Grabplatte des Kommandanten Adolf von Eyndhouts (Anm.: auch "Eenhout" - Passwortgeschützter Bereich), 1635*

aus: Städtisches Museum Haus Koekkoek (Hrsg.): Schenkenschanz - "de sleutel von den hollandschen tuin",  S. 77 ff. (*) u. S. 58 (**), Kleve 1986

 

Grabplatte des Kommandanten Adolf von Eyndhouts, 1635*

Blaustein, 268 x 170 cm

Lit.: R. Scholten, Zur Geschichte der Stadt Cleve, Cleve 1905, S. 216, 217, 237 - 239. - H. P. Hilger, Kreis Kleve 4, Düsseldorf 1967, S. 88.

Kleve, Außenmauer der Kath. Pfarrkirche St. Mariä Empfängnis.

Sehr lange hat Adolf Eyndhouts den Triumph seiner spektakulären Eroberung (Anm. "der Schenkenschanz") nicht genießen können. Bereits zwei Tage nach der Einnahme begannen die Holländer die Festung anzugreifen. Adolf Eyndhouts war nach dem Mord an seinem Vater in die Dienste der Spanier getreten.

Eyndhouts starb am 30. November. Bereits am 18. August war er verwundet worden. Am 1. Dezember 1635 wurde er in der Minoritenkirche von Kleve beigesetzt.

Die Grabplatte befand sich ursprünglich in der kleinen, im II. Weltkrieg zerstörten Kapelle an der Ostseite des Südschiffes. Hier erwarb Eyndhouts Witwe am 6. Januar 1636 für fünfzig Reichsthaler und vierundfünfzig Pfund Wachs eine Grabstelle neben der ihres Mannes. Gleichzeitig stiftete sie mit fünfzig Reichsthalern ein Jahrgedächtnis für den Toten. Der Verstorbene liegt gerüstet mit dem Harnisch und Schwert in der Mitte der imposanten Grabplatte, umgeben von Rahmenwerk im Stil der Spätrenaissance.

Der Helm mit geschlossenem Visier und die Handschuhe liegen zu seinen Füßen. Die Hände hat er vor der Brust betend zusammengelegt. Über seinem Haupt erscheinen die Wappenschilde seiner Eltern. Links das Wappen des Vaters, Eyndhouts und rechts das der Mutter, Steenhuys. Auf den beiden Pilastern zuseiten des liegenden Toten stehen untereinander je acht Wappenschilder der Ahnen des Verstorbenen auf väterlicher (links) und mütterlicher Seite (rechts). In einer Kartusche im unteren Teil der Grabplatte ist folgender Text noch lesbar: STA VIATOR, HIC EST ADOLPHI EINHOLTS SEPULCRUM. QUI UNA VICTO . . . IN UNA ARCE SCHENCO NEC PRIVS ... HOLLANDIAM AQUAM ANIMAM CADE . . . FULMERE GLORIAE. ANNO 1635 DIE 30 NOVEMBRIS

Die Grabplatte war ursprünglich im Fußboden der Kapelle eingelassen, so dass die in Hochrelief gearbeiteten Partien, namentlich das Gesicht, abgetreten sind.

 

Adriaan van Eyndhouts**

Adriaan van Eyndhouts, der Vater des Eroberers der Schenkenschanz, Adolf, war Hauptschultheiß des Landes von Cuyk im Geldrischen Oberquartier. Er war der Sohn eines Schöffen von 's Hertogenbosch, eine Stadt, die bis 1629 in Händen der Spanier bleiben sollte. Er gehörte zu der katholisch gebliebenen oder, in jedem Fall nicht von Herzen, dem Protestantismus zugeneigten großen Gruppe von hohen Beamten und Landadel im Grenzgebiet zwischen dem spanischen und dem staatischen Gebiet.

Zusammen mit einigen anderen war er 1606 beteiligt bei einem Vorhaben des auch zum katholischen Landadel gehörenden Amtmannes des Landes von Maas und Waal, Jakob Mom, um durch Überraschung die Stadt Tiel in die Hände der Spanier zu bringen. Diese würden dann von 's Hertogenbosch aus einen wichtigen Brückenkopf im staatischen Gebiet besitzen. Aus diesem Plan wurde nichts, und er war bereits fast vergessen, als der Statthalter Prinz Moritz von Nassau-Oranien gegen Ende des 12jährigen Waffenstillstandes die fünf wichtigsten Verschworenen verhaften ließ und als Landesverräter zum Tode verurteilte. Drei von ihnen wurden am 17.4.1621 in Den Haag enthauptet: Jakob Mom, Elbert von Boetbergen und Adriaan van Eyndhouts. Ihre Verurteilung wird sicherlich mit verursacht sein durch politische Motive bei Prinz Moritz, der in seinem Verlangen im Konflikt mit Spanien mit den Waffen zu entscheiden, vorher bereits den Ratspensionär Johann van Oldenbarneveld, einen der wichtigsten Vorkämpfer von Verhandlungen, anstelle von Krieg, hat zu Tode bringen lassen.

Der von sehr vielen als unnötig streng oder sogar als gerechten Mord betrachtete Tod seines Vaters war für Adolf von Eyndhouts Anlass, um seine Entlassung aus staatischen Diensten zu nehmen - er war Leutnant-Kolonel des Regiments des Grafen von Embden - und in den Dienst der Gegenpartei, der Spanier, zu treten.

zuletzt bearbeit am 22.12.2004