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DÜSSELDORF
Einst hatten die Deutschen nicht nur in den Alpen einen
Problembären. Auch die Menschen im heutigen Nordrhein-Westfalen
hatten Probleme mit Bären. Noch Anfang des 18. Jahrhunderts trieben
sich Brunos Vorfahren im Bergischen Land, an Rhein und Ruhr herum.
Der letzte Meister Petz wurde hier etwa Mitte des 18. Jahrhunderts
erlegt. Artenschutz? Damals noch kein Thema.
Viele
wilde Tiere waren früher bei uns im Rheinland heimisch - noch bevor
wir es waren. Es ist noch gar nicht so lange her, da stand
Düsseldorf unter Wasser, vielmehr das Gebiet, wo heute Düsseldorf
liegt. Nicht zum ersten und auch nicht zum letzten Mal. Erinnern
wird sich niemand mehr daran, es gab nämlich noch keine Menschen in
jenem Erdzeitalter, das Experten „Devon" nennen.
„NRW
lag damals nicht in Europa,
sondern nahe des
Äquators"
Rund
400 Millionen Jahren ist es her - erdgeschichtlich betrachtet kein
allzu großer Zeitraum - da bildete nicht nur die Region um
Düsseldorf, sondern der größte Teil Nordrhein-Westfalens den
Grund eines mit Korallenriffen übersäten Flachmeeres. „NRW lag
damals nicht in Europa, sondern nahe des Äquators und war Teil des
Superkontinents Pangäa." So schildert Detlef Grzegorczyk,
Paläontologe vom Westfälischen Museum für Naturkunde, eine Welt,
die viele Menschen eher an einen fremden Planeten als an ihr
Bundesland erinnern wird. Wer kann sich NRW schon als tropisches
Tauchparadies vorstellen? Oder gar als ein wildes Küstenland mit
ausgedehnten Waldmooren, üppigen Sumpfwäldern und wilden
Wasserläufen. Ein Land, das ganz entfernt dem heutigen
Amazonasdelta ähnelt, sagt Grzegorczyk. Nur dass dort keine
Libellen mit einer Flügelspannweite von etwa 32 Zentimetern den
Luftraum bevölkern.
Wer
sich auf eine Reise durch die Erdgeschichte NRWs begibt, der trifft
auf vieles, auf zwei Meter lange Tausendfüßer, 20 Zentimeter
große Frösche, auf 3,5 Tonnen schwere Tintenfischverwandte oder
auf Protosaurus, dem Urahn der Saurier, dessen Leiche vor rund 270
Millionen Jahren vom wüstenartigen Klima Westfalens mumifiziert
wurde.
Ein
Zeitenbummler muss freilich lange reisen, bis er auf ein Land
trifft, das ihn zumindest an den Planeten Erde, wenn auch nicht an
seine Heimat erinnert. Mindestens bis in die zweite Hälfte des
Pleistozän, das vor etwa 1,8 Millionen Jahren begann und vor rund
12000 Jahren endete. Auf Menschen würde er allerdings auch dann
noch nicht treffen. „Neandertaler tauchten in NRW erstmals vor
rund 180000 Jahren auf, der moderne Homo sapiens vor etwa 30000
Jahren", erklärt Wighart von Koenigswald, Paläontologe an der
Uni Bonn.
Die
Landschaft und ihre Tiere wären dem Reisenden allerdings nicht mehr
ganz unbekannt. „Ab etwa 500000 Jahren vor unserer Zeit
kennzeichnet ein ständiger Wechsel von Eis- und Warmzeiten unser
Klima", erklärt der Professor. „In den Eiszeiten war das
Land völlig waldfrei, das Klima war trocken, der Boden tiefgefroren
und nur die oberste Schicht war eisfrei." Mammuts,
Wollnashörner, Riesenhirsche mit ihren gigantischen Geweihen,
Moschusochsen, der Vielfraß, Wölfe, Hyänen und Löwen zogen da,
wo sich heute die Einkaufsstraßen von Düsseldorf, Duisburg oder
Krefeld befinden über endlose, der sibirischen Tundra ähnelnden
Graslandschaften.
Während
der Warmzeiten kam der Laubwald zurück und das Landschaftsbild
unserer Region bekam etwas Vertrautes, fast Heimatliches. Zumindest
aus der Luft betrachtet. Aus der Nähe dagegen hätte man den Irrtum
rasch bemerkt. „Waldelefanten, mehrere Nashornarten und Auerochsen
streiften damals durch die Urwälder, und in den besonders
niederschlagsreichen Warmzeiten schwammen im Rhein
Flusspferde", berichtet Wissenschaftler Wighart von Koenigswald
aus einem unbekannten Land. Einem Land, das unendlich weit entfernt
scheint. Dreißig, vierzig Sekunden etwa, wenn man die Geschichte
der Erde in 24 Stunden zusammenfasst.
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