12000 Jahre Niederrhein - 800 Jahre Kleve

Wirtschafts-

wunder

siehe auch: "Kleve in den 1950er Jahren" (Auszüge) von Helga Ullrich Scheyda, 2008 (Passwortgeschützter Bereich)

18.06.1948

Verkündung der Währungsreform für die drei Westzonen Deutschlands. Sprecher: Robert H. Lochner

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21.06.1948

Wochenschau: über die neuen Waren nach der Währungsreform

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"Wie es in Kleve vor der Gelderneuerung ein Wettstreit schien, alles so liegen zu lassen wie es lag, so scheint es jetzt ein Wettstreit zu sein, als erster aus den Trümmern wieder ein Lebendiges erstehen zu lassen. Die Unternehmer renovieren ihre Fabriken, bauen auf, bauen an, bauen neu. Die Geschäftsleute räumen ihre Ausweichquartiere aus und ziehen in Ladenlokale, die noch im Entstehen sind. Aus den Massenquartieren wandern die Ausgebombten in die Keller ihrer alten Wohnungen und benutzen jede freie Minute, sich wieder eine menschenwürdige Wohnstätte zu schaffen. Die Herzogstraße hat ein neues Gewand angezogen. Nicht nur die Auslagen in den Schaufenstern der bekannten Geschäfte sind anziehender geworden. Neue Häuser entstehen, alte besinnen sich darauf, dass sie noch nicht so weit zugrunde gerichtet worden sind, dass man aus ihnen nichts machen kann. "Blumen-, Obst- und Gemüse - Eul", ein neuer Name an der alten Herzogstraße, ein neues Geschäft mit großstädtischer Auslage, das andauernd von Menschen umlagert erscheint. Appetitliche Sachen! Auf der anderen Seite in Eleganz "Leder - Kiesow" - "Für Heim und Kind bei Paul Fruhen", ach, wenn man jetzt Geld hätte. Geschäft an Geschäft, einladend, anpreisend; in jedes möchte man laufen, doch - woher? Auch die Banken kommen wieder. Und immer weiter durch die Straßen, die man vor kurzem nur als Geröllhalden bezeichnen konnte. Noch blühen die Trümmerblumen. Sie scheinen überhaupt nie zu verblühen. Ihre Friedhofsfarben verblassen aber vor dem Leben, das sich mit Gewalt wieder durchsetzen will." "Klever Bürger packen an", hatte das Rhein - Echo diese Schilderung des jähen Aufbruchs in der Stadt überschrieben, Ende Oktober 1948, knapp dreieinhalb Jahre nach dem Ende des Krieges. 

Auslöser dieser Aufbruchstimmung war die Währungsreform am 20. Juni 1948. Endlich verfügte das im Umlauf befindliche Geld wieder über Kaufkraft. 

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Auch die Straßenbahn kann wieder durch die Große Straße fahren.

Diese beiden Aufnahmen stellte mir Herr Rainer Killemann, Zum Blickpunkt 5, 45721 Haltern am See am 21. Februar 2008 aus seinem Archiv zur Verfügung. Er schreibt: "Wann sie entstanden sind, weiß ich nicht genau. Wahrscheinlich Ende der 50er oder Anfang der 60er." 

Mit meiner nachfolgenden Erläuterung möchte ich mich bei Herrn Killemann herzlichst bedanken. M. E. dokumentieren die Fotos die letzte Fahrt der Klever Straßenbahn auf der Trasse "Kleve -Rhein" am 17. Oktober 1960. Diese Verbindung konnte bereits im November 1946 wieder eröffnet werden. Die linke Aufnahme entstand an der - im Volksmund genannten - "Glücksauf - Schranke", unweit vom Bahnhof (siehe: "Vom Sandweg zur Bundesstraße. Die B220.", pdf-Datei, 1.057 kb, passwortgeschützter Bereich). Der Standort der rechten Aufnahme ist das Straßenbahndepot in Kellen. 

Am 31. März / 1. April 1962 wurden die letzten Straßenbahnverbindungen "Kleve - Bedburg-Hau" und "Kleve - Materborn" eingestellt.

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Die wiederaufgebaute Innenstadt um 1955.

Die Baulücken im Umfeld der Schwanenburg wurden erst in den neunziger Jahren geschlossen. Der Stiftskirche fehlen noch die beiden Türme.

Die Stiftskirche im Jahr 2000 (oben) und um 1960 (unten). Die Türme wurde 1969 fertiggestellt.
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Das neue St. Antoniushospital in Aufnahmen um 1960. Die Schuh- und Lebensmittelindustrie waren in Kleve die bestimmenden Faktoren auf dem Wachstumspfad zu neuem Wohlstand. 
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Das Freiherr - vom - Stein Gymnasium zu Beginn der 1960er Jahre. Oben links sieht man noch das Ehrendenkmal. Es wurde in den 1970er Jahren (?) abgerissen. Die Steine dienten als Stützmauer an der Gruft- und unteren Waldstraße.

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Diese Lücke - Foto: Sammlung Astrid Gerritzen - in der Kavarinerstraße neben Bäckerei Heicks wurde erst im Jahr 2012 geschlossen.

Zugleich war in Kleve die zweijährige Bausperre über die gesamte Innenstadt abgelaufen, die ein wildes Bauen verhindern sollte und die Zeit verschaffte um eine sinnvolle Neuplanung vornehmen zu können. Diese Planung unter Leitung des Düsseldorfer Architekten Dr. Hermann Hecker kann aus heutiger Sicht als gescheitert bezeichnet werden. Positiv war sicherlich die Entscheidung das St. Antoniushospital, dessen Hauptgebäude das heutige Rathaus bildet, moderner und größer außerhalb der Innenstadt neu zu errichten. Auch konnte Kleve am 23. Mai 1957 erstmals die Errichtung eines eigenes Rathaus abschließen. Allerdings zerstört seit den fünfziger Jahren eine breite Verbindungsstraße zwischen Herzogbrücke und Tiergartenstraße die bisherigen Gärten des ehemaligen St. Antoniushospitals.

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Lebensmittelkarten 1949 - 1950

Trotz Währungsreform, Ende der Entnazifizierung und Aufhebung der Bausperre war die wirtschaftliche Entwicklung in Kleve anfangs gehemmt. Die Niederlande wünschte zum Ausgleich ihrer Kriegslasten die Annexion weiterer deutscher Gebiete. Der niederländische Außenminister, van Kleffens, forderte u. a. den gesamten Niederrhein bis zur Höhe von Neuss. Die deutschen Einwohner sollte ausgewiesen werden. In der niederländische Bevölkerung bildete sich jedoch allmählich eine Mehrheit für bescheidenere "Grenzkorrekturen". Kleve, Kranenburg und Emmerich blieben allerdings auf der Forderungsliste. Am 28. März 1949 erfolgte die endgültige Abfindung der Niederländer: Es wurden nur die Ortschaften Elten, ein Teil des Selfkants sowie im Teile von Zyfflich, Wyler und Hommersum abgetreten. Jetzt war der Weg frei für Investitionen des Landes und des Bundes und auch der Verbleib des Landgerichts in Kleve war gesichert.

Freiwillige Helfer räumten die Trümmer der Kirchen beiseite, Anwälte, Richter und Justizbeamte sorgten für die Enttrümmerung der Schwanenburg und des Marstalls, danach im Verein mit der Stadt für den Wiederaufbau des Schwanenturms. Als Bürgermeister Fritz Kock am 1. Oktober 1950 unter dem Jubel der Bevölkerung den Schwan wieder auf die Spitze des Turms bringen konnte, da "wurde neuer Mut und neue Zuversicht in den Herzen der Menschen in Stadt und Land geweckt."

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Aktivitäten zur Wiedererrichtung des Schwanenturms gezeigt in einer Ausstellung des Klevischen Vereins im August 2010 - 60 Jahre nach dem Wiederaufbau.

Die Einweihung des "Beltermann"-Denkmals am 2. Dezember 1951 an der Herzogbrücke hatte eine ähnliche Signalwirkung.

Es dauerte ein Jahrzehnt bis die Folgen des Krieges weitgehend beseitigt waren, dabei wurden rund eine Mio. cbm Schutt beseitigt.

Das Klever Land wurde wieder einmal zur neuen Heimat für viele Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten. Ende der vierziger, Anfang der 50er Jahre entstanden Nierswalde, Reichswalde und Rodenwalde. 

Mit der Gründung des Ameland-Vereins (Link zum Webangebot des Vereins) im Oktober 1953 lebte die Tradition der Ameland - Fahrten wieder auf. In Buren im Osten der Insel wurde erstmals wieder ein Zeltlager für die Kinder organisiert. Wegen der großen Nachfrage wurden ab Sommer 1954 jährlich zwei Ferienlager durchgeführt, und das bis zum heutigen Tag! Ein weiteres Stückchen Normalität war gewonnen.

Am 26. Februar 1955 verstarb der Landtagsabgeordnete und Landrat Peter Albers mit 54 Jahren. Mit seinem Namen „wird der Wiederaufbau des demokratischen Gemeinwesens in den Städten und Dörfern am Niederrhein immer verbunden sein" (Alois Puyn).

Die wirtschaftliche Erholung der Stadt wurde von der traditionellen Industrie getragen. Die Schuhfabrik Gustav Hoffmann und Bause sowie die Lebensmittelbetriebe XOX, Bensdorp und van den Bergh wurden unmittelbar nach Beendigung des Krieges durch Teile der Belegschaft wieder aufgebaut und begannen mit der Produktion. Einzel- und Großhandel, Speditionsgewerbe, Druckereien (Boss-Druck, Bösmann), das Bau- und Bankgewerbe profitierten davon.

Die weitere Entwicklung wurde durch öffentliche Kreditprogramme - insbesondere dem Grenzlandfonds - erleichtert. Zwischen Januar 1949 und Mai 1951 erhielt die Klever Wirtschaft 1,288 Mio. DM. Die 50iger Jahre waren geprägt durch eine Hochkonjunktur, die getragen wurde vom Nachhol- und Neuausstattungsbedarf der Bevölkerung.

Etablierte Firmen wie XOX expandierten (es hieß: wenn der Wind richtig gestanden habe, sei die ganze Stadt von einem intensiven Duft nach frischen Backwaren erfüllt gewesen) und neue Betriebe entstanden. Dazu zählten der Fahrzeuganhänger - und der Leichtmetall- und Stahlbau ebenso wie die Heizungsmontage und die Maschinen- und Werkzeugfabrikation. Die Beschäftigung im Einzelhandel wuchs schnell und Kleve wurde mehr und mehr zum Einkaufzentrum für den unteren Niederrhein. Dicht gedrängt standen hunderte Klever am 22. Oktober 1958 vor den Türen des neugebauten Kaufhofs und warten auf die langersehnte Neueröffnung des Warenhauses.

Auch der Fremdenverkehr lebte wieder auf - 1955 zählte man bereits wieder 18.349 Übernachtungen. Es wundert daher nicht, dass die Arbeitslosigkeit im Raum Kleve, die bis 1956 weit über dem Landesdurchschnitt gelegen hatte, spürbar abnahm (1956: 2.021 Arbeitslose bzw. 6 %; 1957: 491 Arbeitslose bzw. 1,4 %).

1953 versuchte die Stadtverwaltung wieder eine Garnison nach Kleve zu ziehen und damit an die Tradition von vor dem Zweiten Weltkrieg anschließen zu können. Das Gelände "Hohe Luft" sollte für eine Kaserne und einen Truppenübungsplatz, der im Aufbau befindlichen Bundeswehr zur Verfügung gestellt werden. Eine Bürgerbewegung verhinderte dieses Vorhaben. 

Auch der Bürgerwille war es, der zwei Jahre zuvor, die Eingemeindung Kellens wieder rückgängig machte. Das Stadtgebiet Kleves war jetzt wieder deutlich geschrumpft. 

Ende der fünfziger Jahre änderte sich das Wirtschaftsklima. Kleve war immer noch verkehrsmäßig in einer Randlage. Es fehlte die Brücke über den Rhein und damit der Anschluss am rechtsrheinischen Verkehrsnetz. Daher war die Ansiedlung neuer, ortsfremder Betriebe schwierig, zumal - in den noch engen Stadtgrenzen - kaum geeignete Industriefläche angeboten werden konnte. Die Verkürzung der Arbeitszeiten verteuerte die Kosten, ein verändertes Verbraucherverhalten - mehr Qualitäts- und Modebewusstsein - zwang die Unternehmen zu Produktionsanpassungen. Der beginnende Markt der EWG förderte gerade die modisch betonte italienische Konkurrenz. Daher ging in der Klever Schuhindustrie bis 1961 die Beschäftigung zurück. Ebenso erging es der holzverarbeitenden Industrie, die durch die Kunststoffverarbeitung Umsätze verlor. Eine Branche schaffte den Strukturwandel nicht: Seit 1954 gibt es keine Tabakindustrie mehr in Kleve. 

Dennoch blieb das Wirtschaftswunder durch positive Gegenkräfte intakt. Als der Hufbeschlag bei einer ständig sinkenden Pferdezahl zu Beginn der 50iger Jahre kaum noch Erträge abwarf, nahm z. B. die Firma Schmitz den Metallbau auf; aus dem Handwerksbetrieb für Zentralheizungsbau Theodor Winkels wurde seit der gleichen Zeit eine Produktionsstätte von Spezialapparaten und Behältern für die chemische Industrie, und die Schlosserei K. Kisters wandelte sich seit 1957 zur Fabrik für Spezialverpackungsmaschinen. Eine der wenigen erfolgreichen Ansiedlungen in dieser Zeit stellt die Fa. Ipsen Industries dar. Das Unternehmen richtete 1957 eine Zweigbetrieb zur Herstellung von Wärmebehandlungsöfen in Kleve ein. Da immer mehr Bürger in der Lage waren ein Auto zu kaufen und zu unterhalten, entwickelte sich um dieses Produkt eine Vielzahl von Handwerksbetrieben und Dienstleistungsunternehmen. Dieser Effekt kompensierte die Rationalisierungsmaßnahmen der Deutschen Bundesbahn sowie die Einstellung des Klever Straßenbahnverkehrs. Und die Sparkasse, der mit der Eröffnung einer bescheidenen Volksbank - Geschäftsstelle eine noch harmlose Konkurrenz gewachsen war, stellte fest: "... viele der Kaufkreditnehmer der Vorjahre sind heute schon unsere Sparer geworden." Die breite Mehrheit der Klever Bevölkerung hatte zu Beginn der sechziger Jahre den Wachstumspfad des Wohlstands betreten.

Die Zeitung "Der Spiegel" fragte Anfang 1966: "Ist das Wirtschaftswunder zu Ende?" . Das niedrige Arbeitskräfteangebot hatte zu deutlich höheren Löhnen geführt und schürte die Inflationsrate an (im Mai 1966 +4,5 %). Um dieser Tendenz entgegenzuwirken erhöhte die Deutsche Bundesbank die Leitzinsen. Was als Dämpfung gedacht war, schlug in Stagnation um.

Diese Entwicklung traf insbesondere die traditionellen Branchen. Die Schuhindustrie - die ohnehin, trotz Konzentration auf Kinderschuhe, nur noch weniger als die Hälfte der ursprünglichen Mitarbeiterzahl beschäftigte - traf dieser Prozess am heftigsten. Das Baugewerbe musste durch die Einschränkungen im sozialen Wohnungsbau die Produktion begrenzen und konnte den Rückgang auch nicht durch die private Bautätigkeit auffangen. Der Substanzverlust in dieser Zeit  führte 1978 bei der alteingesessenen Firma Gebrüder Mütter zum Konkurs.

Die Arbeitslosigkeit in Kleve des Jahres 1967 lag mit 3 % wieder deutlich höher als im Bundesdurchschnitt (1,9 %). Noch schlimmer hätte es kommen können, wenn die Margarine-Union (zuvor "van den Bergh") nicht weiter auf ihren Standort gesetzt hätte. Zum Ende der 60iger Jahre wurde in Kleve das erste computergesteuerte Hochregallager als Zentrallager und ein neuer Verwaltungstrakt errichtet.

Managementfehler bei der Fa. XOX hingegen (mangelnde Rationalisierung) führten aus Kapitalmangel zu einem Verkauf an den amerikanischen Mitbewerber Nabisco, die 1977 das Werk schlossen. Ein ähnliches Schicksal erlitt das Unternehmen Bensdorp; es wurde im gleichen Jahr geschlossen. 

Die Stadt bemühte sich erneut neue Industriezweige für Kleve zu gewinnen. Mit der 1965 eröffneten Emmericher Rheinbrücke war die Verbindung zur Autobahn "Hollandlinie" geschaffen worden, was eine deutliche Aufwertung der Infrastruktur bedeutete.

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Die Fähre - bis 1965 kürzeste Verbindung von Kleve zur anderen Rheinseite. Mit einer Spannweite von 500 m ist die Emmericher Rheinbrücke die größte Brücke über den Rhein. Bei ihrer Konstruktion machte man sich insbesondere die Erfahrung mit der Köln - Rodenkirchener Brücke zunutze, deren Konstruktionsprinzip der Rheinbrücke Kleve- Emmerich als Vorbild diente. Der Hauptträger der Brücke (der Brückenteil, über dem die Fahrbahn verläuft) besteht aus einem filigran anmutenden Fachwerk.

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Die 1965 fertiggestellte Straßenbrücke Kleve - Emmerich ist die nördlichste Rheinbrücke innerhalb Deutschlands. Fotografie von Thomas Riehle: Emmerich, 1994. Die nächste Brücke stromaufwärts ist Nimwegen - ca. 25 Kilometer von Kleve entfernt - ; stromabwärts führt erst wieder in Rees eine Brücke über den Fluss. Ein Flug mit dem Heißluftballon über die Emmericher Rheinbrücke. Die Golden Gate Bridge vom Niederrhein.

Die Ansiedlung der Krupp-Tochter und Heizungskesselherstellerin Dollberg verlief jedoch wenig erfolgreich. Drei Jahre nach der Eröffnung wurde es 1967 wieder geschlossen und ein Jahr später an das schwedische Unternehmen CTC, Göteburg veräußert. 1975 schloss das Werk wegen Auftragsmangel.

Erfolgreicher verlief die Ansiedlung der Fa. Colt, ebenfalls Heizungsbau, die 1969 ihren Geschäftssitz für Deutschland, Österreich und die Schweiz in Kleve installierte. Positiv entwickelten sich die Firmen Kisters (Verpackungen), Tönnissen (Möbelherstellung) und Hendricks (Fahrzeugkonstruktionen), die ihr jeweiliges Betriebsgelände vergrößern mussten. Auch der Dienstleistungsbereich gewann weiterhin an Bedeutung. Die  Bedeutung des Kreises Kleve wurde nach der kommunalen Neugliederung 1975 deutlich aufgewertet: Der alte Kreis Geldern und Teile des Kreises Rees kamen hinzu (Karte (Passwortgeschützter Bereich)). 

Ein Riesenschritt vorwärts bedeutete die Kommunalreform 1969. Kleve erlangte seine heutige Ausdehnung und unter dem Bürgermeister Richard van de Loo konnten nunmehr Vorhaben angepackt werden, die für das Überleben der Stadt dringend benötigt wurden. 

Das wohl wichtigste Projekt war der Klever Ring und der damit einhergehende Ausbau des Industriegebiets am Tweestrom. Damit wurde die verstärkte Ansiedlung von Industriebetrieben ermöglicht, in denen die notwendigen neuen Arbeitsplätze geschaffen wurden, die beim Rückgang der traditionellen Industriezweige im Klever Raum, der Nahrungsmittel- und Schuhindustrie verloren gegangen waren. Zwischen 1970 und 1990 entstanden 6.000 und verschwanden 5.000 Arbeitsplätze.

Wie hätte Kleve das Ende des Wirtschaftswunder, das 1973 mit der Ölkrise eingeleitet wurde und eine 15jährige Weltwirtschaftskrise nach sich zog, ansonsten meistern können?

zuletzt bearbeitet am 27.02.2012