NRZ: Mittwoch, 13. Mai 2009

Auf gutes Gelingen

Jetzt gibt es sie offiziell: Die Hochschule Rhein-Waal wurde gestern mit einem Festakt in Kleve eingeweiht. 200 Gäste

Thorsten Lenze

FH RHEIN-WAAL - 5000 Studenten

Bis zum 15. Juli können sich Interessierte an der Fachhochschule einschreiben. Angeboten werden in Kleve „Bioscience and Health" (angewandte Naturwissenschaften) und „International Business and Social Sciences" (Betriebswirtschaftslehre) und in Kamp-Lintfort „E-Government" (Verwaltungsinformatik). Zunächst beginnen zum Wintersemester 100 Studenten in Kleve und 50 in Kamp-Lintfort. Im Endausbau sollen es insgesamt 5000 werden.

Symbolischer Akt (v.l.): Dietmar Möhler (Innovationsministerium), Wolfgang Spreen (Landrat Kreis Kleve), Ansgar Müller (Landrat Kreis Wesel) Marie-Louise Klotz (Präsidentin Hochschule), Theo Brauer (Bürgermeister Kleve) und Martin Goch (Vizepräsident Hochschule). Foto: Holzbach

Kleve/Kamp-Lintfort. Jetzt ist es offiziell: Kleve und Kamp-Lintfort sind Hochschulstandorte. Gestern wurde die Hochschule Rhein-Waal in der vorübergehenden Verwaltung in Kleve gegründet - ein lang ersehntes Bildungshighlight für die Region, ein ernsthafter Belastungstest für das Gebäude. Etwa 200 Gäste drängten sich im Foyer, standen auf der Treppe im Eingangsbereich, einige schafften es gar nicht erst ins Innere des Gebäudes.

„Die Erfüllung eines Traums"

Der Andrang tat der großen Worte indes keinen Abbruch. „Historisch" sei dieser Tag und „ein erster Meilenstein" erreicht, so der Kreis Klever Landrat Wolfgang Spreen. Der Klever Bürgermeister Theo Brauer sprach von der „Erfüllung eines Traums" und einem „zarten Pflänzchen, das sich zu einem „amerikanischen Mammutbaum" entwickeln werde. Hochschulrat Dietmar Möhler vom Innovationsministerium freut sich über eine „erfolgsversprechende Perspektive" und über eine „gute Standortentscheidung".

Dabei waren es nicht nur die Reden oder gar das symbolische Zerschneiden eines blauen Bandes, weswegen die Besucher angereist waren.

Während im Erdgeschoss bereits mit Sekt angestoßen wurde, saß im ersten Stock, linker Gang, ganz hinten rechts, EDV-Spezialist Thomas Buntrock in seinem neuen Büro. Er war der einzige, der in der historischen Stunde im Verwaltungsgebäude arbeitete, er wollte noch in Ruhe zwei, drei Dinge erledigen. „Ich bin dabei, ein Netzwerk aufzubauen", sagte er. Woran Buntrock virtuell bastelte, war in der Realität vermutlich der Hauptgrund, warum sich vom wissenschaftlichen Berater über Bürgermeister- und Kreistagskandidaten bis hin zum Landtagspolitiker Vertreter verschiedenster Couleur in Kleve einfanden. Es galt, Kontakte zu knüpfen.

So wurden etwa bereits erste Kooperationen mit lokalen und regionalen Bildungseinrichtungen in (noch) vertraulichen Gesprächen angebahnt. Vermisst wurde beim Stelldichein der dunklen Anzüge lediglich der Kamp-Lintforter Bürgermeister Christoph Landscheidt, den ein später Tagesordnungspunkt in der Ratssitzung vom Festakt fernhielt.

Mit der offiziellen Gründung der Hochschule Rhein-Waal hat sich nun auch die Diskussion über die Standortfrage erledigt. Auch andere Kommunen hätten gerne die FH bei sich angesiedelt. Bietet der Standort doch auch in Krisenzeiten „für die heimische Wirtschaft zahlreiche Chancen und Möglichkeiten, die es ab sofort zu nutzen gilt", wie Spreen gestern betonte.

Der Landrat erwartet im Kreis Kleve „tausende von jungen Studentinnen und Studenten sowie viele Lehrende und Verwaltungsmitarbeiter", die „mit ihren Familien unser Leben in den nächsten Jahren und Jahrzehnten in vielfältiger Weise bereichern werden -und natürlich mit ihrer Kaufkraft einen nachhaltig wirtschaftlich belebenden Impuls geben." Die Standortdiskussion lächelte er souverän weg: „In 100 Jahren denkt da kein Mensch mehr dran."

Die Hochschul-Präsidentin Marie-Louise Klotz will nun die „große Herausforderung angehen": Sie will ihre FH „andersartig wie die Nachbar-Hochschulen in den Niederlanden und NRW machen." Dafür wolle sie nun viele Gespräche führen und Professoren gewinnen.

Und wo gestern schon mal so viele Besucher da waren: „Vergessen sie nicht, eine Beitrittserklärung zum Förderverein auszufüllen."

zuletzt bearbeit am 13.05.2009