Feierlich ließ Josef Winters seine weißen Tauben überm neuen Koekkoekplatz aufsteigen. Theo Brauer half.

(Foto: Heinz Holzbach)

NRZ vom 13.05.2006

Platz zum Spielen und Entspannen

KLEVE. Einen wunderschönen Platz mehr hat die Kreisstadt seit gestern: der Koekkoek-Platz in der Klever Unterstadt ist eröffnet. „Was ist schöner als unter einem Baum oder Sonnenschirm am Wasser zu sitzen und die Seele baumeln zu lassen?", fand Bürgermeister Theo Brauer treffende Worte für das Großereignis. „Hier gibt es Entspannung nach hektischem Einkaufsbetrieb, wo man Gedanken und Geldbeutel sortieren 'kann", warb er gleich für die angrenzende Gastronomie. In und auf der sprudelnden Wasseranlage sind Spielen und Plantschen erwünscht. Der Platz ist tauglich für Veranstaltungen (wie heute das NRZ-Fest für jedermann), Trödel, Wochenmarkt, Kunst, Konzerte. Bänke und Fahrradständer folgen noch. (HoyHo)

Die Koekkoek - Büste enthüllen: v. l. Theo Brauer, Guido de Werd, Hermann van Ameln, Ulrike Sack vom Freundeskreis Museum.

(Foto: H. H.)

EINWEIHUNG / NL-Honorarkonsul bittet um Adress-Änderung: Museum Haus Koekkoek, Koekkoekplatz 1.

KLEVE. „Heute wird der Gast empfangen, nicht mehr verschluckt. Heute geht er staunend durch die Kavariner Straße, wo er ehemals über die lärmende, hektische Parkplatzfläche hechtete." Der Bürgermeister schwärmt für das, was seine Stadtplaner mit dem Fachleute-Workshop aus dem Jahr 2000 als „Variante A" entwarfen und was nun endlich umgesetzt wurde. Pascal van Koeverden (vormals Finke) hatte die Federführung bei der Anlage der Wasserbecken in Stufen, die Firma Look die Ausführung mit 420 Tonnen Basalt, Granit u.a.. Das Nass ergießt sich über Treppen in zwei große Becken, je sechs kleine Fontänen in flachen Becken sind eine echte Kinder-Verlockung.

Ein Platz besteht aus freiem Himmel

„Es gibt gute Gründe, warum der Platz so aussieht", verriet Theo Brauer. Die Grünzone zeichne die alte Wallgrabenzone vor historischer Kulisse nach, angepasst an „Bedürfnisse des modernen Kleve". Er prophezeite: „Binnen kurzer Zeit wird der Platz zu den großen Highlights von Kleve gehören. Wasser ist ein Pfund", das noch zu wenig in die Stadtgestaltung eingeflossen sei.

„Ein Platz besteht in erster Linie aus freiem Himmel darüber und einer Umrandung darum", fasste Museumsleiter Guido de Werd zusammen, und wenn „wir auch viel über das Horizontale reden, ist doch das Vertikale das Entscheidende". Für ihn gab es gestern noch ein „Tüpfelchen auf dem i" - die Enthüllung einer Büste, die Barend Cornelis Koekkoek anno 1844 zeigt, geschaffen von Jan Nicolas van Gelder (Koblenz), als Koekkoek auf der Höhe seines Ruhmes war. Da wollte der junge Maler neben sein Atelier am steilen Hang über der Kavariner Straße ein Haus setzen. Der Bauausschuss, damals von einem „neidischen Architekten" geleitet (so de Werd), legte den Bau vorübergehend still: Er habe einen zu hohen Sockel. Doch Koekkoek fand Fürsprecher. Heute sei das Haus nach der Burg und den Kirchen das bedeutendste der Stadt so de Werd. Koekkoek wurde wichtiger Wirtschaftsfaktor, gründete die Zeichenakademie, lockte Künstler her.

Dass Kleve so eng zu dem berühmten Niederländer steht, dass eine Bürgergruppe (heute 1000 Mitglieder im „Freundeskreis" Museum) mit Hilfe der NRW-Stiftung noch 1995 verhinderte, dass die Stadt das historische Koekkoekhaus verkaufte, freute den Honorarkonsul Hermann von Ameln. Er erinnerte an das „kleine Wunder", das Guido de Werd als großer Koekkoek-Experte weltweit erreichte: die Niederlande vertrauten erstmals dem Ausland - und ausgerechnet Deutschland - Dauerleihgaben an, 13 an der Zahl.

• Zu den Bedenken mancher Klever Parlamentarier bei der Namensgebung des Platzes wegen der Aussprache „Kukkuck, nicht „Kökök", versicherte von Ameln: Jeder Niederländer spreche „Goethe" richtig aus und sage nicht „Chote".

• Er bat, dass das Museum Haus Koekkoek die Adresse ändern dürfe, wie man es auch per Sondergenehmigung mancher Firma zugestehe: Nicht Kavariner Straße, sondern „Koekkoekplatz 1". Brauer signalisierte Zustimmung.

Fakten

• Sechs kleine und vier große Fontänen sprühen täglich von 9.30 bis 22 Uhr.

Gespeist mit Grundwasser - wöchentliche Laborproben. Es bleibt möglichst chemisch unbehandelt.

Über Nacht werden 50 % des Wassers ausgetauscht.

Zu zahlen ist nur Strom der Tauchpumpen.

In zwei Wasserkreisläufen fließen oben 15 Liter pro Sekunde, unten 28 l/s. Gesamtwasserbedarf: 80 Kubikmeter.

zuletzt bearbeit am 20.05.2006