Heinrich Sack:

Am 7. Oktober 1944 in Kleve

(aus den Aufzeichnungen meiner Kriegserlebnisse)

Kalender für das Klever Land - Auf das Jahr 1979, Kleve 1978, S. 95 ff

Im Anfange des zweiten Weltkrieges hatte die Stadt Kleve verhältnismäßig wenig gelitten. Wohl wurde sie nachts häufig von feindlichen Flugzeuggeschwadern auf deren Weg ins Ruhrrevier überflogen, so dass man manche Nacht im Keller zubringen musste, aber wesentlicher Allgemeinschaden entstand selten. Das Leben ging in den ersten Kriegsjahren ziemlich ungestört weiter wie im Frieden, sogar noch, als die Kampffront nur wenige Kilometer entfernt stand. Das änderte sich aber wesentlich gegen August/September 1944: Die Fliegerangriffe auf die Stadt häuften sich und richteten wesentlich mehr Personen- und Sachschaden an. Wie viele Andere brachte ich deshalb meine Familie »aufs Land«, zu einer befreundeten Familie in Keppeln. Ich selbst musste wegen meines Dienstes in Kleve bleiben. Weil es mir aber allein im Hause gruselte, zog ich mit dem nötigsten Bettzeug zu Bekannten auf der »Adolfslust«, wo wir gemeinsam im ausgebauten Luftschutzkeller die Nächte verbrachten. 

Und dann kam der 7. Oktober 1944. Während des Mittagessens hörten wir ein merkwürdiges, ungewöhnliches Schießen, das uns zu der Annahme brachte, dass die feindliche Frontartillerie sich auf Kleve einschösse. Wir hielten es deshalb für richtig, den Luftschutzkeller aufzusuchen. Dort fanden sich schließlich ein: der Hauseigentümer mit einem Schwager, eine Sprechstundenhelferin, Frl. R. mit ihrer Mutter und das Hausmädchen mit einer Schwester. Nach und nach kamen noch einige Nachbarn hinzu, die sich aber in einem Nebenkeller aufhielten. Kaum waren wir unten und hatten uns auf die dort stehenden Betten und Liegen gesetzt, da fiel schon die erste Bombe. Das »patentierte« Luftschutzfenster flog mit Läden und Rahmen in unseren Raum; die Tür zum Flur und die vom Flur nach draußen krachten mit lautem Knall auf. Und dann folgte Bombe auf Bombe. Bei jeder durchfuhr ein Sturmwind von Dreck und Staub den Raum. Wir saßen schweigend und gespannt auf unseren Betten, neben mir die alte Frau R., die sich bei jedem Einschlag stöhnend an mich klammerte. Die beiden Mädchen hatten sich unter die Betten verkrochen und wimmerten schlimmer als der Haushund, der bei ihnen lag.

Am Hause, in dessen Keller wir saßen, befand sich ein Anbau mit Bügelzimmer und ähnlichen Nebenräumen. Dieser Anbau wurde von einer Bombe gestreift, die dann unmittelbar außen neben unserem Keller krepierte. Wir hörten oben Steine kollern und Staub und Kalk rieseln. Da meinte die neben mir sitzende Frau R., ich hätte ja keine Haare auf dem Kopf. Ich fragte sie, weshalb ihr das Sorge mache. Da meinte sie, wenn nun das Haus einfiele, hätte ich ja keinen Schutz für mein Haupt. Um sie zu beruhigen, nahm ich von dem Bett, auf dem wir saßen, eine Schlafdecke und zog sie über uns Beide, so dass wir darunter saßen wie in einem Zelt. Das beruhigte sie anscheinend. Trotzdem habe ich ihr dauernd beruhigend zugeredet wie einem jungen Pferd, das scheut, indem ich immer wieder versicherte, dass die Bombenwerferei bald aufhören werde, weil die Flugzeuge gar nicht so viele Bomben schleppen könnten. Damals wussten wir ja noch nicht, dass, wie später festgestellt wurde, an diesem Tage 335 Flugzeuge 1730 Tonnen Bomben auf das wehrlose Kleve abwarfen.  

Die Erschütterung unseres Kellers war so gewaltig, dass ich annahm, das Haus werde einstürzen und uns unter sich begraben. Instinktiv nahm ich den Kopf in beide Hände, hielt mir die Ohren zu und überlegte, wie es hier unten in den nächsten Augenblicken wohl aussehen werde. Zu meiner Überraschung blieb bei uns unten alles beim Alten. In unserer Angst und Not fingen wir aber an, gemeinsam zu beten, und ich glaube, dass ich das »Maria, breit den Mantel aus« nie so inständig gebetet habe wie damals. Not lehrt beten. 

Plötzlich fiel mir ein, dass ich meinen Mantel und meinen Hut an der Flurgarderobe hatte hängen lassen, und dass mir die (nach den Zeitumständen) so wertvollen Sachen bei einem etwaigen Hauseinsturz verloren gehen würden. Da bin ich noch während des Bombardements nach oben gerannt und habe die Sachen geholt. Aber wie sah es oben im Hause aus! Die meisten Türen standen offen, ein Teil von ihnen hing aus den Gehängen. Bilder und Spiegel waren von den Wänden gefallen. Überall lag ein unglaublicher Dreck und Staub.

Selbst die längste halbe Stunde, die einem vorkommt wie eine Ewigkeit, geht schließlich vorüber: Der Bombenwurf ließ langsam nach und hörte schließlich auf. Man hörte Flugzeuge noch brummen, aber dann trat eine unglaubhafte Stille ein. Erleichtert atmeten wir auf: Wir lebten noch und hatten die Gefahr heil überstanden. Wir fassten wieder Mut und sahen uns lächelnd an. Und dann die Neugier, wie es draußen wohl aussehen werde. Fräulein R., die Sprechstundenhelferin, hatte trotz aller Angst und Not ihren Humor nicht verloren: Sie fühlte jedem Beteiligten den Puls, bevor sie ihn nach draußen ließ. Ich bekam eine besondere Anerkennung, weil mein Puls (angeblich) nicht anormal schlug.

Obwohl keine Bombe das Haus selbst getroffen hatte, sah es dort erschreckend aus. Und erst draußen!! Wir zählten auf unserem Grundstück 18 (!) tiefe Bombentrichter. In all der Verwüstung war merkwürdigerweise die Autogarage mit zwei Autos unbeschädigt geblieben. Sogar ein daran abgestelltes Fahrrad war heil, so dass ich den Eigentümer zu seinem Dusel beglückwünscht habe. Als ich allerdings am folgenden Tage mein Bettzeug holen wollte, war die Garage verschwunden: Eine Bombe mit Zeitzünder hatte nachträglich das Unheil angerichtet, und wir hatten keine Ahnung gehabt, dass unter uns das Uhrwerk schon tickte, das die Bombe zur Explosion bringen sollte. 

Im Garten war ein unbeschreibliches Durcheinander. Bei 18 Bomben kein Wunder! Auf dem Rasen vor dem Hause hatte eine riesige Buche mit gewaltigem Stamm gestanden. Ich hatte noch am Abend vorher dem Eigentümer den Vorschlag gemacht, unter dieser Buche einen Splittergraben anzulegen, in dem wir vermutlich sicherer wären als in dem (evtl. einsturzbedrohten) Luftschutzkeller. Was wäre aus uns geworden, wenn wir bei dem Angriff unter dieser Buche gesessen hätten! Eine Bombe war genau unter dieser Buche eingeschlagen, und wir wären in Atome aufgelöst worden. Jetzt waren die mehr als armdicken Wurzeln abgerissen, die Buche war hochgehoben und lag mit den Wurzeln nach oben auf ihrem Astwerk.

Mich drängte es nach unserem Hause; ich konnte aber das Grundstück wegen der umliegenden Bäume und Trümmer nicht sofort verlassen. Das große schmiedeeiserne Tor war viele Meter weit weggeflogen, die gemauerten Torpfeiler lagen in dem tiefen Trichter. Ich sah aber den Spielfreund eines meiner Söhne auf der Straße und rief ihm zu, mal nachzusehen, ob unser Haus noch stehe. Er lief weg und kam wenige Augenblicke später mit der wenig tröstlichen Nachricht zurück: »So-n bisken steht noch«.

Als ich dann glücklich einen Ausweg zur Straße gefunden hatte und zu unserem Haus laufen wollte, wurde ich aus dem Keller des Hauses F. angerufen. Das (einstöckige) Haus war zusammengefallen; das Kellergeschoss stand noch. An einem beschädigten Kellerfenster erschien ein Frauenkopf und bat mich, doch zu helfen: Die Frau F. sei lebend unter den Haustrümmern eingeklemmt. Weil das Fenster durch Eisenstäbe gesichert war, ließ ich mir eine Axt reichen, mit deren stumpfem Ende ich den Eisenstab aus dem Mauerwerk schlug. Auf allen Vieren kroch ich dann durch das Fenster und über den im Keller lagernden Koks und fand so Zugang zu der Frau F. Diese hatte sich in ihrer Angst in den Innersten Winkel unter die Kellertreppe geflüchtet. Das Haus war dann eingestürzt und ein etwa 1,5 m hoher Betonklotz war auf die Füße der auf einem Stuhl sitzenden Frau F. gefallen, so dass diese, die im übrigen völlig unverletzt und bei Besinnung war, nur den Oberkörper bewegen konnte. Sie bat mich inständig, sie zu befreien und zu retten. Aber einerseits hatte ich keinerlei Handwerkszeug, andererseits befürchtete ich, dass bei Entfernung des Klotzes die auf ihm ruhenden Haustrümmer in den Keller nachrutschen und uns alle begraben würden. Ich versprach der Frau F., Hilfe zu holen, und kroch wieder über den Koks nach draußen. In diesem Augenblicke kam der Oberstaatsanwalt v. R. und ein Begleiter - Beide im Stahlhelm - angelaufen. Ich erklärte ihm, wie es mit der Frau F. stehe. Beide sind wir dann wieder zu ihr gekrochen. Auch v. R. überzeugte sich, dass wir ohne Hilfe, insbesondere auch ohne Abstützbalken und -bretter nichts machen könnten, und versprachen der trostlosen Frau, ihr Hilfe von dem im Gymnasium untergebrachten Militär zu schicken. So ist denn die Frau F. auch gerettet und ins Krankenhaus gebracht worden, wo sie aber nach einigen Tagen gestorben ist. Die furchtbaren Aufregungen waren für ihr schon vorher schwer leidendes Herz zu groß gewesen.

Endlich fand ich dann Zeit, zu unserem Hause zu laufen. Der Anblick dort war erschütternd: Wie mit dem Messer durchschnitten, stand die eine Hälfte noch, während die andere am Boden lag. In der stehenden Hälfte konnte man in die Räume sehen, so dass man z. B. im Badezimmer noch die Badewanne und einen Handtuchhalter, in der Mansarde noch ein Kindergitterbettchen stehen sah. Ein Volltreffer war in den Keller gefallen: Ein alter Schrank, in dem wir unsere Sommergarderobe untergebracht hatten, war völlig zersplittert, die Garderobe bis zur Unbrauchbarkeit zerrissen und zerfetzt. Eine Kiste, in der wir unser gutes Porzellan und sonstige Wertsachen hatten sichern wollen, war nur dadurch gerettet, dass ein T-Träger sich quer darüber gelegt und so den Schutt des Hauses abgehalten hatte. Ein Kuriosum in all den Trümmern: An der Wand hing noch eine Petroleumlampe unversehrt; selbst der Glaszylinder hatte keinen Schaden genommen. - Oben auf dem Schutt des Hauses lag unser Christbaumständer mit der Inschrift: »Fröhliche Weihnachten«. Ich hätte heulen mögen bei dem Gedanken, wo wir wohl die nächsten Weihnachten feiern würden. 

An unserem Hause war also im Augenblick nichts zu machen. Ich lief deshalb zum Nachbarhaus, einem Doppelhaus, in dessen einer Hälfte die Familie D. wohnte, bestehend aus den Eltern und drei Kindern. Ich hatte die Frau D. noch mittags bei der Milchausgabe getroffen und hatte ihr dringend geraten, wie meine Frau »auf's Land« zu gehen. Sie meinte aber, ihr Mann wolle nicht von Kleve fort, weil es ihm auf dem Lande zu primitiv sei. Und jetzt, kaum zwei Stunden später, lag das ganze Haus bis auf einen kleinen Anbau völlig am Boden. Wie ich durch die zertrümmerten Fenster des Anbaus sehen konnte, war die Familie beim Mittagessen überrascht worden und in den Keller gelaufen. Das Mittagessen und Geschirr stand noch auf dem Tisch, einige Stühle waren umgefallen. Sonst war das Zimmer ganz unbeschädigt. Ich versuchte, in den Keller zu gelangen. Vergebens. Ich habe laut gerufen, habe mit einem Stück Eisen auf einen Heizkörper geschlagen und laut um irgendein Lebenszeichen gebeten, aber nichts regte sich. -- Einen Tag später wurde durch ein Aufräumungskommando (Kriegsgefangene unter Führung eines deutschen Unteroffiziers) nach der Familie gegraben. Es wurde festgestellt, dass ein Volltreffer in den Keller geschlagen war und die ganze Familie getötet hatte. Der Kommandoführer fragte mich, ob ich die Familie gekannt hätte, und bat mich, die Leichen zu identifizieren. Aber da war nichts zu identifizieren: Man hatte in einer Waschbütte eine Anzahl Leichenteile gesammelt, darunter Frauenbeine mit Strümpfen und Schuhen, von denen ich nicht angeben konnte, ob sie der Frau oder der Tochter gehörten. Viel mehr hatte man von den fünf Personen nicht gefunden. Als ich wieder einen Tag später einer Bekannten dabei half, ihre Möbel aus ihrem bombengeschädigten Hause zu bergen, kam ein Herr - wahrscheinlich ein Verwandter der Familie D. - zu mir und fragte, ob ich wüsste, wohin die Familie D. geflüchtet sei. Er nahm also an, dass die Familie noch lebe und sich auswärts gerettet habe. Was sollte ich da dem ahnungslosen Manne antworten?! Ich fragte ihn, ob er sich das Haus mal angesehen habe. Jawohl, erwiderte er, das sehe ja fürchterlich aus. Und dann ging ihm ein Licht auf, und ich musste ihm auf seine Frage bestätigen, dass sie im Hause gewesen seien und umgekommen wären. Entsetzt fragte er: »Alle?« Als ich bejahend nickte, ging er, völlig gebrochen, ohne Gruß und Abschied zu seinem Auto und fuhr weg. Heute muss man sich wundern, wie völlig abgestumpft man damals war. All dieses furchtbare Unglück und entsetzliche Erleben ging fast spurlos an einem vorüber. Man regte sich, wenn einem eine Waschbütte mit Leichenteilen gut Bekannter gezeigt wurde, oder wenn man sah, wie die toten Nachbarn ausgebuddelt wurden, nicht sonderlich auf, sondern ging ohne übergroße Erschütterung an seine Arbeit. So alltäglich war einem das Unglück und Elend geworden. Auch dass man selbst sein ganzes Hab und Gut mit einem Schlag verloren hatte, beeindruckte einen im Augenblick nicht allzu sehr: Man war froh, dass man sich und seine Familie gerettet wusste, war aber gegen Leid und Unglück abgestumpft. Das war nicht Gleichgültigkeit oder Gefühllosigkeit, sondern die Folge davon, dass man so viel Leid und Unglück seelisch einfach nicht verkraften konnte. Sonst hätte man darüber den Verstand verlieren können.

An jenem 7. Oktober lief ich hilfesuchend vom Trümmergrundstück D. zum nächsten Grundstück der Familie E. Aber auch dort lag das Haus am Boden. In dem Augenblick, als ich dort ankam, brachte man eine Bahre aus dem Keller und trug, wie ich auf Fragen erfuhr, die verletzte Frau E. fort. Ihr Mann und eine Tochter waren tot. Auch hier war also nichts zu wollen. Ebenso wenig auf dem folgenden Grundstück einer anderen Familie E., von der die Eltern tot geblieben und nur die beiden Töchter gerettet waren. 

Ich musste einsehen, dass ich im Augenblick nirgends helfen oder Hilfe finden könne. So entschied ich mich, zu meiner Familie, die sich sicher Sorge machen werde, nach Keppeln zu gehen. Mein Fahrrad lag unter den Trümmern unseres Hauses, ebenso die Räder meiner Söhne (von denen übrigens eines später auf dem Dache eines Nebenhauses gefunden wurde). Ich machte mich also zu Fuß auf den Weg. 

Am Gymnasium sah es furchtbar aus: Das Gebäude war stark beschädigt. Man trug Tote und Verwundete heraus und legte sie auf den Rasen jenseits der Straße. Es herrschte große Aufregung, weil die »Jabos« (Jagdbomber) immer noch die Stadt überflogen, und weil deshalb alle Welt befürchtete, dass die Bombenwerferei wiederholt werde. Eine Frau von schätzungsweise 40 Jahren kam angerannt mit fliegenden Haaren und zerrissener Kleidung und schrie nach einem Sanitäter. Als ich ihr nahe legte, zu dem Sanitätsbunker an der alten Landwirtschaftsschule zu gehen, fuhr sie mich hart an: dort sei sie schon gewesen, der Bunker sei völlig zerstört. Auf meinem Weiterweg sah ich dann überall Elend und Trümmer. Der Schwanenturm war bis auf den ersten Umgang verschwunden. An der Stiftskirche fehlte der Nordturm (der Südturm flog erst während der Nacht infolge einer Bombe mit Verzögerung in die Luft). Der Moritzpark lag wüst durcheinander; der Musikpavillon war ineinander gehauen. Das Hotel Maywald brannte lichterloh, ohne dass sich jemand darum kümmerte. Nebenan das Haus einer Verwandten war ebenfalls völlig zerstört und begrub unter sich meine Verwandte und eine Anzahl Flüchtlinge aus der Nachbarschaft. 

Müde und tief erschüttert kam ich in Keppeln an, wo ich von meiner Familie mit jubelnder Freude empfangen wurde.

Einige Tage später drängte es mich, auf dem Friedhof an der Lindenallee nachzusehen, wie die Gräber meiner Eltern und Großeltern den Angriff überstanden hätten. Der Friedhof bot das Bild übelster Zerstörung: Verwüstete Gräber, umgeworfene Grabsteine, entwurzelte Bäume. Der große Kalvarienberg in der Mitte war von seinem Sockel gefallen und lag zertrümmert am Boden. An der Stelle des Grabes meiner Großeltern väterlicherseits war ein tiefer Bombentrichter. Die Ruhestätte der Großeltern mütterlicherseits war stark beschädigt. An der Stelle meines Elterngrabes war ebenfalls ein tiefer Bombentrichter. Das Grabmal lag zerbrochen etwa 20 m entfernt auf einem Wege. In der Tiefe des Trichters lag ein Menschenschädel. Der Vater? Die Mutter? Da mir ein Spaten fehlte, habe ich den Schädel mit den Händen beigebuddelt.

Was blieb einem gegenüber so viel Elend und Zerstörung zu tun übrig? Man konnte nur für die Vielen, die selbst im Grabe keine Ruhe gefunden hatten, und die Hunderte, die in der Stadt ihr Leben gelassen hatten, beten und dem Herrgott danken, dass man selbst mit seiner Familie das Grauen heil überstanden hatte.

zuletzt bearbeit am 03.01.2006