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Die Klever Straßennamen und ihre Geschichte

Bleichenberg

(Straßen-) Verbindungen: Dr.-Heinz-Will-Platz, Reitbahn, Schloßberg, Wasserstraße

aus: Ernst Hannen - Ich denke oft an Cleve - Erinnerungen mit alten Ansichtskarten (Kleve, Janßen-Druck GmbH, 1994)

"Um die Jahrhundertwende begleiten, hier vom Mühlenteich her gesehen, das Huyssensche Pensionat, Schloss Prinzenhof, Prinzenhofpark und Sternbusch das stille Gewässer des Kermisdahl bis hinauf zum Flack. Über dem alten Waschhaus am Bleichenberg steigt der Rauch fast senkrecht auf. Gewaschen wurde hier schon am frühen Morgen, denn hinter dem alten Mühlenteich liegt Wäsche ausgebreitet zum Bleichen nahe der überdachten Schöpfstelle am Ufer." (1)

Das Bild ist um 1904 entstanden.

aus: Ernst Hannen - Ich denke oft an Cleve - Erinnerungen mit alten Ansichtskarten (Kleve, Janßen-Druck GmbH, 1994)

"Nur selten ist eine Gesamtsicht aller Häuser des Bleichenbergs, den Gasthof "Zur Schwanenburg" miteingeschlossen, so gut gelungen wie hier, zumal späterhin die Häuser im oberen Bereich immer mehr durch Buschwerk verdeckt worden sind. Die Bleiche selbst neigte sich damals langsam und sehr flach dem Ufer des Kermisdahl zu. Das heutige Steilufer an dieser Stelle ist erst in den Nachkriegsjahren entstanden, als man hier den Schutt der Unterstadt abkippte.

Eine besondere Attraktion auf dem alten Rheinarm war zweifelsohne das Motorboot "Beatrix", welches hier gerade zu einer ihrer Anlegestellen, unterhalb von Hotel Maywald oder in der Nähe vom Flack, unterwegs zu sein scheint." (2) 

Das Bild ist um 1908 entstanden.

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Die gleiche Ansicht ca. 70 Jahre später. 

Das Foto wurde mir am 08.08.2011 von Herrn Rudi Johann zur Verfügung gestellt und von seinem Bruder, Erwin Johann, erstellt.

"Bei diesem Wege handelt es sich sicherlich um einen der ältesten der Stadt. An seinem schmalen Verlaufe, begrenzt von hohen Mauern ist gegenwärtig noch zu erkennen, dass er eine sogenannte Posterne d. h. ein verschließbarer Postengang war, der es den Wachen und Posten ermöglichte, eine unbemerkte Verbindung zwischen der Burg und dem unterhalb gelegenen Pulverturme und dem Wassertor zu schaffen. ... 

Der Name Bleichenberg oder Bleicherberg ist wohl damit zu begründen, dass er nach Freigabe des ehemaligen herzoglichen Weingartens der Weg war, der aus der Stadt zum Wasser führte und in Verbindung mit der sonnigen und geschützten Lage eine willkommene Gelegenheit bot, unten zu waschen und am Hange zu bleichen." (3) 

Dieser Name hat sich jedoch erst im Laufe des 17. und 18. Jhs. durchgesetzt. Die älteste Bezeichnung stammt aus dem 14. Jahrhundert und lautete "onder aen den berg" (unter dem Berge). (4) "Gegen Beginn des 16. Jhs. taucht daneben ein anderer Name auf, der dann mehr und mehr die ältere Bezeichnung verdrängt: die Posterne." (5)

Die auf der Fotografie von 1908 zu sehenden Bebauung erfolgte um die Mitte des 14. Jhs. durch den Grafen für Angehörige seines auf der Klever Burg beschäftigten Gesindes. (6) Kleinere Handwerker, Arbeiter und Angestellte waren wohl bis zur nahezu vollständigen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg die Bewohner. Um die Jahrhundertwende lebten hier u. a. die Klever Bleicherfamilie Bredick, der Polizeisergeant Johann Simon, der Zigarrenmacher Heinrich Rogmann, der Holzschuhmacher Jakob Reymers, genannt "Klompe Kobes" und der Schuhmacher Johann Bredick. (7)

Wenngleich heute kein Mensch mehr auf die Idee käme, seine Wäsche im Kermisdahl traditionell zu säubern, so ist es doch traurig, dass an diese Zeit nichts mehr erinnert. Das letzte der kleinen, einfachen und urwüchsig gestalteten "Waschhäuschen" (8) fiel bereits während des Ersten Weltkrieges der Verwahrlosung zum Opfer. (9)

Trotzdem ist dieser Bereich einer der schönsten Ecken der Stadt. Die Atmosphäre am Kermisdahlufer mit Blick auf die Burg und dem bewaldeten Hang ist für Freilicht - Theateraufführungen oder ähnliches hervorragend geeignet. 

Fußnoten:

1) Ernst Hannen: "Ich denke oft an Cleve - Erinnerungen mit alten Ansichtskarten", Seiten 75 und 76, Janßen-Druck GmbH, Kleve, 1994

2) siehe 1)

3) Gerhard Hunscheidt: "Die Clever Straßennahmen und ihre Geschichte nach archivarischen und anderen Quellen", Seiten 16 u. 17, Verlag von Frau Boß Ww., Kleve, 1925

4) Friedrich Gorissen: "Historische Topographie der Stadt Kleve", Seiten 108 bis 112, Boss-Verlag, Kleve, 1992

5) siehe 4)

6) siehe 4)

7) siehe 1)

8) Sabine Noack: "Woher die Namen kamen. Klever Straßen und ihre Geschichten.", Seiten 64 bis 66, Verlag für Kultur und Technik, Kleve, 1997 

9) siehe 3)

 

Fotografien vom Bleichenberg (25. März 2002)

 

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Dieser Blick bietet sich am unteren Ende des Bleichenbergs. Im Hintergrund fließt der Kermisdahl. Der Weg vom Kermisdahl zum Burgberg Mittels Treppe überwindet man den Höhenunterschied. Am oberen Ende sieht man das Denkmal des "Großen Kurfürsten" auf dem Dr.-Heinz-Will-Platz.

 

Zuletzt bearbeitet am 08.08.2011