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DIE
FESTUNG
DIE STADTBEFESTIGUNG
ERSTE UMWALLUNG. Es gibt keinen Grund, zu bezweifeln, dass die
erste Stadtmauer noch dem 13. Jh. angehört. Sie wird zwar
zuerst im Heberegister von 1318 (buten die mure van Cleve),
sodann urkundlich 1323 zuerst genannt (extra muros penes fossnta
civitatis), doch handelt es sich in diesem Falle zugleich um
eine der frühesten Urkunden topographischen Inhaltes. Die Mauer
beginnt an der äußeren Burgmauer. Die Lage des Tores am oberen
Ende der Großen Straße ist so gewählt, dass das Bündel der
von der Burg, von der Pfarrkirche und aus dem Hag kommenden Straßen
sich hart vor dem Tore vereinigt. Die Schlucht zwischen
Heideberg und Burgberg wird an der engsten Stelle gesperrt. Die
Mauer erklimmt steilrecht den Hang, folgt dann der oberen Böschungskante.
Die Führung der Heideberger Mauer bis zum Kavarinertor ergibt
sich aus den (an
anderer Stelle) geschilderten Gründen. Gegen das Wasser
liegt die Stadt offen; hier gilt der Altrhein als sicherer
Schutz.
Mitteltor, Heideberger- und Kavarinertor gehören
demselben Bautypus an und erweisen sich auch dadurch gegenüber
dem Hagschen Tor von 1341 als ältere Anlage. Der ursprüngliche
Name des Mitteltores ist nicht überliefert. Die beiden anderen
Tore haben stets diese Namen (1407: porta Heyberch; 1361: porta
Lombardorum; 1399: porta Kavarinse port). Der Eckturm östlich
des Hasenberges wird noch 1534 genannt; sonst werden mit Namen
erwähnt der Raventoern (1652 abgerissen) südlich des
Heideberger Tores, Schollenrondeel (1369: propugnaculum dictum
rondeel) und das Bollwerk Netelenhorst auf dem linken Ufer des
Altrheines.
II.
VORSTADTWALL. Mit der Auslegung der Vorstadt um die Wende des
13. Jhs. ist der einfache Wallgraben (buitenste oder uiterste
grave) angelegt worden. Die Vorstadtbrücke (1324: pons primus;
1418: cleyne brugghe) ist durch ein bescheidenes Torgebäude von
der Art der Vortore geschützt (Abbildung im Bedburschen
Zehntatlas, 1605).
III.
HAGSCHE UMWALLUNG. Sie wird gleich nach 1341 auf Grund der am
31. Dezember 1340 vom Grafen dem Kollegiatstift gegenüber
eingegangenen Verpflichtung angelegt. Die Mauer wird am
Rabenturm an die alte Stadtmauer angeschlossen und im flachen
Bogen über die Talsenke der Stechbahn und den Buckel des Kamps
geführt; südl. der Stiftsfreiheit ist sie wegen der damals
schon weit nach Süden ausgreifenden Bebauung etwas ausgebeult.
Auf der Höhe des Kermisdalhanges wird ihre Linienführung durch
die schon vorhandenen festen Häuser an der Ostseite des Ossacks
bestimmt. Sie schließt östlich der äußeren Burgpforte an den
Torturm der Burg an. Das Hagsche Tor wird bereits 1345 (Porta in
den Hage) genannt. Auch die Türme gehören derselben Zeit an;
so wird das Bollwerk an der Nassauer Straße am 22. Februar 1353
dem Claes Taybert mit der Verpflichtung zur Öffnung ausgetan.
IV.
POSTERNE. 1430 wird die posterne onder der borchmueren ind onder
der stat mueren zuerst genannt. Sie steht wohl im zeitlichen
Zusammenhang mit dem gedeckten Mauerweg und Turm östlich des
Burgberges zwischen Ringmauer und Altrhein. Die Anlage verdankt
ihre Entstehung den Erfahrungen des Jahres 1368, als es sich in
den Auseinandersetzungen um das Erbe der verwaisten Grafschaft
zeigte, dass die Burgbesatzung ganz in der Hand der Stadt war.
Graf Adolf I. (1368-1394) hat sogleich nach seinem Siege, der maßgeblich
der Stadt verdankt wurde, mit dem Bau eines neuen, von der Stadt
im Ernstfalle unabhängigen Burgausganges an der Wasserseite
begonnen. Schon 1371 wird die hier über den Altrhein führende
Brücke als nije brugge erwähnt.
V.
RHEINMAUER UND BRÜCKTOR. Gegen den Altrhein ist die Stadt zunächst
offen gewesen. Eine gute Stückbeschreibung des Lehensgutes op
gen Schild von 1352 schließt die Existenz einer Mauer auf dem
Ufer des Altrheines aus (tusschen
den auden Rhijne ende der straten). Auch heißt der auf dem
rechten Ufer gelegene Stadtteil stets ultra
pontem oder over der
brugge, während doch die Gärten im Hag, auf dem Heideberg
und vorne im Spik durchweg extra
portam. . . buyten der poerten liegen. Erst die Anlage des
Spoykanals und die damit verbundene Schiffbarmachung des
Altrheines macht den Bau einer Stadtmauer auf dem linken Ufer nötig.
Sie muss noch zu Anfang des 15. Jhs. erbaut worden sein und heißt,
nach dem Archivvermerk einer Hand des 15. Jhs. zu einer Urkunde
von 1374 murus
Reni, d.
i. Rheinmauer. Dieser Zeit gehört natürlich auch das Brücktor
an, dessen bauliche Übereinstimmung mit dem Brücktor an der
Wassermühle überraschend ist. Diese Anlage setzt eine Brücke
voraus, welche näher als die spätere Steinbrücke an das
Gasthaus heranreichte.
VI.
VORMAUER. Im Jahre 1446 setzt man vor diese erste Rheinmauer
mitten ins Wasser hinein eine zweite tusschen
der brugh poirten ind der moelen ten Bleke. Sie steht nicht
mehr mit dem Tore, sondern mit der Brustwehr der steinernen Brücke
in Verbindung. Der vierkantige Turm südlich des Brücktores heißt
im 17. Jh. Weyersturm, ein Turmhaus an der Mauerecke östlich
des Wassertores im 18. Jh. der
Spieker. Danach nennt man noch zu Beginn des 19. Jhs. die
untere Wasserstraße vor dem Tore auf
dem Spieker. Im gleichen Jahre 1446 verpflichtet sich die
Stadt, oick die butenste
muer an der Kauwersijnscher poirten off
dairumbtrynt zu verstärken.
Möglicherweise ist die Vormauer zwischen Brücktor und
Netelenhorst eben vor 1446 fertig geworden, da ja ihre Weiterführung
südlich des Tores zur Wassermühle hin bereits geplant war, als
die Stadt die Verpflichtung zum Weiterbau einging. Die Vormauer
entlang der Altstadtumwallung, welche aber nach den Abbildungen
des 16. und frühen 17. Jhs. sich auch längs der Hagschen
Umwallung fortsetzt, wird, da sie 1446 so baufällig ist, dass
sie ondervaeren werden
muss, erheblich älter sein. Einen Anhaltspunkt für die
Datierung bieten verschiedene Nachrichten über das Endstück
dieser Mauer, das beim Palantsturm die Hauptmauer verlässt und
geradewegs zum Altrhein hinabgeht und
hier, wo unten am Wasser ein turmbewehrtes Pförtchen den Fußweg
nach Bedbur durchlässt, stets Quermauer heißt (1404: werssmuyr);
diese Nachrichten reichen bis 1370 zurück und lassen die
Vormauer demnach wenig jünger, wenn nicht sogar gleichzeitig
mit der Hagschen Umwallung sein. Die Vormauer schließt am Brücktor,
wie gesagt, an die Brustwehr der Alten Brücke, sonst aber überall
an das Vortor an. Den dritten Befestigungsring bilden mit den Gräben,
die auf der Höhe trocken sind, die Erdwälle; wo sie die aus
den Toren führenden Steinstraßen passieren, stehen die Schlagbäume
(1528: buyten
der heyberscher poirten bij den (veersten) slachboem) oder
Hecken (1501: buyten
der Cauwersijnscher porten bij den Spijxschen heycke).
VII.
BOLLWERKE UND BASTEIEN. Von den halbmondförmigen Bollwerken,
wie sie um die Wende des 15. Jhs. üblich sind, findet sich ein
einziges am Heidebergertor und zwar an der talwärtigen (Süd-)Seite
der Torgasse; es wird 1502 vollendet. - Noch der 2. Hälfte des
16. Jhs. gehören die Basteien des Burgberges an, namentlich die
große Bastei seitlich der Neuen Pforte und die andere oben am
Bleichenberg von 1568. In den Befestigungsplan der Stadt, der
1610 angefertigt wurde und welcher der Karte (...) zu Grunde
liegt, sind nachträglich eine Reihe von Bastionen sowie eine
Zitadelle vor dem Brücktor
eingezeichnet worden; es scheint,
als ob sich Kurbrandenburg unmittelbar nach der Erwerbung Kleves
(1609) mit dem Gedanken getragen hat, die Stadt zur Festung zu
machen, ohne dass indessen etwas daraus geworden ist.
DIE
ENTFESTIGUNG. Bereits am Ausgang des 16. Jhs. genügen die städtischen
Festungsanlagen nicht mehr den Forderungen der Zeit. Der
Achtzigjährige Krieg, namentlich die Eroberung der Stadt durch
die Spanier (1635), haben sie stark getroffen. In den nächsten
Jahren fällt die Entscheidung über das zukünftige Schicksal
der Stadt durch den Entschluss der brandenburgischen Regierung,
das Ende des Krieges hinter den schützenden Festungswällen von
Emmerich abzuwarten (1637). Zwar wird die Mauer in den nächsten
Jahren hier und da notdürftig geflickt, zugegebenermaßen aber
mehr zum Schutz gegen Marodeure und Zolldefraudanten als gegen
reguläre Truppen. Noch vor dem Frieden von Münster beginnt die
Stadt, ihre Gräben und Wälle zu parzellieren und zu
verpachten, die Mauer zur Bebauung freizugeben. Das gilt auch
von den Türmen, von denen die Stadt nur je einen an der Mühlenstraße
und an der Heideberger Mauer als Dienstwohnung für den
Kuhhirten und den Nachtwächter zurückbehält. Weiterhin fallen
bis zur Mitte des 18. Jhs. sämtliche Vortore bis auf jenes vor
dem
Brücktore, welches ja den Zutritt zur Brückenvorstadt
sperrt. Die Tore selbst werden alle Ende der zwanziger Jahre des
19. Jhs. niedergelegt, da dies eine der Bedingungen ist, unter
denen Bezirksregierung und Staat die neuen Landstraßen durch
die Stadt zu führen versprechen. Die Mauer ist bis zu dieser
Zeit - wenn auch nur gegen Zolldefraudanten - immer wieder
unterhalten und geflickt worden. Erst nach 1840 verliert sie
diese Zweckbestimmung. Dann fallen zunächst die freistehenden,
seit der Jahrhundertwende mit dem Abbruch der Mauerwohnungen
auch die angebauten Mauerstücke.
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