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Aufnahme von 1982 - Der Koekkoek - Platz am Ende der Kavarinerstraße ist eine Parkfläche für Autos.

© Karola Koenen, Borselstege 1, Kleve

 

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Das Umfeld am 12. August 2007

© Rainer Hoymann

Die Klever Straßennamen und ihre Geschichte

KavarinerStrasse

(Straßen-) Verbindungen: Angerhausenstege, Große Straße, Hopfensackstege, Koekkoekstege, Minoritenstraße, Tiergartenstraße

Lesen Sie auch die Kurzbeschreibung von Frau Schnütgen (21. Jan. 2006)

aus: Dr. Friedrich Gorissen - Kleve so wie es war (Düsseldorf, Droste Verlag GmbH, 1977)
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Blick in die Kavarinerstraße (um 1900)

aus: Dr. Friedrich Gorissen - Kleve so wie es war (Düsseldorf, Droste Verlag GmbH, 1977)
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Kavarinerstraße zur Großen Straße hin (um 1930)

 

us: Ernst Hannen - Ich denke oft an Cleve (Kleve, Janßen-Druck GmbH, 1994)
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Links: "Bernhard Schulte zur Wissen, der sich hier in der Eingangstür seiner Tuchhandlung und Maßschneiderei dem Photographen stellt, versprach in seinen Inseraten der Kundschaft "Elegante und saubere Anfertigung nach Maß in besserer Damen- und Herrenbekleidung". In der aus Keeken stammenden Familie sehen wir links neben ihm seinen Bruder Heinrich, rechts von ihm Willi Wenning aus Kellen ... . Im Fenster steht der in der Tiergartenstraße 16 wohnende, Arzt Dr. Peter Voß. Als Mitbewohner im Haus das Ehepaar Wilhelm Frede im Fenster darüber." (1)

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Oben: "Kaum eine Ecke in Cleve, von wo aus nicht die Schwanenburg zu sehen wäre. Hier hat Cleve`s rühriger Photograph Ewald Steiger die Burg von der Cavarinerstraße aus aufgenommen. Wir blicken direkt in den Garten der Restauration "Zur Lampe"." (2)

Die ("obere") Kavarinerstraße bildet mit der Großen Straße die Haupteinkaufszone der Stadt. Dabei überwiegen in der "Kav.-Straße" Einzelhandelsgeschäfte, die zum Teil noch von alteingesessenen Klever Familien geführt werden. Beispielhaft seien hier genannt: Elektro-Technik Hussmann, Haushaltswaren Kotters, Herren- und Damenausstattung Schulte zur Wissen, Möbelhaus Rexing, Gold- und Silber - Schmiedemeister Bodo Schmitt, Schmuck - Design Josef Schmidthausen, Stadtcafé Wanders, Hutmoden Dreis, Handarbeitsgeschäft Verwers, etc. .

Seit 1978 findet zweimal wöchentlich - Dienstags und Freitags -  ein Wochenmarkt in dieser ältesten Fußgängerzone am unteren Niederrhein statt (Eröffnung im November 1976; Feier anlässlich des 25jährigen Jubiläums im Juni 2002). 

Dem Handel hat die Straße auch ihren heutigen Namen zu verdanken. Romanische Händler, sog. Kawersiner, Kawariner und Kawerschen betätigten sich vom 13. bis zum 16. Jahrhundert an dieser Stelle als Geldwechsler und Bankiers. Diese Tradition setzt heute die Volksbank Kleverland eG fort, die das stattlichste Anwesen der Straße, das ehemalige Haus van Rossum, (noch) als Filiale nutzt. Das Bankgebäude liegt vis-à-vie dem Museum Haus Koekkoek, dem prächtigen Malerpalais, in dem eine umfangreiche Sammlung des romantischen Landschaftsmalers und seiner Schüler untergebracht ist. Zwischen diesen beiden Häusern lag bis 1820 das Kavarinertor das als ""porta Lombardorum" (Lombarden- oder Geldwechsler-Tor) bereits im 14. Jahrhundert auftaucht, während die Straße selbst überhaupt erst Ende des 15. Jahrhunderts schriftlich erwähnt wird." (3) An diese Stelle trennt der Volksmund im Sprachgebrauch die Straße auch in eine "obere" (heutige Fußgängerzone) und eine "untere" Kavarinerstraße (Parkplatz bis Einmündung der Heldstraße). 

Für die frühe Existenz einer Straße oder zumindest eines Weges spricht die Gründung des angrenzenden Minoritenklosters (das spätere St. Antonius Hospital und heutige Rathaus) im Jahre 1285 (4). Allerdings wird sowohl der Verlauf als auch die Höhe von der heutigen Form abgewichen haben. "Es erscheint nämlich unwahrscheinlich, dass die Straße vor und hinter dem Tore in ganz gerader Linie verlaufen ist, weil das Tor, ein Verteidigungsbollwerk, seinen Zweck nur dann vollauf erfüllen konnte, wenn Ein- und Austritt durch das Tor bei einem Angriffe möglichst unübersichtlich waren. ... Das geschah am besten durch Windungen der Straße. ... Diese Abweichungen von der heutigen Lage waren aber, weil die Straße auf einer längeren Strecke an einer steilen Bergwand liegt, nur nach der Talseite hin möglich. Er erscheint daher nicht ausgeschlossen, dass die Straße von der Großen Straße aus gesehen, im Bogen auf die Unterstadtkirche und das Minoritenkloster hin verlief, um dann über den höher gelegenen Teil des Hospitalgrundstückes und der van Roßumschen Besitzung in das Cavarinertor einzumünden. Auch jenseits des Tores wird die Straße wahrscheinlich ... tiefer gelegen haben und in Krümmungen bis zur Heldstraße verlaufen sein. ... Der Anfang von der Großen Straße aus kann an der jetzigen Stelle gelegen haben ... . Auf jeden Fall wird die Straße mehr talwärts an der Kirche vorbeigeführt haben, denn die Erbauer von Kirche und Kloster würden diese nie so tief errichtet haben (wahrscheinlich im Bette des alten Westrheines) wenn etwa 30 m davon ein etwa 2 m höher gelegener Weg vorbeigegangen wäre. Man muss daher annehmen, dass der ganze Berghang sich früher tiefer hinabgezogen hat ... . " (5)

Das die Kavarinerstraße auf einem Berghang liegt, ist auch die Erklärung für eine früheren Bezeichnung. Vom Ende des 15. bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts hieß die Straße "Leeuwstrate". (6) "Leeuw bedeutet zwar den Löwen, aber auch im Klevischen wie überhaupt im rheinischen Niederland die hochwassserfreie Erhebung." (7)

Reizvolle Seitenstraßen und Gassen die nördlich abwärts (Angerhausenstege, Kirchenvorplatz) und südlich aufwärts streben (Koekkoekstege, Hopfensackstege) verdeutlichen diese Lage auf einem Berghang. Bis 1971 konnte man die Aussicht von diesem "Berg" auch noch bei einer Tasse Kaffee von der Terrasse des Hotel Bollingers genießen. Das Gebäude wurde 1982 abgerissen - einer der vielen Bausünden in Kleve nach dem Krieg.

"Die Kavarinerstraße ist bis ins 17. Jahrhundert nur eine Nebenstraße gewesen, die, obschon sie auf ein Stadttor, das gleichgenannte Kavarinertor, zuführte, doch nie recht Bedeutung erlangte. Das rührt einfach daher, dass jenes Tor bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts lediglich den Weg ins Spick, die Feldmark der Klever Bürger, und in die Dörfer der Düffel freigab, während die Straße nach Nijmegen durchs Heideberger Tor ging. Erst die Anlage des Tiergartens und bald darauf der unteren Landstraße nach Nijmegen über Donsbrüggen und Kranenburg verliehen der Kavarinerstraße als der Zubringerin mit steigendem Verkehr größere Bedeutung.

Dem entspricht ganz das für den Beginn des 16. Jahrhunderts - und mit nur geringen Änderungen auch für frühere Zeiten - zu entwerfende Bild der Straße: Eine durchgehende Zeile von bewohnten Häusern befand sich nur an der Südseite der Straße und auch dort nur in dem zwischen der Hopfensackstege und dem Tor gelegenen Abschnitt. Sonst sind nur die Straßenecken, an der Hopfensackstege wie an der Großen Straße von Wohnbauten eingenommen. Zwischen den Eckhäusern an der Hopfensackstege und an der Großen Straße lagen mehrere Scheunen, die in der Grossen Strasse wohnenden Kaufleuten gehörten. Die Nordseite war kaum zur Hälfte bebaut. Der Klosterkirchhof nahm fast den ganzen vorderen Teil dieser Straßenseite ein. Ihm folgten das weit zurückgelegene Minderbrüderkloster ... ." (8)

Die Kavarinerstraße war bis zur Zerstörungen im II. Weltkrieg eine enge Straße, wie die beiden oberen Aufnahmen zeigen. Johan Arnold Kopstadt, bekannter Bewohner der Cavarinerstraße (das Grundstück begann gegenüber von Schulte zur Wissen), hat in seinem Buch "Über Cleve, in Briefen an einen Freund aus den Jahren 1811 und 1814" erwähnt, dass sogar Napoleon, als er auf seinem Durchzug von Holland her in die Straße einherzog, sich unmutig über die enge Feststraße geäußert habe. (9) Dieses Buch ist eine umfangreiche Quelle über die Franzosenzeit und die Anfänge der preußischen Herrschaft im Kleverland. Das Patrizierhaus bewohnte nach Kopstadt sein Schwiegersohn Christian Friedrich von der Mosel, der der erste Landrat des Kreises Kleve war. Ihm folgte Theodor Remy, Inhaber der 1874 gegründeten Weinkellerei und erster niederländischer Konsul in Kleve. (10)

Die Kath. Pfarrkirche St. Mariä Empfängnis - die Klever nannten die Kirche früher die Annexkirche nach dem sonst unbekannten gleichnamigen Heiligen - war Teil des Minoritenklosters. "Im Jahre 1285 soll Graf Dietrich VII. von Kleve dem Minoritenorden dieses Gelände für den Bau eines Klosters überlassen haben. Das Kloster ist erst 1300 direkt belegt. Die heutige ("Minoriten-") Kirche wurde zwischen 1425 und 1445 erbaut. Prunkstücke der Einrichtung sind das Chorgestühl aus dem Jahre 1474, das vielleicht Meister Arnt van Kalkar zugeschrieben werden darf, und die Barockkanzel von Nikolaus Albers aus dem Jahre 1698." (11)  An der Fassade zum Klostergarten befindet sich eine Grabplatte des spanischen Eroberers der Schenkenschanz, Adolf van Eyndhouts. 

Trotz der Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg und dem daran anschließenden - wenig einfühlsamen - Wiederaufbau, gehört die Kavarinerstraße heute zu den "schöneren" Straßen im Stadtgebiet. Die kleinteilige Bebauung, die Mischung historischer und "modernerer" Gebäude harmoniert. Reizvoll sind Theater- und Musikaufführung auf dem Kirchvorplatz, die während der Sommermonate hin und wieder und in jedem Fall zu wenig stattfinden.

Informationen zu Klever Einzelhändlern aus der Kavarinerstraße:

 

Fußnoten:

1) Ernst Hannen: "Ich denke oft an Cleve - Erinnerungen mit alten Ansichtskarten", Seite 80, Janßen-Druck GmbH, Kleve 1994

2) Klaus Radermacher: "Bad Cleve in Photographien um die Jahrhundertwende", Seite 25, Boss-Verlag, Kleve 1985

3) Sabine Noack: "Woher die Namen kamen. Klever Straßen und ihre Geschichten.", Seiten 67 bis 69, Verlag für Kultur und Technik, Kleve, 1997 

4) Gerhard Hunscheidt: "Die Clever Straßennahmen und ihre Geschichte nach archivarischen und anderen Quellen", Seiten 24 bis 29, Verlag von Frau Boß Ww., Kleve, 1925

5) siehe 4)

6) Friedrich Gorissen: "Historische Topographie der Stadt Kleve", Seiten 94 und 95, Boss-Verlag, Kleve, 1992

7) Friedrich Gorissen: "Kleve so wie es war", Seiten 29 bis 31, Droste-Verlag GmbH, Düsseldorf, 1977. In seinem Buch "Historische Topographie der Stadt Kleve", das auf seinem Manuskript von 1939/1942 basiert, führt Gorissen den Namen Löwenstraße noch "unzweifelhaft" auf das Haus "Zum roten Löwen" zurück, das vor dem Stadtbrand von 1528 an der unteren Ecke der Hopfensackstege lag.

8) siehe 6)

9) siehe 4)

10) siehe 7)

11) Internetangebot der Stadt Kleve, Rubrik "Stadtporträt / Sehenswürdigkeiten"

 

Fotografien von der Kavarinerstraße (25. April 2002)

 

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Der Blick in die Kavariner- von der Großen Straße aus. Links das Modehaus Mensing, rechts das Stadtcafé Wanders, dahinter führen Treppen zur Minoritenkirche hinunter. Am Horizont - Bildmitte links - sieht man einen Teil der Fassade des Koekkoek-Palais. Das beste Café am Platz: Stadtcafé Wanders. Die Giebel der Minoritenkirche Der Blick aus der Hopfensackstege auf die Kavarinerstraße: Rechts liegt das Elektrogeschäft Hussmann, vorne links die Fa. Kotters.
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Ein Blick in Richtung Große Straße auf Höhe der Hopfensackstege. Diese Gasse führt zum Rathaus. Man sieht, dass die Kavarinerstraße auf einem Berghang liegt.  Das Traditionsgeschäft der Fa. Schulte zur Wissen Nur wenige historischen Objekte blieben von den Zerstörungen des II. Weltkriegs verschont.
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Das Malerpalais und heutige Museum Koekkoek (Rückansicht) Die "untere" Kavarinerstraße. In der Bildmitte das Möbelgeschäft Rexing Die Volksbank Kleverland eG, im ehemalige Haus van Rossum Eingang zum Museum Haus Koekkoek
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Die Koekkoekstege

Die Volksbank Kleverland eG

Information zum Obelisken (pdf-Datei, 548 kb)

Das Rathaus  Der "Volksbank Turm"
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Die Angerhausenstege vom Rathausplatz in Richtung Kavarinerstraße fotografiert. Der Janusbrunnen von Dieter von Levetzow in der Angerhausenstege.  Der römische Gott Janus mit seinen zwei Köpfen ziert die Säule, die auf einem wiederentdeckten mittelalterlichen Brunnen errichtet wurde.  Der Figurenfries, der sich um den Fuß der Säule zieht, symbolisiert die Zusammengehörigkeit von Stadt und Land.
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Das Rathaus wurde vor dem II. Weltkrieg als Krankenhaus genutzt. Beide Nutzungen basieren auf das im Jahr 1285 gegründete Minoritenkloster. Das Josefs - Haus, in dem bis 1975 Obdachlose eine Unterkunft fanden. Es wird jetzt als Polizeistation genutzt.   
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Gedenktafel an der Minoritenkirche Eingang zum ehemaligen Friedhof der Minoritenkirche Die Grabplatte des spanischen Eroberers der Schenkenschanz: Adolf van Eyndhouts.
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zuletzt bearbeitet am 10.01.2010