Claudia Gronewald

Sie ist wieder da!

Museum Kurhaus Kleve präsentiert dauerhaft die "Straßenbahnhaltestelle" von Joseph Beuys.

NRZ vom 23.11.2001

  

Guido de Werd und Josef Joeken freuen sich: Die "Straßenbahnhaltestelle" ist nun dauerhaft im Kurhaus zu sehen. (Foto: Holzbach)

KLEVE. "Ich kann sagen, dass mich der "Eiserne Mann" mein ganzes Leben beschäftigt hat, seine Topographie hat mich außerordentlich stark berührt und wahrscheinlich zur Bildhauerei gebracht." So umschrieb Joseph Beuys während der Biennale in Venedig 1976 die Bedeutung, die der "Eiserne Mann" - jenes Denkmal an der Ecke Nassauer Allee/Lindenallee - für ihn gehabt hat. Diese, eigentlich Cupido genannte eiserne Säule inspirierte Joseph Beuys zu seiner bekannten Installation "Straßenbahnhaltestelle". Die Faszination jenes Ortes, an dem der Junge Joseph Beuys so oft auf die Straßenbahn zum Weißen Tor wartete, wurde Ausgangspunkt eines Kunstwerks, das der Künstler Beuys während der Biennale für den Deutschen Pavillon fertigte. Museum Kurhaus Kleve lud nun zu einem besonderen Anlass ein: Denn die "Straßenbahnhaltestelle" - nach dem Ende der Biennale vom Kröller-Müller-Museum in Otterlo erworben - kehrt nach Kleve zurück, als Dauerleihgabe der Niederländer.

Nur noch in der Horizontalen

Mit großer Freude präsentierten Bürgermeister Josef Joeken und Museumsleiter Guido de Werd die Neuigkeit. "Die Straßenbahnhaltestelle ist wieder da", sagte Joeken, "da, wo sie hingehört." Die Installation gilt, so de Werd, als eines der Schlüsselwerke deutscher Plastik des 20. Jahrhunderts. "Wir haben sie durch die Generosität eines benachbarten Hauses und die dort herrschende Raumnot nach Kleve bekommen", freute sich der Museumsleiter. Die "Straßenbahnhaltestelle" soll nun dauerhaft in der Wandelhalle des Kurhauses präsentiert werden; die Wechselausstellungen des Hauses werden, so de Werd, entsprechend anders konzipiert. Nach dem Willen von Beuys wird die "Straßenbahnhaltestelle" liegend präsentiert. Nach dem Ende der Biennale betrachtete der Künstler seine Installation als beendet und verfügte, daß weitere Präsentationen seiner Arbeit in der Horizontalen, als Bodenplastik, vorzunehmen seien.

Beuys´ Bezug auf die Region

Joseph Beuys nahm in seinen Arbeiten häufig Bezug auf die Region, in der er aufgewachsen war. Die Cupido-Säule, die im Auftrag des Statthalters Johann Moritz von Nassau-Siegen 1654 an der Nassauer Allee errichtet wurde und heute einige 100 Meter von ihrem ursprünglichen Platz entfernt steht, besteht aus altem Kriegsmaterial und kann als Symbol des wieder erlangten Friedens nach dem 30-Jährigen Krieg gedeutet werden. Für Beuys bedeutete sie vor allem eines: die Wirkung des Materials Eisen und die vom Ort der Installation ausgehende Faszination. Für Kleve schließt sich ein Kreis: Mit seinem Kunstwerk arbeitete Beuys Erinnerungen an seine Klever Kindheit auf, und er verweist auf eine wichtige Persönlichkeit der Klevischen Geschichte. Die Entstehung der "Straßenbahnhaltestelle" wird in zwei Publikationen des Museums Kurhaus Kleve dokumentiert.

zuletzt bearbeit am 22.01.2006