NRZ, 27. Februar 2010

Tiergartenstraße pflastern

Baudezernent Rauer: Wenn die Trasse Eichenallee mehr Verkehr bringt, bedeutet es, dass sie Sinn macht

Astrid Hoyer-Holderberg

EIGENER KOMMENTAR

Üblicherweise enthalte ich mich eines Kommentars. Davon ausgehend, dass die Aussagen in diesem Artikel inhaltlich richtig wiedergegeben sind, kann ich jedoch nicht umhin, eine Stellungnahme abzugeben.

"Baudezernent Rauer: Wenn die Trasse Eichenallee mehr Verkehr bringt, bedeutet es, dass sie Sinn macht." Genau das wollen viele Anwohner und Bürger nicht. Der Fernverkehr soll Kleve weiträumig umgehen und nicht die Parkanlagen durchqueren. 

"Allerdings sieht Leenders gar keinen Grund zur Eile im Verfahren. Es wäre entschieden geschickter, wenn wir zwei bis drei Jahre warten, bis die 'B220neu' fertig ist." Ich kann zwar nicht nachvollziehen, warum Leenders die Straße befürwortet, aber ich begrüße seinen Vorschlag zu warten. Den Grünen sei es meinerseits gekönnt, einen m. E. vermuteten Gesichtsverlust zu vermeiden.

Jörg Cosar möchte, "das, was die Bürger möchten". Bravo! Ein Demokrat, wie ich ihn mir als Bürger wünsche.

Jürgen Rauer: „Noch haben wir die Masse an Eingaben nicht ausgewertet". Offensichtlich will der - interessierte - Bürger die Straße nicht, Herr Rauer. Und wieder Rauer: Auch der Klever Ring und die Industriestraße wurden seinerzeit gegen den Widerstand der Bürger gebaut." Aha! Er duldet also keinen Widerstand, der Bürger ist seines Erachtens nicht mündig. Herr Rauer, die Bürger ist der Souverän! Demokratieverständnis: ungenügend! Im Übrigen hätte der Klever Ring weiter südlich - hinter dem Papenberg aus Klever Sicht - um die Stadt gebaut werden müssen, damit wären viele Probleme vermieden worden und den Galleien wäre das graue Betonband erspart geblieben (z. B. "so"; kritisch wäre das Landschaftsschutzgebiet bei Kellen)

„Der Park und die Anlagen sind ein kostbares Gut. Man muss entscheiden, welche Opfer man bringen will. Jede Lösung einer Tangente sollte so behutsam wie möglich angegangen werden und im Falle so sorgfältig wie möglich umgesetzt werden" so de Werd. So klingt m. E. ein diplomatisches Nein zur Querspange "Eichenallee" vom städtischen Museumsleiter. Danke!

Rainer Hoymann, 27.02.2010

Kleve. Die Politiker werden jetzt diskutieren, „ob es das wert ist. Es wird ein Stück Natur zerstört, um ein Stück Park zu gewinnen", so beschreibt es Grünen-Fraktionschef Artur Leendes. Er ist dafür. Gestern endete die Frist für Eingaben gegen den Bau der Straßenspange „Eichenallee" von Tiergartenstraße zur Rinderner K3/Landwehr. Für ihn zählt die Verkehrsberuhigung an den historischen Gärten vor dem Museum, aber vor allem, dass alle Einfahrtstraßen auf dem Klever Ring münden sollten und der Suchverkehr aus der Innenstadt herausbleibt. Allerdings sieht Leenders gar keinen Grund zur Eile im Verfahren. Es wäre entschieden geschickter, wenn wir zwei bis drei Jahre warten, bis die 'B220neu' fertig ist' (die ebenfalls heftig diskutierte Trasse vor Warbeyen am Haus Schmidhausen quer durchs Gelände auf den Klever Ring).

Besser zwei bis drei Jahre warten

Leenders: „Dann würde das Stauproblem deutlich entschärft". Er glaubt nicht an mehr Verkehr in Donsbrüggen und Nütterden, wohl aber in Rindern.

„Wenn man eine Straße haben möchte, sollte man sie auch schnell voran treiben", meint Koalitions-Kollege Jörg-Cosar, CDU-Fraktionschef. Dabei sei die Querspange kein Ersatz für eine Umgehung Donsbrüggen - Nütterden. „Meiner Meinung nach sollte man die Tiergartenstraße pflastern, verkehrsberuhigen. Es ist unser schönster Stadteingang". Er sieht die Diskussion noch am Anfang. „Ich weiß nicht, wie die Klever Bürger das sehen. Ich möchte das, was die Bürger möchten".

Was die Verwaltung will, sagt Beigeordneter Jürgen Rauer: „Noch haben wir die Masse an Eingaben nicht ausgewertet," aber es gebe auch Argumente für die geschwungene Linienführung statt Zick-Zack-Kurs an der Kreuzung Tiergartenstraße / Gruft. „Das Wirtschaftsleben wird durch Infrastruktur gestärkt. Individualverkehr und Logistik sind das A und O, bedeuten Arbeitsplätze, soziale Sicherheit in Kleve". Stillstand „behindert die Zukunft der Stadt Kleve".

Rauer: „Wenn durch den Trassenbau mehr Verkehr kommt, bedeutet es doch, dass diese Straße Sinn macht. Auch der Klever Ring und die Industriestraße wurden seinerzeit gegen den Widerstand der Bürger gebaut."

Gegen den Widerstand der Bürger

Für Donsbrüggen sei mehr Verkehr tatsächlich „ein größeres Problem," was aber durch die Baugebiete Nössling und Mehrer Straße selbst verursacht sei, „sonst wären wir mit der Straße bei Gnadenthal durch gegangen".

Die Heimatvereine von Donsbrüggen, Kleve und Rindern klagen, seit Erhebung der Maut nähmen viele Lkw die Landstraße durch Kranenburg, Donsbrüggen, Kleve nach Emmerich zur Autobahn. Josef Verweyen (Heimatverein Donsbrüggen): „Eine noch günstigere Lkw-Anbindung zöge noch mehr Verkehr an, und das bloß, um die Museumsmeile zu einem Ruheviertel zu machen".

Dabei will Museumsleiter Drs. Guido de Werd „gar kein Idyll haben", aber gern eine „reduzierte, städtische Straße". Schließlich war nur im 17. Jahrhundert die „Allee zu den Fontänen" verkehrsfrei, dann Postkutschenweg, dann wurde das alte Kurhaus Schuhfabrik, die Parkanlagen dämmerten bis 1975 vor sich hin. „Der Park und die Anlagen sind ein kostbares Gut. Man muss entscheiden, welche Opfer man bringen will. Jede Lösung einer Tangente sollte so behutsam wie möglich angegangen werden und im Falle so sorgfältig wie möglich umgesetzt werden" so de Werd.

zuletzt bearbeit am 27.02.2010