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Aufnahme von 1973 vom Fischmarkt in die Große Straße

© Karola Koenen, Borselstege 1, Kleve

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Die Klever Straßennamen und ihre Geschichte

Fischmarkt

(Straßen-) Verbindungen: Große Straße, Hagsche Straße, Hasenberg, Kirchstraße, Schloßstraße, Stechbahn

aus: Friedrich Gorissen: Kleve so wie es war (Düsseldorf, Droste Verlag GmbH, 1977)

Das Denkmal des Schützen Otto mit Blick in die Hagsche Straße (um 1890)

aus: Friedrich Gorissen: Kleve so wie es war (Düsseldorf, Droste Verlag GmbH, 1977) aus: Friedrich Gorissen: Kleve so wie es war (Düsseldorf, Droste Verlag GmbH, 1977)
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Das Schloßcafé am Fischmarkt (um 1930)

Der Fischmarkt, von oben zum Mitteltor (1906)

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Fischmarkt aus dem Obergeschoss der Volksbank, 01.03.2006.

Hunscheidt erwähnt vom Fischmarkt nur wenige Zeilen: "Das Feilhalten der Fische geschah auf den Fischbänken an der Ecke der Marktstraße. Um 1745 findet man auf dem Stiche von de Beyer bei der Mittelpforte einen Fischmarkt auf dem kleinen Platz, wo ehedem Otto der Schütz und nachher der Eiserne Mann stand." (1) 

Gorissen hingegen berichtet ausführlich: "... im Jahre 1828 fiel das Mitteltor, verloren der Fischmarkt oben und die Große Straße unten ihren intimen Charakter. Der Fischmarkt war die gute Stube - oder, wie man in Kleve sagt: beste Kamer - der Stadt gewesen, umstanden von den schönsten Giebeln, beherrscht von dem allgegenwärtigen Schwanenturm. Kein Wunder, dass der Platz mit seinen Reizen immer wieder die Zeichner und Maler, die Ansichtskartenverleger und die Amateurphotographen angezogen hat. Kein Wunder auch, dass das winzige Dreieck zwischen der Kirch- und Hagschen Straße seit jeher nach einem besonderen Schmuck verlangte. Das war lange der Brunnen und die Pumpe "am Engel" (auf dem de Beyer-Aquarell vorne rechts zu sehen)... . Übertrug sich die Liebe der Klever vom Mitteltor auf das Nachbarhaus, und ist diese Nachbarschaft der Grund für die Rührung, mit der sie sich noch heute an das alte Schlosscafé erinnern? Oder war das Café nur darum so beliebt, weil es auf jede Ansichtskarte vom Fischmarkt zusammen mit dem Schwanenturm abgebildet ist? Das Haus am Ende der Schloßstraße zeichnete sich nicht durch eine bedeutende Architektur aus; und auch der von Jupp Brüx in den zwanziger Jahren "gestaltete" Giebel wirkt aufgesetzt wie die gespritzte Verzierung auf der Torte." (2)  

Auf dem oberen Foto aus dem Jahre 1890 sieht man rechts, da wo seit 1902 das Schürings - Gebäude steht, das Druck- und Verlagshaus Boss. Es wurde gegründet vom früheren Lehrer Friedrich Boss. "Er redigierte den von Winfried Romen am 18. Mai 1872 gegründeten "Clevischen Volksfreund" seit dem 1. Januar 1874 und stellte das Blatt seit dem 1. Januar 1875 im eigenen Betrieb her." (3) Der Firma Boss in ihren verschiedenen Namens- und Firmengestaltungen ist es zu verdanken, dass heute ein umfangreiches Repertoire an Literatur über das Kleverland vorliegt. 

Das Mitteltor, 1745 - Ausschnitt aus dem J. de Beyer-Aquarell.

Zurück zum Mitteltor, das mindestens vom 14 Jh. bis zum Abriss im Jahre 1829 diesen Platz beherrschte. Es war Bestandteil der älteren Umwallung und wurde 1341 durch die Stadterweiterung zum Mitteltor.

Die zentrale Lage des Mitteltors wurde für öffentliche Angelegenheiten genutzt. Hier war die Stadtwaage untergebracht und es war der Besprechungsort für den Rat, denn mindestens bis zu Beginn des 15. Jh. hatte Kleve kein eigenes Rathaus. (4) 

Das Mitteltor veränderte im Laufe der Jahrhunderte mehrfach sein Aussehen. Auf der nebenstehenden Abbildung sind z. B. die Schießscharten und der Wehrgang, der durch die Satteldächer ersetzt wurden,  nicht mehr vorhanden. Auch hatte die barocke Zierhaube den gotischen Dachreiter ersetzt. 

"Der Dachreiter beherbergte die städtische Sturmglocke, die hierhin wahrscheinlich bald nach der Stadterweiterung vom Kloppberg (der lt. Sabine Noack ursprünglich "Klockberg" hieß (5)) übergesiedelt ist. Die Glocke hatte den Namen "Boose, gramme Griet", wie aus dem Glockenspruch hervorgeht, den Langedijk, De stad Kleef, S. 7 überliefert:

De middelpoort wordt tot een stadts waag gebruikt. Zij heeft een Toren, daar de brandklok in hangt, daar deze woorden op te leezen sijn:

Ick heyt boose gramme Griet,

Als ick slaa, slaa ick met verdriet

Slaa ikaaan einen kant

So is `er mordt of brant

Slaa ik aan beide zijden

Zo wil de onderdaan tegen den Landsheer strijden." (6)

EUMENIUS RHETOR

Über der Tordurchfahrt war eine Nische in der zeitweilig möglicherweise eine Heiligenfigur und ab der Mitte des 17. Jh. das Bild des Eumenius Rhetor gestanden hat. Die Eumeniusehrung begann bereits im späten 16. Jh. und basiert auf einem Lesefehler: "Bei der Herausgabe der Panegyriker durch Beatus Rhenanus (1520) hatte dieser Humanist in einer alten Handschrift anstelle von "in Augustodunensium oppido" (d. i. Autun) "in Augustoclivensium oppido" (das soll der römische Name Kleves sein) gelesen. Auf diese Konjektur, die der Residenz der Herzöge von Jülich - Kleve - Berg ein bis in die Römerzeiten reichendes Alter verbürgte, stürzten sich nun die Hofchronisten und Historiographen; alle auf diese römische Stadt sich beziehenden Stellen wurden nun auf Kleve bezogen, die Tempel, die Aquädukte, das Kapitol, die Schulen Autuns wurden in Kleve gesucht. Hierhin wurde folgerichtig die berühmte Rhetorenschule, die Maenianae verlegt. Kleve war somit auch die Stadt, die den Panegyriker Eumenius in ihren Maueren beherbergt und die diesem berühmten Rhetoren aus Dankbarkeit ein Denkmal errichtet hatte. Der Klever Humanist Stephanus Winandus Pighius, der Verfasser des 1587 in Antwerpen erschienenen Hercules Prodicius, glaubte dieses Denkmal in der heute noch erhaltenen Plastik im romanischen Rittersaal der Klever Burg wiedergefunden zu haben. ... Als das Tor zwei Jahre nach Erscheinen des Buches (1589), das in der Stadt Kleve als eine Sensation gewirkt haben muss, (renoviert) werden sollte, ... wurde die Figur in der Nische an der Feldseite des Tores untergebracht ... . Warum brachte man das Bild (17. Jh.) ausgerechnet im Mitteltor unter? ... Wenn ... Kleve bereits in den Römerzeiten bestanden hatte, so musste diese römische Stadt in der Altstadt gesucht werden, eben in dem Stadtteil nördlich des Mitteltores. Das Mitteltor aber war dann ein Stück der römischen Stadtbefestigung." (7)

Heute erinnert an das Mitteltor nur noch eine Bodenplatte, die sich an der Schnittstelle zur Großen Straße befindet. Der Fischmarkt wird dominiert vom Lohengrin-Brunnen, der 1988 von Prof. Karl-Hennig Seemann erstellt wurde. Die umgebenden Gebäude sind größtenteils architektonisch "wenig wertvoll" und es wäre wünschenswert, wenn nach und nach eine Erneuerung der Fassaden erfolgen würde. Es fehlt auch an guten Cafés, die an sonnigen Tagen durch eine anspruchsvolle Bestuhlung dem zentralen Platz in der Innenstadt aufwerten könnten. Die Anbindung an die "Neue Mitte" mag hier in den kommenden Jahren für Besserung sorgen... .  

Fußnoten:

1) Gerhard Hunscheidt: "Die Clever Straßennahmen und ihre Geschichte nach archivarischen und anderen Quellen", Seite 46, Verlag von Frau Boß Ww., Kleve, 1925

2) Friedrich Gorissen: "Kleve so wie es war", Seiten 42 u. 43, Droste-Verlag GmbH, Düsseldorf, 1977

3) siehe 2)

4) Friedrich Gorissen: "Historische Topographie der Stadt Kleve", Seiten 171 u. 172, Boss-Verlag, Kleve, 1992

5) Sabine Noack: "Woher die Namen kamen. Klever Straßen und ihre Geschichten.", Seiten 26 bis 29, Verlag für Kultur und Technik, Kleve, 1997 

6) Friedrich Gorissen: "Historische Topographie der Stadt Kleve", Seiten 145 bis 150, Boss-Verlag, Kleve, 1992

7) siehe 6)

 

Fotografien vom Fischmarkt (18. April 2002)

 


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Die Aufnahme aus dem Fenster der Volksbank Kleverland eG zeigt den Fischmarkt in seiner ganzen Ausdehnung: In der Mitte der Seemann-Brunnen, oberhalb links mündet die Kirchstraße, rechts die Stechbahn und mittig die Hagsche Straße in den Platz ein. Weiter unten verläuft die Große Straße Der "Elsa" - Brunnen: Die beiden Kinder und Elsa versuchen Lohengrin, der von einem Schwan ins Wasser gezogen wird, festzuhalten. Im Hintergrund: Die Kirchstraße Das Denkmal provoziert durch die "fette" Elsa. Die "modernen" Fassadengestaltungen im Hintergrund stören m. E. mehr!

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Vielleicht will Lohengrin auch nur von Kleve weg, weil ihm die Gebäude nicht mehr gefallen? Die Hände sind von spielenden Kinder blank poliert. Das ist die Perspektive aus der die oberen beiden historischen Aufnahmen entstanden sind.  Der Fußgänger, der den Hasenberg hinunter kommt, sieht diese "prächtigen" Fassaden.

 

zuletzt bearbeit am 10.12.2004