Rainer Hoymann

Graefenthal (gesprochen: "Grafental")

- Zisterzienserinnenabtei Neukloster

eigene Aufnahmen vom 5. Juni 2006 (ansonsten, siehe: Quellenangabe)

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Unweit von Goch, zwischen den Stadtteilen Asperden und Kessel, liegt im Nierstal das ehemalige Zisterzienserinnenabtei Graefenthal.

Ein kurzer geschichtlicher Abriss (die Tonqualität ist leider schlecht).

Modell der Klosteranlage

Jan de Beyer (Beijer) in "Het verheerlykt Kleefschland": "Het Klooster genaamt NIEUWKLOOSTER aan de Niers 1744."

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Ansicht der Kirche und Abteigebäude von Südwesten.

Nach Cornelis Pronck, um 1732.

Jan de Beyer (Beijer) in "Het verheerlykt Kleefschland": "'t Klooster genaamt NIEUWKLOOSTER op de binnenplaats te sien.", 1758.

Plan der Klosteranlage ...

mit geplanten, zukünftigen Nutzungsmöglichkeiten.

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Die Gartenanlage von Maximilian Weyhe konnte nicht umgesetzt werden. 

Das Land NRW stellt Fördermittel bereit für den laufenden Renovierungsabschnitt "Kreuzgang, Dach, Nordflügel".

Zufahrt zur Klosteranlage

Torhaus, Vorderansicht

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Toreingang, Rückseite

Torhaus, Rückseite

Taubenturm

Große Remise

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Erläuterungen zum Gebäude "große Remise" (die Tonqualität ist leider schlecht).

Wappen oberhalb der großen Remise

Mauer, in der Bildmitte: das ehemalige Gartenhaus

Das Gartenhaus

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Fragmente eines Kamins im Gartenhaus

Retirade (Toilette) vom Ende des 18. Jh. unmittelbarer Nähe des Gartenhauses

Ein Nebenarm der Niers durchfloss die Klosteranlage. Die Senke und der Torbogen in der Klostermauer belegen dies noch heute.

Blick vom Gartenhaus entlang der Mauer in Richtung Klostergebäude.

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Ein Durchgang zur Niers

Der in Renovierung befindliche Nordflügel des Klosters (das Kapitelhaus).

Erläuterungen zum Nordflügel (die Tonqualität ist leider schlecht).

Detail des Nordflügels mit neu eingesetzten Fenstern

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Konventsgebäude (Südseite)

Links das Kapitalhaus, rechts das Konventsgebäude (Westseite)

Kreuzgang (Südseite) am Kapitelhaus

Ehemaliger Kreuzgang nach Osten.

Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz: Rheinische Kunststätten, "Die ehemalige Zisterzienserinnenabteil Neukloster zu Graefenthal (Stadt Goch)", S. 8, Köln 1997.

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Die Wappen an den Schlusssteinen im einzelnen von Osten nach Westen (nach Hilger):

Geldern, von Arental, von Rossum, von Dornick, von Alpen, Tingnagel (Pieck od. Calcar), von Straten, von Redinchoven, von Vlodorp.

Nordflügel, Spätmittelalterlicher Dachstuhl (15. Jh. ?)

Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz: Rheinische Kunststätten, "Die ehemalige Zisterzienserinnenabteil Neukloster zu Graefenthal (Stadt Goch)", S. 12, Köln 1997.

Das Grabmal Ottos II. von Geldern (das Dach soll vor weiteren Witterungsschäden schützen)

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Grabdenkmal für Graf Otto II. von Geldern in der Klosterkirche von 's-Gravendaal, Gisant

Anonym, vor 1802

Lavierte Federzeichnung, 20 x 22,5 cm

's-Gravenhage, Hoge Raad van Adels, Inv.-Nr. 223

Grabdenkmal für Graf Otto II. von Geldern in der Klosterkirche von 's-Gravendaal, Nordansicht

Anonym, vor 1802

Lavierte Federzeichnung, 28,3 x 16 cm

's-Gravenhage, Hoge Raad van Adels, Inv.-Nr. 223

Tafel mit Erläuterungen zum Grabmal Ottos II.

Kleine Remise

Zisterzienserinnenkloster Graefenthal

Die Stiftung des Zisterzienserinnenklosters durch den Grafen von Geldern diente im weitesten Sinne als Versorgungsstätte für die unverheiratet gebliebenen Frauen der Adelsfamilien, weil viele männliche Adelige auf den Kreuzzügen den Tod fanden. Die Chorschwestem mussten 16 Ahnen, je acht von väterlicher und mütterlicher Seite, nachweisen. Der Jungfrauenkonvent ist älter als das Schloss Moyland und zur gleichen Zeit wie der Kölner Dom errichtet worden. Der gotische Baustil war gerade erst aufgekommen. Die Zisterzienserinnen bauten modern bzw. geradezu revolutionär. Die sakrale, strenge Kunst der Romanik, deren schwere Statik alles Weltlich-Individuelle zugunsten einer religiösen Stimmung auszuschließen versuchte, wandelte sich zur gotischen Auffassung, das Göttliche erscheine in jeder Einzelheit. Die gotische Kunst zeigte in ihren dynamischen Bauten eine Hinwendung zum Individuell-Organischen der äußeren Natur.

Die ersten Nonnen kamen aus der Münsterabtei in Roermond und bezogen 1250 die neue Niederlassung der Zisterzienser. Der Abt des Zisterzienserklosters Camp (Kamp) wurde Visitator des neuen Klosters. Reiche Schenkungen an Gütern, Zehnten und Zinsen durch die Grafen von Geldern und Kleve versetzten das Kloster alsbald in die Lage, Höfe, Brüche, Weiden, Heiden, Wälder, Mühlen und Fischereien zu verpachten. Die Städte Kleve und Goch gaben dem Kloster Wegegeld- und Steuerbefreiung. Die meisten Besitzungen des Klosters lagen in Asperden, Bimmen an der Hervorst, Boeckelt, Gaesdonck, Hassum, Viller und Kessel. Aber auch Teile der rechten Maas- und der linken Rheinebene bei Nijmegen waren Eigentum des Klosters. Die heute noch am Ort zu findenden Überreste sind für den Niederrhein und für die Provinz Gelderland in den Niederlanden von besonders wertvoller, kulturhistorischer Bedeutung. Das Kloster diente als Grablege für dreizehn Grafen, Herzöge und Gräfinnen des Grafengeschlechts von Geldern. Es übte großen Einfluss auf die Siedlungsentwicklung der Region aus.

Die Nonnen lebten im Kloster nach dem monastischen Ideal der freiwilligen Armut und übten das Schweigegelübde aus. Die Zisterzienserinnen trugen Gewänder aus feinstem Gocher Tuch. Die Gewänder waren aus weißer Wolle mit schwarzem Gürtel, darüber ein schwarzes Skapulier. Die Chorschwestern trugen als Zeichen besonderer Würde noch einen Schleier. Die Laienschwestern dagegen trugen lediglich ein braunes Gewand.
Das Frauenkloster konnte sich nicht selbst versorgen. Die adligen Zisterzienserinnen erhielten Einkünfte von Kirchenpatronen und dem verpachteten Grundbesitz (1802: 6.300 Morgen Land und 36 Bauernhöfe). Die Nonnen arbeiteten selbst nicht körperlich, sondern traten als Organisatoren der klösterlichen Wirtschaft auf. Die Pächter lieferten die notwendigen Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände oder zahlten die Pacht, den Zehnten, in „barer Münze".

Im 14. Jahrhundert gab es in Graefenthal eine Klosterschule.

In Graefenthal wurde die Ordensregel stets treu und streng beachtet. Graefenthal war das einzige der von der Abtei Camp unterstellten Zisterzienserinnenklöster, welches niemals einer Reformation bedurfte.

Der Name Graefenthal - das „e" ist ein Dehnungsvokal - entspricht dem Willen des Stifters als „Tal des Grafen".

Klosterkirche als Grabstätte der Grafen, Adligen und Nonnen

Früher wurden Klosterkirchen von der Geistlichkeit und den Adligen gerne als Begräbnisstätten benutzt. Von 1251 bis 1376 war das Zisterzienserinnenkloster Graefenthal Grablege für 13 Grafen, Gräfinnen und Herzöge des Geschlechts von Geldern, den Flamenses, die im Chor vor dem Hauptaltar bestattet wurden. Nonnen und Geistliche wurden in der Kirche selbst beigesetzt. In der Kirche bekamen Adlige wie Ditmar von Sulen, Dietrich von Vlodorp, Johann von Groesbeek, Reiner von Seiler und Freiherr von Nesselrode ihren Begräbnisplatz. Im Kreuzgang fanden die dem Kloster zugeteilten Beichtväter ihre Ruhestatt. Die von Otto II. dem Kloster zugedachte Bestimmung, Grabstätte für das geldrische Herrscherhaus zu werden, erfüllte Graefenthal bis zum Jahr 1376, als Äbtissin Isabella von Geldern starb und mit Herzog Rainald die geldrisch-wassenbergische Linie ausgestorben war.

Literaturhinweise:
Burggraaaff, Peter/Schuhmann, Astrid/Voss, Theo: Kulturlandschaft an der Niers. Das
ehemalige Zisterzienserinnen-Kloster Graefenthal. In: HKLE 1992, S. 189-195.
Die ehemalige Zisterzienserinnenabtei Neukloster zu Graefenthal (Stadt Goch). Rheinische
Kunststätten, Heft 427, 1997.
(Passwortgeschützter Bereich)
Dißelbeck-Tewes, Elke. Frauen in der Kirche. Das Leben der Frauen in den mittelalterlichen
Zisterzienserklöstern Fürstenberg, Graefenthal und Schiedenhorst. Dissertation 1989.
Graefenthal - Ein Kloster im Wandel der Zeit. Ausstellungskatalog des Museum für Kunst
und Kulturgeschichte der Stadt Goch. Goch, 1992.
Hilger, Hans-Peter, Dr. Graefenthal oder Neukloster bei Goch - Ehemalige
Zisterzienserinnenabtei und Grabstätte des Hauses Geldern. In: Bijdragen en Mededelingen,
1965/67, S. 1-59.
Scholten, Robert. Das Cistercienserinnen-Kloster Grafenthal oder Vallis comitis zu Asperden im Kreise Kleve, 1899. Nachdruck 1984.

Quelle: Informationsblatt anlässlich des "Tages der offenen Tür" am 4. & 5. Juni 2005

zuletzt bearbeit am 05.06.2005