Rainer Hoymann

Johann Gottlieb Bärstecher (Müller)[2]

„Er ist ein großer Freund von Projekten und will alles im großen tun ...“ [1]

I

m Klever Telefonbuch des Jahres 2002 findet sich kein Eintrag unter dem Namen „Bärstecher“. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn es ist kein typisch niederrheinischer Name. Allerdings: dass in den vielen lokal erschienenen Büchern und Artikeln, die sich mit der Geschichte unserer Region beschäftigen, die Person Johann Gottlieb Bärstecher - wenn überhaupt - nur beiläufig erwähnt wird, erstaunt dann doch. Der Tatendrang des J. G. Bärstecher hat Demokratie und Freiheit in dieser Republik ein großes Stück voran gebracht, so gilt er als einer der geistigen Väter unseres Grundgesetzes.[3] Einige Impulse für dieses Engagement mag Bärstecher in Kleve erhalten haben, denn als junger Mensch war er ab 1770 als Buchhändler mit verlegerischer Initiative in dieser Stadt tätig.[4] Sein Aufenthalt in Kleve dauerte ungefähr vier Jahre; in dieser Zeit brachte er 71 Werke vorwiegend in französischer Sprache heraus. [5]

Bärstecher wurde am 16. Januar 1749 im württembergischen Herrenberg geboren. Sein Vater Johann David Beerstecher war, wie sein Großvater, Bürgermeister dieser Kleinstadt im Gäu in der Nähe von Tübingen und auch seine Mutter, Johanna Gottliebe Heßler, kam aus der gleichen Schicht. Ihr Vater nämlich, der Apotheker Jacob Nicolaus Heßler, war ebenfalls Bürgermeister in Herrenberg.[6] Den Sohn allerdings zieht es in die „weite Welt“ nach Kleve an den Niederrhein. Dabei liegt die Geschichte seiner Kindheit und Jugend im Dunkeln, auch wissen wir – bisher -  nicht, wo er zuvor seine Lehrzeit verbrachte oder als Gehilfe tätig war.

Warum Kleve?

In der Mitte des 18. Jahrhunderts war Kleve mit mehr als 5.000[7] Einwohnern die größte Stadt auf dem linken Rheinufer zwischen Köln und Nimwegen.[8] Die Stadt war Sitz der Landesregierung, der Kriegs- und Domänenkammer, des Oberjustizkollegiums, des erstinstanzlichen Landgerichts, einer Filiale der Berliner Hauptbank, einem königlichen Leihhaus und dem städtischen Magistrats[9], so dass Kleve trotz der geringen Einwohnerzahl „dennoch in der That bedeutend genug war, bedeutender als manch große Stadt, die viermal so viele Einwohner hatte.“[10] Dies bedeutete einen Grundstock steter Nachrichtenversorgung. Kleves Grenznähe stellte einen weiteren Standortvorteil dar, denn die Niederlande war seit den großen Friedenskongressen von Nimwegen, Rijswijk und Utrecht Ende des 17. Jahrhunderts der Mittelpunkt des diplomatischen Verkehrs in Europa.[11] Den Haag, von Kleve 150 Kilometer entfernt, war in den Augen damaliger Journalisten für „die Diplomaten dasselbe, was für die Kaufleute die Börse.“[12]

Von Vorteil konnte sicherlich auch die geographische Distanz zum Machtzentrum des Gesamtstaates in Berlin und die starke Stellung der Stände sein, die ihre großzügigen Rechte gegenüber Preußens Machtanspruch im 18. Jahrhundert zu wahren wussten. Trotz aller Einschränkungen herrschte bei den Bürger im Herzogtum Kleve das Gefühl, unter einer freien Verfassung zu leben.[13] In diesem Klima fühlte sich auch Voltaire wohl, der die Stadt dreimal besucht hatte und seit 1765 davon träumte, in der näheren Umgebung Kleves eine internationale Philosophenkolonie zu begründen; mit Denkern und Gelehrten, die wahre Freiheit, Unabhängigkeit und Einigkeit schätzen.

Im Zeitalter der Postkutsche – der elektromagnetische Telegraf wurde erst am 4. September 1837 erfunden, und George Stephenson konstruierte die erste Lokomotive im Jahr 1814 – verfügte Kleve über eine gute Verkehrsanbindung und damit über das entscheidende Niederlassungskriterium für eine journalistische Unternehmung. „Die Post aus Berlin und Leipzig, die über den preußischen Kurs Magdeburg, Minden und Wesel lief, traf zweimal wöchentlich ein, am Mittwoch und Samstag, während sie jeweils am Donnerstag und Montag Kleve in die Gegenrichtung wieder verließ. Der Postwagen zwischen Kleve und Arnheim sowie Düsseldorf/Köln verkehrte dreimal wöchentlich, und mit den Nachbarstädten Wesel und Nimwegen bestand mit Ausnahme der Sonntage sogar tägliche Verbindung.“[14] Hinzu kam noch Kleves Anbindung an den Rhein, der ebenfalls eine wichtige Verkehrsader für die Versorgung und den Vertrieb von Nachrichten darstellte.[15]

Am 5. Juni 1741 entdeckte der Magister Johannes Blanckenhorn in der Nähe des Neuen Tiergartens eine mineralhaltige Quelle. Bereits am 16. Juli 1742 konnte der Badearzt Dr. Heinrich Schütte den ersten Kurgast begrüßen.[16] Damit war die Grundlage für das „Bad Cleve“ gelegt. Die betuchten Gäste, die sich an der vermeintlich heilsamen Quelle labten, stammten zumeist aus den benachbarten Niederlanden. Mit dem Kurbetrieb, der bekanntermaßen ausreichend Raum für Langeweile bietet, entstand ein lokaler Absatzmarkt, der der Entwicklung Kleves zur Zeitungsstadt um die Jahrhundertmitte einen weiteren Impuls verschaffte[17]. Gefördert wurde dieser Prozess zusätzlich durch „viele ,Particüliers’, Rentner, ... besonders reiche Holländer“, die sich in Kleve niederließen.[18]

Dem stand der Niedergang des Klever Landes am Ende des Siebenjährigen Krieges (1756 – 1763) entgegen. Auch nach Abzug der österreichischen und französischen Truppen wurde das Herzogtum weiterhin finanziell zur Ader gelassen, diesmal von der preußischen Zentralregierung, der es um eine möglichst schnelle Konsolidierung der völlig zerrütteten Staatsfinanzen ging. Am sichtbarsten äußerte sich dies im Verfall der Schwanenburg, von der in den siebziger und achtziger Jahre wesentliche Teile wegen Einsturzgefahr abgerissen wurden, da das Geld für die überfällige Renovierung fehlte. Die Straßen befanden sich in einem katastrophalen Zustand. Beaumarchais, der, 1774 aus Holland kommend, auf seinen Weg Richtung Bayern das Klevische durchquerte, beklagte sich: „Toute la route depuis Nimègue, où finit la Hollande, à travers le duché de Clèves, est si affreuse, que la fatigue seule m’avait rendu malade.“[19]

Beaumarchais und Bärstecher werden spätestens in den 80er Jahren des 17. Jahrhunderts, wie nachfolgend beschrieben, in Süddeutschland aufeinander treffen und eine intensive Zusammenarbeit einleiten. Die Grundlagen hierfür könnten bereits in Kleve gelegt worden sein. Bei den katastrophalen Straßenverhältnissen wäre eine Stopp in Kleve allein zum Pausieren durchaus nachvollziehbar. Auch ein Besuch Beaumarchais’ bei Jean Manzon, dem Verleger des Courier du Bas-Rhin, liegt im Bereich des Möglichen. Sollte es da nicht auch durchaus vorstellbar sein, dass über Manzon ein Kontakt zwischen Bärstecher und Beaumarchais erstmals zustande kam?

Beaumarchais sah eine verarmte Stadt. Das städtische Vermögen war fast aufgezehrt; Kleve war - da die Schulden das 63fache des Vermögens und immerhin noch das 7fache des jährlichen Steueraufkommens betrugen - dem Bankrott nahe. Öffentliche Impulse zur Belebung der Wirtschaft waren nicht mehr möglich.[20] Die Rezession verlief so dramatisch, dass sich in zeitgenössischen Schriften häufig Klagen über die aggressive Bettelei im Klever Raum finden - und im Volk wuchs der Unmut über diese Zustände.[21] Viele junge Leute aus einfachen Verhältnissen verließen die Heimat und wanderten insbesondere in die reichen holländischen Hafenstädte aus.

Als Johann Gottlieb Bärstecher sich um 1770 in Kleve niederließ[22], traf er einerseits auf einen aussichtsreichen Markt für einen tatkräftigen Unternehmer und gleichzeitig auf ein Klima, das geprägt war durch extreme Unterschiede zwischen Arm und Reich. Dies musste die Gedankenwelt eines jungen, intelligenten Menschen prägen.

Jean Manzon und J. G. Bärstecher

Die erste Spur von J. G. Bärstecher in Kleve ist eine Anzeige im „Courier du Bas-Rhin“ vom 28. April 1770. Es handelt sich nicht um eine Eröffnungsanzeige, daher muss seine Buchhandlung, deren Lage im Stadtgebiet nach wie vor unbekannt ist, schon bestanden haben.[23] Es finden sich in lockerer Reihenfolge weitere Anzeigen im „Courier“ (bis 1772) und anderen Zeitungen. Sie „spiegeln die geistigen Strömungen in Frankreich von den Frühaufklärern bis Voltaire und Rousseau und den Materialisten“[24] wider. Es ist durchaus möglich, dass zwischen Jean Manzon, dem Gründer des „Courier du Bas-Rhin“ und J. G. Bärstecher mehr als nur eine Geschäftsbeziehung bestanden hatte. Denn es scheint doch eine Wesensverwandtschaft vorzuliegen. „Der „Courier du Bas-Rhin“ war im Jahre 1767 in Kleve ... gegründet worden und erschien seitdem zweimal die Woche. Er wurde nicht nur an seinem Erscheinungsort Kleve gelesen, sondern viel mehr und hauptsächlich in Frankreich. Dort lasen insbesondere die Intellektuellen diese im Ausland gedruckte und redigierte Zeitung. Im Frankreich des ancien régieme durfte ein solches Blatt weder gedruckt noch herausgebracht werden. Die französische Zensur hätte sofort zugeschlagen.“[25]

Jean Manzon konnte so gut wie kein Deutsch. Die Sprache, die täglich um ihn herum benutzt wurde, beherrschte er nicht.[26] Französisch sprachen in Kleve die wenigen örtlichen Honoratioren und natürlich auch J. G. Bärstecher. Allein das Fehlen der Sprachbarriere zwischen den beiden Männern lässt eine Bekanntschaft oder sogar Freundschaft, die über das Geschäftliche hinaus ging, wahrscheinlich erscheinen, obwohl ein Beweis hierfür, z. B. ein Briefwechsel, bisher fehlt.

Als Indiz für eine zumindest gute Bekanntschaft ist auch die Tatsache zu werten, dass Manzon 1772 die von ihm kommentierte Ausgabe der „Réflexions et maximes morales“ von La Rochefoucauld durch Bärstechers Buchhandel vertreiben ließ.[27]

Ein ebenso wichtiges Puzzleteilchen stellt die telefonischer Auskunft von Herrn Matthias Beermann[28] vom 18. Juli 2002 dar. Laut seinen Recherchen haben Bärstecher und Manzon heimlich Pamphlete über die Herrschenden mit zum Teil erotischen Inhalt vertrieben. Dieses sehr lukrative aber höchst gefährliche Geschäft lässt auf ein hohes Vertrauen der beiden Männer zueinander schließen und deutet zugleich auf eine gemeinsame politische Gesinnung hin.

In diesem Zusammenhang ist auch ein Hinweis, der sich bei Karin Angelike[29] findet, interessant. Baerstecher[30] war Agent für den in Köln ansässigen französischen Redakteur und Abenteurer Louis-François Mettra[31]. Mettra vertrieb den „Bulletins de Versailles“. „Die (handschriftlichen) Nachrichten legen die Beziehungen, Verwicklungen und Intrigen am französischen Hof unter der Herrschaft Ludwig XVI. offen, beleuchten das Verhalten der Minister und des Hochadels, thematisieren die Beziehungen zwischen der Krone und den ‚Parlements’, berichten über die Finanzpolitik und Steuermissstände, über das Verhältnis zwischen Staat und Kirche, Kriegs- und Rüstungspolitik ebenso wie über die Außenpolitik der französischen Regierung, insbesondere über den Aufstand der amerikanischen Kolonien und seine Folgen für Frankreich.“[32] Für Mettra arbeitete Antoine-François Le Tellier. Anfang der 80er Jahre des 18. Jahrhunderts beteiligte sich Tellier an einem Projekt von Bärstecher[33].

Ausschnitt aus dem Antraggesuch Bärstechers an Friedrich II. zur Erteilung eines Privilegium exclusivum vom 3. Dezember 1771.

Hauptstaatsarchiv Düsseldorf

Erste Heirat und Gründung eines Verlages

Das lutherische Heiratsregister dokumentiert für den 29. September 1771 die Trauung J. G. Bärstechers mit der in Kleve geborenen Maria Henriette Gesellschap.[34] Diese Ehe blieb wahrscheinlich kinderlos.[35] Sie wird auch nicht lange gedauert haben, denn am 13. Mai 1783 heiratete er – bereits in Kehl - erneut. Ein Hinweis auf einen frühzeitigen Tod seiner ersten Frau findet sich allerdings im Sterberegister nicht.[36] Die Heirat mit der Bürgerstochter dürfte jedoch der Absicht Bärstechers, neben der Buchhandlung eine Druckerei und einen Verlag zu gründen, den notwendigen finanziellen Rahmen gegeben haben.

„Gelehrten Zeitung“

Am 3. Dezember 1771 wendete sich Bärstecher von Kleve aus direkt an den König Friedrich II. in Berlin mit der Bitte, ihm zum Verlag und Druck einer gelehrten Zeitung ein privilegium exclusivum für das Herzogtum Kleve, für das Fürstentum Moers und die Grafschaft Mark zu erteilen.[37] In der „Gelehrten Zeitung“ sollte alles erscheinen, was „zur Aufnahme der Gelehrsamkeit“ diene. Insbesondere beabsichtigte Bärstecher die Ergebnisse seiner Korrespondenz mit den Gelehrten Hollands zu veröffentlichen und hoffte auf die Unterstützung der Universität Duisburg.[38] Die vom König befragte Klever Kammer stand dem Vorhaben skeptisch gegenüber und wies darauf hin, „daß die Wissenschaften in den hiesigen Provinzen noch nicht in dem estime sind, daß man gelehrte Nachrichten so sehr sucht.“ [39] Der Einwand schien den König nicht beeindruckt zu haben, denn bereits am 31. März 1772 erhielt Bärstecher unentgeltlich das geforderte Privileg. Ihm wird wie üblich auferlegt, nichts gegen die Religion, gegen die Landesverfassung und wider die guten Sitten oder sonst Anstößiges zu schreiben. Die Ausgabe der Zeitungen war sogar ohne vorherige Vorlage beim Zensor möglich.[40] Das erste Heft mit der Jahreszahl 1773 erschien im November oder Dezember 1772.[41] „Bestimmte Tendenzen, feste wissenschaftliche Richtungen irgendwelcher Art lassen sich nicht feststellen. ... Höchstens kann man sagen, daß eine maßvolle Aufklärung vertreten wird, die sehr wohl die kritische Sonde an die Bücher der heiligen Schrift gelegt wissen will.“[42] Wahrscheinlich musste das Heft bereits im ersten Jahr mangels ausreichender Nachfrage wieder eingestellt werden.[43]

„Agathon“

Im Jahr 1772 stand Bärstecher in Kontakt mit Wieland. Wieland gilt als einer der bedeutendsten Prosadichter und Lyriker der deutschen Aufklärung und zählt neben Klopstock und Lessing zu den Wegbereitern der Klassik.  Der Schriftsteller beabsichtigte, sein Werk „Agathon“, das 1766/1767 herausgekommen und verboten worden war, fortzusetzen und neu aufzulegen. Eine der Botschaften des Romans „Agathon“ ist, "daß wahre Aufklärung zu moralischer Besserung das einzige ist, worauf sich die Hoffnung besserer Zeiten, das ist, besserer Menschen, gründet". Auf Vermittlung von Friedrich Heinrich Jacobi[44] kommt es zu Vertragsverhandlungen zwischen Wieland und Bärstecher mit dem Ziel, dass der „junge, sehr active Mann“[45] den buchhändlerischen Vertrieb übernimmt. Darüber hinaus werden zusätzliche gemeinsame Vorhaben in Aussicht gestellt, u. a. die Gründung einer „Niederrheinischen Typographischen Gesellschaft“.

Das Geschäft kommt nicht zum Abschluss, da höchstwahrscheinlich die finanziellen Forderungen Wielands Bärstechers Möglichkeiten bei weitem überstiegen haben. Borcherdt stellte 1921 (!) folgende Überlegung dazu an: „ ... dass z. B. ein kräftiges Reitpferd im Jahre 1773 sechs bis acht Louisdor kostetet; nimmt man den heutigen Preis mit 10.000 Mark an, so würde die Honorarforderung Wielands dem gegenwärtigen Werte unseres Geldes entsprechend eine Viertelmillionen Mark betragen!“[46]

„Der Freund der Wahrheit und des Vergnügens am Niederrhein“

Die gescheiterten Projekte „Gelehrten Zeitung“ und „Agathon“ bremsten Bärstechers Unternehmungsgeist nicht. Seit dem 12. März 1773 fungierte er als Herausgeber der wöchentlich erscheinenden Zeitschrift „Der Freund der Wahrheit und des Vergnügens am Niederrhein“.[47] Nahezu einziger Verfasser[48] war der in Kleve ansässige Kriegs- und Steuerrat August Friedrich Cranz[49], der später als „rücksichtsloser und frivoler Satiriker“[50] zu zweifelhaften Ruhm gelangen sollte. „Der „Freund der Wahrheit“ ist im Grunde genommen eine psychologische Schrift. ... Die Erzählungen dienen in erster Linie dazu, menschliche Leidenschaften zu illustrieren.“[51] Die Zeitschrift erschien einmal wöchentlich auch in Aachen, Bonn, Köln, Krefeld, Dortmund, Düsseldorf, Duisburg, Elberfeld, Münster, Osnabrück und Wesel.[52] Der Absatz kam schon im zweiten Quartal ins Stocken, und 1774 stellte Bärstecher die Ausgabe der Zeitschrift ein.[53] „Der Freund der Wahrheit und des Vergnügens am Niederrhein“ „setzte einen geistigen Zustand und einen Geschmack voraus, den die große Masse der Bewohner Cleves trotz allen geistigen Fortschrittes schwerlich aufweisen konnte.“[54]

 „Encyclopädische Journal“

Bereits am 10. Dezember 1773 hatte er sein nächstes Projekt angekündigt. Er wollte etwas „Besonderes“ schaffen. Bensel formuliert: „Er fasst vielmehr sehr bald den kühnen Entschluß, ein nach Umfang, Wert und Verbreitung in Deutschland einzig dastehendes Unternehmen ins Leben zu rufen, und gründete das „Encyclopädische Journal“. [55] Als Vorbild dienten englische Magazine. „Den Schluß jedes Stückes sollte ein „historisch-politischer Merkur“, eine Übersicht über die Ereignisse auf den vier (!) Erdteilen und in der gelehrten und großen Welt bilden, an die sich astronomische Wetterbeobachtungen anschließen würden.“[56] Auch kleinere und lehrreiche Romane gehörten zum Inhalt.[57] Bärstecher fand einige namhafte Gelehrte für die Mitarbeit, darunter Professoren aus „der damals in höchster Blüte stehenden, modernsten deutsche Universität Göttingen“[58], wie z. B. Prof. Baldinger.[59] Das Journal erschien alle zwei Wochen und erfreute sich eines hohen Verbreitungsgrades. Anfangs trat Bärstecher vermutlich noch als Herausgeber und Verleger auf, ab dem 6. bis zum letzten, dem 13. Heft fungierte Christian Wilhelm von Dohm[60] als Herausgeber. Während dieser Phase musste sich das „Encyclopädische Journal“ auch in Leserbriefen mit den Schriften des Kanonikus Corneille (Cornelius) de Pauw auseinandersetzen.[61] Pauw war der Onkel von Johannes Baptista Hermann Maria Cloots[62] , unter seinem Einfluss[63] entwickelte sich der Neffe zu einem Verfechter freiheitlichen Gedankenguts und zum „Redner des Menschengeschlechts“. Zwei Gründe werden für das Scheitern des „Encyclopädischen Journals“ in 1775[64] aufgeführt. Zum einen lag der Niederrhein von den Bildungsmittelpunkten des Sprachgebietes wie Sachsen, Thüringen, Berlin, Göttingen, Hamburg, Bremen oder der Schweiz weit entfernt, und die Bildungsschicht vor Ort war dünn.[65] Zum anderen litt die Redaktion, trotz aller Kontakte und Bemühungen, „bald unter dem Mangel an geeigneten Mitarbeitern und am bunten Vielerlei seines Inhaltes“[66].

„Theater-Zeitung“

Die Theaterkunst befand sich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts auf einem dramaturgischen Tiefpunkt. Die Schauspieler führten eine gesellschaftlich verachtete Existenz und waren materiell verarmt. Das Theater in Deutschland existierte fast nur in Form von Wandertruppen und wurde von der „guten Gesellschaft“ nicht besucht. Es verkam zur Volksbelustigung auf den Märkten. Der Leipziger Literaturprofessor Johann Christian Gottsched (1700 – 1766) versuchte in dieser Situation, der „Deutschen Dichtkunst“ wieder Ordnung und Regeln zu geben und das Theater zum Sprachrohr aufgeklärten Gedankengutes zum machen. Gotthold Ephraim Lessing (1729 – 1781) fordert von der Theaterkunst: „Statt Fürstenerziehung Erziehung des Menschengeschlechtes!“

Dies mag neben finanziellen Überlegungen und seiner Liebe zum Theater die Motivation Bärstechers gewesen sein, die „Theater-Zeitung“ am 30. November 1774 erstmals erscheinen zu lassen. „Die Zeitung brachte namentlich Theater-Neuigkeiten aus Paris und Münster und allgemein gehaltene Abhandlungen über die Schauspielkunst. Eingehender gab sie Nachricht über die Seylersche Truppe[67] in Weimar, Gotha und Leipzig und über die Josephische und Dobler-Gesellschaft in Münster. Sonst bildeten Rezensionen über Theaterstücke und Besprechungen von Büchern und über das Theaterwesen den Inhalt.“[68] Obwohl es Bärstecher wohl wieder einmal gelungen war, herausragende Autoren zu gewinnen, hielt sich die halbwöchentlich erscheinende „Theater-Zeitung“ nur bis zum 19. Mai 1775.[69]  “Die „Theater-Zeitung“ ist das beste und jedenfalls das originalste der Beerstecherschen Blätter. ... Weswegen sie noch vor Vollendung des ersten Halbjahres einging, ist schlechterdings nicht einzusehen.“[70]

Konkurs

Bärstecher wohnte zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr in Kleve. Die Post ließ er an die Neue Buchhandlung in Düsseldorf, die von seinem Bruder geleitet wurde,  weiterleiten.[71] Die genauen Umstände, die zur Aufgabe des Geschäftes Anfang 1776 in Kleve geführt haben, sind unbekannt. Wahrscheinlich werden es Liquiditätsschwierigkeiten gewesen sein, denn es gibt eine Aussage des späteren Konkurrenten Macklot aus Karlsruhe, in der er erwähnt, dass es Bärstecher nicht gelungen sei, alle Gläubiger zu bezahlen.[72]

„Magazin vor Ärzte“

Noch vor seinem wahrscheinlichen Konkurs in Kleve erschienen 1775 bei Bärstecher drei Hefte des von Prof. Ernst Gottfried Baldinger (1738 – 1804)[73] herausgegebenen „Magazins vor Ärzte“.[74] Weitere neun Hefte wurden anschließend bei Jacobäer in Leipzig, mit dem Bärstecher in enger Geschäftsverbindung gestanden haben muss, aufgelegt.[75] „Berücksichtigung sollte im „Magazin vor Ärzte“ die gesamte medizinische Wissenschaft in allen ihren Teilen finden. Daneben wollte Baldinger als sein Lieblingsgebiet die Geschichte seiner Wissenschaft pflegen. – Was erschienen ist, macht einen würdigen und gehaltvollen Eindruck.“[76]

Johann David Beerstecher[77]

E. Dittler hat nachgewiesen, dass Bärstecher während seiner Klever Zeit keine weitere Filiale in Düsseldorf unterhielt. Allerdings hatte der Bruder, Johann David Beerstecher, dort eine Buchhandlung. Es bestanden intensive geschäftliche Kontakte zwischen den Brüdern, die möglicherweise auch eine Teilhaberschaft von Johann David an den Betrieb seines Bruders beinhaltete, denn auch er geriet in finanzielle Schwierigkeiten und musste im Herbst 1776 Konkurs anmelden. „Später studierte er in Duisburg Medizin, wird dort Dr. med. bei Professor Daniel Erhard Günther, dessen Schwager Dr. Brinkmann[78] seine Bücher im Verlag von J. G. Bärstecher erscheinen ließ – man sieht hier die Verflechtungen.“[79]

„Bagatellen, Litteratur und Theater“

Johann Gottlieb Bärstechers Aktivitäten wurden durch den Firmenzusammenbruch 1776 zunächst nur in Kleve gestoppt. In Düsseldorf hingegen gelang es ihm noch, die Zeitschrift „Bagatellen, Litteratur und Theater“ vom 3. Januar bis zum 22. August 1777 zu veröffentlichen.

Zwischenresümee

In jedem Fall war „der bereits genannte Buchhändler Beerstecher zu Kleve (...) anfangs der siebenziger Jahre des 18. Jahrhunderts wohl der rührigste Fachmann seiner Zeit.“[80] Er ist daran beteiligt, dass „in Wesel und Kleve mit einem Zeitvorsprung von ca. zehn Jahren vor Duisburg durch die Wirkung der Aufklärung eine allgemeine Aufwärtsentwicklung ein(setzte), die alle Städte des Niederrheins ergriff ...“ .[81]

An dieser Stelle sei auch ein Hinweis von Bensel zur allgemeinen Form der in Kleve publizierten Zeitschriften erlaubt: „Noch eine auffallende Tatsache ist hier zu erwähnen, das Fehlen des preußischen Staatsgefühls. ... Auch allgemein-deutsches Nationalgefühl fehlt fast ganz. Für gewöhnlich fühlt man sich mit Stolz als Sohn seiner engeren Heimat und dann als Bürger eines unumgänglich nötigen Staates, dem man Gehorsam schuldet und der seinen Untertanen gegenüber Pflichten hat.“[82]

„Nach dem kläglichen Scheitern der Presseprojekte Baerstechers sollte es nun wiederum weit über ein Jahrzehnt dauern, bis sich in Kleve mit der seit Mai 1788 als Monatsschrift erscheinenden Zeitschrift „Politische und moralische Unterhaltungen für die Jugend und ihre Freunde“ aufs neue ein deutschsprachiges Periodikum etablieren konnte.“[83]

Überlegungen

Es ist erstaunlich, wie schnell Bärstecher finanzielle Rückschläge wegsteckt und dabei stets über genügend Ansehen verfügt, um neue Kredite zu erhalten. Zuweilen drängt sich der Eindruck auf, dass seine unternehmerische Tätigkeit als Verleger und Buchhändler nicht vorwiegend dem Lebensunterhalt, sondern der Verbreitung aufklärerischen Gedankenguts diente und daher die Unterstützung „interessierter Kreise“ genossen haben mag. Zu dieser – bisher nicht nachweisbaren - Überlegung passen auch seine Beziehungen zu Freimaurern. So wurde er kurz bevor er den Niederrhein verließ noch erster Meister der am 3. April 1775 in Kleve gegründeten Loge „Zur Hoffnung“.[84]

Sein weiterer Lebensweg blieb untrennbar mit den Ereignissen der Aufklärung verknüpft. Dies betrifft seine Zeit als Schauspieler, als nochmaliger Gründer eines Verlages und einer Druckerei in Kehl, als Teilhaber einer Tabakfabrik und seine Funktion als Deputierter. Da diese Entwicklung nicht mehr unmittelbar mit Kleve in Verbindung steht, skizziere ich die folgenden Jahre nur kurz, obwohl der Zeitraum von 1777 bis ca. 1800 sicherlich der „Bedeutendere“ ist, wenn es um eine Beurteilung der Person Johann Gottlieb Bärstecher geht.

Der Schauspieler J. G. Müller (Bärstecher)

Bärstecher war Anfang 1776 nach Auflösung seines Geschäftes in Kleve zur Doblerschen Theatergesellschaft gegangen.[85]  Er nimmt den Schauspielernamen J. G. Müller an und schreibt 1778 die Operette „Das lustige Soldatenleben im Felde, oder so geht’s im Lager zu, in 2 Aufzügen“.[86] Seine Schauspielkünste müssen durchaus passabel gewesen sein,  denn er „erwarb sich (...) durch gutes Spiel und rechtschaffene Aufführung viele Freunde“.[87]  Dennoch beendete er diese Karriere wahrscheinlich im Jahre 1781.[88] Im selben Jahr erschien von ihm noch das Drama in einem Akt „Der fleißige Schuster“ bei Weiß in Offenbach.[89]

In Kehl

Nach fünf Jahren Schauspielkunst zog es ihn wieder zurück in süddeutsche Gefilde. In Kehl, unweit von Straßburg, gründete er 1782 erneut eine Druckerei nebst Verlag. Seinen Schauspielernamen J. G. Müller behielt er aus ungeklärten Gründen bei, ergänzte ihn aber um den Zusatz „der Ältere“, wodurch er sich von einem gleichnamigen Spediteur vor Ort abgrenzte.[90]

In der Stadt Kehl hatte sich bereits Pierre Augustin Caron de Beaumarchais[91] mit seiner Druckerei „Societé littéraire typographique“, die von Le Tellier geleitet wurde, angesiedelt. Nur so war es möglich, der französischen Zensur zu entgehen und die Werke Voltaires zu drucken.[92]  Zwischen der „Societé“ und Müller bestanden enge Beziehungen. „Direktor Le Tellier hatte sich bzw. die „Societé“ mit einer Einlage von 9.000 Gulden bei J. G. Müller beteiligt, und in der Folgezeit erscheinen auch die Werke der „Societé“ in Kommission bei der Buchhandlung der Gelehrten in Leipzig“[93], mit der Müller schon seit seiner Klever Zeit in Geschäftsverbindung stand. Die Zusammenarbeit wurde weiter ausgebaut, und Müller verkündete 1784, dass er die Kommission aller Verlagswerke der „Societé“, die weit über das Œuvres von Voltaire hinausging, übernommen hat.[94]

Auch unter dem Amtsnachfolger Le Tellier’s, de la Hogue, blieben die geschäftlichen Verbindungen eng. Am 26. März 1785 konnte Müller mit Genehmigung von Beaumarchais mitteilen, dass bei ihm die „deutsche Übersetzung der bei der „Societé“ einzig autorisierten Ausgabe der „Mariage de Figaro“ erscheine. Die „Hochzeit des Figaro“[95] machte Beaumarchais nicht nur in der Literaturgeschichte berühmt, sondern war auch ein hochpolitisches Stück“[96].

Die Aktivitäten Müllers in Kehl gingen weit über die Zusammenarbeit mit der „Societé“ hinaus. In kurzer Folge erschienen bei ihm u. a.: Die Wochenschrift „Oberrheinische Mannigfaltigkeiten“ (ab 1781), „Die Oberrheinischen Unterhaltungen für Kinder“ (1782), das „Magazin für Frauenzimmer“ (1782 bis Ende 1784), die „Jugendzeitung“ (1783), die Zeitung „Ma correspondance“ (ab 1784) und bei dreimal wöchentlicher Erscheinungsweise der „Oberrheinische Hinkende Both“ (ab 1784).[97] Im Frühjahr 1785 erschien das erste Heft des „Wissenschaftlichen Magazins für Aufklärung“[98], und ein Jahr später bot er dem Buchhandel die französische Übersetzung des klassischen Werkes der Nationalökonomie von Adam Smith an.[99] 1787 folgte das „Handbuch für das Volk, in gemeinnützigen Unterhaltungen für alle Stände, besonders dem Bürger und Landmann gewidmet“.[100] Auch diverse Kalender, die den heutigen Jahrbüchern entsprachen, gehörten zu seinem Angebot.

Das Projekt einer Enzyklopädie, ein ähnliches Vorhaben war in Kleve umgesetzt worden, scheiterte, da es an geeigneten Mitarbeitern mangelte.[101]

Expansion und zweite Heirat

Am 2. Mai 1783 pachtete Müller noch den Gymnasium-Verlag in Karlsruhe, was ihm das Prädikat eines Hof- und Kanzlei-Buchdruckers verschaffte[102]. Damit ergab sich die Notwendigkeit einer Betriebserweiterung, die auch ein Jahr später durch die Errichtung einer zweiten Druckerei in Durlach erfolgte.[103]

Ermöglicht wurde die Expansion durch das Vermögen seiner Frau. Die Ehe mit Maria Magdalena, Tochter des Kehler Gastwirts „Zum Adler“ Johann Rehfuß, wurde am 13. Mai 1783 geschlossen. Vier Kinder, zwei Mädchen und zwei Jungen, sind in Kehl geboren.[104]

Die Französische Revolution

„Während er in der Vergangenheit keine ernsthaften Schwierigkeiten mit der Zensur hatte ... verschärfen die Vorzeichen der Französischen Revolution offenbar den Eifer der Zensoren.“[105] Im Sommer 1789, wenige Tage vor dem Sturm auf die Bastille, kam es zu einer Bücherbeschlagnahmung, und Müller wurde zu einem viertägigen Arrest verurteilt. Am 26. August 1789 erklärte die Nationalversammlung in Paris die Menschen- und Bürgerrechte und garantierte die Pressefreiheit in Frankreich. „Ohne Freiheit im eigenen Lande konnte er mit der französischen Konkurrenz nicht Schritt halten, war der schon begonnene Sprung zur modernen Zeitung nicht zu bewältigen. Kehl hatte für Müller seinen Standortvorteil verloren.“[106] Konsequenterweise gab er seine Privilegien an den Marktgrafen zurück.[107] Die Geschäfte liefen zwar anfangs noch weiter, doch war das ein Sterben auf Raten. 1793 schließlich wurde das Konkursverfahren eingeleitet.

Der Tabakfabrikant

Bereits 1790 hatte Müller sich mit Benjamin Gottlieb Hoffmann zusammengeschlossen. Sie betrieben zusammen in Kehl eine Tabakproduktion mit eigenem Verkauf.

Die 1792 ausgebrochenen Koalitionskriege zwischen den europäischen Großmächten führten im Herbst 1796 zur Bombardierung Kehls, dabei wurde „sein Haus ganz  zusammengeschossen.“[108] Die Familie Müller fand ein neues Zuhause in Ulm, und Bärstecher erhielt eine Anstellung bei der Tabakfabrik Hocheisen, Seeger & Co. als Fabrikant.[109]

In Ulm ereilte die Familie erneut ein schwerer Schicksalsschlag. Am 16. Juli 1796 starb die vierjährige Tochter Henrietta Louisa, am 8. August 1796 das drei Monate alte Kind Wilhelm Heinrich und am 10. August des gleichen Jahres der sechsjährige Sohn Karl Wilhelm, alle wahrscheinlich an den „Kindsblattern“ bzw. an den Pocken.[110]

„Republik Südwestdeutschland“

Die Französische Revolution gab den deutschen Demokraten Auftrieb, und auch am Oberrhein arbeiteten Revolutionäre ernsthaft und ausdauernd an Umsturzplänen. In diese Entwicklung führend eingebunden waren Karl Fahrländer, Ernst Alexander Jägerschmidt, Georg List und Johann Gottlieb Müller[111]. Ihr Ziel war die Republikanisierung Südwestdeutschlands[112]. Die Vorbereitungen waren im Sommer 1798 weit fortgeschritten, wie aus einem Bericht aus dem Hauptquartier der österreichischen Armee vom Februar 1799 hervorgeht:

„Dieser (Christian Schmidt, ehemaliger Sekretär des helvetischen Außenministers) sagte mir, daß drei Männer aus Schwaben – worunter einer Müller hieße – schon im Sommer dem General Schauenburg (Oberbefehlshaber der französischen Armee in der Schweiz) ein Projekt von einer republikanischen Konstitution für Schwaben übergeben haben, der sie dem helvetischen auswärtigen Geschäftsminister zu dem Ende zugeschickt habe, um solche ... zu prüfen, ehe er solche nach Paris schickt. Dieses sei geschehen, und das Werk einmütig als ein Meisterstück erklärt ... .“[113] Das „Meisterstück“ bestehend aus 547 Artikeln, nennt sich „Entwurf einer republikanischen Verfassungs-Urkunde, wie sie in Deutschland taugen möchte“. „Das Bonner Grundgesetz steht dem Geist nach (dieser) republikanischen Verfassungs-Urkunde von 1798/99 näher als der Reichsverfassung von 1849.“[114]  Der Entwurf basiert auf den modernen Verfassungsbegriff der Amerikanischen, vor allem aber der Französischen Revolution und greift auf die Lehre von der verfassungsgebenden Gewalt des souveränen Volkes zurück.[115]

Die führende Rolle Müllers in der revolutionären Bewegung der Zeit bestätigt seine Nominierung als Repräsentant des Bürgerausschusses der Stadt Ulm. Beim Rastatter Kongress und dem Pariser Direktorium versuchte er ab Februar 1798 die Unterstützung Frankreichs für die Bürgeropposition zu gewinnen. Ab Mai desselben Jahres vertrat er auch die Interessen anderer Reichsstädte (mit Sicherheit Schwäbisch-Hall, Reutlingen und Esslingen); die Realisierung einer „Süddeutschen Republik“ scheiterte jedoch an der Entscheidung des Pariser Direktorium, das am 4. Juni 1798 beschloss; „daß es seine Pflicht ist, die Revolution in Helvetien zu konsolidieren, bevor daran zu denken ist, sie nach außen hin zu propagieren“.[116]

Sein weiterer Lebenslauf ...

...liegt weitgehend im Dunkeln. Aus einer Ulmer Patentangabe von 1802 geht hervor, dass er in diesem Jahr noch lebte; auch ist bekannt, dass er 1798 in eine bekannte Straßburger Getreidehandelsgesellschaft eintrat – aber sein weiterer Lebensweg und sein Lebensende ließen sich bisher nicht feststellen.[117]

Einen kleinen, sehr kleinen Hinweis gibt es, und dieser führt zurück nach Kleve! Kopstadt schreibt am 19. Juni 1811 in seinem Buch „Über Cleve“: „Alle diese Zeitschriften haben aber nicht lange bestanden; von dem in Anfang der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts hieselbst herausgekommenen westphälischen Beobachter an bis zu dem Clevischen Anzeiger hinab, den ein gewisser Schauspieler Müller vor ein paar Jahren hier unternahm, der aber nicht einmal das Alter eines Jahrgangs erreichte.“[118] Die Auslegung „vor ein paar Jahren“ lässt viel Spielraum, doch warum soll der gereifte Johann Gottlieb Bärstecher (Müller) nicht wieder an den Niederrhein zurückgekommen sein, an den Ort, an dem seine steile Karriere vor ungefähr vierzig Jahren begann?[119]

Ich danke Herrn Friedrich Beerstecher aus Marburg, der mich auf die Idee gebracht hat, das Leben seines Vorfahren Johann Gottlieb Bärstecher (Müller) zu beschreiben. Herr Beerstecher hat mir sein umfangreiches Datenmaterial zur Verfügung gestellt, ohne dass dieser Bericht nicht möglich gewesen wäre.


[1] Generallandesarchiv Karlsruhe, Abt. 79, Nr. 1382, Bericht des Dr. Herr vom 6.6.1798 zitiert nach Heinrich Scheel: Süddeutsche Jakobiner – Klassenkämpfe und republikanische Bestrebungen im deutschen Süden Ende des 18. Jahrhunderts, Berlin 1980.

[2] Ab 1776 ändert Johann Gottlieb Bärstecher seinen Nachnamen in „Müller“.

[3] Uwe Schmidt: Das Volk bestimmt – Wenn am 23. Mai das Grundgesetz gefeiert wird, dürfen Gottlieb Bärstecher und Freunde nicht vergessen sein., Die Zeit Nr. 21 vom 20. Mai 1999, S. 86.

[4] Erwin Dittler: Johann Gottlieb Müller (Bärstecher) – Verlagsbuchhändler im Zeitalter der Aufklärung, Sonderdruck aus den Veröffentlichung des Historischen Vereins für Mittelbaden „ Die Ortenau“, 52. Jahrgang 1972, S. 40.

[5] P. J. Mennenöh: Duisburg in der Geschichte des niederrheinischen Buchdrucks und Buchhandels bis 1820, in Duisburger Forschungen Beiheft 13, 1970, S. 150. Anmerkung des Verfassers: Mennenöh geht noch von 1771 als Beginn der Buchhändlertätigkeit in Kleve aus. Dies ist jedoch nicht richtig, denn im Courier du Bas-Rhin vom 17.4.1770 findet sich eine Anzeige des Buchhändlers Bärstechers.

[6] Adalbert Brauer: Johann Gottlieb Müller (Bärstecher) – ein Verlagsbuchhändler im Zeitalter der Aufklärung, Börsenhandel für den Deutschen Buchhandel (Frankfurter Ausgabe) Nr. 33 vom 27.4.1973, S. A 159.

[7] Die Einwohnerzahl Kleves in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts schwankte um die 5000: 4.854 im Jahr 1770, dann 5.155 (1776), 5.250 (1780), 5.350 (1786) und 1792 ein Rückgang auf 5.265. Zahlen aus E. Keyser (Hg.): Rheinisches Städtebuch, Bd. 3.3, Stuttgart 1956, Artikel „Kleve“, S.  247.

[8] Friedrich Gorissen: Kehr wieder Lohengrin - Geschichte der Stadt Kleve von der Residenz zur Bürgerstadt von der Aufklärung bis zur Inflation, Boss-Druck und Verlag, Kleve 1977, S. 1.

[9] Matthias Beermann: Zeitung zwischen Profit und Politik – Der Courier du Bas-Rhin (1767 – 1810), Leipziger Universitätsverlag 1996, S. 75.

[10] Johann Arnold Kopstadt: Über Cleve – In Briefen an einen Freund aus den Jahren 1811 - 1814, Verlag der Hermannschen Buchhandlung, Frankfurt 1822, S. 11.

[11] Matthias Beermann 1996, S. 84.

[12] R. Koser (Hg.): Preußische Staatsschriften aus der Regierungszeit König Friedrichs II. (1740 – 46), Bd. 1, Berlin 1877, S. 38.

[13] Matthias Beermann 1996, S. 72f.

[14] Paul Bensel: Niederrheinisches Geistesleben im Spiegel Klevischer Zeitschriften des 18. Jahrhunderts (Studien zur rheinischen Geschichte, 1. Heft), A. Marcus und E. Webers Verlag (Dr. Albert Ahn) Bonn 1912, S. 40.

[15] Matthias Beermann 1996, S. 84.

[16] Wilhelm A. Diedenhofen, Klevische Gartenlust – Gartenkunst und Badebauten in Kleve, Boss-Druck Kleve  1994, S. 70.

[17] Johan Henrich Schütte: Amusemens des Eaux de Cleve oder Vergnügungen und Ergötzlichkeiten bei den Wassern zu Cleve, Johann Heinrich Meyer, Lemgo 1748; Zitat: „In diesen Gesellschaften (gemeint sind die Kurgäste), theilet man alle Morgen einander die neuesten Zeitungen mit, und erzehlet, was man gehöret, gesehen, und was sonsten vorgegangen, so wohl in Staats-Sachen, als auch bürgerlichen Affairen.“

[18] Paul Bensel 1912, S. 39.

[19] Matthias Beermann 1996, S. 84ff.

[20] Friedrich Gorissen 1977, S. 1.

[21] Jan Jessen: Eine Quelle für die Rezession – 18. Jahrhundert: Wer nichts kann, der soll nach Kleve, NRZ Kleve vom 25.9.1999

[22] Möglicherweise spielten auch verwandtschaftliche Beziehungen eine Rolle. Ein Teil der Familie Beerstecher war um 1774 nach Amsterdam ausgewandert. Erwin Dittler: Kehl als Druckort in den Messkatalogen 1782 – 1786, Veröffentlichung des Historischen Vereins für Mittelbaden „ Die Ortenau“, 53. Jahrgang 1973, S. 184, Anmerkung 16.

[23] Erwin Dittler 1972, S. 40f.

[24] Erwin Dittler 1972, S. 41.

[25] Fritz Leinung: Klever Spurensuche, G. W. Bösmann GmbH & Co., Kleve 1999, S. 17.

[26] Matthias Beermann 1996, S. 24f.

[27] Matthias Beermann 1996, S. 30.

[28] Herr Matthias Beermann ist 1965 in Hannover geboren. Er studierte in den Städten Tübingen, Tours, Freiburg und Straßburg Geschichte, Literatur und Öffentliches Recht. Seit 1998 ist er als Frankreichkorrespondent der "Rheinische Post" in Paris tätig. 2001 erhielt den deutsch-französischen Journalistenpreis für eine Reportage über die Situation der französischen Bauern. Seine Dissertation erwarb er mit dem Buch „Zeitung zwischen Profit und Politik – Der Courier du Bas-Rhin (1767 – 1810)“ erschienen im Leipziger Universitätsverlag 1996.

[29] Karin Angelike: Louis-François Mettra – Ein französischer Zeitungsverleger in Köln (1770 – 1800), Böhlau Verlag GmbH & Cie, Köln 2002, S. 130ff

[30] Angelike berichtet vom Klever Buchhändler Jean David Baerstecher, der als Agent für Louis- François Mettra tätig gewesen sein soll. Der Name weist auf den Bruder von Johann Gottlieb Bärstecher hin, der allerdings in Düsseldorf ansässig war. Die Geschäftsbeziehung zwischen den Brüdern war, wie später dargestellt wird, sehr eng, wodurch eine Namensverwechselung erklärbar ist.

[31] Louis-François Mettra (1738 ? – 11. Dez. 1804 Berlin) war von 1767 bis 1772 als Handelsagent für Friedrich II. von Preußen tätig. Er gründete 1770 das Bankhaus Mettra, Eberts & Compagnie in Paris, das jedoch bereits am 30. Juni 1772 wieder aufgelöst wurde. Ab 1774 ist er wahrscheinlich bei der geheimen Produktion des handgeschriebenen Periodikum „Bulletin de Versailles“ mit tätig. Vier Jahre später wurde die Produktion nach Düsseldorf verlagert. Von 1779 (?) bis 1786 war er Mitglied der Kölner Freimaurerloge „Secret des trois Rois“ und „Maximilian zu den drei Lilien“. Mettra gründete u. a. die politische Gazette „Nouvelliste politique d`Allemange“. Spätestens ab 1782 stieg er in den Handel mit verbotener Literatur ein. Im Herbst 1792 wurde Mettra Unterhändler der französischen Revolutionsregierung und führte geheime Waffenstillstandsverhandlungen mit Preußen, die jedoch Januar 1793 scheiterten. Nach der Zerstörung seiner Druckerei in Neuwied floh er Ende 1795 nach Leipzig, wo er einen Buch- und Kunsthandel betrieb. 1798 zog Mettra nach Berlin und betrieb dort bis zu seinem Tod einen umfangreichen Kunsthandel.

[32] Karin Angelike, 2002, S. 131

[33] siehe Abschnitt „In Kehl“

[34] Joseph Oppenhoff: Beiträge zur Geschichte der Stadt Cleve, Heft 4, Druck und Verlag Wilh. Startz jr., Kleve 1914, S. 118.

[35] Erwin Dittler 1972, S. 41, Anmerkung 105.

[36] Erwin Dittler 1972, S. 41, Anmerkung 105.

[37] Acta wegen des von dem Buchhändler Baarstecher nachgesuchten Privilegii exclusivi zum Druck und Verlag einer gelehrten Zeitung, im Bestand Herzogtum Kleve, Generaldirektorium Berlin, Be 859, aus den Jahren 1771 – 1773, im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf

[38] Erwin Dittler 1972, S. 42.

[39] Erwin Dittler 1972, S. 42.

[40] Erwin Dittler 1972, S. 42.

[41] Paul Bensel 1912, S. 103.

[42] Paul Bensel 1912, S. 106.

[43] Erwin Dittler 1972, S. 42.

[44] Friedrich Heinrich Jacobi (1743 Düsseldorf – 1819 München) war Kaufmann und lebte 1760–64 in Genf. Seit 1772 war er jülich- und bergischer Geh. Rat, Kammerrat und Wasserzoll-Kommissarius in Düsseldorf. Er wurde 1805 Mitglied, 1807–12 Präsident der Bayer. Akademie der Wissenschaften. Als Philosoph und Schriftsteller gab er sich als Anhänger der konstitutionellen Monarchie zu verstehen. Er wurde 1765 in der Düsseldorfer Loge "La parfaite amitié" Freimaurer, erhielt sofort den Meistergrad und wurde noch im gleichen Jahr Schatzmeister der Loge.

[45] Karl Buchner, Wieland und die Weidmannsche Buchhandlung, Berlin 1871, S. 54, zitiert nach Erwin Dittler 1972, S. 43.

[46] H. H. Borcherdt: Neue Funde zur Literaturgeschichte, in: Der Sammler, Beilage der Münchner-Augsburger Abendzeitung, Augsburg 1921, Nr. 89, S.  5f., zitiert nach Erwin Dittler 1972, S. 45.

[47] Matthias Beermann 1996, S. 86. Das genaue Datum der Erstausgabe wurde von Paul Bensel 1912, S. 77ff ermittelt.

[48] Paul Bensel 1912, S. 89.

[49] August Friedrich Cranz (Marwitz 26. Sept. 1737 – Berlin, 18. (od. 19.) Okt. 1801) war Sohn eines lutherischen Pfarrers und studierte Theologie und Jura in Halle. Nach seiner Immatrikulation mit 35 Jahren (!) wurde er Hauslehrer bei einem Grafen Solms in Berlin. Durch dessen Vermittlung kam er als Kriegs- und Steuerrat nach Kleve, wo er wegen Unregelmäßigkeiten verabschiedet werden musste. Bereits in Kleve beginnt er mit der Schriftstellerei. 1779 – 1784 lebt er unter Friedrichs besonderem Schutz in Berlin, anschließend, wie es scheint um seinen Gläubigern zu entgehen, in Hamburg. Die dort eingegangene Heirat scheiterte. Er starb verlassen und verarmt. Skrupellos zerrte er Familiengeheimnisse und allerhand Skandale, mit ironischen und satirischen Bemerkungen verbrämt, in die Öffentlichkeit. (Angaben lt. Paul Bensel 1912, S. 81f.)

[50] Paul Bensel 1912, S. 80.

[51] Paul Bensel 1912, S. 94.

[52] Erwin Dittler 1972, S. 46.

[53] Matthias Beermann 1996, S.  86. Nach Erwin Dittler 1972, S. 47 wird das Erscheinen im Verlauf des zweiten Quartals vorübergehend ganz eingestellt, um dann – wahrscheinlich im Laufe des Jahres 1774 - in den Verlag der Hofbuchdruckerei Witwe Sitzmann in Kleve überzugehen. Dort erschien die Zeitschrift zweimal wöchentlich. 1777 wurde diese neu bei A. F. J. Bauer in Düsseldorf publiziert. Bei Bärstecher erschienen die Ausgabe 1 bis 23.

[54] Paul Bensel 1912, S. 100.

[55] Paul Bensel 1912, S. 107.

[56] Paul Bensel 1912, S. 107.

[57] Erwin Dittler 1972, S. 48.

[58] Paul Bensel 1912, S. 117.

[59] Ernst Gottfried Baldinger (1738-1804) war zunächst Medizinprofessor in Göttingen gewesen, dann an das Collegium Carolinum nach Kassel berufen worden. Nach dessen Auflösung wurde der "Hofrat und würkliche erste Leibmedicus des Landgrafen" nach Marburg versetzt, wo er Pathologie und Therapie las und die Reorganisation der medizinischen Fakultät betrieb. Er soll sich dem Weingenuss ergeben haben, sodass er am unmäßigen Trinken starb.

[60] Christian Wilhelm von Dohm (Lemgo, 17. Dez. 1751 - 1820). Nach dem frühen Tod der Eltern, Besuch des Lemgoer Gymnasiums und anschließend Studium in Leipzig und Göttingen. Dohm war Prof. in Kassel. 1779 wurde er in den preußischen Staatsdienst als Kriegsrat, Geheimsekretär und Archivar aufgenommen. Er hielt Privatvorlesungen für die Gebrüder Humboldt und pflegte den Umgang mit Vertretern der Aufklärung, besonders mit dem Philosophen Moses Mendelssohn. Hier erhielt er die Anregung für sein Buch „Über die bürgerliche Verbesserung der Juden“ und forderte die Gleichberechtigung der Juden auf allen Gebieten. Seine Vorschläge wurden 1791 in Frankreich und 1812 in Preußen zur Grundlage der Emanzipationsgesetze. 1786 erfolgte die Erhebung in den Adelsstand. 1796 wurde Dohm preußischer Gesandter am Kurfürstlichen Hof zu Köln. Nach dem Frieden von Tilsit 1807 holte Jerome Bonaparte den Staatsrat Dohm in seinen neugegründeten Modellstaat Westfalen. 1808 -1810 war er Gesandter des Königreichs Westfalen in Dresden. Im Herbst 1810 bat Dohm krankheitshalber um die Entlassung aus seinem Gesandtschaftsposten, die ihm bewilligt wurde. Während seiner letzten 10 Lebensjahre auf seinem Gut Pustleben bei Göttingen entstanden die "Denkwürdigkeiten meiner Zeit 1778 - 1806". Ab 1792 bis zu seinem Tode 1820 besteht ein enger Kontakt zu Goethe.

[61] Paul Bensel 1912, S. 128f.

[62] Jan Jessen: Ein revolutionärer Adeliger – Anarchasis Cloots kosmopolitisches Gedankengut, NRZ Kleve vom 25.09.1999. Johannes Baptist Cloots (Kleve, 24. Juni 1755 – Paris, 24. März 1794) wurde als Sohn eines reichen Amsterdamer Kaufmanns auf Schloss Gnadenthal geboren. Er besuchte zunächst die standesübliche Kadettenausbildung, anschließend das Pariser Kolleg „Plessis-Sorbonne“ und kam dabei erstmals mit dem aufklärerischen Gedankengut in Kontakt. Cloots erbte ein großes Vermögen. Am Hofe Friedrichs des Großen wurde Cloots, auch unter dem Einfluss seines Onkels mütterlicherseits Cornelis Pauw, zu einem Verfechter freiheitlichen Gedankenguts. 1789 trieb ihn der Sturm auf die Bastille wieder nach Paris. Dort nahm er aktiv an der Französischen Revolution teil. Seit 1790 nannte er sich Anarchasis. Er wurde 1794 von Robbespierre angeklagt und wenig später durch das Fallbeil hingerichtet.

[63]Mangels gesicherter Quellen ist die geistige Entwicklung des Jungen nur schwer zu rekonstruieren. Die verwandtschaftlich und räumliche Nähe zu seinem Onkel, Cornelis de Pauw hat mehrere Biographen vermuten lassen, dass seine Erziehung wesentlich von diesem geprägt worden sei. Es gibt allerdings keine Hinweise, die den Einfluss Cornelis de Pauw genauer zu bestimmen erlaubten.“ Aus: Städtischen Museum Haus Koekkoek (Hg.): Anacharsis Cloots - Der Redner des Menschengeschlechts, Boss-Verlag Kleve 1988, S. 13.

[64] Lt. Stadtarchiv Kleve wurde das Journal bereits 1774 eingestellt.

[65] Paul Bensel 1912, S. 108ff.

[66] Heinrich Pick: Geistleben im Clevischen, Kleve 1924, S. 14.

[67] Nach dem Zusammenbruch des Deutschen Nationaltheaters in Hamburg (1769) bildete ein Teil der Schauspieler die Seylersche Truppe, die in den nächsten Jahren in Deutschland das bedeutendste Ensemble darstellte.

[68] Heinrich Pick 1924, S. 14.

[69] Wilhelm Hill: Die deutschen Theaterzeitschriften des achtzehnten Jahrhunderts, Weimar 1915, zitiert nach Erwin Dittler 1972, S. 51, Anmerkung 151.

[70] Erwin Dittler 1972, S. 52.

[71] Erwin Dittler 1972, S. 52.

[72] Erwin Dittler 1972, S. 55.

[73] siehe Anmerkung 36

[74] Erwin Dittler 1972, S. 52.

[75] Erwin Dittler 1972, S. 52.

[76] Paul Bensel 1912, S. 152.

[77] Erwin Dittler 1972, S. 54ff.

[78] Johann Peter Brinkmann hatte in Leiden promoviert und war dann nach Paris gegangen. 1776 kam er über das Elsass zum Niederrhein zurück. Er praktizierte dort zunächst in Kleve, wo er wohl die Bekanntschaft mit Bärstecher machte, ist aber 1770 schon in Düsseldorf ansässig. Hier veröffentlicht er 1772 „Beweis der Möglichkeit, daß einige Leute lebendig begraben werden, nebst Anzeige, wie man dergleichen Vorfälle verhüten könne“. Auf Grund dieser Schrift wurde Brinkmann vom Kurfürsten Karl Theodor mit der Abfassung einer neuen Medizinalordnung betraut. Hierauf wurde er zum Jülich-Bergischen Hofrat ernannt und in das Collegium Medicum berufen. 1774 erscheinen von ihm zwei weitere Arbeiten bei Bärstecher und es ist sehr gut möglich, dass das „Magazin vor Ärzte“ durch sein Zutun entsteht. Brinkmann geht 1785 als Leibarzt der Großfürsten Alexander und Konstantin nach St. Petersburg. Er stand in enger Beziehung zum Kreis um Fritz Jacobi (siehe Anmerkung 26), dessen Sohn Georg Arnold seine Tochter Luise heiratete.

[79] Adalbert Brauer 1973, S.  A160.

[80] Heinrich Pick 1924, S.  12 zitiert nach Erwin Dittler 1972, S. 53.

[81] P. J. Mennenöh 1970, S.  154.

[82] Paul Bensel 1912, S.  226.

[83] Matthias Beermann 1996, S.  86.

[84] Friedrich Gorissen 1977, S. 4.

[85] Erwin Dittler 1972, S. 57.

[86] Erwin Dittler 1972, S. 57.

[87] Theophil Friedrich Ehrmann: Briefe eines reisenden Deutschen, Frankfurt und Leipzig 1789, S. 85ff, zitiert nach Erwin Dittler 1972, S. 58.

[88] Adalbert Brauer 1973, S.  A160.

[89] Hamberger-Meusel, Bd. 5, Lemgo 1797, S. 329, zitiert nach Erwin Dittler 1972, S. 58.

[90] Adalbert Brauer 1973, S. A160.

[91] Pierre Augustin Caron de Beaumarchais (Paris, 24. Jan. 1732 - 18. Mai 1799): Sein frecher "Figaro" stellte den Adel bloß. Der Sohn eines Uhrmachers erlernte zunächst den Beruf seines Vaters und wurde dann Harfenlehrer der Töchter Ludwigs XV. in Versailles. Dort heiratete er eine Dame der Gesellschaft und verschaffte sich einen Adelstitel. Seine Verbindungen bei Hof nutzte er auch für jede Art von Geschäften, unter anderem auch für Waffenschiebereien während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges, und verdiente sich so ein Vermögen. 1767 erschien sein erstes Stück, die Tragödie "Eugenie", die den Stoff für Goethes "Clavigo" lieferte. Durch eine Urkundenfälschung verlor Beaumarchais kurz darauf die bürgerlichen Ehrenrechte, rächte sich jedoch mit seinen "Memoiren" (1773), in denen er Korruptionsfälle publik machte. Danach entstanden seine Komödien, in denen er mit scharfem Witz den Adel lächerlich machte und die gesellschaftlichen Zustände geißelte. Damit wurde er zu einem Wegbereiter der Revolution, mit deren Ausbruch auch seine Rehabilitation erfolgte. Er wurde Geheimagent der Regierung, war einer der Herausgeber der Voltaire-Gesamtausgabe, sah sich 1792  jedoch gezwungen, vor der Revolution zu fliehen. Bis ihm 1797 die Rückkehr nach Paris gestattet wurde, lebte er verarmt in Hamburg. Am 18. Mai 1799 starb der Abenteurer, dessen berühmtestes Stücke. "Der Barbier von Sevilla" und "Der tolle Tag oder die Hochzeit des Figaro" (1785), von Rossini bzw. Mozart vertont wurden. Quelle: http://www.geschichte.2me.net/bio/cethegus/b/beaumarchais.html (09. Jul. 2002).

[92] Erwin Dittler: Kehl als Druckort in den Messkatalogen 1782 – 1786, Veröffentlichung des Historischen Vereins für Mittelbaden „ Die Ortenau“, 53. Jahrgang 1973, S. 179.

[93] Erwin Dittler 1973, S. 180; Anmerkung des Vf.: Die Aufnahme der Verlagstätigkeit der Societé um 1784 wird der Initiative von J. G. Müller zugeschrieben.

[94] Erwin Dittler 1973, S. 180f.

[95] Die erste öffentliche Aufführung der Komödie "Die Hochzeit des Figaro" dauerte fünf Stunden, denn häufig wurden die Schauspieler durch die Beifallsstürme des Publikums unterbrochen und mussten einzelne Passagen wiederholen. Der Inhalt war brisant: Figaro, Diener des Grafen Almaviva, möchte Susanna heiraten, die Dienerin der Gräfin. Doch dazu muss der Graf nach altem Recht seine Zustimmung geben. Der Graf will nicht, denn auch er hat Gefallen an der hübschen Dienerin gefunden. Im Bündnis mit der Gräfin siegt schließlich der listige Diener. Der adelige Graf wird lächerlich gemacht. Beaumarchais stellte also den Adel vor dem „dritten Stand“ (dem einfachen Volk) bloß, so dass Napoleon von dem Theaterstück sagte, mit ihm sei die Revolution anmarschiert.

[96] Erwin Dittler 1973, S. 186.

[97] Erwin Dittler 1972, S. 9 ff.

[98] Erwin Dittler 1972, S. 19.

[99] Erwin Dittler 1972, S. 17.

[100] Adalbert Brauer 1973, S. A160.

[101] Erwin Dittler 1972, S. 10f.

[102] Erwin Dittler 1972, S. 12.

[103] Erwin Dittler 1972, S. 20.

[104] Adalbert Brauer 1973, S. A160 und Erwin Dittler 1972, S. 15.

[105] Erwin Dittler 1972, S. 29.

[106] Erwin Dittler 1972, S. 33.

[107] Erwin Dittler 1972, S. 33..

[108] Erwin Dittler 1973, S. 187.

[109] Erwin Dittler 1972, S. 61.

[110] Erwin Dittler 1973, S. 187f.

[111] Uwe Schmidt, 1999, S. 86.

[112] Uwe Schmidt: Südwestdeutschland im Zeichen der Französischen Revolution – Bürgeropposition in Ulm, Reutlingen und Esslingen, Kommissionsverlag W. Kohlhammer – Stuttgart, Ulm 1993, S. 259.

[113] Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien, RK, Reichskrieg gegen Frankreich F 65b, Nachrichten aus Hohenems v. 13.2.1799 = Beilage zum Schreiben Staaders an Colloredo v. 19.2.1799, zitiert nach Uwe Schmidt 1993, S. 259.

[114] Uwe Schmidt 1999, S. 86.

[115] Uwe Schmidt 1999, S. 86.

[116] Uwe Schmidt 1993, S. 288.

[117] Adalbert Brauer 1973, S.  A160.

[118] Johann Arnold Kopstadt 1822, S. 30.

[119] In den Bürgerverzeichnissen des Stadtarchivs Kleve von 1806 und 1809 findet sich kein „Johann Gottlieb Müller“.

zuletzt bearbeit am 06.02.2004