Das Grabmal Ottos II. von Geldern

Bis zur Vereinigung mit dem burgundischen Reich der Habsburger im Jahre 1543 herrschten die Grafen von Geldern, seit 1339 Herzöge von Geldern, über ein Gebiet, das neben der eigentlichen Grafschaft Geldern an der Maas u. a. die Grafschaft Zutphen, Arnheim, die Betuwe und Veluwe, daneben zahlreiche weitere Besitzungen zwischen Rhein und Maas umfasste. Zu den wichtigsten Gütern im Süden ihres Herrschaftsgebietes gehörte Roermond. Graf Gerhard IV (+1229) stiftete um 1218 die zisterziensische Münsterabtei Roermond, in der er neben seiner Gemahlin Margaretha von Brabant (+1231) beigesetzt wurde. Erst sein Sohn und Nachfolger Otto II. bestimmte Graefenthal zum bleibenden religiösen Zentrum und zur Grabstätte des geldrischen Adelsgeschlechts.

Die Stiftung Graefenthal erfolgte im Jahr 1248 auf Zureden von Ottos Gemahlin Margaretha von Kleve. Kloster Graefenthal sollte ursprünglich an der Stelle der Burg Krickenbeck bei Leuth errichtet werden. Im Juni 1255 jedoch beurkundet Graf Otto II., dass er den Konvent von Roermond auf seiner in der Pfarre Asperden befindlichen Burg Rott, die nun Vallis comitis, "Grafental", genannt werde, aufgenommen habe. Mit dem Kirchbau auf dem Klostergelände scheint bereits 1251 begonnen worden zu sein, denn Margaretha von Kleve, die im September des Jahres verstarb, wurde im Chor der Kirche beigesetzt. Im Sommer des Jahres 1258 war das Kloster soweit vollendet, dass es eingeweiht werden konnte. Der Konvent war Maria Himmelfahrt, der Patronin der Zisterzienser, geweiht. Die Baukosten wurden durch befristete Ablassbriefe von den örtlichen Bewohnern getragen.

Nach seinem Tode 1271 wurde Otto II. in der Klosterkirche bestattet. Über der aus Backstein gemauerten Gruft wurde ein Grabmal aus Kalkstein errichtet, bestehend aus einer dem Boden aufliegenden Platte, auf der sechs Löwen lagern, von denen die mittleren nach Westen, die äußeren nach Osten blicken. Die Löwen tragen eine zweite, am unteren Rand gekehlte, an der oberen Kante abgerundete Platte. Deshalb wird ein solcher Grabtypus auch Tischgrab genannt.

Das bedauerlicherweise seit Mitte des 19. Jahrhunderts verschollene Grabbild geben zwei um 1800 entstandene Tuschfederzeichnungen (siehe 1. & 2.), die bei dem Hoge Raad van Adel in Den Haag aufbewahrt werden, wieder. Der Graf ist auf den etwas laienhaft gezeichneten Bildern jugendlich idealisiert dargestellt. Es handelt sich um eine für das europäische Festland ungewöhnliche Darstellung in Form eines sogenannten gisant, den die representacion au vif (lebendige Darstellung als ein dem Verfall nicht unterworfener Mensch) ist hier, vermutlich in Anlehnung an englische Rittergräber ins Extreme getrieben. Der Graf hat seine Augen weit geöffnet, er scheint im Begriff, mit seiner Rechten das Schwert zu ziehen. Mit seiner Linken hält er den Schild, der von einem nach rechts gewandten klimmenden Löwen zwischen kleinen Rechtecken geziert wird. Über dem Waffenhemd trägt der Graf einen lose gegürteten Waffenrock. Zu seinen spitzbeschuhten Füßen ruht ein Löwe. Über der Figur erhebt sich ein flacher Baldachin mit gotischem Stab- und Maßwerk, in dessen Zwickeln (vermutlich Rauchfässer haltende) Engel sitzen und an dessen Rändern betende Engel stehen. Die vermutlich aus dem 16. Jahrhundert stammende und fehlerhafte lateinische Inschrift lautet: "Im Jahre 1255 nach Christi Geburt veranlasste Otto III., der 7. Graf von Geldern und Zutphen, den Bau dieses Klosters. Er verstarb am 10. Januar 1271 und ruht unter diesem Grabmal."

Seine ihm vom Otto II. zugedachte Bestimmung, Grabstätte für das geldrische Herrscherhaus zu werden, erfüllte Graefenthal bis zum Jahr 1376, als Äbtissin Isabella von Geldern starb und mit Herzog Reinald (+ 1371) die geldrisch-wassenbergische Linie ausgestorben war.

Graf Otto II. von Geldern (+ 1271) ist im ehemaligen Chor der Kirche zwischen seinen beiden Gemahlinnen Margaretha von Kleve (+ 1251) und Philippa von Ponthieu et Monstreuil begraben; zu seinen Füßen sein Sohn und Nachfolger Graf Reinald I. von Geldern (+ 1326) mit seinen Gemahlinnen Irmgardis von Limburg (+ 1290) und Margaretha von Flandern (1321); Graf / Herzog Reinald II. von Geldern (+ 1343) und seine beiden Gemahlinnen Sophia von Mechelen (+ 1329) und Eleonora von England (+ 1355); Herzog Reinald III von Geldern (+ 1371), dessen Bruder Herzog Eduard von Geldern (+ 1371) und beider Schwester Isabella von Geldern, Äbtissin von Graefenthal (+ 1376).

Errichtung der Überdachung und Anfertigungen der Tafel wurden ermöglicht durch private Spenden, die Unterstützung der Fraktion der GRÜNEN, Goch, des Baustoffhandels SWERTZ, Goch, sowie durch den VERKEHRS- UND HEIMATVEREIN e. V. Goch.

zuletzt bearbeit am 10.06.2005