NRZ vom 2. November 2010

Straßenbau - für wen?

CDU-Themen: Landesvorsitz und Querspange Eichenallee

Dirk Kraayvanger

Kleve. Während alte CDU-Hasen vor dem Kolpinghaus fachsimpelten, wer denn wohl die besseren Karten für den Landesvorsitz der Christdemokraten habe, diskutierten innen Mitglieder des CDU-Stadtverbandes über die geplante Querspange ab Tiergartenstraße parallel zur Eichenallee. Das Gros der 60 Anwesenden - eine Gegenstimme, vier Enthaltungen — würde nach einer Blitzumfrage für die neue 1,5 Kilometer lange Trasse votieren. Zuvor wies Stadtverbandsvorsitzender Jörg Cosar unmissverständlich hin: „Wir werden der Meinung der Mitglieder Folge leisten." In einem rund 30-minütigen Vortrag hatte Kleves Technischer Beigeordneter Jürgen Rauer klar gemacht, warum die Verwaltung die neue Straßentrasse hinterm Tiergarten befürworte, die der Landesbetrieb Straßenbau finanziere.

„Ein Geschenk"

Er berücksichtige Aspekte wirtschaftlicher Belange, Immissionsbelastung, Anliegen der Anwohner und des Denkmalschutzes. „Betrachten Sie diese Querspange als Geschenk, ohne dass wir einen einzigen Cent investieren müssen", warb Bürgermeister Theo Brauer, der sich die Frage stellte: „Wo sind denn die Gegner heute Morgen?" Nicht bei der CDU.

Auch wenn sich die Christdemokraten eine Komplettlösung mit Querspange, Nordtangente um die Emmericher Straße und B9-neu bis zum Kranenburger Tennisschläger wünschen würden, sieht Kanzleramtsminister Ronald Pofalla für die B9-neu keine Chancen: „Die wird es nicht geben", da sonst internationales Recht gebrochen würde. Brauer sagte, er werde weiterhin dafür kämpfen. Landtagsabgeordneter Manfred Palmen wusste, dass „es rechtlich möglich ist, das in Europa durchzusetzen." Es sei aber eine Frage der Zeit, waren sich alle einig.

Einigkeit auch beim Stadtverband zur Frage Öffnung oder Schließung der Tiergartenstraße nach Fertigstellung der kleinen Umgehung. „Eine Schließung dieser Straße wird es nicht geben", so Cosar. Das freut auch Manfred Dreis vom Einzelhandelsverband.

Alwine Strohmenger, Vorsitzender des Klevischen Vereins für Kulturgeschichte, sammelt derzeit Argumente dafür und dagegen zur Meinungsbildung. Die wesentlichste Frage sei: „Für wen bauen wir diese Spange?"

zuletzt bearbeit am 02.11.2010