 weit über dem
Landesdurchschnitt gelegen hatte, spürbar abnahm (1956: 2.021
Arbeitslose bzw. 6 %; 1957: 491 Arbeitslose bzw. 1,4 %).
1953
versuchte die Stadtverwaltung wieder eine Garnison nach Kleve zu
ziehen und damit an die Tradition von vor dem Zweiten Weltkrieg
anschließen zu können. Das Gelände "Hohe Luft"
sollte für eine Kaserne und einen Truppenübungsplatz, der im Aufbau
befindlichen Bundeswehr
zur Verfügung gestellt werden. Eine Bürgerbewegung verhinderte
dieses Vorhaben.
Auch
der Bürgerwille war es, der zwei Jahre zuvor, die Eingemeindung
Kellens wieder rückgängig
machte. Das Stadtgebiet Kleves war jetzt wieder deutlich
geschrumpft.
Ende
der fünfziger Jahre änderte sich das Wirtschaftsklima. Kleve
war immer noch verkehrsmäßig in einer Randlage. Es fehlte die
Brücke über den Rhein und damit der Anschluss am
rechtsrheinischen Verkehrsnetz. Daher war die Ansiedlung neuer,
ortsfremder Betriebe schwierig, zumal - in den noch engen
Stadtgrenzen - kaum geeignete Industriefläche angeboten werden
konnte. Die Verkürzung
der Arbeitszeiten
verteuerte die Kosten, ein verändertes Verbraucherverhalten -
mehr Qualitäts- und Modebewusstsein - zwang die Unternehmen zu
Produktionsanpassungen. Der beginnende Markt der EWG förderte
gerade die modisch betonte italienische Konkurrenz. Daher ging
in der Klever Schuhindustrie bis 1961 die Beschäftigung zurück.
Ebenso erging es der holzverarbeitenden Industrie, die durch die
Kunststoffverarbeitung Umsätze verlor. Eine Branche schaffte
den Strukturwandel nicht: Seit 1954 gibt es keine Tabakindustrie
mehr in Kleve.
Dennoch
blieb das Wirtschaftswunder durch positive Gegenkräfte intakt.
Als der Hufbeschlag bei einer ständig sinkenden Pferdezahl zu
Beginn der 50iger Jahre kaum noch Erträge abwarf, nahm z. B.
die Firma Schmitz den Metallbau auf; aus dem Handwerksbetrieb für
Zentralheizungsbau Theodor Winkels wurde seit der gleichen Zeit
eine Produktionsstätte von Spezialapparaten und Behältern für
die chemische Industrie, und die Schlosserei K. Kisters wandelte
sich seit 1957 zur Fabrik für Spezialverpackungsmaschinen. Eine
der wenigen erfolgreichen Ansiedlungen in dieser Zeit stellt die
Fa.
Ipsen Industries dar.
Das Unternehmen richtete 1957 eine Zweigbetrieb zur Herstellung
von Wärmebehandlungsöfen in Kleve ein. Da immer mehr Bürger
in der Lage waren ein Auto zu kaufen und zu unterhalten,
entwickelte sich um dieses Produkt eine Vielzahl von
Handwerksbetrieben und Dienstleistungsunternehmen. Dieser Effekt
kompensierte die Rationalisierungsmaßnahmen der Deutschen
Bundesbahn sowie die Einstellung des Klever Straßenbahnverkehrs.
Und die Sparkasse, der mit der Eröffnung einer bescheidenen
Volksbank - Geschäftsstelle eine noch harmlose Konkurrenz
gewachsen war, stellte fest: "... viele der
Kaufkreditnehmer der Vorjahre sind heute schon unsere Sparer
geworden." Die breite Mehrheit der Klever Bevölkerung
hatte zu Beginn der sechziger Jahre den Wachstumspfad des
Wohlstands betreten.
Die
Zeitung "Der Spiegel" fragte Anfang 1966: "Ist
das Wirtschaftswunder zu Ende?"
. Das niedrige Arbeitskräfteangebot hatte zu deutlich höheren
Löhnen geführt und schürte die Inflationsrate an (im Mai 1966
+4,5 %). Um dieser Tendenz entgegenzuwirken erhöhte die
Deutsche Bundesbank die Leitzinsen. Was als Dämpfung gedacht
war, schlug in Stagnation um.
Diese
Entwicklung traf insbesondere die traditionellen Branchen. Die
Schuhindustrie - die ohnehin, trotz Konzentration auf
Kinderschuhe, nur noch weniger als die Hälfte der ursprünglichen
Mitarbeiterzahl beschäftigte - traf dieser Prozess am
heftigsten. Das Baugewerbe musste durch die Einschränkungen im
sozialen Wohnungsbau die Produktion begrenzen und konnte den Rückgang
auch nicht durch die private Bautätigkeit auffangen. Der
Substanzverlust in dieser Zeit führte 1978 bei der
alteingesessenen Firma Gebrüder Mütter zum Konkurs.
Die
Arbeitslosigkeit in Kleve des Jahres 1967 lag mit 3 % wieder
deutlich höher als im Bundesdurchschnitt (1,9 %). Noch
schlimmer hätte es kommen können, wenn die Margarine-Union
(zuvor "van den Bergh") nicht weiter auf ihren
Standort gesetzt hätte. Zum Ende der 60iger Jahre wurde in
Kleve das erste computergesteuerte Hochregallager als
Zentrallager und ein neuer Verwaltungstrakt errichtet.
Managementfehler
bei der Fa. XOX hingegen (mangelnde Rationalisierung) führten
aus Kapitalmangel zu einem Verkauf an den amerikanischen
Mitbewerber Nabisco, die 1977 das Werk schlossen. Ein ähnliches
Schicksal erlitt das Unternehmen Bensdorp; es wurde im gleichen
Jahr geschlossen.
Die
Stadt bemühte sich erneut neue Industriezweige für Kleve zu
gewinnen. Mit der 1965 eröffneten Emmericher Rheinbrücke war
die Verbindung zur Autobahn "Hollandlinie" geschaffen
worden, was eine deutliche Aufwertung der Infrastruktur
bedeutete.
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| Die Fähre - bis 1965 kürzeste Verbindung von Kleve zur anderen Rheinseite. |
Mit einer Spannweite von 500 m ist die Emmericher Rheinbrücke die größte Brücke über den Rhein. |
Bei ihrer Konstruktion machte man sich insbesondere die Erfahrung mit der Köln
- Rodenkirchener Brücke zunutze, deren Konstruktionsprinzip der Rheinbrücke Kleve- Emmerich als Vorbild diente. |
Der Hauptträger der Brücke (der Brückenteil, über dem die Fahrbahn verläuft) besteht aus einem filigran anmutenden Fachwerk. |
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| Die 1965 fertiggestellte Straßenbrücke
Kleve - Emmerich ist die nördlichste Rheinbrücke innerhalb Deutschlands. |
Fotografie von Thomas Riehle: Emmerich, 1994. |
Die nächste Brücke stromaufwärts ist Nimwegen - ca. 25 Kilometer von Kleve entfernt - ; stromabwärts führt erst wieder in Rees eine Brücke über den
Fluss. |
Ein Flug mit dem Heißluftballon über die Emmericher Rheinbrücke. Die Golden Gate Bridge vom Niederrhein. |
Die
Ansiedlung der Krupp-Tochter und Heizungskesselherstellerin
Dollberg verlief jedoch wenig erfolgreich. Drei Jahre nach der
Eröffnung wurde es 1967 wieder geschlossen und ein Jahr später
an das schwedische Unternehmen CTC, Göteburg veräußert. 1975
schloss das Werk wegen Auftragsmangel.
Erfolgreicher
verlief die Ansiedlung der Fa. Colt, ebenfalls Heizungsbau, die
1969 ihren Geschäftssitz für Deutschland, Österreich und die
Schweiz in Kleve installierte. Positiv entwickelten sich die
Firmen Kisters (Verpackungen), Tönnissen (Möbelherstellung)
und Hendricks (Fahrzeugkonstruktionen), die ihr jeweiliges
Betriebsgelände vergrößern mussten. Auch der
Dienstleistungsbereich gewann weiterhin an Bedeutung. Die
Bedeutung des Kreises Kleve wurde nach der kommunalen
Neugliederung 1975
deutlich aufgewertet: Der alte Kreis Geldern und Teile des
Kreises Rees kamen hinzu (Karte
(Passwortgeschützter
Bereich)). |