Artus Quellinus d. Ä. -

Minerva, 1660

Informationsblatt des Museum Kurhaus Kleve, 2000

 

Die marmorne Statue der Minerva (oder auch Pallas Athene) ist ein Geschenk der Stadt Amsterdam an Johann Moritz von Nassau-Siegen (Dillenburg 1604 - 1679 Bergendahl), der Kleve ab 1647 als brandenburgischer  Statthalter verwaltete. Sie bildete ursprünglich den Mittelpunkt des von Johann Moritz errichteten Amphitheaters am Klever Springenberg.

Minerva erhebt sich über einer mit dem Amsterdamer Wappen geschmückten und von vier Delphinen eingefassten Prunkvase. Sie steht in leichtem Kontrapost auf einer Weltkugel und hält mit der linken Hand ihr Gewand, während sich in der rechten eine Lanze trägt. Ein Brustharnisch mit dem aufgesetzten Haupt der Medusa und ein Helm komplettieren ihre Rüstung. Zu ihren Füßen findet man auf der Weltkugel als weiteres Attribut eine Eule.

Bereits kurz nach ihrer Aufstellung erfuhr die Statue des flämischen Bildhauers eine erste Deutung: Der niederländische Dichter Joos van den Vondel stellt sie in einem Gedicht als die jungfräuliche Braut des Statthalters dar. Der symbolische Hintergrund der antiken Göttin lässt jedoch noch weitere Deutungsmöglichkeiten zu. So vereint Minerva in der römischen Mythologie die widersprüchlichen Funktionen einer Göttin des Krieges, der Weisheit und der Künste, aus denen sich auch ihre Attribute ableiten.

Während Helm, Brustharnisch und Lanze auf die erfolgreiche Kriegsführung hinweisen, fungiert die Eule als Sinnbild ihrer Weisheit. Durch ihre symbolische Aufladung knüpft die Statue der Minerva vielfache Bezüge zu den Verdiensten des Johann Moritz von Nassau-Siegen. Als Kriegsgöttin reflektiert sie seine militärischen Erfolge im Achtzigjährigen Krieg gegen Spanien sowie seine Tätigkeit als Generalgouverneur der Westindischen Compagnie, während derer er die holländische Besitzungen in Brasilien gegen die Portugiesen zu verteidigen wusste. Im Zusammenhang mit der Gründung einer fürstlichen Residenz in Holländisch-Brasilien, der nach ihm benannten Mauritsstad, machte Johann Moritz auch seine ersten Erfahrungen in der Landschaftsgestaltung. Als Förderin der Künste hebt Minerva das Mäzenatentum des brandenburgischen Statthalters hervor. Da die Leidenschaft des nassauischen Grafen vor allem der neu aufkommenden französischen Gartenkunst und der weiträumigen Landschaftsgestaltung galt, veränderte er nachhaltig das Klever Stadtbild, indem er am Springenberg barocke Gartenterrassen sowie einen Kanal und in der Umgebung der Stadt ein weites System von Alleen und Sichtachsen anlegen ließ.

Schließlich versinnbildlich die Weltkugel, über die Minerva herrscht, das Motto des Fürsten von Nassau-Siegen: "Qua patat orbis" ("Soweit der Erdkreis reicht"). Dieser anspruchsvolle Wahlspruch, der in Einklang mit der fürstlichen Kunstsammlung steht, die Werke aus verschiedenen Erdteilen umfasste, findet sich im übrigen auch als Inschrift in der Granitempore der Grafiksammlung genau gegenüber der Statue. 

zuletzt bearbeit am 19.04.2005