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Freudentränen
hat keiner geweint, damals. Aufgeregt waren die Väter und Mütter,
natürlich. Unsicher und auch ein bisschen ängstlich vor der
neuen Verantwortung. Das ist immer so, auf
Neugeborenenstationen. Aber so richtig aus vollem Herzen gefreut
hat sich niemand, damals, vor 25 Jahren, als die Kreise
Wesel und Kleve
geboren wurden. Vielleicht lag es daran, dass der Ort der
Niederkunft kein schöner war. Ein Rathaus, ein Verwaltungsgebäude.
Und auch die Entstehungsgeschichte war keine romantische.
Geplant und durchgeführt wurde der Akt am Reißbrett. Na ja.
Inzwischen
sind die beiden niederrheinischen Geschwister aus dem Gröbsten
raus, haben alle Kinderkrankheiten und pubertären
Verstrickungen überstanden. So im Großen und Ganzen.
„Auch
ungeliebte Kinder werden groß und wachsen einem ans Herz. Dem
einen mehr, dem anderen weniger", sagt die Landrätin des
Kreises Wesel, Birgit Amend-Glantschnig. Die steckte bei der
kommunalen Neugliederung 1975, der Geburtsstunde der Kreise,
beinahe selbst noch in den Kinderschuhen. Kollege Rudolf
Kersting, heute Landrat im Kreis Kleve, damals Kreisdirektor,
hat die Wehen noch mitbekommen. „Ein schmerzhafter Prozess war
das schon", sagt er heute. „Aber es hat sich auch
gelohnt."
Dabei
wäre beinahe alles anders gekommen. Es war ein engagierter
Duisburger MdL, ein Politiker namens Franz-Josef Antwerpes, der
einen großen Niederrheinkreis mit dem Zentrum Wesel anstrebte.
Ein Kreis Kleve stand gar nicht auf der Tagesordnung. Die
Moerser sollten Duisburger werden, der südliche Teil des
Kreises Kleve wäre an Viersen, Kempen und Krefeld geraten.
Nun,
es kam anders. Die alten Kreise Kleve und Geldern verbrüderten
sich und mauerten. Einstimmig, erinnert sich Rudolf Kersting
heute gerne, beschlossen die beiden Kreistage in Geldern und
Kleve: Wir tun uns zusammen. Wir sind ein Kreis. Dass Teile von
Rees plötzlich Kreis Kleve waren, fanden die weselorientierten
Reeser hingegen gar nicht gut.
Schwer
gerungen wurde im Kreis Wesel. Die drei Altkreise Rees,
Dinslaken und Moers verschwanden von der Bildfläche. Moers war
bitter enttäuscht, verlor seinen Hauptstadt-Status an das, viel
kleinere Wesel. Rheinhausen, Walsum, Homberg, Rumein, Rheurdt
hatten ihren Platz nicht mehr im neuen Kreis Wesel. Das hat weh
getan. Und tut's heute noch. Die alte Rivalität ist, allem
Kirchturmsdenken überwinden zum Trotz, nie versiegt. Jüngstes
Beispiel: Das Gerangel um den Sitz der neuen Kreisleitstelle für
das Rettungswesen. Geschichte wiederholt sich. Die Leitstelle
kommt nach Wesel.
Nicht
alle eingekreisten Kommunen waren also glücklich, damals, 1975.
Nicht alle sind es heute. „Wir haben am Niederrhein nun mal
nicht das Paradies geschaffen", sagt Franz-Josef Antwerpes.
„Aber wir haben den Kompromiss gefunden. Eine optimale Lösung
war nicht realisierbar."
Nun,
in den zweieinhalb Jahrzehnten sind die Kreise Kleve und Wesel
gewachsen. Nicht zusammen, aber in sich. Rudolf Kersting:
„Unsere größte Leistung war, dass wir in unseren 16 Kommunen
all die über viele Jahre gewachsenen Strukturen bündeln und
zusammenführen konnten. Der Kreis Wesel mit 13 Kommunen hat es
da aufgrund seines Industrie- und Strukturwandels sicherlich
wesentlich schwerer gehabt."
So
unterschiedlich die beiden Geburtstagskinder sich auch
entwickelt haben, die Ziele sind die gleichen: die Region
wirtschaftlich international konkurrenzfähig zu machen. „Da
gehört ein ziviler Flughafen
Weeze-Laarbruch ebenso
dazu wie der Bau einer neuen Rheinbrücke in Wesel", sagt
Landrätin Amend-Glantschnig. Und da gehört das gemeinsame
Vermarkten der Region Niederrhein ebenso dazu wie gemeinsame
Antworten auf niederländische Offensiven
Dieses
Jahr heißt es: Geburtstag feiern. Nun sind Familienfeste nicht
jedermanns Sache. Der Kreis Wesel begeht sein 25-Jähriges brav
und solide im Kreishaus. Mit Schautafeln („Vertrauen ist gut,
Kontrolle muss sein - Sichere Arzneimittel für alle"),
Ausstellungen („Tierschutz und Lebensmittelüberwachung - früher
und heute") und u.a. einem Aktionstag der Kreispolizeibehörde:
„25 Jahre Sicherheit für die Bürger/innen", 10.
September.
Der
Kreis Kleve geht aus sich heraus. Irgendjemand kam auf die Idee,
die 2. KulTOURtage in den Dienst der kreisrunden Sache zu
stellen. Und das heißt: Riesenfete am 26. und 27. August, überall
im Kreis. Mit Geschichtsfesten der Heimatvereine,
Oldie-Ausstellungen, Musik und Shows und einem großen Feuerwerk
zum Abschluss.
Das
kann man dann vielleicht sogar in Wesel sehen.
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| Rudolf
Kersting |
Der
erste Oberkreisdirektor Horst Griese (l.)
und Landrat
Werner Röhrich
stechen mit dem Spaten. |
Birgit
Amend-Glantschnig |
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