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Von
einem Stadtbrande, der am 27. Mai 1372 nach der Vesper
ausgebrochen sei und einen großen Teil der Stadt in Asche
gelegt habe, berichtet zwar verhältnismäßig früh und glaubwürdig
um 1420 der Xantener Kanoniker Dr. med. Philipp Schoen, doch ist
in den zeitgenössischen Quellen nichts davon überliefert. Um
so genauer sind wir über den großen Brand unterrichtet,
welcher am 16. April 1528 nachmittags gegen 2 Uhr am oberen
Regenbogen ausbrach und etwa 9 Stunden dauerte. Am 17. April
berichtet der Kanzler dem Herzog über die Ursache der
Katastrophe und ihr Ausmaß. Danach sind meir
dan dat halve marckt, die gantze Heyberghsche straet, voirt die
gantze Steckbaene. . . ind die gantze Haegsche straete mitten
Begynenconvent, mitter Haigscher poirten ind mitter Loemoelen up
der Stadt muyren allet in den grunt verbrant. Das am 24.
Juni 1528 durch den Herzog verfügte sechsjährige
Zinsenmoratorium, zu dem auch alle privaten Hypothekengläubiger
der geschädigten Schuldner verpflichtet werden, setzt uns in
den Stand, die Zuverlässigkeit des Augenzeugenberichtes vom 17.
April zu überprüfen, indem die Jahresrechnungen des Kollegialstiftes
von 1528 bis 1534 diese ruhenden Zinsen
gesondert aufführen. Es sind von den Häusern, die mit
Hypotheken zugunsten des Stiftes belastet sind, 74 aufgeführt;
doch wird von einem nach näherer Überprüfung festgestellt, dass
es nur teilweise beschädigt ist (nyet
all verbrant), fünf weitere werden überhaupt gestrichen.
Als weitere Quelle kommen die Protokolle des Schöffengerichtes
hinzu, in denen seit 1528 viele Jahre lang anlässlich ihrer
gerichtlichen Auflassung solche verbrannten Grundstücke
ziemlich häufig genannt werden. Aus diesen Angaben lässt sich
ein nahezu lückenloses Bild vom Ausmaß des Stadtbrandes
entwerfen, welches den Augenzeugenbericht vom 17. April 1528
einzig darin berichtigt, als nicht die ganze Hagsche Straße
verbrannt ist; vielmehr ist die untere Hälfte der östlichen
Zeile unterhalb einer genau feststellbaren Stelle vom Brand
verschont geblieben. Die Katastrophe hat solche Ausmaße nicht
nur dem heftig wehenden, trockenen
Nordost zu verdanken. Die leichte Bauart vieler Häuser, welche
noch von der ersten Anlage her als strohgedeckte Fachwerkbauten
standen, bot dem Feuer keinen Widerstand. Erst beim Wiederaufbau
konnte das schon länger bestehende Verbot dieser Bauweise
wirksam werden. Die Folgen des Brandes sind nie ganz überwunden
worden. Die Stadt hat nämlich zu Beginn des 16.
Jhs. die Zeit ihrer wirtschaftlichen Blüte längst hinter
sich. Die verarmten Bürger entschließen sich nur zögernd zum
Wiederaufbau. Viele Hausplätze bleiben jahrzehntelang leer,
manche werden überhaupt nicht mehr bebaut; andere werden zu
Nachbarhäusern gezogen und dienen Angehörigen des Patriziates,
des höheren Beamtenstandes und der Ritterschaft als willkommene
Vergrößerung ihres Stadthauses. Heideberg und Großer Markt
verlieren ihre alte Bedeutung fast vollständig an die Große
Straße
und das Hagsche Viertel. |