Grenzland Post vom 13.03.2010

Wem nutzt die Spange?

Die Zukunftswerkstatt von Volksbank Kleverland und Rheinische Post unter der Moderation von Volksbank-Direktor Frank Ruffing und RP-Lokalchef Jürgen Loosen diskutierte die umstrittene Straßenführung.

VON MATTHIAS GRASS

 

EIGENER KOMMENTAR

Wie bereits zum Artikel "Tiergartenstraße pflastern" in der NRZ vom 27.02.2010 erlaube ich mir an dieser Stelle einen persönlichen Kommentar. Die - vorgetragenen -  Argument der Straßenbefürworter sind m. E. schwach, teilweise sogar falsch.

"Sascha Tünnißen, Geschäftsführer von Messebau Tünnißen ... jährlich schickt sein Unternehmen 600 Lkw auf die Straßen der Republik. Tatsächlich nehmen die mit dem Transport beauftragten Fahrer, die Richtung A 3 müssen, Umwege in Kauf, um das Nadelöhr Gruft zu umgehen,„Kilometer, die ich den Unternehmen bezahlen muss", sagt Tünnißen."

600 LKWs pro Jahr entsprechen bei 5 Arbeitstagen pro Woche und 52 Wochen pro Jahr fast 2,3 LKWs pro Tag! Nehmen wir 3 LKWs pro Tag an, die jeweils max. 5 Minuten durch die neue Trasse sparen könnten: immerhin 15 Min. pro Tag. Bei einem angenommenen Aufwand von 100 EUR pro Stunde ein täglicher Mehraufwand von 25 EUR (vor Steuern). Dies sollte ein Unternehmen verkraften können. Im Übrigen: nicht alle Laster der Firma fahren in Richtung A3. Wahrscheinlich ist der Nutzen einer Spange "Eichenallee" für die Firma gar nicht messbar. Dieses Argument ist völlig daneben! 

"Nach Aussage Bildhauers [Landesbetrieb Straßen NW] belegten die Erfahrungen, dass die Straße, wenn sie als Vorfahrtstraße von der Tiergartenstraße abschwenke, einen Großteil des Durchgangsverkehrs nicht nur Richtung Hotel Cleve führen werde, sondern den Durchgangsverkehr in Richtung Goch über den Ring anstatt durch die Stadt."

Nun, um dieses Ziel zu erreichen, müsste man nur die Tiergartenstraße ab Kreuzung Gruft in Richtung Stadtmitte verkehrsberuhigen und ein Schild "Durchgangsverkehr frei" aufbauen. Wieder - für mich - kein Argument, dass eine Zerstörung der Parklandschaft rechtfertigt.

"Strohmenger-Piekmanns Einwurf, dass der Ausbau der niederländischen Autobahnen den Verkehr schon vorher in den Niederlanden abziehe, ließ Horst Bildhauer vom Landesbetrieb Straßen NW nicht gelten. Das sei erstens zu weit weg und zweitens gebe es nur einen geringen Anteil niederländischer Fahrzeuge auf der B9."

Ach, ich dachte es ist der Schwerverkehr, der diese Querspange notwendig macht. Und der kommt so gut, wie gar nicht aus den Niederlanden. D. h. wir brauchen die Straße "nur" für den Schwerverkehr aus Kranenburg, Nütterden, Donsbrüggen - eine Region mit blühender Schwerindustrie - was sollt das!  Danke Herr Bildhauer, sie haben soeben ein gutes Argument gegen die Tangente geliefert.

"Jürgen Rauer, Technischer Beigeordneter der Stadt Kleve, zeigte nochmals die Verkehrsprobleme Kleves auf der Gruft auf. Ohne die Spange habe man gar keine Chance, dieses Nadelöhr zu entlasten. Das beginne schon bei den Rechtsabbiegern Gruft abwärts."

Das Problem der Gruft ist nicht der "Ost- / Westverkehr" sondern der "Nord- / Südverkehr". Es sind die Menschen, die von der Oberstadt in die Niederung (vice versa) wollen. Da hilft keine Betonpiste durch die Gartenanlage! Dieses Aussage von dem Baudezerneten Rauer ist ein Armutszeugnis - aber wahrscheinlich falsch von der Presse verstanden worden :-).

Werner Kühlkamp, IHK Duisburg: „Man sollte sich klar darüber sein, dass eine B9neu - wie auch immer - keine Chance hat"

Richtig! Aber erst Recht nicht, wenn die Querspange Wirklichkeit geworden ist!

Die Fragestellung der Vorsitzenden des Klevischen Vereins, Frau Alwine Strohmenger-Pickmann, ist also berechigt und weiterhin nicht geklärt:

Wem nutzt die Spange?

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Schwerlastverkehr vor Eichenallee - typisches Bild auf der B9 zwischen Donsbrüggen und Kleve. RP-Fotos: (2): Evers

Die Zukunftswerkstatt: Josef Verweyen, Frank Ruffing, Horst Bildhauer, Sascha Tünnißen, Alwine Strohmenger-Pickmann, Jürgen Rauer, Theo Brauer, Jürgen Loosen, Werner Kühlkamp, Matthias Grass, Rachel Scheuvens und Jörg Cosar (v.l).

INFO

Die Teilnehmer

Die Zukunftswerkstatt: Josef Verweyen, Heimatverein Donsbrüggen, Frank Ruffing, Volksbank, Horst Bildhauer, Landesbetrieb, Sascha Tünnißen, Unternehmer, Alwine Strohmenge, Heimatverein Kleve, Jürgen Rauer, Stadt Kleve, Theo Brauer Bürgermeister, Jürgen Loosen, RP, Werner Kühlkamp, IHK, Jörg Cosar, CDU.

KLEVE Für die einen ist es der Weg aus dem drohenden Verkehrkollaps auf der Gruft, für die anderen ist es völlig überflüssiger Straßenbau. Dritte führen mit den Plänen der „Querspange" zwischen B9 / Tiergartenstraße und Landwehr sogar die Geisterdiskussion um die B9neu durch die Niederung. Dem Thema widmete sich jetzt die Zukunftswerkstatt von Volksbank Kleverland und Rheinische Post. „Was bringt uns eine Umgehung der Tiergartenstraße?", wurde gefragt. Alwine Strohmenger-Pickmann, die Vorsitzende des Klevischen Vereins, der sich gegen den Bau der Spange ausgesprochen hatte, spitzte die Frage weiter zu: „Wem nutzt die Straße überhaupt?"

Sascha Tünnißen, Geschäftsführer von Messebau Tünnißen im Kranenburger Gewerbegebiet. Hammereisen, hatte die Antwort sofort parat: „Uns würde diese Spange sehr nutzen", sagt er. Denn jährlich schickt sein Unternehmen 600 Lkw auf die Straßen der Republik. Tatsächlich nehmen die mit dem Transport beauftragten Fahrer, die Richtung A 3 müssen, Umwege in Kauf, um das Nadelöhr Gruft zu umgehen,„Kilometer, die ich den Unternehmen bezahlen muss", sagt Tünnißen.

Freud und Leid

Des einen Freud, des anderen Leid: Denn der Lkw, der künftig nach dem Bau der Spange über die B9 fahren würde, kommt durch Nütterden und Donsbrüggen. „Man muss auch auf die Lärmbelastung achten, unter denen unsere Bürger zu leiden haben", sagt Josef Verweyen, Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsverein Donsbrüggen. Für ihn bedeutet die Spange eine zusätzliche Verkehrsbelastung für die Ortschaften. Jörg Cosar, Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes Kleve, stimmte ihm - zum Teil - zu: Es stimme, dass Donsbrüggen oder Nütterden durch den Bau der Spange nicht entlastet werden. „Aber wir haben die Chance, den Verkehr aus Nimwegen, Kranenburg und Donsbrüggen aus der Tiergartenstraße herauszuhalten und können so immerhin dieses Stück Kleve und den historischen Park entlasten".

Mit einer zusätzlichen Verkehrsbelastung müssten Donsbrüggen und Nütterden auch ohne Querspange rechnen, sagt Werner Kühlkamp von der Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer. Das Verkehrsaufkommen werde um acht Prozent steigen, der Anteil des Lkw-Anteils aber nur geringfügig.

Strohmenger-Piekmanns Einwurf, dass der Ausbau der niederländischen Autobahnen den Verkehr schon vorher in den Niederlanden abziehe, ließ Horst Bildhauer vom Landesbetrieb Straßen NW nicht gelten. Das sei erstens zu weit weg und zweitens gebe es nur einen geringen Anteil niederländischer Fahrzeuge auf der B9.

Nach Aussage Bildhauers belegten die Erfahrungen, dass die Straße, wenn sie als Vorfahrtstraße von der Tiergartenstraße abschwenke, einen Großteil des Durchgangsverkehrs nicht nur Richtung Hotel Cleve führen werde, sondern den Durchgangsverkehr in Richtung Goch über den Ring anstatt durch die Stadt.

Jürgen Rauer, Technischer Beigeordneter der Stadt Kleve, zeigte nochmals die Verkehrsprobleme Kleves auf der Gruft auf. Ohne die Spange habe man gar keine Chance, dieses Nadelöhr zu entlasten. Das beginne schon bei den Rechtsabbiegern Gruft abwärts.

"Rot 8" weckt Hoffnung

KLEVE (mgr) Die neue Studie „Rot 8" von Stadsregio, Kleve und Kranenburg weckt wieder Hoffnungen auf eine B9neu. Das sagt nicht nur Alwine Strohmenger. Horst Bildhauer vom Landesbetrieb unterstrich vehement, dass die Spange und die B9neu nichts miteinander zu tun haben. Er wertete den Bau der Spange als Chance für Kleve.

Aber: „Man sollte sich klar darüber sein, dass eine B9neu - wie auch immer - keine Chance hat". Das bestätigt auch Werner Kühlkamp: Allein der Versuch, eine B9neu durch die Düffel bauen zu wollen, scheitere vor jedem ersten deutschen Verwaltungsgericht. Beide, Kühlkamp und Bildhauer, bezweifelten auch, ob die Verkehrsbelastung den Bau einer neuen Bundesstraße überhaupt rechtfertige, genaue Zahlen soll ja eine Verkehrzählung im Sommer bringen.

Einig waren sich fast alle, dass die Tiergartenstraße, sollte die Spange gebaut werden, nicht abgeschlossen werden darf. Kleves Bürgermeister Theo Brauer versprach, die Bürger auch weiterhin offen über die Spangen-Planungen zu informieren.

zuletzt bearbeit am 13.03.2010