Issum

Aufnahmen vom 21. Januar 2007

© Rainer Hoymann

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In der Luftaufnahme wird deutlich: Die Brauerei Diebels ist - noch - Hauptarbeitgeber in Issum.

 

Stadtrundgang (pdf-Datei, 113kb)

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  Die Issumer Fleuth Hendrina Stenmanns, Mitbegründerin des Styler Ordens
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Links: Katholische Kirche St. Nikolaus Die katholische Kirche (rechtes Bild) hat die Form einer Pseudobasilika, eines Hallenbaus mit niedrigem, fensterlosen Obergaden. Der dreigeschossige Westturm aus Ziegelmauerwerk und die drei westlichen Pfeilerpaare mit den darauf ruhenden Scheidemauern des Mittelschiffs gehören der spätgotischen Bauperiode an. Von den Ausstattungsstücken sind einiges besonders wichtig. Erst einmal ist „Die Annagelung Christi ans Kreuz” als Frühwerk des niederrheinischen Malers Derick Baegert von 1492 hervorzuheben, das ursprünglich für den Kreuzaltar bestimmt war. Um den gotischen Taufstein befinden sich ein "commune sanctorum" mit Madonnafigur aus dem Jahre 1550, mit dem thronenden St. Nikolaus von 1668 und mit der heiligen Katharina von Alexandrien (18. Jh.). Die Tabernakel stammen von Willi Horsten, die Fensterentwürfe von Trude Dinnendahl-Beuning (1953). In der Schatzkammer kann man das sogenannte “Antiphonale Romanum” finden, ein Choralbuch von 1750, das in Antwerpen gedruckt wurde.

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Haus Issum - heute Gemeindehaus, Heimatmuseum ("His-Törchen"), Polizeistation ...
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Oben: Das Fähnchen auf dem Dache des Rathauses trägt die Jahreszahl 1338, Datum der ältesten über Issum bestehenden Urkunde. Damals wurde die "Herrlichkeit und das Gut, das sich zu Issum und Umgebung befindet", von dem Vogt Gerardus de Belle an den Grafen von Geldern zurückgegeben. In den folgenden Jahrhunderten wechselte die Herrschaft durch Verkauf, Verpfändung und Heirat ständig den Besitzer, bis schließlich im Jahre 1912 die Gemeinde Issum der Besitzer der "Herrlichkeit" wurde.

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Im Garten von Haus Issum

Oben: Wenn man das Haus betrachtet, erkennt man die Buchstaben zwischen dem ersten und zweiten Stock an der Mauer: L A H A K K. Zunächst erscheinen die Buchstaben als unsinnig, doch sie bilden die Initialien des Erbauers Laurenz an gen Haal und Adelgunda Koenekath. 1784 wurde das Gebäude nämlich hinter dem Kirchplatz der katholischen Kirche St. Nikolaus errichtet. Es ist vergleichbar mit dem Vorgänger der Brauerei Diebels, da im Kellergewölbe bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Braunbier gebraut wurde. Der Ausschank erfolgte im Stockwerk darüber. Außerdem belieferte das Haus Haal 16 umliegende Gaststätten - vier davon im Ortskern von Issum. Die Gründung von Diebels im Jahre 1878 läutete allmählich das Ende der Hausbrauereien ein. Momentaner Besitzer des Hauses ist die katholische Kirchengemeinde, die das Gebäude an eine Zahnarztpraxis vermietet. Seit 1985 gehört das Gebäude dem rheinischen Denkmalschutz an, da es ein wichtiges Dokument für die alte Bauweise in Issum ist.

Links: Die älteste Spur eines Bethauses der Issumer Juden führt in das Jahr 1791 zurück. Das heute noch erhaltene Gebäude wurde von der jüdischen Gemeinde 1855 gekauft. Wahrscheinlich ist es schon vorher als Betraum benutzt worden. Die feierliche Einweihung am 16. Dezember 1865 lässt auf einen vorausgegangenen Umbau bzw. eine Erweiterung des Gebäudes zur größeren Synagoge schließen. 1875 wurde die Einweihung einer neuen Thorarolle festlich begangen. 1900 ging das Gebäude in den Besitz der Synagogengemeinde Geldern über. In den folgenden Jahren fiel es der jüdischen Gemeinde Issums, die ständig kleiner wurde, immer schwerer, das Bethaus liturgisch vorschriftsmäßig zu nutzen, so dass man sich schließlich um einen Verkauf bemühte, der 1935 zustande kam. Die Synagoge wurde fortan ausschließlich zu profanen Zwecken genutzt. Dass sie - im Gegensatz beispielsweise zur ungleich ansehnlicheren Gelderner Synagoge - die Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 überstand und wir in ihr die einzige erhaltene ehemalige Dorfsynagoge am unteren Niederrhein besitzen, muss vor allem auf den frühzeitigen Besitzwechsel und die profane Nutzung zurückgeführt werden. Auch ihre versteckte Hinterhoflage in einem dichtbebauten Wohngebiet könnte eine Rolle gespielt haben.

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Oben: Putzgebäude Kapellener Str. 28, Denkmallisten-Nr. 49

Das zu Wohn- und Geschäftszwecken genutzte Gebäude repräsentiert heute den baulichen Umfang und Zustand nach einem Um- und Ausbau, der ca. 1868 stattfand. Ursprünglich handelte es sich um ein Bauerngehöft, welches (wie die Maysche Kate) zu den ersten Gebäuden der Issumer Ortskernbebauung gehörte und daher sehr wahrscheinlich kurz vor oder nach 1800 entstand.

Ältester bekannter Eigentümer war eine Familie Schmits, die wie die meisten Issumer in jener Zeit von der Landwirtschaft lebte. Der Hofeigentümer und Arbeitgeber hieß „Ackerer“, der Arbeitnehmer „Taglöhner“. Nach der Einheiratung durch den Firmengründer Nolden, der hauptsächlich in Weinhandel und Kornbrennerei tätig war, verschwand die Landwirtschaft allmählich aus diesem Haus. Noch heute ist hier eine Weinhandlung untergebracht. Betritt man als Besucher dieses Gebäude, werden jedoch noch viele Attribute seiner ursprünglichen Verwendung sichtbar:

Die große Glastüre hat bis heute den Umriß der alten Korbbogeneinfahrt, durch welche die großen Pferdefuhrwerke passieren konnten. Tritt der Besucher in den Hauptraum, erhält er einen Eindruck einfacher, rustikaler Behaglichkeit und Bodenständigkeit. Diese authentische Atmosphäre ist nicht nur einer gewissen Zurückhaltung gegen bauliche Modetrends zu verdanken, die hier offenbar über mehrere Generationen hinweg geübt wurde. Der Hauptgrund liegt eher in der geringen Verfügbarkeit benötigter Geldmittel - so viel also zur „guten, alten Zeit“.

Ein Teil der alten Deckenbalken befindet sich noch im Originalzustand. Die Ersatzbeschaffung der unbrauchbaren anderen Balken gestaltete sich problematisch, da naturbelassene Holzstämme heute nur noch schwer zu finden sind.

Die verschiedenen Ebenen des ehemaligen Stalles, wo Menschen und Tiere sich aufhielten und arbeiteten, sind bis heute erhalten geblieben, ebenso wie die nicht mehr genau nachvollziehbaren früheren Türen und Durchgänge. Hinweise im Gemäuer machen die Veränderungen deutlich, welche in den vielen vergangenen Jahrzehnten erfolgten. Besondere Beachtung verdient die sog. niederrheinische Zierausfachung in den Hinterhofstallungen, die in Backstein ausgeführt ist. Am sechsachsig ausgeführten Obergeschoß befinden sich zwei Fahnenstangen, die mit Gewißheit schon Hunderte von profanen und kirchlichen Umzügen miterlebt haben.

Die verschachtelten Anbauten, die das Wachstum des einstigen landwirtschaftlichen Betriebes begleiteten, beherbergten in ihren vielen kleinen Räumen eine Vielzahl von Generationen und Familien. Großfamilien mit bis zu fünfzehn Kindern mußten hier wohnen, leben und arbeiten können . Die sog. geschlossene Hauswirtschaft, bei der die Dinge des täglichen Bedarfs größtenteils in Eigenleistung hergestellt wurden, war damals noch weit verbreitet. Zeitweise waren aber auch vier Familien gleichzeitig untergebracht. Damals war es üblich, dass Onkel und Tanten auch nach ihrer Heirat an alter Stelle wohnen blieben. Älteren Issumern wird noch bekannt sein, dass Herr Dr. Leurs nach dem Krieg im angrenzenden Wohnhaus seine erste Praxis betrieb.

Das sehr gut erhaltene heutige Wohn- und Geschäftshaus ist bedeutend für die Ortsentwicklung sowie für die Arbeits- und Produktionsverhältnisse in Issum. Der Denkmalstatus wurde im Dezember 1987 darüber hinaus aus wissenschaftlichen und insbesondere ortsarchitekturgeschichtlichen sowie städtebaulichen Gründen verliehen.

B. Greitemeier, J. Haus auf der Internetseite des Heimat- und Verkehrsvereins Issum.

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Links: Die evangelische Kirche, so wie wir sie heute kennen, stammt von 1838/39. Sie besteht aus einem Rechtecksaal mit einem vorgesetztem Südturm nach einem Entwurf von Carl Gottlieb Heermann unter der Leitung von Carl Friedrich Schinkel. Die Funktion sowie die Gestaltung wurden von der königlichen Oberbaudeputation korrigiert. In den Jahren 1891-1901 ist die Außenfassade und der Turm im Stil der niederländischen Renaissance umgestaltet worden. An drei Seiten sind Emporen angeordnet. Auch 1968-1970 fand eine Restaurierung statt, bei der die Flachdecke und die Rechteckfenster stammen. Kanzel und Lesepult (1785) wurden aus dem Vorgängerbau von 1685 übernommen.

Herrlichkeitsmühle
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Zum Andenken an die Seidenweberzunft in Issum.  
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Oben: Josef Diebels wurde am 16. August 1845 in Krefeld geboren. Er war der einzige Sohn des Metzgers Theodor Heinrich Diebels und dessen Frau Maria Sibilla. Bereits mit jungen Jahren sammelte er Erfahrung in einigen Hausbrauereien am Niederrhein. Später pachtete er die Brauerei Hoogen in der Nähe Rheinbergs, womit seine Selbstständigkeit begann. Nach kurzer jedoch, als ihn neuer Unternehmungsgeist packte, sollte es eine eigene Brauerei sein. Durch seine Erfahrung, die er zuvor am Niederrhein gesammelt hatte, war ihm Issum schon bekannt. Hier fand er ein geeignetes Gelände zum Aufbau seiner Brauerei. Issum hatte anderen Orten gegenüber Vorteile, was seine Entscheidung, sich hier niederzulassen, erleichterte. Zum einen hat Issum bis heute eine günstige Lage, denn es befindet sich in der Nähe der damaligen Kreisstadt Geldern. Zum anderen gab es in Issum früher einen Eisenbahnanschluss zu mehreren bedeutenden Städten. So schrieb er am 31. August 1877 an den Bürgermeister an Issum, um eine Genehmigung für seine Brauerei zu bekommen. Dieser Brief war die Geburtsstunde der erfolgreichen Brauerei Diebels. Issum ist heute auch in weiter entfernten Gebieten bekannt, was an dem mutigen Schritt des Gründers liegt. Josef Diebels erhielt bereits nach kurzer Zeit die Erlaubnis. Ende 1877 begann der Bau mit vollem Einsatz. Am 6. Oktober 1978 schrieb der Bürgermeister von Issum an den königlichen Fabrikinspektor in Düsseldorf, dass die “Dampfbrauerei Josef Diebels Issum” vollendet sei und sie den Betrieb bereits aufgenommen habe. Die Zeit um 1870-1880 wurde allerdings von den Folgen des Krieges geprägt. So mussten viele Hausbrauereien am Niederrhein aufgeben. Es scheint also, dass Josef Diebels zu einem schlechten Zeitpunkt begonnen hat, selbstständig zu werden. Umso erstaunlicher ist es daher, wie er es trotz allen Umständen geschafft hat, erfolgreich zu werden, denn 1886 beantragte er schon die Genehmigung für einen zweiten Dampfkessel, der um ein vielfaches größer war als der erste. Als 1891 ein neues Sudhaus in Betrieb genommen wurde, konnten 22 Zentner eingemaischt und 75 Hektoliter ausgeschlagen werden. Bis 1897 kam das Malz aus der hauseigenen Brauerei. Immer wieder machte die Brauerei Fortschritte in Sachen Technik. Eine 100 PS starke Dampfmaschine wurde beispielsweise eingesetzt und Petroleumlampen wurden gegen elektrische ausgetauscht. Auch im privaten Leben hatte Josef Diebels Glück. Er heiratete nämlich im Gründungsjahr Helene Nauen, die ihn tatkräftig unterstützte. 1890 und 1893 gebar sie zwei Jungen: Josef und Paul. Beide stiegen schon früh in das Unternehmen ein, womit der Fortbestand der Brauerei gesichert war. Doch als der erste Weltkrieg begann, wurden nicht nur sie, sondern auch ein großer Teil der Mitarbeiter einberufen. Die Produktion von Bier wurde auf die Hälfte reduziert, weil die Rohstoffe knapp war und es an Fahrzeugen zum Transport mangelte. Somit konnte nur Einfachbier und Malzbier gebraut werden. Als der Krieg endete und beide Söhne unversehrt zurückkehrten, lief die Produktion wie früher. Außerdem wurde 1920 die Aktienbrauerei in Xanten erworben. Zu diesem Zeitpunkt erhielt die Brauerei den Namen “Brauerei Diebels AG”. Ein Jahr später konnte die Produktion von Starkbier wieder aufgenommen werden und bald erreichte sie den Stand, den sie vor dem Krieg hatte. 1922 starb Josef Diebels und hinterließ seinen Söhnen eine Brauerei, die viele Freunde und einen guten Ruf hatte. Nach dem zweiten Weltkrieg stieg der Ausstoß von Bier kontinuierlich an und erreichte 1988 einen Höchststand von 1,5 Mio Hektolitern - ein Meilenstein in der Geschichte der Brauerei Diebels. Die aktuelle - Januar 2007 - Entwicklung ist von der Einbindung des Unternehmens, nach Rückzug der Familie Diebels, in einen globalen Konzern, InBev-Gruppe, geprägt. Der Bierausstoß ist deutlich rückgängig und soll durch Diversifizierung gestoppt werden. Das Ende ist offen ...

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zuletzt bearbeitet am 27.08.2010