|
NRZ
von Mittwoch, den 18. Juli 2007
Aufgesetzt
SCHLOSS MOYLAND. Dem einen passt´s, dem anderen nicht. Auf dem Nordturm passt´s perfekt. Das letzte Teil des neuen Helms.
Jetzt wird´s knifflig. Nur wenige Zentimeter über der Holzkonstruktion baumelt die neue Spitze des Moyländer Nordturmhelms wie am seidenen Faden. Millimeterarbeit für die Schreiner. Kein Mucks mehr. Kein Rattern des Krans, der das dreieinhalb Tonnen Holzteil emporgezogen hat. Klong - hallen Hammerschläge auf Eisen. Und sie sitzt. Die Spitze. Und das Museums Schloss hat sein Wahrzeichen
wieder." Ja, das war eine Punktlandung", sagt Heinz-Josef van Aaken - und seufzt. Mehr bringt er noch nicht heraus, der Chef der Kevelaerer Schreinerei, die den Turmhelm gebaut hat. Denn die endgültige Montage des Helms war ein spannendes Geduldsspiel. Das vor genau einer Woche begann. Morgens um sieben landete der erste Teil der Turmhelmkonstruktion passgenau auf dem Burgfried. Zwei Tage später hievte der Kran den zweiten hinauf. Ob die Spitze gestern genauso sicher und präzise heran schweben würde? Wusste nur der Wind. Für reine Zuversicht wehte er zu sehr.
Gänsehaut im Wind
Doch auf einen ´historischen Moment´ zu warten, lohnt sich - immer. Als der Kran mit einer halben Stunde Verspätung die ersten Anstalten machte, sahen die nach Trockenübung aus. Langsam hob und senkte sich der Haken, an dem die Turmspitze baumeln sollte. Einmal, zweimal - und nochmal. Dann erst war der Arm hoch genug ausgefahren. Dann erst hob die Spitze ab. Und von da an sorgte jede Windböe für Gänsehaut - bei allen Zuschauern, die sich den Spitzen-Flug von der Nordwiese hinter dem Schloss aus ansahen und mit zusammengekniffen Augen hinter Sonnenbrillen und durch Ferngläser ins Gegenlicht starrten.
"Planung, Konstruktion - alles ein Kinderspiel, aber wie wir das mit dem Wetter gemacht haben, bleibt unser Geheimnis." Konnte Gerhard Koenen scherzen, als die Spitze saß. Er ist der Geschäftsführer der Kreis Kleve Bauverwaltungsgesellschaft und die ist für die Durchführung verantwortlich - und hat in Kevelaer genug Kerzen aufgestellt. Genug, dass der Wind im richtigen Moment aufhörte. Dass die sechs Schreiner auf dem Turm die Frimelarbeit ratzfatz hinter sich brachten. In fast 80 Metern Höhe haben die es geschafft, die acht Gewinde auf dem achtseitigen Unterbau des Helms in die passenden Löcher der Eisenplatte unter der schwebenden Spitze zu bugsieren. Löcher mit dem Durchmesser eines Ein-Euro-Stücks wohlgemerkt.
Jetzt hängt die Kette lose am Kranhaken. Der Turmhelm steht. Nichts anderes bedeutet das. Plöpp, plöpp - lassen die Handwerker oben die Korken knallen - zur Taufe wird mit Sekt geduscht. Mit Sarah - so nennt Heinz-Josef van Aaken den Turm nach seiner Tochter - sieht das Schloss wieder so aus wie vor 62 Jahren. Bevor Weltkriegsbomben im Februar 1945 den Zwirnerturm zerstörten.
SIMONE BELLINGRÖHR
|