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der Informationstafel auf dem Gelände der Schwanenburg
Die
Burg in der Vergangenheit
Die
Schwanenburg, das Stammschloss der Grafen von Kleve, erhebt sich
auf einer als Clive (von niederdeutsch "cliff")
bezeichneten Randkuppe eines zum Kermisdahl abfallenden Höhenzuges,
der sich zwischen Xanten und Nimwegen erstreckt. Diese Klippe
wurde namensgebend nicht nur für die sich zu Füßen der Burg
entwickelnde Stadt, sondern auch für das Grafengeschlecht, das
sich hier im 11. Jahrhundert ansiedelte. Stammvater dieses
Geschlechts soll der sagenumwobene Schwanenritter
Helias gewesen sein, der durch den Erfolg von Wagners Oper
"Lohengrin" wieder ins Bewusstsein der Klever rückte.
Die
sichelförmig, sich dem Burgplateau anpassende Anlage geht im Kern
wenigstens auf die Stauferzeit zurück. Der einzige ebene Zugang
im Süden wurde durch einen künstlich angelegten Halsgraben
gesichert und eine Mauer trennte den vorderen, etwa 60 x 60 m
messenden Teil von dem kleineren auf der Nordspitze. Hier finden
sich auch die ältesten Gebäudeteile im Bereich des großen
Wohnturms, der später durch den spätgotischen Schwanenturm
ersetzt wurde. Auch der Spiegelturm an der Südwestseite und der
Johannisturm am Südende des Ostflügels stammen aus dieser Zeit,
wurden aber im 15. Jahrhundert verändert. Während die
ausschwingende Westseite der Umfassung nur der Befestigung gedient
zu haben scheint, war die fast gerade Ostseite mit Wohn- und
Repräsentationsbauten besetzt, ausgehend vom Hochschloss bis zum
langgestreckten Palas in der Südhälfte. Dieser, in kleineren
Burgen meist als Rittersaal bezeichnete Bauteil war eines der
bedeutensten Beispiele romanischer Profanarchitektur. 1771
abgerissen, markieren heute Linden das einstige Zentrum der Burg,
vom dem sich bauplastische Fragmente eines mächtigen
Säulenportals erhalten haben, die im oberen Schlosshof
wiederverwendet sind.
Der
1417 zum Herzog erhobene Adolf I. (1373 - 1448) ließ 1429 den
Spiegelturm zum Archiv umbauen, wobei die beiden unteren
Stockwerke eingewölbt wurden. Der herzoglich klevische Baumeister
Johan Wyrenberg, der sich auch schon als Architekt des Rathauses
in Kalkar einen Namen
gemacht hatte, ersetzte den 1439 eingestürzten Bergfried durch
den über 50 m hohen Schwanenturm. Auf dessen Spitze wurde als
Verweis auf die legendäre Abstammung des ersten Grafen ein
vergoldeter Schwan befestigt.
Diese
Helmbekrönung, sowie die architektonische Form des oberen
Zinnenkranzes mit Erkern und achtseitiger Laterne hatte flämische
Vorbilder.
Herzog
Wilhelm der Reiche (1539 - 1592) ließ dann seine Hofarchitekten
aus der Familie Pasqualini mehrere neue Bauteile dem Komplex
hinzufügen, die heute alle nicht mehr existieren. Dazu zählt das
1560 errichtete Herzog-Wilhelm oder Außentor und die südlich vom
Johannesturm vorgelagerte Kanzlei von 1558, sowie ein beide
Gebäude verbindender, niedriger Galerieflügel im
Renaissanceformen.
In
der Bautätigkeit unter Adolf I. und seinen Nachfolgern spiegelt
sich die gewachsene politische und kulturelle Bedeutung des Klever
Herrscherhauses, das 1521 durch die Vereinigung der Herzogtümer
Jülich und Berg und der Grafschaft Mark und Ravensberg mit Kleve
den Zenit seiner Macht erreicht hatte. Die Hochzeit der Klever
Herzogin Anna mit König Heinrich VIII. von England 1539 bescherte
dem Haus, wenn auch nur für kurze Zeit, sogar königliche Würde.
Nach
dem Tod des kinderlos gebliebenen Herzogs Johann Wilhelm, 1609,
wurden die vereinigten Herzogtümer unter den Erben aufgeteilt und
Kleve, Mark und Ravensberg fielen an Brandenburg. Friedrich
Wilhelm, der Große Kurfürst, berief dann 1647 Johann
Moritz, Graf zu Nassau-Siegen
(1604 - 1679), zum Statthalter von Kleve, dem wegen seiner
Interessen am Städtebau und an der Landschaftsgestaltung die
Stadt seine einzigartigen Parkanlagen verdankt. Mit der
Restaurierung der Burg beauftragte er den niederländischen
Architekten Pieter Post, der die Anlage 1663 bis 1666 zu einer
Barockresidenz umgestaltete. Damals entstanden u. a. ein
Zwischenflügel mit einem monumentalen Tordurchgang, der heute als
Haupteingang genutzt wird, sowie die Arkadengänge um die beiden
Innenhöfe. Die heutige Erscheinung der Schwanenburg geht also
grundsätzlich auf diese Veränderungen durch Pieter Post zurück,
wobei die Substanz im Laufe der Jahrhunderte erneuert werden musste.
Original ist nur noch das Portal von 1664, das westlich der Burg
heute den Beginn der Schloßtorstraße
markiert.
Im
18. Jahrhundert begann dann der Verfall der Burg, der schließlich
zum Abriss großer Gebäudeteile (darunter der Palasflügel mit
abschließendem Johannisturm) führte. Nach Rückgabe der
französisch besetzten, linksrheinischen Gebiete an Preußen ließ
die nun auf der Schwanenburg angesiedelte Justizverwaltung nach
1828 größere Umbauten vornehmen, so den Einbau eines
Untersuchungsgefängnisses anstelle des von Johann Moritz
errichteten Zwischentraktes. Diese Maßnahmen bedeuteten
allerdings den Untergang aller ursprünglichen Innenräume und der
dort vorhandenen Baudekoration.
Bei
einem alliierten Luftangriff am 7.10.1944 sank die Burg dann
schließlich - und mit ihr die Stadt - in Schutt
und Asche. Doch dank des
Engagements der von Dr. Heinz Will gegründeten "Bauhütte
Schwanenburg", die sich seit 1948 für den Wiederaufbau von
Turm und Burg einsetzte, gehörte die Schwanenburg zu den ersten
Baudenkmälern Kleves, die nach dem Krieg, wenn auch in
reduzierten Formen, wiederhergestellt wurden.
Die
Burg heute
Seit
1950 erhebt sich das Wahrzeichen der Stadt, der Schwanenturm,
wieder weithin sichtbar über die niederrheinische Tiefebene. Der
Komplex beherbergt heute das Land- und Amtsgericht.
Zu
besichtigen sind im Turm Wechselausstellungen zum Thema
Fotographie und die auf mehrere Geschosse verteilte geologische
Sammlung, sowie eine heimatkundliche Dokumentation. All diese
Aktivitäten werden vom Klever
Heimat- und Verkehrsverein
getragen. Im Erdgeschoss des Spiegelturms befindet sich der
ehemalige Archivkeller, der einzige andere öffentlich
zugängliche Raum der Burg. Hier wurde 1985 bei
Restaurierungsarbeiten eine doppelsitzige Toilettenanlage aus dem
12. Jahrhundert entdeckt (sogn. "Stauferklo"). Der im Jahr
1986 gegründete Verein "Freunde der Schwanenburg"
kümmert sich vor allem um die Wiederherstellung und Erhaltung der
Teile der Burg, die nicht von der Justizverwaltung genutzt werden
können.
Kunstführer
und Literatur rund um die Schwanenburg sind an der Kasse des
Geologischen Museums im Turm erhältlich.
Öffnungszeiten:
April
- Oktober, täglich 11 - 17 Uhr
November
- März, Sa./So. 11 - 17 Uhr
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