Lightex -

Chronologie eines Größenwahns

Übersicht

1. Teil:

Die Vision

2. Teil:

Das Drama nimmt seinen Lauf ...

3. Teil:

Ein Hauch von Zweifel?

4. Teil:

Ein schlechtes Omen?

5. Teil:

Alles wird gut!

6. Teil:

Platzt der Traum?

7. Teil:

Wer ist schuld? Oder: ich war es nicht!

8. Teil:

Hat die Verwirrung Methode?

9. Teil:

Die Hoffnung stirbt zuletzt.

10. Teil:

Das Ende aller Träume!

Epilog:

Am Ende will es keiner gewesen sein ...

Zugabe

1. Teil: Die Vision

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NRZ vom 14.11.2000, Ruth Schneeberger

Forschungszentrum als Job-Maschine 

Kleve. 25 Millionen Mark werden investiert, über 200 Forscher rücken an: Bis September 2001 soll im Industriegebiet von Kleve auf zunächst 40000 Quadratmetern ein Forschungszentrum entstehen, das sich mit der Entwicklung eines weltweit neuen Bauwerkstoffs befasst. Sein Erfinder Peter Küppers spricht von einer Sensation. Und für Kleve sei das eine "ganz ganz große Sache". 

Denn wenn das Produkt erfolgreich ist, sollen in fünf bis acht Jahren 2500 Arbeitsplätze rund um die Produktion in Kleve geschaffen werden. Weltweit seien sogar bis zu 500000 neue Jobs möglich. Küppers geht davon aus, dass das Produkt wie eine Bombe einschlagen und in den nächsten Jahren rund 4500 Unternehmen beschäftigen wird. 

Der Gocher hat ein weltweites Patent auf den neuen Leichtbauwerkstoff namens "Lightex". 15 Jahre lang hat er gebraucht, um ihn zu entwickeln. Er spricht vom "Ei des Kolumbus", vom "Raum des Pythagoras", einer mathematischen Formel, die jahrelang geschlummert habe. 1999 kam der Durchbruch - der Werkstoff liegt jetzt vor. Er soll durch seine Leichtigkeit und einfache Herstellungsweise die Luft- und Raumfahrt, Transport, Verkehr und Bauwesen revolutionieren. 

Küppers hat sich dabei an den Eigenschaften eines Hühnereis orientiert: Vier Eier können zum Beispiel einen Lkw tragen. Auf ähnliche Weise funktioniert die Hohlkörper-Bauweise des neuen Werkstoffes. Wie das Material genau angewendet und wo es überall eingebaut werden kann, das soll in vier Forschungszentren ergründet werden. Das erste entsteht in Kleve: Schon im Januar beginnen die Bauarbeiten am Hammscher Hof. Der erste Bauabschnitt (Bürogebäude und die erste Halle) soll zehn Millionen kosten, der zweite (Fertigungshalle) 15 Millionen. Kreditgeber ist die Sparkasse Kleve. 

Wieso siedelt sich ein Projekt dieser Größenordnung in Kleve an? "Lightex"-Erfinder Peter Küppers (40) ist Gocher. Zwar tourt er als Forscher seit Jahren durch die Welt, absolvierte eine Ausbildung im Chemie- und Maschinenbau bei Bayer und lebt jetzt in Gronau. "Aber meine Bank in Kleve habe ich nie aufgegeben", erzählt er im Gespräch mit der NRZ. Die Sparkasse Kleve bekam von den bahnbrechenden Entdeckungen Wind, ergriff die Initiative und informierte die Stadt. Daraufhin machte sich Bürgermeister Josef Joeken schlau - das Stadtoberhaupt reiste dem Forscher durch halb Deutschland nach, erkundigte sich bei Forschungsinstituten und beim Ministerium für Wirtschaft nach dem Stoff. Sein Urteil: "Das ist ein Knüller!" Er freue sich sehr darauf, dass Peter Küppers sein Forschungszentrum in Kleve ansiedele. "Die Fachleute geben dem Projekt gute Chancen und sprechen von einer völlig neuen technischen Entwicklung. Ich hoffe, dass das für Kleve in der Folge einiges an Arbeitsplätzen bringen wird." Über den Bebauungsplan wird der Rat am 12. Dezember entscheiden, so Joeken. Das Stadtoberhaupt geht davon aus, dass es für das Projekt grünes Licht gibt. 

150 Firmen sind dabei, wenn im September nächsten Jahres das Forschungszentrum bezogen werden soll. Sie alle stellen Diplomanden oder Forscher nach Kleve ab, um die Anwendungsgebiete des Baustoffs zu erforschen. Stellt sich heraus, dass eine Firma ihre Produktpalette auf den Stoff umstellen will, kann sie an das Forschungszentrum anbauen und direkt an Ort und Stelle produzieren. Die Option auf weitere Flächen besteht. Dadurch soll sich aus dem Zentrum - anfänglich mit 200 bis 300 Tüftlern und Professoren - ein großer Komplex mit bis zu 2500 Leuten entwickeln. Das hängt aber dann alleine von den Firmen ab. Jede Firma starte mit einer kleinen Büroparzelle im Forschungszentrum. 

"Henkel" und "Reta-Fensterbau" gehören zu den Firmen, die mit an Bord sind. Repräsentativer Leiter des Zentrums wird Professor Dr. Kötting von der Fachhochschule Steinfurth, Küppers ist Geschäftsführer. Er betont: "Die Stadt will lieber mittelständische Unternehmen. Mit Giganten hat man in Kleve schon zu viele schlechte Erfahrungen gemacht." 

2. Teil: Das Drama nimmt seinen Lauf ...

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RP vom 17.11.2000, Matthias Grass

"Lightex" plant großen Bau in Kleve 
"Ideen in kurzer Zeit realisieren" 

Der geplante Lightex-Bau für das Klever Industriegebiet. 25 Millionen Mark will Peter Küppers hier in Kleve investieren und damit vielleicht der Industrieansiedlung einen neuen Schub geben. 

RP-Repro: Gottfried Evers 

KLEVE (RP). "Das wird schon ein attraktiver, interessanter Bau, so wie er uns vorgestellt wurde", sagte gestern Kleves Bürgermeister Josef Joeken. Tatsächlich hat das von Joeken nach Kleve geholte Lightex-Forschungszentrum schon konkrete Pläne vorliegen, welcher Komplex in Kleves neues Industriegebiet gebaut werden soll. 

Einen dynamisch dreieckigen Bau mit einem runden Turm an seiner Spitze, geprägt von großen Glasflächen, die viel Tageslicht auch ins Innere des Gebäudes lassen, haben die Planer von Lightex vorgesehen. Dort können sich auch Produktionshallen anschließen: "Wir haben mit unseren Kunden Verträge abgeschlossen, die in angegliederten oder eigenen Prototypen-Anlagen hier ihren Werkstoff an unserer Methode erforschen", sagt Lightex-Geschäftsführer Peter Küppers.

Und: "Insgesamt bietet das Ambiente aus moderner Architektur, Multifunktionalität und gehobener Ausstattung jedem Lizenznehmer die optimalen Voraussetzungen, um seine Ideen in kürzester Zeit innerhalb des Lightex-Konzeptes zu realisieren". Im Erdgeschoss sind vor allem ein großer Vortragsraum und eine Ausstellung rund um Lightex geplant, darüber erheben sich Büroräume. In einem zweiten Bauabschnitt könnten weitere Büroräume hinzukommen, in dem Rundturm sind ein Multimedia- und Besprechungsräume untergebracht.

In diesem Zentrum soll erforscht werden, wie sich die "Struktureigenschaften den vielfältigen und verschiedenartigen Anforderungen und Anwendungen optimal angepasst werden kann", so Prof. Dr. Ing. Kötting von der Fachhochschule Münster.

NRZ vom 20.11.2000, Jan Jessen

Leichter, flexibler und billiger 

Kreis Kleve. Voll war es gestern in der Klever Stadthalle. Doch kein Theaterstück, keine musikalische Aufführung hatte die zahlreichen, zumeist in feines Tuch gekleideten Damen und Herren in die Schwanenstadt gelockt, sondern die Präsentation einer Vision. Der Vision des gebürtigen Gochers Peter Küppers, der mit einem von ihm erfundenen Konstruktionswerkstoff namens Lightex die Welt verändern will. Und glaubt, damit in Kleve hunderte neuer Arbeitsplätze schaffen zu können (die NRZ berichtete bereits mehrfach). 

Bei der Veranstaltung in der Klever Stadthalle waren auch die Bürgermeister der geplanten Standorte für die Erforschung von Lightex-Anwendungen zugegen: Neben Kleve, wo schon ab dem 2. Januar nächsten Jahres das Forschungszentrum für die Nutzung von Lightex in den Bereichen Transport und Verkehr entstehen soll, sind dies die Städte Gronau, Nordhorn und Quakenbrück. 

Peter Küppers skizzierte zunächst die Möglichkeiten der Anwendung seines angeblich revolutionären Werkstoffs: Das Lightex-Prinzip könne für den Bau von Dächern ebenso verwendet werden wie für die Konstruktion von Airbags, Autositzen, und in zahllosen anderen Bereichen von Hoch- und Tiefbau bis hin zu Freizeit- und Sportartikeln - zu geringeren Kosten, dabei mit höherer Flexibilität und zudem geringerem Gewicht. 

Die Vorstellung der geplanten Lightex-Forschungszentren übernahmen danach Professor Kötting von der Münsteraner Fachhochschule und der Gronauer Architekt Bernd Heiming: Sie entwarfen das Bild eines modernen, lichtdurchfluteten Gebäudes, in dem Produktbezogene Forschung und Entwicklung sowie Grundlagenforschung betrieben wird. 

Für das Klever Forschungszentrum, wo bis zu 600 Arbeitsplätze entstehen sollen, sei man mit 180 Unternehmen in Lizenzverhandlungen, so Küppers. Er erwarte, dass bis August nächsten Jahres bis zu 450 Lizenzen vergeben würden. Und dass die Klever Sparkasse, die die insgesamt 12 bis 13 Millionen Mark Investitionskosten per Kredit finanziere, auch den Bau der drei weiteren Forschungszentren unterstütze. Dem erteilte Sparkassendirektor Karlheinz Merzig eine Absage: Die Klever Sparkasse sei nur für die hiesige Region zuständig. 

Die Lightex-Präsentation schien zu mindestens die Politiker beeindruckt zu haben: Manfred Palmen, CDU-Landtagsabgeordneter für den Kreis Kleve, sprach von einer "visionären Vorstellung, die überzeugt hat", Staatssekretärin Barbara Hendricks, SPD, bezeichnete das Projekt als "vielversprechend". 

3. Teil: Ein Hauch von Zweifel?

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RP vom 06.01.2001, Anja Settnik

Die Rheinische Post besuchte Lightex-Erfinder Peter Küppers in seinem Wohnort Gronau 
Zukunft mit Hohlwabe - hohe Dichte, stabil, leicht

Zukunft mit Hohlwabe - hohe Dichte, stabil, leicht 

Die Hohlwabe macht die Füllung von Fensterrahmen viel leichter - hier gezeigt von Peter Küppers.

KLEVE / GRONAU (RP). Für den Komplex, der in Kleves Gewerbegebiet am Spoykanal (gegenüber von Kisters) entstehen soll, wird mit dem Baubeginn im März gerechnet - das Gelände werde derzeit erschlossen, sagt Küppers. 100 Meter lang und 45 Meter breit soll das Bürogebäude werden, dazu sind zwei Hallen geplant. Hunderte Vertreter von Politik, Verwaltung und Wirtschaft hatten sich bei einem Informationstag in der Klever Stadthalle bereits im November einen Eindruck vom Produkt Lightex und seinen Anwendungsmöglichkeiten gemacht.

Peter Küppers hat es gelernt, mit den Zweifeln seiner Umgebung umzugehen. "Ich habe immer nur geforscht, wollte nie etwas anderes als meine technischen Erfindungen zum Erfolg führen", sagt er. Aber viele Jahre lang brachte dem Mann, der heute in einem noblen Haus mit schmiedeeiserner hoher Umzäunung lebt und seine Mitarbeiter mit einer ansehnlichen Mercedes-Flotte ausstatten kann, sein Ehrgeiz weniger als nichts ein.

"Es ging mir schlecht, ich war ganz unten, hatte hohe Schulden", berichtet er freimütig. Dass er nicht aufgeben musste, irgendwann doch auf die Gewinnseite gelangte, verdankt Küppers nicht zuletzt der Sparkasse Kleve, sagt er. Der Lockenschopf - ruheloser Raucher - nutzt für sein Laster entsprechend einen Ascher des Geldinstituts.

Kunststofftechnik

Eher bescheiden nimmt sich seine bisherige Firma KTE (Kunststofftechnik und -entwicklung) in Bad Bentheim aus (bisher 38 Mitarbeiter). Aber hier ist das Herz des Unternehmens, steht die von ihm erdachte Maschine, die Lightex herstellt. Und hier wird an zahlreichen anderen neuen Techniken und mechanischen "Tricks" geforscht. "Wir haben ja nicht nur Lightex erfunden, sondern unzählige andere Produkte", sagt der Chef, der die Anzahl seiner Patente längst nicht mehr kennt. Schon passt der 18-jährige Sohn, der in Goch lebt, in Vaters Erfinder-Fußstapfen - er hat ein spezielles Pedal entwickelt, auf das die Musikindustrie offenbar gewartet hat.

Musik - in diesem Branche hatte Peter Küppers seine ersten Erfolge. Musikinstrumente von der Trommel bis zum Klavier haben seine Erfindungen beeinflusst. In diesem und anderen Bereichen forscht KTE noch immer - aber die Hauptsache ist inzwischen doch Lightex. Jener Werkstoff, der die Form einer Hohlkörperstrukturwabe hat und dessen Eigenschaften ihn so vielseitig einsetzbar machen: Die Lightex-Struktur ist extrem biegesteif (besitzt eine sehr hohe Dichte) bei niedrigem Gewicht. Sie kann aus Metallen, Kunststoff oder gar Papier hergestellt werden.

4. Teil: Ein schlechtes Omen?

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NRZ vom 28.04.2001 (ga)

Grundsteinlegung mit Hindernissen 

28000 Quadratmeter ist es groß - das Grundstück, auf dem die Firma Lightex im Industriegebiet Hammerscher Hof ein Produktions- und Forschungszentrum bauen will. Mit Option auf weitere 40000 Quadratmeter. Wenn's klappt, mit dem erhofften weltweiten Erfolg. Der Grundstein ist gelegt. Von der ehemaligen Grundschullehrerin des in Goch geborenen Lightex-Geschäftsführer Peter Küppers. Es war schwerer Akt. Nicht weil der Stein so schwer war, sondern weil nur einer den Schlüssel zum Bauwagen hatte, in dem der Stein deponiert war. Dieser eine saß im Bus und der steckte im Stau. Die Gäste vertrieben sich die Wartezeit mit Würstchenessen. 

8,7 Millionen Mark investiert Lightex in das Forschungszentrum (NRZ berichtete). Geschäftsführer Peter Küppers will so bald wie möglich mit der Testproduktion starten. Noch in einem angemieteten Gebäude - später im Industriegebiet. 

Denn der Bau soll zügig begonnen und fertiggestellt werden. In Kleve soll die Konstruktionswabe in den Bereichen Transport und Verkehr erforscht werden. Lightex geht davon aus, dass innerhalb kürzester Zeit 180 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. 

5. Teil: Alles wird gut!

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RP vom 12.01.2002 (lud)

Gestern Abend Richtfest für Forschungszentrum im Klever Gewerbegebiet 

Küppers: Lightex-Produktion soll im Mai starten 

KLEVE (RP). Die Firma Lightex feierte gestern Abend im Klever Gewerbegebiet an der Wilhelm-Sinsteden-Straße das Richtfest für ihr Forschungszentrum. Im Mai solle die Arbeit im neuen Gebäude aufgenommen werden, erklärte Peter Küppers, Geschäftsführer und Inhaber der Lightex Kleve GmbH, zur RP. Das Unternehmen will leichte Baustoffe für Flugzeuge, Schiffe oder Lkw entwickeln. Mit dem Einsatz von Hohlwaben, die aus Metall, Papier oder Kunststoff hergestellt werden können, soll Geld beim Bau von Schiffen oder Flugzeugen eingespart werden.

Das Forschungszentrum habe bereits die Arbeit auf dem ehemaligen Hendricks-Gelände am Klever Ring aufgenommen, so Küppers. Der 41-jährige Erfinder aus Goch sucht noch kurzfristig 22 Beschäftigte.

Im 8,4 Millionen Mark teuren Komplex an der Wilhelm-Sinsteden-Straße sollen laut Küppers 320 bis 340 Arbeitsplätze geschaffen werden. 120 bis 140 auswärtige Experten sollen im Gewerbegebiet an Leichtbauwerkstoffen forschen. 200 Beschäftigte für das neue Zentrum sucht der Erfinder im Klever Raum. "Es ist für mich das größte Problem, geeignete Leute zu finden. Wir suchen Techniker und Ingenieure aus dem Bereich Maschinenbau", so der 41-jährige.

6. Teil: Platzt der Traum?

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Kurier am Sonntag vom 19.05.2002 (R. K.)

Licht aus bei Lightex?

Kleve. Gehen bei Lightex noch vor dem Start die Lichter aus? Viele Anzeichen sprechen dafür. Die Baustelle, des Forschungszentrums für eine neuartige Wabentechnologie im Klever Gewerbegebiet ist seit Wochen verwaist. Der Fassadenbauer hat längst seine Arbeit eingestellt. Von dem angekündigten Innenausbau des Acht-Millionen-Mark-Projektes ist nichts zu sehen. Kleves Bürgermeister Josef Joeken: "Es wäre schön, wenn es noch klappt".

Auf der Lightex-Baustelle unweit des Spoykanals tut sich nichts mehr.

Foto: R. Kolsberger

7. Teil: Wer ist schuld? Oder: ich war es nicht!

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NRZ vom 25.05.2002 (kvb)

"Auf ganz dünnem Eis" 
LIGHTEX-BAU/ Geschäftsführer Peter Küppers beklagt mangelnde Unterstützung des Projektes... 

KLEVE. „Bewahren Sie Ruhe und lassen Sie uns einfach arbeiten", beschwört Peter Küppers die zur Informationsveranstaltung geladenen Gäste in den Räumen des ehemaligen Fahrzeugbau-Betriebs Hendricks im Klever Industriegebiet. Der gebürtige Gocher ist Geschäftsführer des Lightex-Forschungszentrums, das zurzeit im Industriegebiet am Hammscher Hof in Kleve entsteht und schon längst hätte fertig sein sollen. Wenn alles planmäßig gelaufen wäre, dann würden seit Dezember 2001 rund 200 Forscher auf 40000 Quadratmetern einen von Peter Küppers entwickelten neuen Werkstoff erforschen: Lightex heißt der Leichtbauwerkstoff, der laut Küppers zugkräftiger ist als Stahl. Ein technisches Wunderwerk mit nahezu unbegrenzten Einsatzmöglichkeiten im Bauwesen, Luftverkehr und Raumfahrt - so der Erfinder. Patentrechte in weltweit 226 Ländern besitzt Küppers auf seine Entwicklung doch noch sind die konkreten Einsatzmöglichkeiten von „Lightex" zu wenig erforscht. Und das geplante Forschungszentrum in Kleve ist immer noch nicht fertig.

Von Geldmangel spricht Küppers nicht. Nach Problemen mit dem Grundwasser würde nun „eine bestimmte Person im Kreis" die Genehmigung eines neuartigen Brandschutzsystems verzögern. „Ich möchte dazu gar nichts sagen. Ich bin einfach sprachlos", sagt Küppers und redet dann doch.

Er beklagt eine fehlende Unterstützung seines Projektes in Kleve. Zudem wolle man die Fassade des Forschungszentrums mit Lightex-Produkten gestalten - dies alles habe am Ende zu den Verzögerungen geführt. Aber um die Bonität des Unternehmens brauche man sich, so Küppers, keinerlei Sorgen zu machen. Gerade habe er Lizenzen nach Brasilien und Korea verkauft - für 65 Millionen Euro. Verhandelt wird mit der Türkei und Mexiko. Zudem wolle er in Kürze „eine zweite Bank hinzunehmen". Am Ziel, 2000 Arbeitsplätze in Kleve zu schaffen, hält er weiter fest. 

„Wir bewegen uns auf ganz dünnem Eis", sagt Peter Küppers dann doch - und meint vor allem die anvisierten 2000 Arbeitsplätze: „Das Ganze steht auf wackeligen Füßen". Bei „Lightex" in Kleve arbeiten nun 28 Beschäftigte - „und wir stellen jede Woche weiter ein", so Küppers. Doch geeignete Fachkräften findet er in Kleve nicht. „Kleve war halt nie eine Kunststoff-Stadt", versucht da Wirtschaftsförderer Roland Neswadba zu erklären. Ob es tatsächlich jemals eine wird, ist weiter ungewiss. 

Das Lightex-Forschungszentrum im Klever Industriegebiet hätte schon längst fertig sein sollen. Auch gestern konnte Peter Küppers den geplanten Fertigstellungstermin noch nicht nennen. 

(Foto: Holzbach)

8. Teil: Hat die Verwirrung Methode?

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NRZ vom 28.06.2002 (kvb)

"Das Patent ist eingetragen"

Fertigstellung des Forschungszentrums bis Jahresende. Lizenznehmer besuchen Kleve.

KLEVE. Das Lightex-Patent sei eingetragen beim Europäischen Patentamt und weltweit gültig - für 226 Staaten dieser Erde, das versicherte zumindest Lightex-Präsident Peter Küppers gestern den geladenen Gästen im Klever Omniplex-Kino. Mit dabei Gäste aus Südkorea und Brasilien, die er als seine Vertragspartner und Lizenznehmer vorstellte. 65 Millionen Euro wollen die ausländischen Unternehmer für die Lizenz und Vertriebsrechte zahlen, so Küppers. Welchen Anteil der südkoreanische Möbel- und Türhersteller "Mansoo Wood" an den 65 Millionen Euro übernimmt, wollte Küppers allerdings nicht sagen. Details gab es auch von den Südkoreanern nicht, die nach eigenen Angaben 110 Mitarbeiter beschäftigen und einen Jahresumsatz von 16 Millionen Euro erwirtschaften.

In Brasilien sollen mit dem Lightex-Werkstoff "Casa populares" gebaut werden - Häuser für das Volk. In der Art eines sozialen Wohnungsbauprogramms möchte die Stadt Sao Paulo laut Küppers etwa 200000 Häuser errichten lassen, für die das Baumaterial aus recycelten PET-Flaschen gewonnen werden soll. "Wir sind auch in Verhandlungen mit der Ford-Motor Company in Brasilien", so Küppers. Vielleicht werde schon bald der Pick-up mit Lightex-Fahrzeugteilen gebaut werden. Was das geplante und in Bau befindliche Forschungszentrum im Industriegebiet angeht, so versicherte Küppers, dass Ende des Jahres das Gebäude fertiggestellt sei. Zurzeit seien die Dach- und Aufzugsarbeiten im Gange, danach ginge es an den Innenausbau. Küppers beklagte die wenig risikobereite Haltung in Deutschland - vor allem bei den Unternehmen: "Da sind uns die Südkoreaner weit voraus".

Übrigens: Laut "Erdkunde-online.de" werden zurzeit 194 politische, territoriale Einheiten auf der Erde gezählt...

 

NRZ, einen Tag später, Gaby Boch

Ein weiter Weg 
Weder das deutsche noch das europäische Patentamt haben Peter Küppers bislang das Patent für die Hohlkörperwabe erteilt. Küppers Patentanwalt Jörg Schulte ist trotzdem optimistisch.

KLEVE. "25 Millionen Mark werden investiert, über 200 Forscher rücken an: Bis September 2001 soll im Industriegebiet von Kleve auf zunächst 40000 Quadratmetern ein Forschungszentrum entstehen, das sich mit der Entwicklung eines weltweit neuen Bauwerkstoffs befasst." Das schrieb die NRZ am 14. November 2000.

Mit und für "Lightex der statisch-dynamische Leichtbauwerkstoff" wirbt der gebürtige Gocher Peter Küppers seit zwei Jahren auf Hochglanzbroschüren. Und auch damit, dass er für dieses Leichtbauelement in Form einer Hohlkörperkonturwabe Patentrechte angemeldet hat. Beim deutschen Patentamt wurde es am 10. Mai 2000 angemeldet, veröffentlicht am 7. Juni 2001. Bisher sei das Patent noch nicht erteilt, sagte Vera Frosch, Pressesprecherin des Deutschen Patentamtes. Ob und wann es erteilt werde, sei offen. Denn für die Erteilung seien bestimmte Kriterien erforderlich: Das Patent müsse weltweit neu sein, einen erfinderischen Schritt aufweisen, der über den aktuellen Stand der Technik hinausgehe und es müsse anwendbar und produzierbar sein. Auch vom Europäischen Patentamt kam gestern die Auskunft: Patent angemeldet aber noch nicht erteilt. Damit sei in den nächsten sechs Wochen auch nicht zu rechnen.

Das sieht Patentanwalt Jörg Schulte, dessen Mandat Peter Küppers ist, gelassen. Für das Patent sei ein sogenanntes PTC-Verfahren eingeleitet und damit Priorität beansprucht worden. Das beinhalte, dass das Europäische Patentamt innerhalb von 12 bis 30 Monaten Recherchen und Prüfung abgeschlossen haben sollte. Der zuständige Prüfer des Europäischen Patentamtes sei ganz angetan von der Hohlkörperkonturwabe gewesen. "Ein echte Innovation", findet Jörg Schulte, der selbst ganz begeistert ist und in absehbarer Zeit mit der Patenterteilung rechnet.

Dass Peter Küppers bereits jetzt Lizenzen für sein Patent verkaufe, sei völlig normal: "Auf 95 Prozent der Patentanmeldungen werden Lizenzverträge abgeschlossen, weil die Verfahren so lange dauern."

Nicht gerade glücklich mit den Zeitverzögerungen ist Jürgen Großjohann von der Fahrzeugaufbautenfirma Wecon in Ascheberg, dessen Firma einen Vertriebsvertrag mit Peter Küppers abgeschlossen hat. "Wir haben ein paar Muster getestet und danach Anforderungen unter anderem an die Qualität gestellt." Daran müsse noch gearbeitet werden: "Die ganze Geschichte ist nicht toll für uns gelaufen. Wenn wir Verträge machen und Lizenzgebühren bezahlen, dann wollen wir auch einen wirtschaftlichen Gewinn." Die Schuld daran gibt Jürgen Großjohann nicht allein Peter Küppers. Im Vorfeld sei versprochen worden, dass Fördergelder fließen - unter anderem vom Bundesministerium für Forschung: "Wir haben bis heute keinen Pfennig gesehen." Zeit und Ärger habe das Ausfüllen der Formulare gekostet, weil sie angeblich mal verschwunden waren oder beim TÜV ein neuer Mitarbeiter zuständig war. Das sei das erste und das letzte Mal gewesen, dass seine Firma mit Fördergeldern gearbeitet habe.

Peter Küppers müsse mehr Energie und Arbeit in die Erfindung stecken, war von einer weiteren Firma (Name ist der Redaktion bekannt) zu hören, die seit einigen Monaten keinen Kontakt mehr zu ihm hat. Bis zum Ziel sei es noch ein weiter Weg. Der Firmenvertreter räumt dem Produkt zwar eine Chance ein, aber es sei mit Risiken behaftet.

9. Teil: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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NRZ vom 02.07.2002, Anja Hasenjürgen

In der Warteschleife 
Für die geplanten Forschungszentren in Gronau, Nordhorn und Quakenbrück hat Peter Küppers bei den Städten bislang nur Interesse an Grundstücken gezeigt. Fördergelder genehmigt.


KLEVE. Große Pläne hat Peter Küppers. Außer in Kleve werde er auch in Gronau, Nordhorn und Quakenbrück Lightex-Forschungszentren errichten, so steht es in seiner Firmenbroschüre. Bislang steht allerdings nur ein Rohbau im Klever Industriegebiet. Bis Jahresende, so Küppers (NRZ berichtete), soll es so weit sein. Trost: Kleve wartet nicht allein. Auch Gronau, Nordhorn und Quakenbrück sind in der Warteschleife.

So die Lightex-Broschüre. Tatsächlich könne vom Bau eines Forschungszentrums in Gronau noch keine Rede sein, so Peter Kleine-Bardenhorst, Kämmerer der Stadt. Man habe Küppers ein Grundstück in Aussicht gestellt, konkrete Verhandlungen gäbe es nicht: "Das ist ein bisschen schwammig." Fünf bis acht Jahre solle es wohl dauern, bis das Zentrum realisiert werden könne, so sein Kenntnisstand. Aber "die Stadt ist nicht in der Lage, fünf bis acht Jahre ein entsprechendes Grundstück vorzuhalten."

So die Broschüre. Doch auch in Nordhorn habe Küppers noch kein Grundstück gekauft. Bürgermeister Meinhard Hüsemann: "Wir sind in Wartestellung". Er habe allerdings den Eindruck, dass Küppers´ Vorhaben "viele Schuhnummern zu groß ist". In Nordhorn jedenfalls "läuft nichts ohne Finanzierungsnachweis". Sein Informationsstand: Küppers wolle zuerst das Zentrum in Kleve realisieren.

Auch in Quakenbrück habe Küppers Interesse an einem etwa 30 Hektar großen Grundstück bekundet, so Vizebürgermeister Manfred Fiss. Eigentlich habe das Projekt schon weiter sein sollen. Er selbst habe sich den Rohbau des Forschungszentrums Kleve angesehen. Küppers habe ihm versichert, er produziere bereits an anderer Stelle in Kleve. "Doch da war nur eine Gewerbebrache." Das alles sei "sehr nebulös".

Aus wissenschaftlicher Sicht sei Küppers Entwicklung der Hohlkörperkonturwabe dabei "äußerst erfolgversprechend", so Professor Gerhard Kötting. Er arbeitet an der FH Münster, Außenstelle Steinfurt, und war ein Wunschkandidat Küppers´ für die Stelle als Leiter des Forschungszentrums Kleve. Er wolle die FH nicht verlassen, so der Grund für die Absage, werde aber weiter mit Küppers zusammenarbeiten. Auch Professor Elmar Breitbach von der Deutschen Luft- und Raumfahrt Braunschweig ist, zumindest in wissenschaftlicher Hinsicht, absolut von Küppers überzeugt. Seine Entwicklung sei eine "hervorragende Angelegenheit", die Verzögerungen bei der Patenterteilung normal.

Kleves Bürgermeister Josef Joeken wünscht Küppers Erfolg. Die Stadt Kleve sei "kein Risiko eingegangen. Das Grundstück ist bezahlt." Und: Nach "anfänglicher Verzögerung bei der Vorbereitung" hat das Bundesforschungsministerium nun Fördergelder von 1,45 Mio. Euro für die Kooperation von Küppers mit der Firma Wecon bewilligt, so Peter Ziegler, Sprecher des Ministeriums.

10. Teil: Das Ende aller Träume!

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RP vom 07.08.2002, Ludger Distelkamp

Sparkasse Kleve sucht nach einer Lösung für die Nutzung des Rohbaus 

"Lightex": Küppers stellte Insolvenzantrag 

KLEVE (RP). Er wurde als große Hoffnung gefeiert: Peter Küppers mit seiner Firma Lightex, mit der er bis zu 2000 Arbeitsplätze in Kleve schaffen wollte. Nun hat das Unternehmen einen Insolvenzantrag gestellt, bestätigte gestern das Amtsgericht Nordhorn auf Anfrage der RP. Die Lightex-Pleite trifft die Sparkasse Kleve. "Das Unternehmen ist unser Kunde", so Sparkassenchef Rudi van Zoggel. Wenn ein Insolvenzverwalter bestellt sei, müsse überlegt werden, was mit dem Gebäude passiere.

Der Erfinder Peter Küppers, der aus Goch stammt, wollte eine technische Revolution. So sollten leichte Baustoffe aus Kunststoff, Papier oder Metall entwickelt werden und durch ein Hohlwaben-System die Produktionskosten für Schiffe oder Flugzeuge erheblich gesenkt werden. In Kleve, Quakenbrück und Nordhorn sollten Werke entstehen. In Kleve sollte die Arbeit schon im Mai beginnen, verkündete Küppers Anfang des Jahres stolz beim Richtfest.

Doch an der Wilhelm-Sinsteden-Straße steht immer noch ein trister Rohbau. 8,4 Millionen Mark sollte das Gebäude kosten. Wortgewaltig suchte der Erfinder immer nach Begründungen, warum es in Kleve nicht losgeht. Einerseits war es die Fassade des Hauses, die mit Hohlwabenstruktur gebaut werden sollte, andererseits waren es Probleme mit dem Brandschutz. Noch im Mai erklärte der Gocher, für 65 Millionen Euro Patente nach Brasilien und Korea verkauft zu haben. Er meinte, das Projekt sei möglicherweise für die Kreisstadt zu groß. ...

Epilog: Am Ende will es keiner gewesen sein ...

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RP vom 07.08.2002

Lightex-Insolvenz in Kleve 
"Es gibt keine Bürgschaft des Landes" 


KLEVE (RP). Der Tag danach: Der Insolvenzantrag, den Erfinder und Unternehmer Peter Küppers für sein "Lightex-Forschungszentrum" in Kleve beim Amtsgericht Nordhorn gestellt hat, sorgt für Gesprächsstoff. Bürgermeister Josef Joeken zur RP: "Ich bedaure die Entwicklung sehr, zumal wir nach wie vor daran glauben, dass die Erfindung eine große Zukunft haben kann.

Das sagen auch mehrere Gutachten aus." Das Scheitern des Projektes liege "möglicherweise daran, dass nicht genügend Kapital vorhanden war und sich Küppers bei seinen Aktivitäten eventuell verzettelt hat". Joeken: "Er hat offenbar auf zu vielen Hochzeiten getanzt." Der finanzielle Schaden für die Stadt halte sich in Grenzen, das derzeit von einem halbfertigen Rohbau geschmückte 40000 Quadratmeter große Grundstück im Gewerbegebiet an der Wilhelm-Sinsteden-Straße wolle man zusammen mit der Sparkasse wieder neu vermarkten.

Das bestätigte auch Sparkassendirektor Rudi van Zoggel gestern Nachmittag auf Anfrage der RP: "Ohne Insolvenzverwalter geht erst einmal gar nichts: Wenn es soweit ist, müssen wir alle Beteiligten an einen Tisch holen und dann hoffen, dass es schnell einen neuen Interessenten gibt. Das Gebäude kann ja nicht so stehen bleiben." Über die Höhe des Kredites sagte Rudi van Zoggel natürlich nichts, aber: "Die Insolvenz von Lightex wird die Sparkasse Kleve nicht gefährden."

Die Spekulationen, das Wirtschaftsministerium des Landes Nordrhein-Westfalen müsse mit einer Bürgschaft (die Rede war von 80 Prozent der Kreditsumme) einspringen, dementierte gestern Abend Pressesprecher Karl-Alois Blaeser: "Es gibt keine Bürgschaft des Landes. Die Firma ist uns gar nicht bekannt!"

Peter Küppers selbst konnte auch nichts zur Aufklärung beitragen: "Sie sind verbunden mit der Mailbox von Peter Küppers, Kunststofftechnik und Entwicklung" - mehr war gestern nicht zu hören . . .

Von JÜRGEN LOOSEN

Lightex-Insolvenz 
Kritik an Kontrolle der Sparkasse

KLEVE (RP). Die Sparkasse Kleve ist nach dem Lightex-Insolvenzverfahren in die Kritik geraten. Der Vorstand des Geldinstitutes und die mit Politikern besetzten Kontrollgremien der Sparkasse Kleve hätten sich besser über Peter Küppers und seine Erfindungen erkundigen sollen, bevor die Millionen geflossen seien, erklärte gestern der Kreistagsabgeordnete und Bundestagskandidat von Bündnis 90 / Die Grünen, Willibald Kunisch, im RP-Gespräch. Die Sparkasse Kleve ist laut Kunisch mit zehn Millionen Mark bei Lightex als Kreditgeber engagiert. Firmenchef Peter Küppers hatte bekanntlich selbst den Insolvenzantrag beim Amtsgericht Nordhorn gestellt.

Nach dem Skandal um die Sparkasse Geldern sei dies wieder einmal nur wenige Wochen später ein Fall, bei dem die Politiker in den Kontrollgremien versagt hätten, betonte Kunisch. Das Geldinstitut hätte besser recherchieren müssen. Wenn von etwa 60 Patenten, die angeblich beim Patentamt angemeldet worden seien, nur zwei oder drei eingetragen seien, müsse dies doch misstrauisch machen.

Aus dem vermeintlichen Goldesel Küppers sei nun eine Seifenblase geworden. Der Kreistagsabgeordnete attackierte auch Landrat Rudolf Kersting und Kleves Bürgermeister Josef Joeken. Beide hätten, sagt Kunisch, Druck auf die Sparkasse ausgeübt, damit die Millionen für Lightex geflossen seien. Nun müssten die Kunden des Institutes über höhere Gebühren die Verluste ausbaden. Kunisch forderte eine Überprüfung, ob Sparkassen-Mitarbeiter sich nicht zu sehr "in der Firma" engagiert hätten.

Von LUDGER DISTELKAMP

Zugabe:

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RP vom 02.11.2002, Ludger Distelkamp

Firma "Lightex" Küppers: Wieder eine Insolvenz

KREIS KLEVE (RP). Über das private Vermögen des Gocher Erfinders Peter Küppers ist beim Amtsgericht Münster jetzt Insolvenz eröffnet worden. Das geht aus dem Internet-Dienst der NRW-Justiz hervor. Gegen Küppers` Firma Lightex war bereits ein solches Verfahren wegen Zahlungsunfähigkeit eingeleitet worden.

Mit großen Hoffnungen war seinerzeit der Gocher in Kleve gefeiert worden. In seiner Heimatstadt wurde der Mann allerdings äußerst nüchtern betrachtet. Er erhielt dem Vernehmen nach von der Verbandssparkasse keinen Kredit und von der Stadtverwaltung kein Grundstück. 2000 Jobs wollte der Erfinder mit seiner technischen Revolution in der Kreisstadt schaffen.

Von den Blütenträumen ist ein trister Rohbau im Gewerbegebiet an der Wilhelm-Sinsteden-Straße geblieben. Küppers wollte eine technische Revolution. Ein Hohlwabensystem mit leichten Baustoffen aus Kunststoff, Papier oder Metall sollten die Produktionskosten für Schiffe oder Flugzeuge erheblich senken.

Das private Insolvenzverfahren gegen Küppers ist nach Ansicht von Fachleuten eröffnet worden, weil der Erfinder persönlich für Darlehen mithaften musste. Sinn dieser Prüfung sei es, ob die reguläre Fortführung der Geschäfte möglich ist oder ob wegen fehlenden Vermögens das Verfahren eingestellt wird. Letzter Fall würde bedeuten, dass die Gläubiger keinen Cent sehen. Was die Sparkasse Kleve und die Stadt Kleve mit dem halbfertigen Gebäude machen, wird die Zukunft zeigen. Der Rohbau sollte nach RP-Informationen auf der internationalen Gewerbeflächenmesse Expo Real in München angeboten werden.

Stand: 14. August 2009 - "1000 Meisterwerke: Die Kreditprüfung (Beton in Sumpf, 2002)", KleveBlog, Ralf Daute

zuletzt bearbeitet am 14.08.2009