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Die Klever Straßennamen und ihre Geschichte

Kleiner Markt

(Straßen-) Verbindungen: Goldstraße, Kirchstraße, Nassauer Straße, Probsteistraße, Van-Bracht-Stege

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Der Kleine Markt in einer Aufnahme vom 31.8.2005. Die Fotografie entstand von der 3. Etage der Sparkasse. 

Die westliche Marktseite mit der Stiftskirche (um 1910) - Friedrich Gorissen: Kleve so wie es war (Düsseldorf, Droste Verlag GmbH, 1977)

Die westliche Marktseite mit der Stiftskirche (um 1910).

Wochenmarkt auf dem Kleinen Markt (um 1925) - Friedrich Gorissen: Kleve so wie es war (Düsseldorf, Droste Verlag GmbH, 1977)

Wochenmarkt auf dem Kleinen Markt (um 1925)

"Der "Kleine Markt", die "Kirchstraße" und der "Kirchplatz" bilden eines der ältesten Stadtgebiete Kleves. Schon zu mittelalterlicher Zeit gruppierten sie sich um die Oberstadtkirche herum bzw. führten dorthin, wie aus einer ersten Erwähnung eines Weges mit dem Namen "ascensu versus ecclesiam superiorem" aus dem Jahre 1323 hervorgeht. Mit der "ecclesiam superiorem" war dabei die Propsteikirche St. Mariae Himmelfahrt gemeint, heute meist kurz "Stiftskirche" genannt, zu der bereits im Jahre 1341 der Grundstein gelegt wurde."(1)

"Nachdem die Stadt gegründet worden war, wurde der Markt an der Pfarrkirche zur Unterscheidung von dem neuen Markt auf dem Heideberg der "Alte Markt" genannt. Diese Bezeichnung blieb bis um die Wende des 16. Jahrhunderts lebendig; seitdem wird der Name "Kleiner Markt" häufiger gebraucht, am Ende des 17. Jahrhunderts hat er sich völlig durchgesetzt." (2)

Der Kleine Markt hat, lt. Gorissen (3) im Wirtschaftsleben der Stadt nur geringe Bedeutung gehabt. Überwiegend Beamte des Landesherrn und des Stiftes sowie Mitglieder vornehmer Patrizierfamilien bewohnten die Häuser:

Die Bewohner des Eckhauses "Kleiner Markt / Goldstraße" (Heute wird dieser Bereich von einem modernen Bürogebäude, das die Volksbank Kleverland eG gemietet hat, eingenommen.) sind seit dem 14. Jahrhundert bekannt, als es dem Zimmermeister Gerhard Wijse gehörte. Seit dem folgenden Jahrhundert sind die Eigentümer und Mieter Angehörige des Geburts- und Beamtenadels, u. a. Friedrich von der Mosel - 1814 bis 1816 Bürgermeister, ab 1816 der erste Landrat. 

Die beiden Giebelhäuser (siehe Bild "Wochenmarkt auf dem Kleinen Markt", Haus rechts od. Fotografie rechts) wurden erst 1905 errichtet. An dieser Stelle wohnten und lebten zuvor in einem Patrizierhaus u. a. die Rickers, Diest, Heimburger, der Generalleutnant Graf von Nassau (zw. 1773 und 1782), Karl - Bogislaus von Rodenberg, Dr. August Beyer und zuletzt Prof. Georg Mestwerdt. Das Giebelhaus wurde von dem reichen Zigarrenfabrikant Wilhelm Mertens errichtet. (4)


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Kleiner Markt mit dem Kurfürsten - Denkmal (Privataufnahme)

Rechts daneben, in dem großen Haus am Anfang des Marktes, hat der bedeutende Klever Verleger Friedrich - Wilhelm Char seine Laufbahn begonnen. Auch arbeitete und starb hier Gustav v. Velsen (1806 - 1873), "der hochgebildete Geschichtsschreiber, Sammler und vielseitig im Dienste seiner Vaterstadt engagiert Bürger." (5)

Auf dem oberen Bild in der rechten Ecke sieht man das von Adolph Coert Mitte des 19. Jahrhunderts eingerichtete Gasthaus "Zum Grossen Kurfürst". Das Haus wurde um 1677 errichtet. Es gehörte u. a. der reichen Familie von Motzfeld - Eickel. Die Familie stellte verschiedentlich den Bürgermeister der Stadt Kleve. Das Haus war bekannt wegen seiner Deckenskulpturen, eine Handarbeit im Hochrelief mit mythologischen Darstellungen.(6)

Das hintere Objekt ist ebenfalls ein Gasthaus und nannte sich von Januar 1871 bis 1918 "Zum Deutschen Kaiser". Mit der Republik kam auch ein neuer Namen: Die Bezeichnung lautete nunmehr "Bürgerhaus". (7)

Der Kleine Markt war häufig Standort von Versammlungen und Kundgebungen. 1794 fand hier ein Tumult statt, dessen Höhepunkt die Pflanzung eines "Freiheitsbaumes" bildete.(8) Anlässlich des 300jährigen Jubiläums der Zugehörigkeit Kleves zur Krone Preußen wurde am 9. August 1909 vom Kaiser in einem großen Festakt das Denkmal zu Ehren des "Großen Kurfürsten" am Kleinen Markt eingeweiht. Auch die Nationalsozialisten nutzten den Platz für Propaganda-Veranstaltungen. 

Der Platz soll bereits seit vorstädtischer Zeit als Standort für den Wochenmarkt gedient haben. Diese Tradition ist restlos untergegangen. "Untergegangen" sind auch sämtliche Objekte, die den Kleinen Markt mehrere Jahrhunderte schmückten. Sie wurden ein Opfer der alliierten Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg. 

Da beim Wiederaufbau die Prioritäten auf "schnelle und kostengünstige Errichtung" lagen, ist von der ehemaligen Schönheit des Kleinen Marktes nichts mehr geblieben. Erst in den 90iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde die letzte Baulücke an der Ecke "Goldstraße / Kleiner Markt" geschlossen. In 2001 errichtete die Stadt Kleve den "Narrenbrunnen", der an die "Geselschap van den ghecken", die erste Narrenorganisation des christlichen Abendlandes erinnert. Damit ist der Kleine Markt wieder durch ein Denkmal geschmückt. An dieser Stelle standen bereits das Johann-Sigismund-, danach das Lohengrin-Denkmal und anschließend - wie bereits erwähnt - der "Große Kurfürst", der nunmehr am Dr. - Heinz - Will - Platz "regiert".

Auch der Kirchplatz, der bis 1825 noch als Friedhof diente, wurde in den 90iger Jahren neu eingefasst und entspricht damit wieder der Form, die ihm 1908 gegeben worden ist. Ein weiteres Denkmal "Der gefallene Krieger"  von Mataré fand an dieser Stelle eine würdige Bleibe.

Mit Fertigstellung der geplanten Kirchberggalerie (wann?) sollte auch das Leben wieder an diesen Platz zurückkehren und evtl. wird auch wieder ein kleiner Markt am Kleinen Markt regelmäßig stattfinden können.

Fußnoten:

1) Sabine Noack: "Woher die Namen kamen. Klever Straßen und ihre Geschichten.", Seite 53, Verlag für Kultur und Technik, Kleve, 1997 Hinweis: Das Jahr der Grundsteinlegung wurde in dem Zitat von 1356 auf 1341 korrigiert.

2) Friedrich Gorissen: "Historische Topographie der Stadt Kleve", Seite 116, Boss-Verlag, Kleve, 1992

3) siehe 2)

4) Friedrich Gorissen: "Kleve so wie es war", Seiten 62 u. 63, Droste-Verlag GmbH, Düsseldorf, 1977

5) Friedrich Gorissen: "Kleve so wie es war", Seite 60, Droste-Verlag GmbH, Düsseldorf, 1977

6) Gerhard Hunscheidt: "Die Clever Straßennahmen und ihre Geschichte nach archivarischen und anderen Quellen", Seiten 68 u. 69, Verlag von Frau Boß Ww., Kleve, 1925

7) siehe 4)

8) siehe 1)

 

Fotografien vom Kleinen Markt (18. März 2002 & 24. November 2008)

 

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Die Ecke "Goldstraße, Nassauer Straße, Kleiner Markt" vom höher liegenden Kirchplatz fotografiert.

Die Renovierungsarbeiten am Kleinen Markt wurden in 2001 abgeschlossen (Fotografie aus dem Bürogebäude der Volksbank).

Im Hintergrund: Die Einmündung der Goldstraße in den Kleinen Markt; rechts daneben liegt das Verwaltungsgebäude der Volksbank.

Der Kirchplatz ist von einer Mauer eingefasst. Auf dem Kirchplatz wurde das Denkmal "Der gefallene Krieger" aufgestellt.

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Bis 1825 diente der Kirchplatz als Friedhof.

Im Hintergrund: Das Sparkassengebäude

Links von der Häuserzeile: Die Probsteistraße; rechts: Die Van-Bracht-Stege.

Der am 11.11.2001 eingeweihte Narrenbrunnen liegt in der Mitte des Platzes.

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Der Narrenbrunnen von Anette Mürdter, Winterbach  

Der Narrenbrunnen vom 4. Oktober 2002 im Film (4.890 kb).

Im Hintergrund: Die steile Kirchstraße ist das Verbindungsstück zwischen Fischmarkt und Kleiner Markt.

Der am 11.11.2001 eingeweihte Narrenbrunnen liegt in der Mitte des Platzes.

Das Bild der Stiftskirche von der Kirchstraße aus gesehen.

Winteraufnahmen vom 24.11.2008:

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zuletzt bearbeitet am 11.12.2008