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Aufnahme
von 1973 vom Fischmarkt in die Große Straße
©
Karola Koenen, Borselstege 1, Kleve |
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Die
Klever Straßennamen und ihre Geschichte
Fischmarkt
(Straßen-)
Verbindungen: Große
Straße, Hagsche
Straße, Hasenberg,
Kirchstraße,
Schloßstraße,
Stechbahn
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Das Denkmal des Schützen Otto mit
Blick in die Hagsche Straße (um 1890)
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Hunscheidt erwähnt vom Fischmarkt
nur wenige Zeilen: "Das Feilhalten der Fische geschah auf den Fischbänken
an der Ecke der Marktstraße. Um 1745 findet man auf dem Stiche
von de Beyer bei der Mittelpforte einen Fischmarkt auf dem kleinen Platz, wo
ehedem Otto
der Schütz und nachher der Eiserne
Mann stand." (1) Gorissen
hingegen berichtet ausführlich: "... im Jahre 1828 fiel das Mitteltor,
verloren der Fischmarkt oben und die Große Straße unten ihren intimen
Charakter. Der Fischmarkt war die gute Stube - oder, wie man in Kleve sagt:
beste Kamer - der Stadt gewesen, umstanden von den schönsten Giebeln,
beherrscht von dem allgegenwärtigen Schwanenturm. Kein Wunder, dass der Platz
mit seinen Reizen immer wieder die Zeichner und Maler, die
Ansichtskartenverleger und die Amateurphotographen angezogen hat. Kein Wunder
auch, dass das winzige Dreieck zwischen der Kirch- und Hagschen Straße seit
jeher nach einem besonderen Schmuck verlangte. Das war lange der Brunnen und die
Pumpe "am Engel" (auf dem de
Beyer-Aquarell vorne rechts zu sehen)... . Übertrug sich die Liebe der
Klever vom Mitteltor auf das Nachbarhaus, und ist diese Nachbarschaft der Grund
für die Rührung, mit der sie sich noch heute an das alte Schlosscafé erinnern? Oder war das Café nur darum so beliebt, weil es auf jede
Ansichtskarte vom Fischmarkt zusammen mit dem Schwanenturm abgebildet ist? Das
Haus am Ende der Schloßstraße zeichnete sich nicht durch eine bedeutende
Architektur aus; und auch der von Jupp Brüx in den zwanziger Jahren
"gestaltete" Giebel wirkt aufgesetzt wie die gespritzte Verzierung auf
der Torte." (2) Auf
dem oberen Foto aus dem Jahre 1890 sieht man rechts, da wo seit 1902 das
Schürings - Gebäude steht, das Druck- und Verlagshaus Boss. Es wurde gegründet
vom früheren Lehrer Friedrich Boss. "Er redigierte den von Winfried Romen
am 18. Mai 1872 gegründeten "Clevischen Volksfreund" seit dem 1.
Januar 1874 und stellte das Blatt seit dem 1. Januar 1875 im eigenen Betrieb
her." (3)
Der Firma Boss in ihren verschiedenen Namens- und Firmengestaltungen ist es zu
verdanken, dass heute ein umfangreiches Repertoire an Literatur über das
Kleverland vorliegt. |
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Das Mitteltor, 1745 - Ausschnitt
aus dem J. de Beyer-Aquarell. |
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Zurück zum
Mitteltor,
das mindestens vom 14 Jh. bis zum Abriss im Jahre 1829 diesen Platz beherrschte.
Es war Bestandteil der älteren Umwallung und wurde 1341 durch die
Stadterweiterung zum Mitteltor. Die
zentrale Lage des Mitteltors wurde für öffentliche Angelegenheiten genutzt.
Hier war die Stadtwaage untergebracht und es war der Besprechungsort für den
Rat, denn mindestens bis zu Beginn des 15. Jh. hatte Kleve kein eigenes Rathaus.
(4) Das
Mitteltor veränderte im Laufe der Jahrhunderte mehrfach sein Aussehen. Auf der
nebenstehenden Abbildung sind z. B. die Schießscharten und der Wehrgang, der
durch die Satteldächer ersetzt wurden, nicht mehr vorhanden. Auch hatte
die barocke Zierhaube den gotischen Dachreiter ersetzt.
"Der Dachreiter beherbergte die städtische
Sturmglocke, die hierhin wahrscheinlich bald nach der Stadterweiterung vom
Kloppberg (der lt. Sabine Noack ursprünglich "Klockberg" hieß (5))
übergesiedelt ist. Die Glocke hatte den Namen "Boose, gramme Griet",
wie aus dem Glockenspruch hervorgeht, den Langedijk, De stad Kleef, S. 7
überliefert:
De middelpoort wordt tot een stadts waag
gebruikt. Zij heeft een Toren, daar de brandklok in hangt, daar deze woorden op
te leezen sijn:
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Ick
heyt boose gramme Griet,
Als
ick slaa, slaa ick met verdriet
Slaa
ikaaan einen kant
So
is `er mordt of brant
Slaa
ik aan beide zijden
Zo
wil de onderdaan tegen den Landsheer strijden." (6) |
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EUMENIUS
RHETOR
Über der Tordurchfahrt war eine
Nische in der zeitweilig möglicherweise eine Heiligenfigur und ab der Mitte des 17. Jh. das
Bild des Eumenius Rhetor gestanden hat. Die Eumeniusehrung begann bereits im
späten 16. Jh. und basiert auf einem Lesefehler: "Bei der Herausgabe der
Panegyriker durch Beatus Rhenanus (1520) hatte dieser Humanist in einer alten
Handschrift anstelle von "in Augustodunensium oppido"
(d. i. Autun) "in Augustoclivensium oppido" (das soll
der römische Name Kleves sein) gelesen. Auf diese Konjektur, die der Residenz
der Herzöge von Jülich - Kleve - Berg ein bis in die Römerzeiten reichendes Alter
verbürgte, stürzten sich nun die Hofchronisten und Historiographen; alle auf
diese römische Stadt sich beziehenden Stellen wurden nun auf Kleve bezogen, die
Tempel, die Aquädukte, das Kapitol, die Schulen Autuns wurden in Kleve gesucht.
Hierhin wurde folgerichtig die berühmte Rhetorenschule, die Maenianae verlegt.
Kleve war somit auch die Stadt, die den Panegyriker Eumenius in ihren Maueren
beherbergt und die diesem berühmten Rhetoren aus Dankbarkeit ein Denkmal
errichtet hatte. Der Klever Humanist Stephanus Winandus Pighius, der Verfasser
des 1587 in Antwerpen erschienenen Hercules Prodicius, glaubte dieses Denkmal in
der heute noch erhaltenen Plastik im romanischen Rittersaal der Klever Burg
wiedergefunden zu haben. ... Als das Tor zwei Jahre nach Erscheinen des Buches
(1589),
das in der Stadt Kleve als eine Sensation gewirkt haben muss, (renoviert) werden
sollte, ... wurde die Figur in der Nische an der Feldseite des Tores
untergebracht ... . Warum brachte man das Bild (17. Jh.) ausgerechnet im Mitteltor unter?
... Wenn ... Kleve bereits in den Römerzeiten bestanden hatte, so musste diese
römische Stadt in der Altstadt gesucht werden, eben in dem Stadtteil nördlich
des Mitteltores. Das Mitteltor aber war dann ein Stück der römischen
Stadtbefestigung." (7) Heute
erinnert an das Mitteltor nur noch eine Bodenplatte, die sich an der
Schnittstelle zur Großen Straße befindet. Der Fischmarkt wird dominiert vom
Lohengrin-Brunnen, der 1988 von Prof. Karl-Hennig Seemann erstellt wurde. Die
umgebenden Gebäude sind größtenteils architektonisch "wenig
wertvoll" und es wäre wünschenswert, wenn nach und nach eine Erneuerung
der Fassaden erfolgen würde. Es fehlt auch an guten Cafés, die an sonnigen
Tagen durch eine anspruchsvolle Bestuhlung dem zentralen Platz in der Innenstadt
aufwerten könnten. Die Anbindung an die "Neue Mitte" mag hier in den
kommenden Jahren für Besserung sorgen... . |
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Fußnoten:
1) Gerhard
Hunscheidt: "Die
Clever Straßennahmen und ihre Geschichte nach archivarischen und anderen
Quellen", Seite 46, Verlag von Frau Boß Ww., Kleve, 1925
2) Friedrich Gorissen: "Kleve
so wie es war", Seiten 42 u. 43, Droste-Verlag GmbH, Düsseldorf, 1977
3) siehe 2)
4) Friedrich Gorissen:
"Historische Topographie der Stadt Kleve", Seiten 171 u. 172, Boss-Verlag,
Kleve, 1992
5) Sabine Noack: "Woher die
Namen kamen. Klever Straßen und ihre Geschichten.", Seiten 26 bis 29, Verlag für
Kultur und Technik, Kleve, 1997
6) Friedrich Gorissen:
"Historische Topographie der Stadt Kleve", Seiten 145 bis 150, Boss-Verlag,
Kleve, 1992
7) siehe 6)
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Fotografien vom Fischmarkt (18.
April 2002)
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| Die Aufnahme aus dem Fenster der Volksbank Kleverland eG zeigt den Fischmarkt in seiner ganzen Ausdehnung: In der Mitte der Seemann-Brunnen, oberhalb links mündet die Kirchstraße, rechts die Stechbahn und mittig die Hagsche Straße in den Platz ein. |
Weiter unten verläuft die Große Straße |
Der
"Elsa" - Brunnen: Die beiden Kinder und Elsa versuchen Lohengrin, der von einem Schwan ins Wasser gezogen wird, festzuhalten. Im Hintergrund: Die Kirchstraße |
Das Denkmal provoziert durch die "fette" Elsa. Die "modernen" Fassadengestaltungen im Hintergrund stören m. E. mehr! |

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| Vielleicht will Lohengrin auch nur von Kleve weg, weil ihm die Gebäude nicht mehr gefallen? |
Die Hände sind von spielenden Kinder blank poliert. |
Das ist die Perspektive aus der die oberen beiden historischen Aufnahmen entstanden sind. |
Der Fußgänger, der den Hasenberg hinunter kommt, sieht diese "prächtigen" Fassaden. |
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