Die Informationen basieren auf den Arbeiten von Dieter Kastner, Kleve 1984 und Düsseldorf 1972. Ergänzungen sind größtenteils durch die Recherche im Internet erfolgt. Dabei führt bereits die unterschiedliche Zählweise in der Reihenfolge der Grafen zu Problemen in der vorliegenden Datensammlung.

Die zum Teil wiedergegebenen Illustrationen Klever Grafen entstammen dem Stam - Buch der hochgebornen und beruhmten Grafen und durchleuchtigen Hertzogen von Cleve, Arnhem 1677, Nr. 19 (Nachdruck: Buchhandlung H. Fingerhut vorm. F. Char, Kleve 1978). Von einer realistischen Wiedergabe kann nicht ausgegangen werden. Auch ist eine eindeutige Zuordnung nicht möglich. Die Zeichnungen haben daher lediglich einen dekorativen Charakter.

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Klever Grafen

Dietrich VIII.

Vater:

Dietrich VII.

Mutter:

Aleidis von Heinsberg

geboren:

*ca. 1256

gestorben:

4.10.1305

Titel

Graf von Kleve

von - bis:

1275 - 1305

verheiratet mit:

Margaretha von Geldern

von - bis:

I oo vor 1281

Margaretha von Habsburg - Kiburg (+ 10.4.1333/1338)

II oo 4.7.1290

Kinder:

Otto (1. Ehe), Kathrina (1. Ehe), Adelheid (1. Ehe), Dietrich IX. (2. Ehe), Margaretha (2. Ehe), Johann (2. Ehe?), Irmgard (2. Ehe?), Agnes (2. Ehe), Maria (2. Ehe), Eberhard (2. Ehe), Anna (2. Ehe), Johann v. Hiesfeld (illigitim)

Quelle(n):

Dieter Kastner: "Die Grafen von Kleve und die Entstehung ihres Territoriums vom 11. bis 14. Jahrhundert" in "Land im Mittelpunkt der Mächte ....", Kleve 1984, S. 52 ff.

Dieter Kastner: "Die Territorialpolitik der Grafen von Kleve", Düsseldorf 1972.

Weitere Quellen ergeben sich durch die eingearbeiteten (externen) Links.

Bemerkungen:

Der folgende Abschnitt ist die ungekürzte Wiedergabe aus dem Aufsatz von Dieter Kastner, "Die Grafen von Kleve und die Entstehung ihres Territoriums vom 11. bis 14. Jahrhundert" in "Land im Mittelpunkt der Mächte ....", Kleve 1984, S. 52 ff.

Dietrich VIII. (1275-1305), Sohn des vorigen Grafen, ist die wohl bemerkenswerteste und bedeutendste Gestalt unter den Klever Grafen aus dem Geschlecht der Flaminge. Es kennzeichnet ihn, dass er immer eine betont friedliche Politik betrieb und sich aus den zahlreichen Fehden seiner Zeit- und Bundesgenossen heraushielt und trotzdem Erfolg hatte. So kämpfte er 1288 - als einziger rheinischer Dynast - nicht in der Schlacht von Worringen mit; denn in kluger Voraussicht hatte er sich in Neutralitäts- und Bündnisverträgen mit beiden Parteien, sowohl mit dem Herzog von Brabant als auch mit dem Grafen von Geldern und Erzbischof von Köln, rechtzeitig abgesichert. So lavierte er zeit seines Lebens geschickt zwischen den streitenden Mächtigen. In auffallender Weise dagegen schloss er sich den deutschen Königen an, besonders Rudolf von Habsburg und dessen Sohn Albrecht. So ist er schon 1279 mit dem sehr selten vergebenen Titel eines Rates und Familiären des königlichen Hauses ausgezeichnet worden. 1290 kann er seine Zusammenarbeit mit König Rudolf krönen, indem er dessen Verwandte Margarethe von Habsburg-Kiburg heiratet. Als deren Mitgift bekommt er die Reichsstadt Duisburg (pdf-Datei, 192kb) verpfändet, die vom Reich nicht wieder eingelöst wird und damit in schließlichen Klever Besitz übergeht. Graf Dietrich VIII. hat in der Territorialpolitik der niederen Lande eine nicht unbedeutende Rolle gespielt. Die Situation ist gekennzeichnet durch die Schwäche Gelderns und die Stärke Brabants. Kleve war mit Brabant verbündet. Dietrich hilft dem nach der Niederlage von Worringen geschwächten geldrischen Grafen und übt dort zeitweise mit Hilfe einer Adelspartei entscheidenden Einfluss aus. In dem sich seit 1295 anbahnenden großen Konflikt zwischen dem englischen König Eduard I. und dem französischen König Philipp dem Schönen steht er wie die meisten niederländischen Territorialherren auf Seiten des Engländers, von dem er Subsidiengelder erhält, während sein jüngerer Bruder Dietrich Luf (II.) sogar als proenglischer Truppenführer aktiv an den Kämpfen teilnimmt. In Verträgen mit Brabant und Holland kann der gefährdete Außenbesitz von Heusden und Altena gesichert werden. Als im Sommer 1296 der holländische Graf Florenz (Floris) V. gefangengenommen und ermordet wird, versuchen die beiden klevischen Brüder Graf Dietrich und Dietrich Luf in Holland die Regierung zu übernehmen. Während Dietrich zeitweise sogar im Haag residiert, tritt Dietrich Luf als besonders eifriger Sachwalter des englischen Königs auf. Doch wegen des Widerstands des holländischen Adels und Volks muss sich der Graf von Kleve bald zurückziehen; und nachdem Johann von Hennegau 1299 in Holland die Regierung angetreten hat, ist es mit dem klevischen Einfluss und dem nahezu zwei Jahrhunderte bestehenden guten Verhältnis zu Holland vorbei.Mit König Albrecht von Habsburg arbeitet Dietrich VIII. noch enger zusammen als mit dessen Vater Rudolf. Der Klever Graf wird einer der treuesten Helfer und zeitweise einflussreichsten Berater des Königs in rheinisch-niederländischen Angelegenheiten. Den Höhepunkt der reichspolitischen Tätigkeit bilden die Jahre 1300 bis 1302: Dietrich gibt Albrecht den entscheidenden Rat zum Zug gegen den holländischen Grafen Johann von Hennegau, der die schuldige Lehnsnahme verweigert, und zum Vorgehen gegen den königsfeindlichen Kölner Erzbischof Wikbold von Holte. Seine Politik zielt auf die Schwächung Kurkölns und die Festigung der Königsmacht. Er ist Führer der habsburgischen Partei und seit 1301 Landfriedensbewahrer in den niederen Landen. Dass der König ihn belohnt, bleibt nicht aus: Der Besitz Duisburgs und des Rheinzolls Büderich wird bestätigt, dazu Kranenburg zum Reichslehen erklärt, das Münzrecht formell verliehen, vor allem aber erhält Dietrich das Privileg, dass kein Landfriedensbewahrer oder Reichslandvogt im Territorium Kleve irgendwelche richterlichen oder hoheitlichen Rechte ausüben darf. Damit die ist die alleinige Landeshoheit des Klever Grafen reichsrechtlich anerkannt. Auch alle seine einträglichen Rheinzölle, dazu das Geleitsrecht bis in die Niederbetuwe hinein, erhält er bestätigt, während Albrecht gegen die Zölle der rheinischen Erzbischöfe vorgeht und dabei die Unterstützung des Klevers findet.Von Nachteil für die klevischen Belange war es, dass des Grafen jüngerer Bruder Dietrich Luf (II.) (1285-1308) die südlich gelegenen Landesteile zur selbständigen Regierung erhalten hatte und eine unglückliche und verlustreiche Politik betrieb. Dietrich Luf, der den Titel Graf von Hülchrath und Herr von Tomburg und Kervenheim führte, war in zahlreiche Kriegsunternehmungen verwickelt und alsbald stark verschuldet. So verkaufte er 1298 seinem gräflichen Bruder das Land Linn und 1303 gar dem Kölner Erzbischof allen südlich Köln gelegenen klevischen Besitz, so dass Tomburg und Saffenburg Kleve auf immer verloren gingen. Doch konnte Dietrich VIII. seinen Lehnshof beträchtlich erweitern. Viele adlige Herren am Niederrhein und vor allem an der Emscher und Lippe machte er von sich abhängig. Den Edelherrn Dietrich III. von Moers konnte er derart fest an sich binden, dass die endgültige Eingliederung des Moerser Dominiums in das Klever Territorium um 1300 so gut wie sicher schien und nur durch besondere Umstände und eine überaus geschickte Politik der Moerser Grafen des 14. Jahrhunderts verhindert werden konnte. Unter Dietrich VIII. lassen sich auch die ersten Ansätze zur modernen Verwaltung des Territorialstaates durch Beamte feststellen. Drosten (drossati) und Amtleute (officiati) verwalten für den Landesherrn den Bereich des späteren Landdrostamtes Kleve, der rechten Rheinseite, des Amtes Linn und des Amtes Hülchrath. Doch ist unter ihm die Entwicklung zum spätmittelalterlichen Territorialstaat noch im Fluss und erst in Ansätzen erkennbar. Es fällt auf, dass er - mit Ausnahme offenbar von Kranenburg (um 1280) - keine Städte gegründet hat. Wohl aber hat er in großem Stil etwas Neues ins Werk gesetzt und gezielt gefördert: die Erschließung des bisher unbesiedelten Landes und die Trockenlegung der Bruchgebiete. Die Vorbilder hat er in Holland gesehen, und von dort hat er als Lokatoren der neu entstehenden Bruchsiedlungen die Fachleute für Trockenlegung und Deichbauten geholt. So überträgt er 1294 das Tillerbruch zur Urbarmachung an ein von zwei Holländern geführtes Konsortium. Das ist das älteste jener Privilegien der Grafen für Bruchkolonisten, und es ist bezeichnend, dass Dietrich VIII. es während eines Besuches beim befreundeten Grafen von Holland ausgestellt hat. Ein Jahr später wird das Uedemerbruch in ähnlicher Weise an aus Holland stammende Lokatoren und Spezialisten für die Trockenlegung von Bruchgebieten vergeben. Die Grafen von Kleve haben diese Landerschließungsmaßnahmen fortgesetzt, bis in den vierziger Jahren durch Pest- und Hungerkatastrophen der Siedlungsvorgang wegen des Rückgangs der Bevölkerung zum Stillstand kam. »Die Erschließung und Sicherung neuen Lebensraums für eine wachsende Bevölkerung bleibt die eigentliche Leistung des spätmittelalterlichen Territorial Staats am Niederrhein« (Wilh. Janssen). Mit Dietrich VIII. begann dieser erstaunliche Vorgang. 

zuletzt bearbeit am 26.02.2005