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Die ("obere")
Kavarinerstraße bildet mit der Großen Straße die Haupteinkaufszone der Stadt.
Dabei überwiegen in der "Kav.-Straße" Einzelhandelsgeschäfte, die
zum Teil noch von alteingesessenen Klever Familien geführt werden. Beispielhaft
seien hier genannt: Elektro-Technik Hussmann, Haushaltswaren
Kotters, Herren- und Damenausstattung Schulte zur Wissen,
Möbelhaus
Rexing, Gold- und Silber - Schmiedemeister Bodo Schmitt, Schmuck - Design Josef Schmidthausen,
Stadtcafé Wanders, Hutmoden Dreis, Handarbeitsgeschäft Verwers, etc. .
Seit 1978 findet zweimal wöchentlich - Dienstags und
Freitags - ein Wochenmarkt in dieser ältesten Fußgängerzone am unteren
Niederrhein statt (Eröffnung im November 1976; Feier anlässlich des 25jährigen
Jubiläums im Juni 2002).
Dem Handel hat die Straße auch
ihren heutigen Namen zu verdanken. Romanische Händler, sog. Kawersiner,
Kawariner und Kawerschen betätigten sich vom 13. bis zum 16. Jahrhundert an
dieser Stelle als Geldwechsler und Bankiers. Diese Tradition setzt heute die
Volksbank Kleverland eG fort, die das stattlichste Anwesen der Straße, das ehemalige
Haus van Rossum, (noch) als Filiale nutzt. Das Bankgebäude liegt vis-à-vie dem
Museum Haus Koekkoek,
dem prächtigen Malerpalais, in dem eine umfangreiche Sammlung des romantischen
Landschaftsmalers und seiner Schüler untergebracht ist. Zwischen diesen beiden
Häusern lag bis 1820 das Kavarinertor
das als ""porta Lombardorum" (Lombarden- oder Geldwechsler-Tor)
bereits im 14. Jahrhundert auftaucht, während die Straße selbst überhaupt
erst Ende des 15. Jahrhunderts schriftlich erwähnt wird." (3)
An diese Stelle trennt der Volksmund im Sprachgebrauch die Straße auch in eine
"obere"
(heutige Fußgängerzone) und eine "untere" Kavarinerstraße (Parkplatz
bis Einmündung der Heldstraße).
Für die frühe Existenz einer
Straße oder zumindest eines Weges spricht die Gründung des angrenzenden Minoritenklosters
(das spätere St. Antonius Hospital und heutige Rathaus) im Jahre 1285 (4).
Allerdings wird sowohl der Verlauf als auch die Höhe von der heutigen Form
abgewichen haben. "Es erscheint nämlich unwahrscheinlich, dass die Straße
vor und hinter dem Tore in ganz gerader Linie verlaufen ist, weil das Tor, ein
Verteidigungsbollwerk, seinen Zweck nur dann vollauf erfüllen konnte, wenn Ein-
und Austritt durch das Tor bei einem Angriffe möglichst unübersichtlich waren.
... Das geschah am besten durch Windungen der Straße. ... Diese Abweichungen
von der heutigen Lage waren aber, weil die Straße auf einer längeren Strecke
an einer steilen Bergwand liegt, nur nach der Talseite hin möglich. Er
erscheint daher nicht ausgeschlossen, dass die Straße von der Großen Straße aus
gesehen, im Bogen auf die Unterstadtkirche und das Minoritenkloster hin verlief,
um dann über den höher gelegenen Teil des Hospitalgrundstückes und der van
Roßumschen Besitzung in das Cavarinertor einzumünden. Auch jenseits des Tores
wird die Straße wahrscheinlich ... tiefer gelegen haben und in Krümmungen bis
zur Heldstraße verlaufen sein. ... Der Anfang von der Großen Straße aus kann an
der jetzigen Stelle gelegen haben ... . Auf jeden Fall wird die Straße mehr
talwärts an der Kirche vorbeigeführt haben, denn die Erbauer von Kirche und
Kloster würden diese nie so tief errichtet haben (wahrscheinlich im Bette des
alten Westrheines) wenn etwa 30 m davon ein etwa 2 m höher gelegener Weg
vorbeigegangen wäre. Man muss daher annehmen, dass der ganze Berghang sich
früher tiefer hinabgezogen hat ... . " (5)
Das die Kavarinerstraße auf einem
Berghang liegt, ist auch die Erklärung für eine früheren Bezeichnung. Vom
Ende des 15. bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts hieß die Straße "Leeuwstrate".
(6) "Leeuw
bedeutet zwar den Löwen, aber auch im Klevischen wie überhaupt im rheinischen
Niederland die hochwassserfreie Erhebung." (7)
Reizvolle Seitenstraßen und Gassen
die nördlich abwärts (Angerhausenstege, Kirchenvorplatz) und südlich
aufwärts streben (Koekkoekstege, Hopfensackstege) verdeutlichen diese Lage auf
einem Berghang. Bis 1971 konnte man die Aussicht von diesem "Berg"
auch noch bei einer Tasse Kaffee von der Terrasse des Hotel
Bollingers genießen. Das Gebäude wurde 1982 abgerissen - einer der vielen
Bausünden in Kleve nach dem Krieg.
"Die Kavarinerstraße ist bis
ins 17. Jahrhundert nur eine Nebenstraße gewesen, die, obschon sie auf ein
Stadttor, das gleichgenannte Kavarinertor, zuführte, doch nie recht Bedeutung
erlangte. Das rührt einfach daher, dass jenes Tor bis zur Mitte des 17.
Jahrhunderts lediglich den Weg ins Spick, die Feldmark der Klever Bürger, und
in die Dörfer der Düffel freigab, während die Straße nach Nijmegen durchs
Heideberger Tor ging. Erst die Anlage des Tiergartens und bald darauf der
unteren Landstraße nach Nijmegen über Donsbrüggen und Kranenburg verliehen
der Kavarinerstraße als der Zubringerin mit steigendem Verkehr größere
Bedeutung.
Dem entspricht ganz das für den
Beginn des 16. Jahrhunderts - und mit nur geringen Änderungen auch für
frühere Zeiten - zu entwerfende Bild der Straße: Eine durchgehende Zeile von
bewohnten Häusern befand sich nur an der Südseite der Straße und auch dort
nur in dem zwischen der Hopfensackstege und dem Tor gelegenen Abschnitt. Sonst
sind nur die Straßenecken, an der Hopfensackstege wie an der Großen Straße
von Wohnbauten eingenommen. Zwischen den Eckhäusern an der Hopfensackstege und
an der Großen Straße lagen mehrere Scheunen, die in der Grossen Strasse
wohnenden Kaufleuten gehörten. Die Nordseite war kaum zur Hälfte bebaut. Der
Klosterkirchhof nahm fast den ganzen vorderen Teil dieser Straßenseite ein. Ihm
folgten das weit zurückgelegene Minderbrüderkloster ... ." (8)
Die Kavarinerstraße war bis zur
Zerstörungen im II. Weltkrieg eine enge Straße, wie die beiden oberen
Aufnahmen zeigen. Johan Arnold Kopstadt, bekannter Bewohner der Cavarinerstraße
(das Grundstück begann gegenüber von Schulte zur Wissen), hat
in seinem Buch "Über Cleve, in Briefen an einen Freund aus den Jahren 1811
und 1814" erwähnt, dass sogar Napoleon, als er auf seinem Durchzug von
Holland her in die Straße einherzog, sich unmutig über die enge Feststraße
geäußert habe. (9)
Dieses Buch ist eine umfangreiche Quelle über die Franzosenzeit und die
Anfänge der preußischen Herrschaft im Kleverland. Das Patrizierhaus bewohnte
nach Kopstadt sein Schwiegersohn Christian Friedrich von der Mosel, der der
erste Landrat des Kreises Kleve war. Ihm folgte Theodor Remy, Inhaber der 1874
gegründeten Weinkellerei und erster niederländischer Konsul in Kleve. (10)
Die Kath. Pfarrkirche St. Mariä
Empfängnis - die Klever nannten die Kirche früher die Annexkirche nach dem
sonst unbekannten gleichnamigen Heiligen - war Teil des Minoritenklosters.
"Im Jahre 1285 soll Graf Dietrich VII. von Kleve dem Minoritenorden dieses
Gelände für den Bau eines Klosters überlassen haben. Das Kloster ist erst
1300 direkt belegt. Die heutige ("Minoriten-") Kirche wurde zwischen
1425 und 1445 erbaut. Prunkstücke der Einrichtung sind das Chorgestühl aus dem
Jahre 1474, das vielleicht Meister Arnt van Kalkar zugeschrieben werden darf,
und die Barockkanzel von Nikolaus Albers aus dem Jahre 1698." (11)
An der Fassade zum Klostergarten befindet
sich eine Grabplatte des spanischen Eroberers der Schenkenschanz, Adolf
van Eyndhouts.
Trotz der Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg und dem daran
anschließenden - wenig einfühlsamen - Wiederaufbau, gehört die
Kavarinerstraße heute zu den "schöneren" Straßen im Stadtgebiet.
Die kleinteilige Bebauung, die Mischung historischer und "modernerer"
Gebäude harmoniert. Reizvoll sind Theater- und Musikaufführung auf dem
Kirchvorplatz, die während der Sommermonate hin und wieder und in jedem Fall zu
wenig stattfinden.
Informationen
zu Klever Einzelhändlern aus der Kavarinerstraße:
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Fußnoten:
1)
Ernst Hannen: "Ich denke oft an Cleve - Erinnerungen mit alten
Ansichtskarten", Seite 80, Janßen-Druck GmbH, Kleve 1994
2)
Klaus Radermacher: "Bad Cleve in Photographien um die
Jahrhundertwende", Seite 25, Boss-Verlag, Kleve 1985
3)
Sabine Noack: "Woher die Namen kamen. Klever Straßen und ihre
Geschichten.", Seiten 67 bis 69, Verlag für Kultur und Technik, Kleve,
1997
4)
Gerhard Hunscheidt: "Die Clever Straßennahmen und ihre Geschichte nach archivarischen
und anderen Quellen", Seiten 24 bis 29, Verlag von Frau Boß Ww., Kleve,
1925
5)
siehe 4)
6)
Friedrich Gorissen: "Historische Topographie der Stadt Kleve", Seiten
94 und 95, Boss-Verlag, Kleve, 1992
7)
Friedrich Gorissen: "Kleve so wie es war", Seiten 29 bis 31,
Droste-Verlag GmbH, Düsseldorf, 1977. In seinem Buch "Historische
Topographie der Stadt Kleve", das auf seinem Manuskript von 1939/1942
basiert, führt Gorissen den Namen Löwenstraße noch "unzweifelhaft"
auf das Haus "Zum roten Löwen" zurück, das vor dem
Stadtbrand von 1528 an der unteren Ecke der Hopfensackstege lag.
8)
siehe 6)
9)
siehe 4)
10)
siehe 7)
11) Internetangebot der Stadt
Kleve, Rubrik "Stadtporträt / Sehenswürdigkeiten"
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