NRZ, Mittwoch 26. Juni 2007

Diesem Mann gebührt ein Denkmal

GESCHICHTE. Schüchtern duckt sich das Relief von Johann Moritz von Nassau-Siegen in die Büsche. Gestiftet vom Heimat- und Verkehrsverein.

KLAUS HÜBNER (Text)

 

80 Zentner schwer ist der Naturstein, der an Prinz Johann Moritz von Nassau-Siegen erinnert.

  Foto © Rainer Hoymann

KLEVE. Stolze 80 Zentner wiegt der Naturstein, der sich mannshoch aus einem Blumenbeet empor reckt. Manchmal ist er nur in Teilen zu sehen, wenn die ihn umzingelnden Bäume die langen Astarme ausstrecken und mit ihren Blättern das Relief verdecken. Das Monument an der Einmündung des Prinzenhofes in die Nassauerstraße erinnert an Prinz Johann Moritz von Nassau-Siegen, den Initiator und Baumeister der Klever Garten- und Grünanlagen. Ursprünglich war auch ein Plan entwickelt worden, eine Büste des Stadthalters des Brandenburgischen Kurfürsten Friedrich-Wilhelm im Cerestempel des Amphitheaters aufzustellen.

„Freilich, Magistrat und Clever Bürgerschaft haben es ihm nicht immer leicht gemacht, seiner Freude am Bauen und Graben und Pflanzen zu frönen", schrieb Chronist Joseph Stapper über den weltmännischen Nassauer. Ungeachtet aller Knüppel, die dem wagemutigen Erneuerer seitens der Klever Honoratioren zwischen die Beine geworfen wurden, stand für den Heimat- und Verkehrsverein fest: Diesem Manne gebührt ein Denkmal. Und zwar in der Nähe der Stelle, wo er für sich selbst das monumentale Prinzenpalais gebaut hatte. Ein Findling aus der Materborner Sandgrube diente als Trägerstein für das Relief. Diesen Urstein fand Dr. Heinz Will, Gründer und Vorsitzender des Vereins Bauhütte Schwanenburg, nach dem Krieg in Materborn. Als Grundlage für das Relief benutzte der Bildhauer Peter Lipp einen sogenannten „Gnadenpfennig" (Bildnismedaille), den der Siegener Heimatverein als Vorlage zur Verfügung stellte. Die Reliefplatte wurde in den Buderusschen Eisenwerken in Wetzlar gegossen.

Übergabe am 21. Mai 1966

Der Klever Heimat- und Verkehrsverein übergab am 21. Mai 1966 das Denkmal der Öffentlichkeit. Stadtarchivar Dr. Friedrich Gorissen sprach an jenem Abend über „Kleve 1666" und zitierte aus Briefen von John Locke, der sich während des Besuchs des Großen Kurfürsten zu jener Zeit in Kleve aufhielt. Locke, nahm sich „satirisch-heitere Szenenschilderungen vor, die das wahre Alltagsgesicht des Lebens in dem damaligen Kleve verdeutlichen", schrieb die NRZ seinerzeit. „Der Hauptvertreter des englischen Empirismus sah damals überall in unserer Stadt mit etwas sarkastischer Genauigkeit die Menschen und ihr Handeln an", hieß es in der NRZ vom 23. Mai 1966.

zuletzt bearbeit am 28.06.2007