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Das
Zeitalter der Brandenburger und der Einfall der Franzosen im 17.
Jahrhundert: Der Große Kurfürst und die Kriegszüge Ludwigs XIV.
am Niederrhein
aus:
Der
Niederrhein. Zeichnungen, Druckgraphik und Bücher aus der Sammlung
Robert Angerhausen. Eine Auswahl. Kleve 1993, S. 137 ff.
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Die
Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg und Wolfgang Wilhelm
von der Pfalz, Erben von Kleve-Mark-Ravensberg bzw. Jülich-Berg,
hatten auch nach dem Westfälischen Frieden wenig Einfluss in ihren
Ländern. Die klevischen Städte standen weiterhin unter
niederländischer militärischer Besatzung. Die generalstaatischen
Garnisonen hielten Rheinberg, Orsoy, Büderich, Wesel, Rees und
Emmerich bis 1672. Im linksrheinischen Kleve standen kaiserliche und
hessische Generäle. So wurden dort auch die internationalen
Konflikte der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, das
spanisch-französische Ringen um die Rheingrenze (Pyrenäenfrieden
1659), der Krieg Bernhard von Galens, Erzbischof von Münster, gegen
die Generalstaaten 1665/1666, der Feldzug Ludwigs XIV. von
Frankreich gegen die Niederlande 1672-1679 und der Kampf um die
Nachfolge in Kurköln 1688/1689, ausgetragen.
1640
hatten Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620/40 bis 1688), später
als der Große Kurfürst bekannt, in Kleve-Mark-Ravensberg und 1653
Pfalzgraf Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg (1615/53-1679/90) in
Jülich-Berg die Regierung angetreten. Friedrich Wilhelm, der 1643
die brandenburgische Regierung aus Emmerich nach Kleve zurückholte,
hielt 1647 mit seinem Hof in Kleve Einzug und setzte im gleichen
Jahr einen fähigen Statthalter, Graf Johann Moritz von
Nassau-Siegen, gleichzeitig Generalleutnant der staatischen Armee
und Gouverneur von Wesel, ein. Dieser verstand es, in dem
leidgeprüften Kleve, der dritten brandenburgischen Residenzstadt
nach Berlin und Königsberg, den Wiederaufbau erfolgreich zu betreiben, Kultur und Kunst zur Blüte zu verhelfen. Der in Neuburg an der Donau residierende Philipp Wilhelm übertrug 1679 die Regentschaft seinem Sohn Johann Wilhelm, bekannt als Jan
Wellem, unter dem sich die Residenzstadt Düsseldorf zur bedeutenden Kunstmetropole entwickelte.
Am
Niederrhein schwelte ein interner Konflikt, der mit noch immer
ungelösten Fragen des jülich-klevischen Erbstreites zusammenhing.
Im sogenannten „Kuhkrieg", dem militärischen Vorstoß des
brandenburgischen Kurfürsten 1651 gegen die jülich-bergische
Hauptstadt Düsseldorf, versuchte dieser, sein niederrheinisches
Territorium um Jülich-Berg zu vergrößern und die in seinen Augen
ungeklärten Erbrecht- und kirchlichen Besitzverhältnisse zu seinen
Gunsten zu entscheiden. 1666 wurde im Vertrag von Kleve zwischen
Pfalz-Neuburg und Brandenburg ein endgültiger Erbausgleich
geschlossen und die Territorien wurden geteilt.
Ludwig
XIV., seit 1661 französischer König, zog gemeinsam mit dem
Brandenburger 1665/1666 gegen den Münsteraner Fürstbischof
Christoph Bernhard von Galen, der die Generalstaaten bedrohte. 1666
wurde in Kleve auch der Friede zwischen Münster und den
Niederlanden geschlossen, der die Stadt zu einem Schauplatz
internationaler Politik machte und das deutsche Reich vor einer
Verwicklung in den holländisch-englischen Krieg (1665-1667)
bewahrte.
Das
folgende Jahrzehnt war von der aggressiven Außenpolitik des nach
europäischer Macht strebenden Ludwig XIV. bestimmt: 1667 versuchte
der französische König im Devolutionskrieg gegen Spanien seine
zweifelhaften Ansprüche auf die spanischen Niederlande gewaltsam
durchzusetzen. England und die Generalstaaten, die sich im Frieden
von Breda (1667) einigten, zwangen im Verbund mit Schweden die
Franzosen zum Frieden von Aachen (1668). 1671/1672 schloss Ludwig in
Köln mit dem Kölner Erzbischof Max Heinrich und dem Münsteraner
Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen, ein militärisches
Bündnis. Auf Vermittlung des Johann Moritz von Nassau-Siegen
ergriff der Große Kurfürst von Brandenburg die Partei der
Generalstaaten. Die Forderung des Kölner Erzbischofs nach Räumung
der kurkölnischen Festung Rheinberg von generalstaatischen Truppen
war der Anlass für Ludwig XIV. mit seinem General Henri Vicomte de
Turenne und über hunderttausend Mann Anfang Juni 1672 den
Niederrhein zu überrollen und innerhalb weniger Tage die
generalstaatischen Festungen Orsoy, Rheinberg, Alpen, Büderich,
Wesel, Rees und Emmerich zu nehmen, die Fortifikationen von Goch.
Isselburg und Büderich zu schleifen. Die klevische Regierung floh
nach Dordrecht. Nach dem Rheinübergang bei der klevischen Zollburg
Tolhuys fielen die Franzosen in die Niederlande ein. Gleichzeitig
sammelten sich die kurkölnischen und münsteranischen Truppen
rechts des Rheins und griffen die Provinz Overijssel an. Ludwig
gelang es innerhalb weniger Wochen dreißig niederländische
Festungen zu stürmen. In den Generalstaaten waren im Juni 1672 die
Gebrüder de Wit, Ratspensionäre und Führer der Regentenpartei,
die seit 1650 die Macht von den Oraniern übernommen hatten und 1667
die Abschaffung der Statthalterschaft bewirkten, unter dem
politischen Druck des französischen Ansturms ermordet worden.
Wilhelm III. von Oranien wurde 1672 zum Statthalter und
Oberbefehlshaber ernannt. Dieser griff zum äußersten Mittel der
Landesverteidigung, öffnete Dämme und Schleusen, die das Land
überschwemmten und die Franzosen zum Rückmarsch zwangen (sog.
holländische Wasserlinie). Auch die kölnisch-münsteranischen
Truppen blieben vor Groningen stecken. Wilhelm von Oranien
verbündete sich mit dem deutschen Kaiser Leopold I. und Friedrich
Wilhelm von Brandenburg. Ludwig XIV. übertrug Marschall Turenne den
Oberbefehl. 1673 übernahm der Marschall Conde das französische
Kommando in den Niederlanden. In Vossem schloss Brandenburg 1673 mit
den Franzosen einen Sonderfrieden, im gleichen Jahr begannen
Friedensverhandlungen in Köln zwischen Frankreich, den
Generalstaaten und dem deutschen Kaiserreich, die durch den Anmarsch
der verbündeten kaiserlich-generalstaatischen Truppen auf Bonn 1673
und die Verhaftung des kölnischen Ministers Fürstenberg 1674 in
Köln durch Kaiserliche gestört wurden. Ludwig brach die
Verhandlungen ab und zog gegen die spanischen Niederlande und den
Mittelrhein. In der Schlacht bei Seneffe konnte Johann Moritz von
Nassau-Siegen 1674 eine Niederlage der Generalstaaten verhindern.
1679 machten noch einmal französische Freikorps, die Neuss
einnahmen, den Niederrhein unsicher. Seit 1676 fanden in Nimwegen
Verhandlungen statt, die 1678/1679 zum Frieden Frankreichs mit
Spanien, den Generalstaaten und dem Reich, 1679 zum Frieden von St.
Germain mit Brandenburg führten. Die Niederlande erhielten ihre
besetzten Gebiete zurück, die Franzosen zogen vom Niederrhein ab.
Lothringen und Burgund blieben im Besitze Ludwigs XIV., der auch die
Wiedereinsetzung der Gebrüder Fürstenberg in ihre kölnischen Ämter
bewirkte.
Die
sogenannten Reunionskriege, mit denen Ludwig XIV. den Rhein als
natürliche Grenze Frankreichs durchsetzen wollte, zogen ein
Jahrzehnt später erneut den Niederrhein in Mitleidenschaft. Als
1688 Ludwigs Verbündeter, der Kölner Erzbischof Max Heinrich,
starb und der französische König nicht seinen Kandidaten Wilhelm
Egon von Fürstenberg als Nachfolger durchsetzen konnte, erklärte
er der 1689 unter Führung von Wilhelm III. von Oranien gebildeten
„Großen Allianz" (Holland, Kaiser, Reich, Spanien, England)
den Krieg. In der „glorious revolution" gelang 1688 der Sturz
des katholischen Verbündeten Ludwigs, Jakob II. von England, und
sein Schwiegersohn, Wilhelm III. von Oranien, verheiratet mit Mary
Stuart, wurde englischer König. Ludwig besetzte 1689 von Bonn bis
Rheinberg kurkölnische Festungen mit französischen Truppen, nur
die Stadt Köln hatte sich von ihm losgesagt. Wilhelm von Oranien
und der brandenburgische Kurfürst Friedrich III., der 1688 die
Nachfolge seines Vaters angetreten hatte, standen ihm als Gegner
gegenüber. Die Franzosen erlitten
Anfang März bei Uerdingen eine entscheidende Niederlage und mussten
das gesamte kölnische Niederstift bis auf die Festungen Rheinberg
und Kaiserswerth räumen, die aber noch im gleichen Jahr an die
Verbündeten fielen. Auch das französische Hauptquartier in Bonn
konnten die Alliierten im Oktober 1689 unter ihre Kontrolle bringen.
Damit blieb der Niederrhein von den Verwüstungen, mit denen Ludwig
XIV. im Pfälzischen Erbfolgekrieg die Pfalz heimsuchte (1688-1697),
verschont.
L.
Ennen: Frankreich und der Niederrhein. 2 Bde. Köln, Neuss, 1855.
F.
Textor: Entfestigungen und Zerstörungen im Rheingebiet während des
17. Jahrhunderts als Mittel der französischen Rheinpolitik
(Rheinisches Archiv. Veröffentlichungen des Instituts für
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Nr. 31). Bonn, 1937.
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Braubach: Kurköln. Gestalten und Ereignisse aus zwei Jahrhunderten
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Kühn-Steinhausen: Johann Wilhelm, Kurfürst von der Pfalz, Herzog
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Opgenoorth: Friedrich Wilhelm. Der Große Kurfürst von Brandenburg.
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politische Biographie. 2 Bde. Göttingen, 1978.
Ausst.
Soweit der Erdkreis reicht. Johann Moritz von Nassau-Siegen
1604-1679.
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K.
Flink: Kleve im 17. Jahrhundert. Studien und Quellen (Schriftenreihe
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Stadtarchivs
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Ausst.
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der Donau, 1980.
G.
Warthuysen: Der Sonnenkönig am Niederrhein, in: HKW, 1983. S.
65-75.
P.
Sonnino: Ludwig XIV. and the origin of the Dutch war. Cambridge, 1988.
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Die
Eroberungen Ludwigs XIV. von Frankreich, 1686
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Les
Petites Conquetes du Roi. Paris,
1686
Prachtband
mit Kupferstichen von Joan Dolivar (Saragossa 1641-1692 Paris),
Daniel Marot d. Ä. (Paris um 1663-1752 Den Haag), H. Colin (Lebensdaten
unbekannt) und Louis de Chastillon (Sainte-Menehould 1639-1734
Paris) nach Sebastian LeClerc (Metz 1637-1714 Paris)
Ledereinband,
H 63 x B 48 cm
S.A.B
146
Der
erste Hofmaler, Generalinspekteur der königlichen Sammlungen und
Direktor der Gobelinmanufaktur Charles Lebrun ließ diese Stichfolge
von Mitarbeitern der Manufaktur anfertigen. Sie sind als Petites
Conquetes (= kleine Eroberungen) bekannt geworden, benannt nach
der von Ludwig XIV. selbst angelegten Sammlung von
Schlachtenbildern, und verherrlichen die Kriegszüge des
Sonnenkönigs der Jahre 1672-1678. Die Vorlagen schuf der Zeichner
und Stecher Sebastian LeClerc, der, zunächst als Militäringenieur
tätig, 1669 endgültig nach Paris kam. 1672 wurde er auf Vorschlag
Lebruns in die Akademie aufgenommen. Er nahm Wohnung in den „Gobelins"
und wurde zum Professor der Geometrie und Perspektive ernannt. Sein
umfangreiches graphisches Werk umfasst etwa viertausend Blätter.
Das
Album enthält die Eroberungen Ludwigs am Niederrhein (Orsoy,
Büderich, Rheinberg, Rees, Emmerich, der Rheinübergang bei Tolhuys
und Schenkenschanz) sowie in den nördlichen und südlichen
Niederlanden und in der Pfalz.
Lit.:
C. A. Jombert: Catalogue raisonne de l'ceuvre de S. LeClerc. Paris,
1974.
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Abbildung von Nimwegen [Njmegen], Hauptstadt des Herzogtums Geldern an der Waal bei der Einnahme durch die Franzosen, 8. Juli 1672
Urheber Le Clerc, Sebastian
Datum 08.07.1672
Format / Seiten 376x445 mm
Bestand/Sign. HStAM WHK 4/10
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Abbildung von Emmerich im Herzogtum Kleve bei der Einnahme durch französische Truppen, 10. Juni 1672
Urheber Le Clerc, Sebastian
Datum 10.06.1672
Format / Seiten 329x434 mm
Bestand/Sign. HStAM WHK 4/06
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Abbildung der Rheinüberquerung durch die französische Armee, 1672
Urheber Dolivar
Datum 1672
Format / Seiten 343x400 mm
Bestand/Sign. HStAM WHK 4/01
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Kupferstich 1679
Originaltitel
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Kupferstich 1679
Originaltitel
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Kupferstich 1679
Originaltitel
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Nimegue. Capitale du duché de Gueldres sur le Vahal, ce fut de toutes les villes des Hollandois, celle qui se défendit le mieux,elle fut pourtant prise au bout de huit jours par le Vicomte de Turene, et cinq mille hommes qui - estoient dedans en garnison, se rendirent prisonniers de guerre le 8. Iuillet 1672
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Emmerick. Ville Anzeatique dans le duché de Cleves scituée sur le bord du Rhein une lieue audessus du fort de Schenk. La garnison Hollandoise qui estoit de dans n'attendit par qu'on y mit le siege et se retira sur le bruit de la marche du Roy. La ville se rendit snas resistance au Prince de Condé, le 10 Iuin, 1672
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Le passage du Rhin
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Einnahme von Nijmegen durch franz. Truppen, 1672
oben: Grundriss der Stadt (nur Befestigung)
im Bildvordergrund: Marketenderszenen
Aus: Le Clerc, Sebastian: Petites conquêtes de Louis Quatorze. Blatt 11
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Einnahme von Emmerich durch französische Truppen, 1672
oben "Plan de la ville du fort d'Emmerick" (mit Grundriss)
Aus: Le Clerc, Sebastian: Petites conquêtes de Louis Quatorze. Blatt 6
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Inhaltliche Beschreibung
Rheinüberquerung der französischen Armee, 1672
oben im Rahmen nach Westen ausgerichteter Situationsplan: mit Waal und Isle de Betau
(Betuwe)
Vermutlich aus: Le Clerc, Sebastian: Petite conquêtes de Louis Quatorze. Blatt 7
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Die Einnahme von
Orsoy, 1672
Louis de Chastillon (Sainte-Menehould
1639-1734 Paris) nach Sebastian
LeClerc (Metz 1637-1714 Paris)
Kupferstich, 435 x 375 mm (Platte)
Titel: Orsoy
Adresse: Lud. de Chastillon. Le
Clerc f.
aus: Les Petites Conquetes du
Roi (s. o.)
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Das Blatt eröffnet
die Reihe über den Hollandfeldzug. Der Blick geht von Südwesten
auf die im Rheintal liegenden Truppen und die Festung Orsoy, über
der Rauchwolken aufsteigen. Innerhalb der Festungsmauern ist der
Turm der St. Nikolauskirche zu sehen. Im Vordergrund sind Bauern bei
der Feldarbeit. Über dem mit Kriegsgerät und Girlanden
geschmückten Rahmen begleiten zwei Siegesengel den Grundriss der
Festung. Ein Sockel, flankiert von zwei gefesselten
Männergestalten, trägt eine kurze französische Beschreibung der
Ereignisse: „Orsoy, Stadt des Herzogtums Kleve am Ufer des Rheins,
wo die Holländer eine Garnison hatten. Der König, der sich
entschlossen hatte, vier Plätze auf einmal zu belagern, erkundete
Orsoy selbst und er ließ Laufgräben gegen die Kontereskarpe
eröffnen. Der Platz wurde ihm nach vierundzwanzig Stunden
übergeben und der Gouverneur und die Garnison, welche aus
neunhundert Mann bestand, wurden am 3. Juni 1672 zu Kriegsgefangenen
gemacht."
Einer
Überlieferung nach soll die Einnahme von Orsoy dem Pariser Quai
d'Orsay zu seinem Namen verholfen haben. Am 1. Juni waren die
Franzosen von Neuss unter der persönlichen Führung des
Sonnenkönigs und seines Bruders, des Herzogs Philipp I. von
Orleans, den Rheinstrom aufwärts nach Orsoy gezogen. Nachdem die
Stadt den ganzen folgenden Tag beschossen wurde, kapitulierte die
holländische Besatzung am 3. Juni. Trotz gegenteiliger
Versprechungen ließ Ludwig die holländischen Offiziere gefangen nehmen,
die Soldaten misshandeln und die Stadt plündern. Die Festungswälle
und die Burg wurden
geschliffen. Die Franzosen blieben bis zum Sonderfrieden von Vossem
im Juni 1673 in der Stadt.
Lit.: Orsoy,
Städteatlas: Tafel 4, Abb. 3. Zu den Ereignissen: Kastner und
Köhnen, Orsoy: S. 163-65. G. Warthuysen: Der Sonnenkönig am
Niederrhein. In: HKW, 1983, S. 67f.
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Die Einnahme von Büderich, 1672
Louis de Chastillon (Sainte-Menehould
1639-1734 Paris) nach Sebastian
LeClerc (Metz 1637-1714 Paris)
Kupferstich, 435 x 375 mm
Titel: Burich.
Adresse: Lud. de Chastillon. Le
Clerc f.
aus: Les Petites Conquetes du
Roi (s. o.)
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Die Komposition des
Blattes entspricht der des Stiches zur Einnahme von Orsoy. Der
Künstler scheint eine ältere Vorlage für die Ansicht der Festung
falsch übertragen zu haben, denn der Blick fällt von Südwesten
auf Xanten links, den Rhein und Wesel rechts, während Büderich von
Osten gesehen ist. Innerhalb der Stadtmauern von Büderich sind
vorne die Burg (ohne Turm), dahinter die Peterskirche und links die
Mühle zu sehen. Auf dem Sockel ist aus dem Französischen ins
Deutsche übersetzt zu lesen: „Kleine Stadt im Herzogtum Kleve,
etwa zweihundert Schritt vom Rhein gegenüber Wesel gelegen. Sie
ergab sich am 3. Juni 1672 dem Vicomte von Turenne zu denselben
Bedingungen wie Orsoy, ohne die Öffnung der Laufgräben abgewartet
zu haben."
Noch am Tag der
Kapitulation von Orsoy begann der Marschall Henri Vicomte de Turenne
für Ludwig XIV. den Sturm auf Büderich. In der Festung waren zu
der Zeit nur dreihundert niederländische Soldaten, die sich gegen
die französische Übermacht nur bis zum 3. Juni behaupten konnten.
Die Franzosen schliffen auch hier die Festungswerke und die Burg.
Nach dem Sonderfrieden von Vossem 1673 verließen sie die Stadt,
wohingegen Wesel am gegenüberliegenden Rheinufer noch bis 1680
besetzt blieb.
Lit.: Lorenz, Büderich. S. 35ff.
und Kat.-Nr. 72/18. Büderich, Städteatlas: Tafel 4, Abb. 5. Zu den
Ereignissen: G. Warthuysen: Der Sonnenkönig am Niederrhein. In:
HKW, 1983, S. 70. Wensky, Büderich: S. 65.
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Die Einnahme von Rheinberg, 1672
Louis de Chastillon (Sainte-Menehould
1639-1734 Paris) nach Sebastian
LeClerc (Metz 1637-1714 Paris)
Kupferstich, 445 x 378 mm
Titel: Rhinberg
Adresse: Lud. de
Chatillon.
Le Clerc f.
aus: Les Petites Conquetes du
Roi (s. o.)
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Der Stich hält den
Aufmarsch der französischen Truppen südlich von Rheinberg fest. Im
Mittelgrund führt der Sonnenkönig den Troß aus Reiterei,
Munitions- und Materialwagen an. Ein Zeltlager ist bei Budberg
oberhalb der Festung eingerichtet. Einheimische sind in den Handel
mit den Soldaten vertieft. Die Bildunterschrift lautet in
Übersetzung: „Starke Festung am Rhein, unter der Herrschaft des
Kölner Erzbischofs, sie hält reichhaltig alle Art von Munitionen
und die Garnison besteht aus mehr als 1500 Männern. Dennoch hat der
entsetzte Gouverneur bald am 6. Juni 1672 sich ergeben, nachdem der
König ihm gedroht hatte, er werde ihm keinerlei Aufwartung machen,
wenn er es wagen sollte, bis zum ersten Kanonenschuß zu
warten."
Der Erzbischof
Maximilian Heinrich von Köln, der immer wieder versucht hatte, die
kurkölnische Festung Rheinberg den Nieder-
ländern zu
entreißen, wandte sich schließlich an Ludwig XIV., der die „Rheinberger
Affäre" als willkommenes Alibi für einen Zug gegen die
Niederlande begrüßte. Nach einem Geheimtreffen am 1. Juni in Neuss
mit dem Kölner Erzbischof und den Gebrüdern von Fürstenberg, zog
er noch am gleichen Tag nach Rheinberg. Hier bestach er den
Stadtkommandanten, van Bassum, der am 6. Juni kapitulierte, ohne
daß gekämpft wurde. In einem Vergleich zwischen dem Kölner
Erzbischof und den Generalstaaten wurde die Festung 1674 an Köln
zurückgegeben, jedoch 1689 wieder von den Niederländern besetzt.
Lit.: Kirmse, Rheinberg: S. 28f. Zu
den Ereignissen: Wittrup, Rheinberg: S. 82ff. G. Warthuysen: Der
Sonnenkönig am Niederrhein. In: HKW, 1983, S. 68f.
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Ludwigs XIV.
Rheinübergang bei Tolhuys
im Jahre 1672,
1685/86
Charles Simonneau
(Orleans 1645-1728 Paris) nach Adam Frans van der Meulen (Brüssel
1632-1690 Paris) Kupferstich, 520 x 950 mm
Titel: Le Rhin
passe ä la nage par les
Francis, ä la veu'e de l'Armee de Hollande. HJuin 1672. Tranatus a
Gallis Rhenus...
Adresse: C.
Simmoneau sculp. Designe sur les lieux, pour le Roy tres-Chrestien.
par F. Vander Meulen. Ad verum delineatus... Se distribue a Paris
par l'Auteur, En L'Hostel de Manufactures Royales des Gobelins, Et
en la rue St. Jacques, avec privilege du Roy. Prostat Parisiis... S.
A. K 2627
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Der
großformatige Stich entstammt einem Sammelband aus den Jahren
1685/86 mit 28 Kupfern nach Gemälden von Adam Frans van der Meulen,
der Ludwig XIV. als Zeichner auf seinem niederländischen Waffengang
begleitet hatte. Seine Schlachtengemälde und die seines Schülers
Jean Baptiste Martin, der nach seinen Zeichnungen arbeitete,
schmückten später in der „Grande Galerie Historique" das
Versailler Schloß. Sie wurden von verschiedenen Künstlern (Adriaen
Frans Baudewyns, Robert Bonnart, Franz Ertinger, Jakob van
Huchtenburg, Gerard Scotin und Charles Simonneau) gestochen. Van der
Meulen wurde 1686 Direktor der Pariser Gobelinmanufakturen.
Dieser Stich
entstand nach einem Gemälde van der Meulens, das sich heute im
Louvre befindet und ursprünglich aus Ludwigs XIV. Chateau de Choisy
stammt. Eine Wiederholung des Künstlers hängt im Versailler Schloss. Von dem Gemälde existieren zahlreiche Kopien, u. a. im
Städtischen Museum Haus Koekkoek, Kleve und Reproduktionsstiche
(wie oben). Das Vorbild des Klever Gemäldes war Zentralbild einer
Dreiergruppe, auf der links der König als Anführer seiner Truppen,
rechts der Bau einer Schiffsbrücke über den Rhein zu sehen war.
Ludwig XIV. traf mit seinem Marschall Turenne und dem Prinzen Conde
am Niederrhein zusammen, um bei der klevischen Zollburg Tolhuys am
Fuße des Eltenberges mit einem 90 000 Mann starken Heer
den Rhein zu überqueren. Van der Meulen hat den König im
Vordergrund rechts auf einem Pferd und mit Kommandostab in der
Rechten, seinen Marschall Turenne an seiner Seite abgebildet. Unter
Kanonenfeuer zieht das Heer auf Pferden durch das Wasser. Am
gegenüberliegenden Rheinufer steht die Zollburg in Flammen. Ein
einheimischer Bauer, Jan Peters aus Emmerich, hatte den Franzosen
eine seichte Stelle im Rhein bei Tolhuys gezeigt, die sie am frühen
Morgen durchquerten. Hohe Verluste veranlassten Ludwig seine Kaponen
einzusetzen, worauf die Niederländer den Waffenstillstand anboten.
Schließlich kam es doch zu einem Gemetzel, das durch einen
losgegangenen Schuss ausgelöst wurde. Dabei wurde auch der
Marschall Conde verwundet. Unter seiner und des Königs Leitung zog
das Heer rechtsrheinisch flussaufwärts. Turenne übernahm das
linksrheinische Kommando.
Lit.: I. Morris:
Adam Frans van der Meulen (1632-1690). Diss. Münster, 1970. Nr. 47.
Ausst. niederrheinische Geschichte im Spiegel der Graphik: Kat.-Nr.
19. Ausst. Schenkenschanz: Kat.-Nr. F 1.
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