Französisch-Niederländischer Krieg von 1672 bis 1679

Das Zeitalter der Brandenburger und der Einfall der Franzosen im 17. Jahrhundert: Der Große Kurfürst und die Kriegszüge Ludwigs XIV. am Niederrhein

aus: 

Der Niederrhein. Zeichnungen, Druckgraphik und Bücher aus der Sammlung Robert Angerhausen. Eine Auswahl. Kleve 1993, S. 137 ff.

Die Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg und Wolfgang Wilhelm von der Pfalz, Erben von Kleve-Mark-Ravensberg bzw. Jülich-Berg, hatten auch nach dem Westfälischen Frieden wenig Einfluss in ihren Ländern. Die klevischen Städte standen weiterhin unter niederländischer militärischer Besatzung. Die generalstaatischen Garnisonen hielten Rheinberg, Orsoy, Büderich, Wesel, Rees und Emmerich bis 1672. Im linksrheinischen Kleve standen kaiserliche und hessische Generäle. So wurden dort auch die internationalen Konflikte der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, das spanisch-französische Ringen um die Rheingrenze (Pyrenäenfrieden 1659), der Krieg Bernhard von Galens, Erzbischof von Münster, gegen die Generalstaaten 1665/1666, der Feldzug Ludwigs XIV. von Frankreich gegen die Niederlande 1672-1679 und der Kampf um die Nachfolge in Kurköln 1688/1689, ausgetragen.

1640 hatten Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620/40 bis 1688), später als der Große Kurfürst bekannt, in Kleve-Mark-Ravensberg und 1653 Pfalzgraf Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg (1615/53-1679/90) in Jülich-Berg die Regierung angetreten. Friedrich Wilhelm, der 1643 die brandenburgische Regierung aus Emmerich nach Kleve zurückholte, hielt 1647 mit seinem Hof in Kleve Einzug und setzte im gleichen Jahr einen fähigen Statthalter, Graf Johann Moritz von Nassau-Siegen, gleichzeitig Generalleutnant der staatischen Armee und Gouverneur von Wesel, ein. Dieser verstand es, in dem leidgeprüften Kleve, der dritten brandenburgischen Residenzstadt nach Berlin und Königsberg, den Wiederaufbau erfolgreich zu betreiben, Kultur und Kunst zur Blüte zu verhelfen. Der in Neuburg an der Donau residierende Philipp Wilhelm übertrug 1679 die Regentschaft seinem Sohn Johann Wilhelm, bekannt als Jan Wellem, unter dem sich die Residenzstadt Düsseldorf zur bedeutenden Kunstmetropole entwickelte.

Am Niederrhein schwelte ein interner Konflikt, der mit noch immer ungelösten Fragen des jülich-klevischen Erbstreites zusammenhing. Im sogenannten „Kuhkrieg", dem militärischen Vorstoß des brandenburgischen Kurfürsten 1651 gegen die jülich-bergische Hauptstadt Düsseldorf, versuchte dieser, sein niederrheinisches Territorium um Jülich-Berg zu vergrößern und die in seinen Augen ungeklärten Erbrecht- und kirchlichen Besitzverhältnisse zu seinen Gunsten zu entscheiden. 1666 wurde im Vertrag von Kleve zwischen Pfalz-Neuburg und Brandenburg ein endgültiger Erbausgleich geschlossen und die Territorien wurden geteilt.

Ludwig XIV., seit 1661 französischer König, zog gemeinsam mit dem Brandenburger 1665/1666 gegen den Münsteraner Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen, der die Generalstaaten bedrohte. 1666 wurde in Kleve auch der Friede zwischen Münster und den Niederlanden geschlossen, der die Stadt zu einem Schauplatz internationaler Politik machte und das deutsche Reich vor einer Verwicklung in den holländisch-englischen Krieg (1665-1667) bewahrte.

Das folgende Jahrzehnt war von der aggressiven Außenpolitik des nach europäischer Macht strebenden Ludwig XIV. bestimmt: 1667 versuchte der französische König im Devolutionskrieg gegen Spanien seine zweifelhaften Ansprüche auf die spanischen Niederlande gewaltsam durchzusetzen. England und die Generalstaaten, die sich im Frieden von Breda (1667) einigten, zwangen im Verbund mit Schweden die Franzosen zum Frieden von Aachen (1668). 1671/1672 schloss Ludwig in Köln mit dem Kölner Erzbischof Max Heinrich und dem Münsteraner Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen, ein militärisches Bündnis. Auf Vermittlung des Johann Moritz von Nassau-Siegen ergriff der Große Kurfürst von Brandenburg die Partei der Generalstaaten. Die Forderung des Kölner Erzbischofs nach Räumung der kurkölnischen Festung Rheinberg von generalstaatischen Truppen war der Anlass für Ludwig XIV. mit seinem General Henri Vicomte de Turenne und über hunderttausend Mann Anfang Juni 1672 den Niederrhein zu überrollen und innerhalb weniger Tage die generalstaatischen Festungen Orsoy, Rheinberg, Alpen, Büderich, Wesel, Rees und Emmerich zu nehmen, die Fortifikationen von Goch. Isselburg und Büderich zu schleifen. Die klevische Regierung floh nach Dordrecht. Nach dem Rheinübergang bei der klevischen Zollburg Tolhuys fielen die Franzosen in die Niederlande ein. Gleichzeitig sammelten sich die kurkölnischen und münsteranischen Truppen rechts des Rheins und griffen die Provinz Overijssel an. Ludwig gelang es innerhalb weniger Wochen dreißig niederländische Festungen zu stürmen. In den Generalstaaten waren im Juni 1672 die Gebrüder de Wit, Ratspensionäre und Führer der Regentenpartei, die seit 1650 die Macht von den Oraniern übernommen hatten und 1667 die Abschaffung der Statthalterschaft bewirkten, unter dem politischen Druck des französischen Ansturms ermordet worden. Wilhelm III. von Oranien wurde 1672 zum Statthalter und Oberbefehlshaber ernannt. Dieser griff zum äußersten Mittel der Landesverteidigung, öffnete Dämme und Schleusen, die das Land überschwemmten und die Franzosen zum Rückmarsch zwangen (sog. holländische Wasserlinie). Auch die kölnisch-münsteranischen Truppen blieben vor Groningen stecken. Wilhelm von Oranien verbündete sich mit dem deutschen Kaiser Leopold I. und Friedrich Wilhelm von Brandenburg. Ludwig XIV. übertrug Marschall Turenne den Oberbefehl. 1673 übernahm der Marschall Conde das französische Kommando in den Niederlanden. In Vossem schloss Brandenburg 1673 mit den Franzosen einen Sonderfrieden, im gleichen Jahr begannen Friedensverhandlungen in Köln zwischen Frankreich, den Generalstaaten und dem deutschen Kaiserreich, die durch den Anmarsch der verbündeten kaiserlich-generalstaatischen Truppen auf Bonn 1673 und die Verhaftung des kölnischen Ministers Fürstenberg 1674 in Köln durch Kaiserliche gestört wurden. Ludwig brach die Verhandlungen ab und zog gegen die spanischen Niederlande und den Mittelrhein. In der Schlacht bei Seneffe konnte Johann Moritz von Nassau-Siegen 1674 eine Niederlage der Generalstaaten verhindern. 1679 machten noch einmal französische Freikorps, die Neuss einnahmen, den Niederrhein unsicher. Seit 1676 fanden in Nimwegen Verhandlungen statt, die 1678/1679 zum Frieden Frankreichs mit Spanien, den Generalstaaten und dem Reich, 1679 zum Frieden von St. Germain mit Brandenburg führten. Die Niederlande erhielten ihre besetzten Gebiete zurück, die Franzosen zogen vom Niederrhein ab. Lothringen und Burgund blieben im Besitze Ludwigs XIV., der auch die Wiedereinsetzung der Gebrüder Fürstenberg in ihre kölnischen Ämter bewirkte.

Die sogenannten Reunionskriege, mit denen Ludwig XIV. den Rhein als natürliche Grenze Frankreichs durchsetzen wollte, zogen ein Jahrzehnt später erneut den Niederrhein in Mitleidenschaft. Als 1688 Ludwigs Verbündeter, der Kölner Erzbischof Max Heinrich, starb und der französische König nicht seinen Kandidaten Wilhelm Egon von Fürstenberg als Nachfolger durchsetzen konnte, erklärte er der 1689 unter Führung von Wilhelm III. von Oranien gebildeten „Großen Allianz" (Holland, Kaiser, Reich, Spanien, England) den Krieg. In der „glorious revolution" gelang 1688 der Sturz des katholischen Verbündeten Ludwigs, Jakob II. von England, und sein Schwiegersohn, Wilhelm III. von Oranien, verheiratet mit Mary Stuart, wurde englischer König. Ludwig besetzte 1689 von Bonn bis Rheinberg kurkölnische Festungen mit französischen Truppen, nur die Stadt Köln hatte sich von ihm losgesagt. Wilhelm von Oranien und der brandenburgische Kurfürst Friedrich III., der 1688 die Nachfolge seines Vaters angetreten hatte, standen ihm als Gegner gegenüber. Die Franzosen erlitten Anfang März bei Uerdingen eine entscheidende Niederlage und mussten das gesamte kölnische Niederstift bis auf die Festungen Rheinberg und Kaiserswerth räumen, die aber noch im gleichen Jahr an die Verbündeten fielen. Auch das französische Hauptquartier in Bonn konnten die Alliierten im Oktober 1689 unter ihre Kontrolle bringen. Damit blieb der Niederrhein von den Verwüstungen, mit denen Ludwig XIV. im Pfälzischen Erbfolgekrieg die Pfalz heimsuchte (1688-1697), verschont.

L. Ennen: Frankreich und der Niederrhein. 2 Bde. Köln, Neuss, 1855.

F. Textor: Entfestigungen und Zerstörungen im Rheingebiet während des 17. Jahrhunderts als Mittel der französischen Rheinpolitik (Rheinisches Archiv. Veröffentlichungen des Instituts für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande an der Universität Bonn Nr. 31). Bonn, 1937.

M. Braubach: Kurköln. Gestalten und Ereignisse aus zwei Jahrhunderten

rheinischer Geschichte. Bonn, 1949.

H. Kühn-Steinhausen: Johann Wilhelm, Kurfürst von der Pfalz, Herzog

von Jülich-Berg. Düsseldorf, 1958.

P. Geyl: Geschiedenis van de Nederlandse stam. Deel III 1648-1701.

Amsterdam, Antwerpen, 1962.

H. Schmidt: Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg. Düsseldorf, 1973.

A. Alberts: Een koning die van geen nee wil horen. De Europese ambities

van Lodewijk XIV, 1638-1715. Amsterdam, 1976.

M. Braubach: Vom Westfälischen Frieden zum Kölner Kongreß

(1648-1815). In: Rheinische Geschichte (Hrsg. F. Petri u. G. Droege).

Bd. 2. Neuzeit. Düsseldorf, 1976. S. 227-259.

R. Fruin: De oorlog van 1672. Groningen, 1977.

Ausst. De Vrede van Nijmegen. Nijmeegs Museum Commanderie van Sint

Jan, Nimwegen, 1978.

E. Opgenoorth: Friedrich Wilhelm. Der Große Kurfürst von Brandenburg.

Eine politische Biographie. 2 Bde. Göttingen, 1978.

Ausst. Soweit der Erdkreis reicht. Johann Moritz von Nassau-Siegen

1604-1679. Städtisches Museum Haus Koekkoek Kleve. Kleve, 1979.

K. Flink: Kleve im 17. Jahrhundert. Studien und Quellen (Schriftenreihe des

Stadtarchivs Kleve) 3 Teile. Kleve, 1979-1981.

Ausst. 475 Jahre Fürstentum Pfalz-Neuburg. Schloß Grünau bei Neuburg

an der Donau, 1980.

G. Warthuysen: Der Sonnenkönig am Niederrhein, in: HKW, 1983. S. 65-75.

P. Sonnino: Ludwig XIV. and the origin of the Dutch war. Cambridge, 1988.

 

Die Eroberungen Ludwigs XIV. von Frankreich, 1686

Les Petites Conquetes du Roi. Paris, 1686

Prachtband mit Kupferstichen von Joan Dolivar (Saragossa 1641-1692 Paris), Daniel Marot d. Ä. (Paris um 1663-1752 Den Haag), H. Colin (Lebensdaten unbekannt) und Louis de Chastillon (Sainte-Menehould 1639-1734 Paris) nach Sebastian LeClerc (Metz 1637-1714 Paris)

Ledereinband, H 63 x B 48 cm

S.A.B 146

Der erste Hofmaler, Generalinspekteur der königlichen Sammlungen und Direktor der Gobelinmanufaktur Charles Lebrun ließ diese Stichfolge von Mitarbeitern der Manufaktur anfertigen. Sie sind als Petites Conquetes (= kleine Eroberungen) bekannt geworden, benannt nach der von Ludwig XIV. selbst angelegten Sammlung von Schlachtenbildern, und verherrlichen die Kriegszüge des Sonnenkönigs der Jahre 1672-1678. Die Vorlagen schuf der Zeichner und Stecher Sebastian LeClerc, der, zunächst als Militäringenieur tätig, 1669 endgültig nach Paris kam. 1672 wurde er auf Vorschlag Lebruns in die Akademie aufgenommen. Er nahm Wohnung in den „Gobelins" und wurde zum Professor der Geometrie und Perspektive ernannt. Sein umfangreiches graphisches Werk umfasst etwa viertausend Blätter.

Das Album enthält die Eroberungen Ludwigs am Niederrhein (Orsoy, Büderich, Rheinberg, Rees, Emmerich, der Rheinübergang bei Tolhuys und Schenkenschanz) sowie in den nördlichen und südlichen Niederlanden und in der Pfalz.

Lit.: C. A. Jombert: Catalogue raisonne de l'ceuvre de S. LeClerc. Paris, 1974.

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Abbildung von Nimwegen [Njmegen], Hauptstadt des Herzogtums Geldern an der Waal bei der Einnahme durch die Franzosen, 8. Juli 1672 
Urheber Le Clerc, Sebastian 
Datum 08.07.1672 
Format / Seiten 376x445 mm 
Bestand/Sign. HStAM WHK 4/10 

Abbildung von Emmerich im Herzogtum Kleve bei der Einnahme durch französische Truppen, 10. Juni 1672 
Urheber Le Clerc, Sebastian 
Datum 10.06.1672 
Format / Seiten 329x434 mm 
Bestand/Sign. HStAM WHK 4/06 

Abbildung der Rheinüberquerung durch die französische Armee, 1672 
Urheber Dolivar 
Datum 1672 
Format / Seiten 343x400 mm 
Bestand/Sign. HStAM WHK 4/01 

Kupferstich 1679 
Originaltitel 

Kupferstich 1679 
Originaltitel 

Kupferstich 1679 
Originaltitel 

Nimegue. Capitale du duché de Gueldres sur le Vahal, ce fut de toutes les villes des Hollandois, celle qui se défendit le mieux,elle fut pourtant prise au bout de huit jours par le Vicomte de Turene, et cinq mille hommes qui - estoient dedans en garnison, se rendirent prisonniers de guerre le 8. Iuillet 1672 

Emmerick. Ville Anzeatique dans le duché de Cleves scituée sur le bord du Rhein une lieue audessus du fort de Schenk. La garnison Hollandoise qui estoit de dans n'attendit par qu'on y mit le siege et se retira sur le bruit de la marche du Roy. La ville se rendit snas resistance au Prince de Condé, le 10 Iuin, 1672

Le passage du Rhin

Einnahme von Nijmegen durch franz. Truppen, 1672 
oben: Grundriss der Stadt (nur Befestigung) 
im Bildvordergrund: Marketenderszenen
Aus: Le Clerc, Sebastian: Petites conquêtes de Louis Quatorze. Blatt 11

Einnahme von Emmerich durch französische Truppen, 1672 
oben "Plan de la ville du fort d'Emmerick" (mit Grundriss) 
Aus: Le Clerc, Sebastian: Petites conquêtes de Louis Quatorze. Blatt 6 

Inhaltliche Beschreibung 

Rheinüberquerung der französischen Armee, 1672 
oben im Rahmen nach Westen ausgerichteter Situationsplan: mit Waal und Isle de Betau (Betuwe) 
Vermutlich aus: Le Clerc, Sebastian: Petite conquêtes de Louis Quatorze. Blatt 7

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Die Einnahme von Orsoy, 1672

Louis de Chastillon (Sainte-Menehould 1639-1734 Paris) nach Sebastian

LeClerc (Metz 1637-1714 Paris)

Kupferstich, 435 x 375 mm (Platte)

Titel: Orsoy

Adresse: Lud. de Chastillon. Le Clerc f.

aus: Les Petites Conquetes du Roi (s. o.)

 

Das Blatt eröffnet die Reihe über den Hollandfeldzug. Der Blick geht von Südwesten auf die im Rheintal liegenden Truppen und die Festung Orsoy, über der Rauchwolken aufsteigen. Innerhalb der Festungsmauern ist der Turm der St. Nikolauskirche zu sehen. Im Vordergrund sind Bauern bei der Feldarbeit. Über dem mit Kriegsgerät und Girlanden geschmückten Rahmen begleiten zwei Siegesengel den Grundriss der Festung. Ein Sockel, flankiert von zwei gefesselten Männergestalten, trägt eine kurze französische Beschreibung der Ereignisse: „Orsoy, Stadt des Herzogtums Kleve am Ufer des Rheins, wo die Holländer eine Garnison hatten. Der König, der sich entschlossen hatte, vier Plätze auf einmal zu belagern, erkundete Orsoy selbst und er ließ Laufgräben gegen die Kontereskarpe eröffnen. Der Platz wurde ihm nach vierundzwanzig Stunden übergeben und der Gouverneur und die Garnison, welche aus neunhundert Mann bestand, wurden am 3. Juni 1672 zu Kriegsgefangenen gemacht."

Einer Überlieferung nach soll die Einnahme von Orsoy dem Pariser Quai d'Orsay zu seinem Namen verholfen haben. Am 1. Juni waren die Franzosen von Neuss unter der persönlichen Führung des Sonnenkönigs und seines Bruders, des Herzogs Philipp I. von Orleans, den Rheinstrom aufwärts nach Orsoy gezogen. Nachdem die Stadt den ganzen folgenden Tag beschossen wurde, kapitulierte die holländische Besatzung am 3. Juni. Trotz gegenteiliger Versprechungen ließ Ludwig die holländischen Offiziere gefangen nehmen, die Soldaten misshandeln und die Stadt plündern. Die Festungswälle und die Burg wurden geschliffen. Die Franzosen blieben bis zum Sonderfrieden von Vossem im Juni 1673 in der Stadt.

Lit.: Orsoy, Städteatlas: Tafel 4, Abb. 3. Zu den Ereignissen: Kastner und Köhnen, Orsoy: S. 163-65. G. Warthuysen: Der Sonnenkönig am Niederrhein. In: HKW, 1983, S. 67f.

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Die Einnahme von Büderich, 1672

Louis de Chastillon (Sainte-Menehould 1639-1734 Paris) nach Sebastian

LeClerc (Metz 1637-1714 Paris)

Kupferstich, 435 x 375 mm

Titel: Burich.

Adresse: Lud. de Chastillon. Le Clerc f.

aus: Les Petites Conquetes du Roi (s. o.)

Die Komposition des Blattes entspricht der des Stiches zur Einnahme von Orsoy. Der Künstler scheint eine ältere Vorlage für die Ansicht der Festung falsch übertragen zu haben, denn der Blick fällt von Südwesten auf Xanten links, den Rhein und Wesel rechts, während Büderich von Osten gesehen ist. Innerhalb der Stadtmauern von Büderich sind vorne die Burg (ohne Turm), dahinter die Peterskirche und links die Mühle zu sehen. Auf dem Sockel ist aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt zu lesen: „Kleine Stadt im Herzogtum Kleve, etwa zweihundert Schritt vom Rhein gegenüber Wesel gelegen. Sie ergab sich am 3. Juni 1672 dem Vicomte von Turenne zu denselben Bedingungen wie Orsoy, ohne die Öffnung der Laufgräben abgewartet zu haben."

Noch am Tag der Kapitulation von Orsoy begann der Marschall Henri Vicomte de Turenne für Ludwig XIV. den Sturm auf Büderich. In der Festung waren zu der Zeit nur dreihundert niederländische Soldaten, die sich gegen die französische Übermacht nur bis zum 3. Juni behaupten konnten. Die Franzosen schliffen auch hier die Festungswerke und die Burg. Nach dem Sonderfrieden von Vossem 1673 verließen sie die Stadt, wohingegen Wesel am gegenüberliegenden Rheinufer noch bis 1680 besetzt blieb.

Lit.: Lorenz, Büderich. S. 35ff. und Kat.-Nr. 72/18. Büderich, Städteatlas: Tafel 4, Abb. 5. Zu den Ereignissen: G. Warthuysen: Der Sonnenkönig am Niederrhein. In: HKW, 1983, S. 70. Wensky, Büderich: S. 65.

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Die Einnahme von Rheinberg, 1672

Louis de Chastillon (Sainte-Menehould 1639-1734 Paris) nach Sebastian

LeClerc (Metz 1637-1714 Paris)

Kupferstich, 445 x 378 mm

Titel: Rhinberg

Adresse: Lud. de Chatillon. Le Clerc f.

aus: Les Petites Conquetes du Roi (s. o.)

Der Stich hält den Aufmarsch der französischen Truppen südlich von Rheinberg fest. Im Mittelgrund führt der Sonnenkönig den Troß aus Reiterei, Munitions- und Materialwagen an. Ein Zeltlager ist bei Budberg oberhalb der Festung eingerichtet. Einheimische sind in den Handel mit den Soldaten vertieft. Die Bildunterschrift lautet in Übersetzung: „Starke Festung am Rhein, unter der Herrschaft des Kölner Erzbischofs, sie hält reichhaltig alle Art von Munitionen und die Garnison besteht aus mehr als 1500 Männern. Dennoch hat der entsetzte Gouverneur bald am 6. Juni 1672 sich ergeben, nachdem der König ihm gedroht hatte, er werde ihm keinerlei Aufwartung machen, wenn er es wagen sollte, bis zum ersten Kanonenschuß zu warten."

Der Erzbischof Maximilian Heinrich von Köln, der immer wieder versucht hatte, die kurkölnische Festung Rheinberg den Nieder-

ländern zu entreißen, wandte sich schließlich an Ludwig XIV., der die „Rheinberger Affäre" als willkommenes Alibi für einen Zug gegen die Niederlande begrüßte. Nach einem Geheimtreffen am 1. Juni in Neuss mit dem Kölner Erzbischof und den Gebrüdern von Fürstenberg, zog er noch am gleichen Tag nach Rheinberg. Hier bestach er den Stadtkommandanten, van Bassum, der am 6. Juni kapitulierte, ohne daß gekämpft wurde. In einem Vergleich zwischen dem Kölner Erzbischof und den Generalstaaten wurde die Festung 1674 an Köln zurückgegeben, jedoch 1689 wieder von den Niederländern besetzt.

Lit.: Kirmse, Rheinberg: S. 28f. Zu den Ereignissen: Wittrup, Rheinberg: S. 82ff. G. Warthuysen: Der Sonnenkönig am Niederrhein. In: HKW, 1983, S. 68f.

      

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Ludwigs XIV. Rheinübergang bei Tolhuys

im Jahre 1672, 1685/86

Charles Simonneau (Orleans 1645-1728 Paris) nach Adam Frans van der Meulen (Brüssel 1632-1690 Paris) Kupferstich, 520 x 950 mm

Titel: Le Rhin passe ä la nage par les Francis, ä la veu'e de l'Armee de Hollande. HJuin 1672. Tranatus a Gallis Rhenus...

Adresse: C. Simmoneau sculp. Designe sur les lieux, pour le Roy tres-Chrestien. par F. Vander Meulen. Ad verum delineatus... Se distribue a Paris par l'Auteur, En L'Hostel de Manufactures Royales des Gobelins, Et en la rue St. Jacques, avec privilege du Roy. Prostat Parisiis... S. A. K 2627

Der großformatige Stich entstammt einem Sammelband aus den Jahren 1685/86 mit 28 Kupfern nach Gemälden von Adam Frans van der Meulen, der Ludwig XIV. als Zeichner auf seinem niederländischen Waffengang begleitet hatte. Seine Schlachtengemälde und die seines Schülers Jean Baptiste Martin, der nach seinen Zeichnungen arbeitete, schmückten später in der „Grande Galerie Historique" das Versailler Schloß. Sie wurden von verschiedenen Künstlern (Adriaen Frans Baudewyns, Robert Bonnart, Franz Ertinger, Jakob van Huchtenburg, Gerard Scotin und Charles Simonneau) gestochen. Van der Meulen wurde 1686 Direktor der Pariser Gobelinmanufakturen.

Dieser Stich entstand nach einem Gemälde van der Meulens, das sich heute im Louvre befindet und ursprünglich aus Ludwigs XIV. Chateau de Choisy stammt. Eine Wiederholung des Künstlers hängt im Versailler Schloss. Von dem Gemälde existieren zahlreiche Kopien, u. a. im Städtischen Museum Haus Koekkoek, Kleve und Reproduktionsstiche (wie oben). Das Vorbild des Klever Gemäldes war Zentralbild einer Dreiergruppe, auf der links der König als Anführer seiner Truppen, rechts der Bau einer Schiffsbrücke über den Rhein zu sehen war. Ludwig XIV. traf mit seinem Marschall Turenne und dem Prinzen Conde am Niederrhein zusammen, um bei der klevischen Zollburg Tolhuys am Fuße des Eltenberges mit einem 90 000 Mann starken Heer den Rhein zu überqueren. Van der Meulen hat den König im Vordergrund rechts auf einem Pferd und mit Kommandostab in der Rechten, seinen Marschall Turenne an seiner Seite abgebildet. Unter Kanonenfeuer zieht das Heer auf Pferden durch das Wasser. Am gegenüberliegenden Rheinufer steht die Zollburg in Flammen. Ein einheimischer Bauer, Jan Peters aus Emmerich, hatte den Franzosen eine seichte Stelle im Rhein bei Tolhuys gezeigt, die sie am frühen Morgen durchquerten. Hohe Verluste veranlassten Ludwig seine Kaponen einzusetzen, worauf die Niederländer den Waffenstillstand anboten. Schließlich kam es doch zu einem Gemetzel, das durch einen losgegangenen Schuss ausgelöst wurde. Dabei wurde auch der Marschall Conde verwundet. Unter seiner und des Königs Leitung zog das Heer rechtsrheinisch flussaufwärts. Turenne übernahm das linksrheinische Kommando.

Lit.: I. Morris: Adam Frans van der Meulen (1632-1690). Diss. Münster, 1970. Nr. 47. Ausst. niederrheinische Geschichte im Spiegel der Graphik: Kat.-Nr. 19. Ausst. Schenkenschanz: Kat.-Nr. F 1.

zuletzt bearbeit am 18.07.2007