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Die
marmorne Statue der Minerva (oder auch Pallas Athene) ist ein
Geschenk der Stadt Amsterdam an Johann
Moritz von Nassau-Siegen
(Dillenburg 1604 - 1679 Bergendahl), der Kleve ab 1647 als
brandenburgischer Statthalter verwaltete. Sie bildete
ursprünglich den Mittelpunkt des von Johann Moritz errichteten Amphitheaters
am Klever Springenberg.
Minerva
erhebt sich über einer mit dem Amsterdamer Wappen geschmückten
und von vier Delphinen eingefassten Prunkvase. Sie steht in
leichtem Kontrapost auf einer Weltkugel und hält mit der linken
Hand ihr Gewand, während sich in der rechten eine Lanze trägt.
Ein Brustharnisch mit dem aufgesetzten Haupt der Medusa und ein
Helm komplettieren ihre Rüstung. Zu ihren Füßen findet man
auf der Weltkugel als weiteres Attribut eine Eule.
Bereits
kurz nach ihrer Aufstellung erfuhr die Statue des flämischen
Bildhauers eine erste Deutung: Der niederländische Dichter Joos
van den Vondel stellt
sie in einem Gedicht als die jungfräuliche Braut des
Statthalters dar. Der symbolische Hintergrund der antiken Göttin
lässt jedoch noch weitere Deutungsmöglichkeiten zu. So vereint
Minerva in der römischen Mythologie die widersprüchlichen
Funktionen einer Göttin des Krieges, der Weisheit und der Künste,
aus denen sich auch ihre Attribute ableiten.
Während
Helm, Brustharnisch und Lanze auf die erfolgreiche Kriegsführung
hinweisen, fungiert die Eule als Sinnbild ihrer Weisheit. Durch
ihre symbolische Aufladung knüpft die Statue der Minerva
vielfache Bezüge zu den Verdiensten des Johann Moritz von
Nassau-Siegen. Als Kriegsgöttin reflektiert sie seine militärischen
Erfolge im Achtzigjährigen Krieg gegen Spanien sowie seine Tätigkeit
als Generalgouverneur der Westindischen Compagnie, während
derer er die holländische Besitzungen in Brasilien gegen die
Portugiesen zu verteidigen wusste. Im Zusammenhang mit der Gründung
einer fürstlichen Residenz in Holländisch-Brasilien, der nach
ihm benannten Mauritsstad, machte Johann Moritz auch seine
ersten Erfahrungen in der Landschaftsgestaltung. Als Förderin
der Künste hebt Minerva das Mäzenatentum des brandenburgischen
Statthalters hervor. Da die Leidenschaft des nassauischen Grafen
vor allem der neu aufkommenden französischen Gartenkunst und
der weiträumigen Landschaftsgestaltung galt, veränderte er
nachhaltig das Klever Stadtbild, indem er am Springenberg
barocke Gartenterrassen sowie einen Kanal und in der Umgebung
der Stadt ein weites System von Alleen und Sichtachsen anlegen
ließ.
Schließlich
versinnbildlich die Weltkugel, über die Minerva herrscht, das
Motto des Fürsten von Nassau-Siegen: "Qua patat orbis"
("Soweit der Erdkreis reicht"). Dieser anspruchsvolle
Wahlspruch, der in Einklang mit der fürstlichen Kunstsammlung
steht, die Werke aus verschiedenen Erdteilen umfasste, findet
sich im übrigen auch als Inschrift in der Granitempore der
Grafiksammlung genau gegenüber der Statue. |