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Chanoch
Mandelbaum: "'Mögen ihre Seelen eingebunden sein im Bunde des
Lebens'" - Der jüdische Friedhof in Kleve", Jerusalem
2002, S. 15 ff.
T. N. Z.
B. H.
Vorwort
"Was
wir hörten und erfuhren,
was
uns die Väter erzählten
das
wollen wir unseren Kindern nicht verbergen,
sondern
dem kommenden Geschlechte erzählen "
(
Psalm 78; 3-4 )
Es
ist mir als einer der allerletzten noch lebenden und in Kleve
geborenen Juden ein großes Verdienst gegeben, heute nach fast 60
Jahren seit der Beendigung des grausamen zweiten Weltkrieges und der
Auslöschung der jüdischen Gemeinschaft in der glücklichen Lage zu
sein mit diesem Buch die Entzifferung und die Übersetzung der
Inschriften auf den Grabsteinen des jüdischen Friedhofes in Kleve
zu beenden und der Öffentlichkeit vorzulegen. Beten wir doch
tagtäglich in unserem Morgengebet:
"Möge
es Dir Wohlgefallen Ewiger, unser und unser Väter G'tt, daß
wir erleben mögen und erben mögen die Glückseligkeit in den Tagen
des Messias und der zukünftigen Welt Ewiger mein G 'tt, ewig ich
dir danke "
Aus
der Erwägung und der Hoffnung einer der "Glücklichen" zu
sein, der die Tage des Messias miterleben kann, darf ein jüdisches
Grab nicht zweimal benutzt werden und ist es unsere Pflicht für das
ewige Weiterbestehen der jüdischen Friedhöfe Sorge zu tragen. Da
in Kleve keine jüdische Gemeinde mehr besteht, kam mir schon im
Jahre 1989, während meines Besuches auf dem Friedhof mit den
Überlebenden der Gedanke, diese Gräber nicht in Vergessenheit
geraten zu lassen. Die Entfernung Israel - Kleve aber war ein
Hindernis dieses Vorhaben zu verwirklichen. Ich konnte mir nicht
vorstellen , daß es möglich sein kann, dieses Projekt auch ohne an
Ort und Stelle zu sein auszuführen. Eine große Änderung dieses
Gedankenganges trat aber ein, als mir vor einigen Jahren Herr Krebs
während seines Besuches in Israel eine Schachtel mit den
Abbildungen der Grabsteine des jüdischen Friedhofes überreichte.
Diese Abbildungen stammen aus dem Städtischen Museum "Haus
Koekoek" und waren mit einer genauen reihenweise Grabsteinlage
bezeichnet. Diese wurden auch von mir mit Erlaubnis des Herrn
Bürgermeister Joeken in diesem Buch benutzt. Im Besitz dieser
wertvollen Schachtel wurde mir bewußt, daß ich jetzt das
erforderliche Material in der Hand habe, daß mir den Weg meinen
Plan auszuführen geöffnet hat. Zusätzlich überließ mir Frau
Judith Egosi Vyth (Kalkar) auch eine Anzahl von ihr persönlich
gemachten Aufnahmen. Auch davon wurden einige zum Abdruck verwendet.
Es waren noch einige Nachaufnahmen notwendig, die mir von Herrn
Krebs ergänzt wurden. Jetzt war es nur noch die Frage der Zeit.
Langsam begann ich die Texte zu studieren und mich in die
Inschriften zu vertiefen. Zu meiner Zufriedenheit war es doch
möglich, nach vielen und langen Bemühungen den allergrößten
Teil zu entziffern. Die langjährigen
Witterungs- und Vermoosungseinflüsse haben großen Schaden an der
Lesbarkeit der sowohl hebräischen wie auch deutschen
Grabinschriften hinterlassen und einige konnten leider nicht
entziffert werden. Die einzigsten Hilfsmittel, die ich benutzte,
waren ein starkes Vergrößerungsglas, ein wenig
Kombinationsvermögen das Fehlende zu ergänzen, viel Geduld und das
"Handbuch der jüdischen Chronologie" von Eduard Mahler.
Die Vergleichstabellen der jüdischen und christlichen Zeitrechnung
in diesem Buch ermöglichten mir , wenn ein Datum entzifferbar war,
das zweite zu errechnen. Durch
die Kriegshandlungen wurden viele Grabsteine sehr in Mitleidenschaft
gezogen und erlitten nicht wieder gutzumachenden Schaden. Leider
wurde eine unbekannte Anzahl der Grabsteine durch Bombardierung und
Umgrabungen zerbrochen und vernichtet. Sie wurden zertrümmert und
zerstückelt. Es fehlt der Grabstein unseres Lehrers und Vorbeter
der Gemeinde Louis Löwenstein S.A., der im Jahre 1933 verstorben
ist und auch die Grabsteine der Familie Goldschmidt sind nicht mehr
vollzählig. Diese Begräbnisse sind in meiner Erinnerung geblieben,
obwohl ich persönlich nicht daran teilgenommen habe. Nach der
jüdischen Tradition sollen Kinder, deren Eltern noch im Leben sind,
nicht den Friedhof betreten. So blieb uns Kindern nur die
Vorstellung, daß hinter den Friedhofsmauern etwas mysteriöses
verborgen liegt, daß für uns nicht bestimmt war. Mein einzigster
Besuch auf dem Klever jüdischen Friedhof war zusammen mit den noch
Überlebenden im Jahre 1989. Zum
Wiederaufbau des Friedhofes, der wahrscheinlich zu verschiedenen
Zeitpunkten durchgeführt wurde, lagen keine original Lagepläne aus
der Vorkriegszeit zur Einsicht vor. Die Grabsteine wurden
willkürlich aufgestellt und stehen heute nicht mehr in einer
chronologischen Reihenfolge wie z. B. in der ersten Reihe links
stehen Grabsteine aus den Jahren 1901, 1878, 1755, 1839, 1863 und
1911. In einer anderen Reihe stehen 2 Grabsteine aus den Jahren 1724
und 1931 nebeneinander. Demnach ist es mit Sicherheit anzunehmen,
daß die erhaltengebliebenen Grabsteine zwar wieder aufgestellt
wurden, aber auf einem Platz der überhaupt nicht identisch ist mit
dem ursprünglichen Begräbnisplatz und es ist auch anzunehmen, daß
dieser wahrscheinlich keine menschlichen Überreste mehr bedeckt.
Die Worte : "Hier, ruht" oder "Hier liegt
geborgen" mit denen fast jeder Grabsteintext beginnt, haben
dann ihre ursprüngliche Bedeutung verloren.
Der
älteste entzifferte Grabstein, ist der von Frau Rös'chen, Gattin
des Meisters Jakob Kleve, datiert 2 Menachem (Aw) 462 (27.7.1702).
Zusätzlich befinden sich noch 4 sehr alte und gut erhaltene
Grabsteine ohne irgendwelche Inschriften oder andere
Identifizierungsmöglichkeiten auf dem Friedhof verteilt. Es ist
möglich, daß diese Grabsteine noch aus dem 17. Jahrhundert
stammen. Sobald irgendwo Juden ansässig wurden; haben sie auch so
bald wie möglich einen Friedhof angelegt. Die Erfüllung der
liebevollen Verpflichtung für einen Friedhof zu sorgen und die
Toten mit aller Würde zu begraben, erinnern wir jeden Tag in einem
Gebet indem es u.a. heißt:
"Von
folgenden Dingen genießt der Mensch die Früchte in dieser Welt,
aber
der vollkommene Lohn bleibt ihm aufbewahrt in der künftigen Welt,
für die Ausübung von Wohltaten und die Begleitung von Toten "
(Talmud
- Schabbath 127)
Wie
bekannt, hat Elia Gomperts bereits zu Beginn der zweiten Hälfte des
17. Jahrhunderts seinen Geleitbrief für die Niederlassung in Kleve
bekommen. Im Jahre 1702 konnte die jüdische Gemeinde schon auf eine
gewisse Vergangenheit zurückblicken und seit dem frühen Anfang des
18. Jahrhunderts begannen schon die Gedenkeinschreibungen in das
"Memorbuch", daß heute noch in der Jerusalemer
Nationalbibliothek aufbewahrt ist. Wenn schon ein Memorbuch geführt
wurde, so ist das auch ein Zeichen dafür, daß die Gemeinde gut
organisiert war und schon lange Jahre existiert hat.
Nachdem
heute nur noch 78 Grabsteine vorhanden sind und ein Teil der
ursprünglichen Friedhofsfläche abgeteilt wurde, können wir mit
Bestimmtheit sagen, daß eine große unbekannte Anzahl der
Grabsteine durch die Verwüstung während des zweiten Weltkrieges
verloren gegangen sind. Auch ist es sicher, daß der größte Teil
der Gebeine nicht mehr vorhanden ist und man demnach vielleicht gar
nicht mehr von einem wirklichen Friedhof sprechen kann. Die Aufgabe
des Grabsteines ist es, den Platz zu bezeichnen, der
die menschlichen Gebeine birgt und mit der Grabsteininschrift die
ewige Erinnerung an den Verstorbenen aufrecht erhält. In diesem
Zusammenhang möchte ich hier an den bekannten, mehr als 900 Jahre
alten jüdischen Friedhof in Worms erinnern, der wahrscheinlich aus
mysteriösen Angst- oder auch Respekt-Gefühlen während des zweiten
Weltkrieges unberührt geblieben ist. Er hat auch keinen Schaden
erlitten und wird heute noch von tausenden Besuchern besichtigt.
Nach
den vorhandenen Grabsteinen war das letzte Begräbnis vor dem
Kriegsausbruch am 25.9.1936 von Frau Lotte Spier geb. Weyl.
Begräbnisse die noch nach Beendigung des zweiten Weltkrieges in
Kleve stattgefunden haben waren im Jahre 1948 von Herrn David Weyl,
der den Krieg überlebte und in der U.S.A. verstorben ist und
von Frau Hedwig Müller geb. Bernhard,
im Jahre 1969. Frau Müller war
getauft, blieb kinderlos und lebte zeitweilig in großer Bedrängnis
bei einer Familie in einem Versteck. Auf ihren persönlichen Wunsch
hin wurde ihr, trotz ihrer Taufe, gestattet nach ihrem Ableben auf
dem jüdischen Friedhof begraben zu werden. Ihre Grablage ist im
vordersten Bereich und ohne Grabstein. (Kalender
für das Kl. Land 1997)
Da
es heute keine jüdische Gemeinde mehr in Kleve gibt, kann der
Friedhof nicht mehr seinen eigentlichen Zweck erfüllen, nämlich,
den Verstorbenen die letzte Ruhestätte zu bieten. Aus diesem Grund
kann ich den heutigen Friedhof in allen Ehren nur noch als das:
"Denkmal
der jüdischen Gemeinde Kleve"
betrachten
und zitiere nochmals den Vers 4 aus dem Psalm 78:
"Das
wollen wir unseren Kindern nicht verbergen, sondern dem kommenden
Geschlecht erzählen
"
"Mögen ihre Seelen eingebunden
sein im Bunde des Lebens "
(
1 Samuel 25; 29 )
Dieser
Ausspruch aus dem Buch Samuel 1 ist auf allen jüdischen Grabsteinen
als Abschlußformel in der untersten Reihe nur mit den
Anfangsbuchstaben T.N.Z.B.H. eingraviert und wurde von mir zum Titel
der Gedenkschrift zum jüdischen Friedhof in Kleve gewählt. "Daß
die Seelen im Bunde des Leben eingebunden werden mögen" ist
der letzte Wunsch, den man dem Verstorbenen mit aller Ehrerbietung
auf dem Weg zur ewigen Ruhe mit ins Grab gibt. Es stellt sich die
Frage: Wie verwirklicht sich der Wunsch, die
"ausgehauchte" Seele in den "Bund des Lebens"
einzubinden? Es gibt ein Lied, daß wir bei ungezählten freudigen
Ereignissen immer wieder singen:
"David, König Israel lebt, lebt
und ist unvergänglich "
(Talmud
Babyl. Rosch Haschanah 25-1)
und
damit bekennen wir, daß in uns "David, der König Israel"
noch weiterlebt und daß wir auf eine baldiges Kommen des Messias
hoffen. Einer der verschiedenen
Namen, den man den Friedhöfen im Judentum gegeben hat ist:
"Beth
Ha'chajim" - "Haus des Lebens ".
Der
Begriff "Haus des Lebens" steht aber der Bedeutung nach ganz
im Gegensatz zur Aufgabe eines Friedhofes, der ja nur als Sammelplatz
zur ewigen Ruhe den Toten dient. Es gibt Friedhöfe auf denen große
Gelehrte oder bekannte Zadikim (Wohltäter) bestattet sind. Diese
werden von vielen hilfesuchenden Menschen aufgesucht. In Gebeten
wendet man sich durch sie an den Herrn der Welt , ihnen ihre innigsten
Wünsche zu erfüllen. In diesem Falle kann man vom "Haus des
Lebens" sprechen, da es sich ja um eine Handlung zum
"Leben" handelt und man glaubt, daß die Verbindung zu den
Toten noch lebendig erhalten geblieben ist. Ebenso bedeuten die
regelmäßigen Besuche auf den Friedhöfen anläßlich des Jahrestages
des Verstorbenen auch eine Handlung des "einbündeln im Bunde des
Lebens". Bei diesen Gelegenheiten werden besondere Psalmen
gesprochen, deren Anfangsbuchstaben den Namen des Verstorbenen
ergeben. Dadurch, daß man für die Verstorbenen betet, über sie
spricht, sich an ihre Vergangenheit erinnert,
aus der Mischnah (Sammlung der mündlichen Überlieferung) vorträgt
und Kerzenlichter anzündet bleiben sie
in ständiger lebendiger Erinnerung. Das ist die Motivierung und der
Sinn des traditionellen und ehrerbietenden eingravierten Spruches auf
den Grabsteinen.
Die
Seele ist der unsterbliche geistige Bestandteil des Menschen. Nachdem
wir auch ständig unsere Toten als in uns "Weiterlebende"
betrachten und mit ihnen verbunden bleiben möchten, entspricht
auch die Benennung des Friedhofes als
"Haus des Lebens". Die geläufigste Benennung für den
Friedhof ist: "Beth
Ha'kvaroth" - "Haus der Gräber". Das
hebräische Wort "Bajith" hat eine vielfache Bedeutung.
Zunächst ist es das Haus und das Heim für den Menschen. Es ist das
Haus G'ttes und der Tempel, das Parlament, die Schule u.s.w., alles
überdeckte Gebäude, in denen sich Menschen versammeln und leben.
Demgegenüber ist der Friedhof auch ein Platz der
"Sammlung", aber nur für die Toten und deshalb entspricht
auch hier die Benennung "Haus der Gräber".
Im
Laufe der Jahrhunderte hat man dem Friedhof auch den Namen " der
gute Ort" gegeben. Diese Bezeichnung scheint vielleicht auf den
ersten Blick "zynisch" zu sein und man stellt sich die
Frage: "Kann es an einem Ort gut sein, wenn dort kein Leben mehr
herrscht, so wie auf einem Friedhof ? Aber, wenn man sich in die Lage
eines hoffnungslosen, kranken, leidenden und unheilbaren Menschen
versetzt, so ist vielleicht für ihn, wenn er von seinen Leiden
erlöst wird, der Friedhof "der gute Ort". Als
letzten Namen möchte ich noch "Beth
Olam" - "das Haus der Ewigkeit" nennen.
Der jüdischen Tradition entsprechend ist der Friedhof die letzte
Ruhestätte und unbegrenzt bis in alle Ewigkeit. Exhumierungen oder
eine nochmalige Benutzung derselben Grabstätte ist laut der Halacha
nicht gestattet. In diesem Sinne ist der Name "Beth-Haolam"
- "Haus der Ewigkeit" zu verstehen. Die mühselige
Entzifferung und das oft wiederholte lesen der Grabsteininschriften
gab mir schon das Gefühl, die "Verstorbenen" persönlich zu
kennen. Viele Inschriften sind kurz und standardmäßig, aber einige
beschreiben auf besondere Art und Weise die Persönlichkeit, den
Charakter und ihre zwischenmenschliche Tätigkeit, so daß uns ein
klares Bild der Person erhalten geblieben ist. Oft sind diese mit
Zitaten aus der heiligen Schrift ausgestattet und nachfolgend einige
Beispiele von Zitaten auf den Grabsteinen:
Grabstein
der Familie Haas
"Ein
guter Name ist köstlicher denn Oel, dann ist die Todesstunde besser
als die der Geburt."
(Kohelet7;l
)
Familie
Haas war eine alte eingesessene Familie und Inhaber einer Lederfabrik.
Sie waren wohlhabend, wohltätig für die Gemeinschaft und große
Arbeitgeber. Sie hatten "Einen guten Namen".
(Grabsteinlage
unter dem Baum in der Friedhofmitte)
Sophie
Weyl geb. Jonas
"Es
gibt einen Lohn für Deine guten Taten
und
es gibt eine Hoffnung für die zukünftigen Tage"
(Jirmijahu31;
16-17)
Auch
ein Hinweis auf den Messias und auf die Einbindung ihrer Seele in den
Bund des Lebens.
(Grabsteinlage
R. 3. 1.)
Esther,
Gattin des David Cosman
"auch
Esther wurde in den Königspalast gehohlt"
(Buch
Esther 2; 8)
Esther
starb im ersten Jahr nach ihrer Hochzeit bei einer sehr schweren
Geburt. Die Bogenüberschrift wurde dem Buch Esther entnommen. Das
Todesjahr 1863 wurde verschlüsselt durch den Zahlenwert der
Buchstaben im Abschlusssatz genannt: 
des
Jahres: "fürchte Dich nicht, denn Du hast einen Sohn
geboren"
Die
6 bezeichneten Buchstaben in diesem emotionellen Abschlusssatz ergeben
im Zahlenwert das Jahr "1863". Diese verschlüsselte
literarische Form unter Anwendung entsprechender Worte wurde oft
benutzt um das Jahresdatum anzugeben.
(Grabsteinlage
L. 1. 5.)
Johanna
Wolff geb. Wolff
"Ich
schlafe ,aber mein Herz wacht"
(Hohes
Lied 5; 2)
Auch
in diesem Zitat wird die ununterbrochene Verbindung zum Leben
hervorgehoben.
(Grabsteinlage
L. 3. 1.)
Joseph
Cohen
"und
räumt Altes für Neues aus"
(Leviticus26;10)
Durch
diese biblische Worte wurde daraufhingewiesen, daß dieser Grabstein
nach vielen Jahren durch irgendeinen unbekannten in der Zwischenzeit
erlittenen Schaden, ausgewechselt wurde.
(Grabsteinlage
L. 3. 3.)
Flora
und Meir Jacobs
"Die
Geliebten und die Teuren auch im Tode haben sie sich nicht
getrennt"
(2.
Samuel 1; 23)
"Nicht
Alle sind tot, wo ein Hügel sich hebt wir lieben, und was wir
geliebet, das lebt. Das lebt, bis uns selber das Herz zerrint, Nicht
alle sind tot, die begraben sind."
Diese
Grabsteininschrift beschreibt sehr beeindruckend die weitere lebendige
Verbundenheit zu den verstorbenen Eltern und sie ist auch zusätzlich
noch ein gutes Beispiel für die "Einbindung der Seele im Bunde
des Lebens".
(
Grabsteinlage L. 5. 4.)
Es
gibt Situationen im Leben, in denen ein Mensch von einer Emotion
ergriffen wird und innerlich kämpft, sie zu bewältigen. Die
Erinnerung an mein persönliches Schicksal während des zweiten
Weltkrieges und das Bestreben etwas Beständiges zu schaffen, daß
meine Dankbarkeit für mein Überleben zum Ausdruck bringt, war für
mich auch noch eine Anregung diese Gedenkschrift zu erarbeiten. Ich
habe G. s. D. die Kraft gehabt die Arbeit der Entzifferung und der
Niederschrift durchzuführen und bin dafür meinem Schöpfer innigst
dankbar.
Jetzt
nachdem ich diese Schrift beendigt habe, möchte ich mit einigen
Worten von Eli Wiesel, ein jüdischer Nachkriegsschriftsteller,
Nobelpreisträger und selbst auch ein Überlebender der Schoah
abschließen:
"Ohne
Erinnerung wäre unsere Existenz
verriegelt
und dunkel,
vergleichbar
einer Kerkerzelle,
in
die kein Licht dringt,
wie
ein Grab, daß das Leben zurückweist.
Wenn
überhaupt irgendetwas dazu fähig ist,
so
ist es die Erinnerung,
die
die Menschen retten wird.
Hoffnung
ohne Erinnerung ist
wie
Erinnerung ohne Hoffnung. "
Während
meiner Beschäftigung mit dieser Arbeit, war ich in ständiger
Erinnerung an Kleve. Man hat mich einmal gefragt, ob ich Kleve als
meine Heimatstadt betrachte. Ich antwortete mit einem "Nein"
und sagte: "Kleve ist nur meine Geburtsstadt". Dagegen ist
heute für mich "Israel" mein Heimatland und
"Jerusalem" meine "Heimatstadt".
Kleve
wurde Anfang des 19. Jahrhunderts mit "Jerusalem" verglichen
und ein "irdisches Elysium" genannt.
("Kleve
wie es war" Gorissen S. 7 )
Dieser
Vergleich entwickelte auch in mir eine besondere Emotion, da mein Buch
sowohl in der heiligen und historischen Stadt "Jerusalem"
geschrieben wurde, wie auch in der "Old City Press" gedruckt
wurde. Vielleicht auch durch diese symbolische Verbindung
"Kleve-Jerusalem" realisierte sich der in mir im Laufe der
Jahre entwickelte Wunsch etwas unvergeßliches zur Erinnerung an die
ausgelöschte Klever jüdische Gemeinschaft zu hinterlassen, solange
es mir noch körperlich und geistig gegeben ist dazu fähig zu sein.
Zu dieser ausgelöschten Gemeinschaft zählen auch meine Eltern und
mein Bruder die von Kleve aus deportiert wurden. In dieser
Gedenkschrift sind sowohl die Toten auf dem Friedhof, wie auch alle
Namen der Klever jüdischen Bürger, die in der Schoah umgekommen sind
verewigt.
(Namenverzeichnis
aus: "Die Klever Juden im dritten Reich" W. Krebs)
"Ihr
Andenken zum Segen"
"Möge
der Ewige ihr Blut vergelten"
Zum
Abschluß möchte ich meine befriedigende Genugtuung über die gute
Erhaltung und Pflege des Friedhofes in Kleve, so wie ich ihn bei
meinem Besuch im Jahre 1989 gesehen habe, zum Ausdruck bringen. Es
gebührt auch eine hohe Anerkennung dafür, daß der Zugang zum
Friedhof "Ernst Goldschmidtstrasse" benannt wurde. Ernst
Goldschmidt wurde während der Naziherrschaft politisch stark verfolgt
und war lange Zeit im Gefängnis in Kleve und im K.Z Lager inhaftiert.
Seit meinem 12. Lebensjahr ist es mir unvergeßlich in meiner
Erinnerung eingeprägt, daß ich einige male seine Mutter Frau Lucie
Goldschmidt zum Gefängnis begleitet habe um ihm zusätzliche
Lebensmittel zu bringen. Noch vor Ausbruch des Krieges kam Frau
Goldschmidt nach Holland und im Jahre 1943 war ich mit ihr zur selben
Zeit im Lager Westerbork. Hier hatte ich noch einmal die Gelegenheit
sie zu begleiten. Dieses mal aber, als sie noch "lebte". Es
war zum Transport nach Auschwitz, "ihr letzter Weg", von wo
sie leider nicht mehr zurückkehrte. 1945 in Paris konnte ich diese
traurige Erinnerung ihrem Sohn Ernst, während unserer einzigsten
Nachkriegsbegegnung, erzählen. Es ist auch sehr anerkennungswert,
daß nach allen erlittenen Zerstörungen und Umwandlungen während der
Kriegs- und Nachkriegsjahre dem Friedhof doch wieder liebevolle
Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Dafür möchte ich persönlich und
auch im Namen meiner noch lebenden Klever jüdischen Freunden der
Stadtverwaltung, sowie auch allen anderen Gremien und
Persönlichkeiten, denen die Sorge um den Friedhof am Herzen lag.
meinen innigsten Dank aussprechen. Ich bin voller Zuversicht, daß
auch in Zukunft, zur Erinnerung an die "ausgelöschte jüdische
Gemeinde in Kleve" die Pflege und die gute Erhaltung des
Friedhofes, weitergeführt wird und damit der Begriff:
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