Der westliche Teil des Opschlags um das Jahr 1940 auf einer Ansichtskarte. Links von der Schwanenburg: das Finanzamt.

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Die Klever Straßennamen und ihre Geschichte

Opschlag

(Nachrichtensammlung zur Unterstadtentwicklung ab 13.12.2008)

(Straßen-) Verbindungen: Alte Brücke, Bensdorpstraße, Brücktor, Grabenstraße, Herzogstraße, Werftbrücke

aus: Friedrich Gorissen - Kleve so wie es war (Düsseldorf, Droste Verlag GmbH, 1977)
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Spoykanal und neue Brücke, die "Herzogbrücke" (um 1930) - Der Betrachter steht auf der alten Brücke am Brücktor und schaut in Richtung Kellen.

aus: Ernst Hannen - Ich denke oft an Cleve - Erinnerungen mit alten Ansichtskarten (Kleve, Janßen-Druck GmbH, 1994)
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Der alte Klever Hafen, der auf eine sehr lange Entwicklungsgeschichte zurückblicken kann, reichte in früherer Zeit, wie auch diese Aufnahme aus dem Jahre 1904 verdeutlicht, bis an die "Alte Brücke" heran. Links am Opschlag hatte sich schon früh eine von der Schifffahrt abhängige Industrie angesiedelt. Vor allem waren es die holländische Öl- und Leinkuchenfabrik "Noury & van de Lande", die später nach Emmerich übersiedelte, und die Präservenfabrik "Rhenania". Mit Kohlen, Holz und Baumaterial sowie mit künstlichen Düngemitteln war die Firma der Gebrüder Sack hier ebenfalls von Bedeutung.

aus: Wilhelm Michels / Peter Sliepenbeek - Niederrheinisches Land im Krieg. Ein Beitrag zur Geschichte des Zweiten Weltkrieges im Landkreis Kleve (Kleve, Boss-Druck und Verlag,1964)
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Die Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg verschonte auch den Opschlag nicht. Beim Wiederaufbau (siehe unten) veränderte sich die Gestaltung dieses Stadtgebietes grundlegend.

aus: Klaus Radermacher - Bad Cleve in Photographien um die Jahrhundertwende (Kleve, Boss-Verlag, 1985)
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Diese Fotografie zeigt neben der Herzogbrücke das neue Kino "Skala" (links von der Straßenbahn, die "Elektrische" genannt). Es wurde am 13. Juli 1912 eröffnet. Am Bildrand rechts erkennt man ein typisches Wohnhaus am Opschlag. Im Garten wurde Obst und Gemüse für den Eigenbedarf angebaut.

aus: Klaus Radermacher - Bad Cleve in Photographien um die Jahrhundertwende (Kleve, Boss-Verlag, 1985)
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Der "Schüsterkes Brunnen" auf einer Ansichtskarte - wahrscheinlich aus dem Jahre um 1960 - wurde von Walter Brüx geschaffen. Der "Beltermann" war, wie der wiederaufgebaute Schwanenturm, Symbol für den Willen der gesamten Bevölkerung, dass Kleve wieder das werde, was es früher gewesen sei.

aus: Friedrich Gorissen - Conspectus Cliviae ... (Kleve, Boss-Druck und Verlag, 1964)
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Burg und Steinbrücke vom Opschlag, um 1685: Hinter der Brücke, am Ende der Rheinmauer, das Haus des Dr. Weyer. Links davon: die Holzbrücke; rechts darüber: der Prinzenhof. Auf der Höhe die Nassauer Allee. Das Haus Bellevue ist noch nicht erbaut.

Jan van Call d. a., Kupferstich, 153 x 194 mm, Conspectus Berolini et Cliviae, 87

Der Blick ist vom Opschlag, ein wenig unterhalb der Herzogbrücke. Rechts von den Türmen der Stiftskirche ist der Dachreiter der Reformierten Kirche zu sehen. Wegelin stand an derselben Stelle, von der im Jahre 1745 Jan de BEYER den Blick auf Stadt und Burg gezeichnet hatte. Der Punkt war - wie alte Ansichtskarten zeigen - sehr beliebt. Das hohe Gebäude mit dem Treppengiebel rechts ist das alte Tillsche Haus, damals »Der goldene Adler« genannt; das Besitztum erwarb 1857 Hauptmann a. D. Neesen, der Gründer der ersten klever Gasfabrik. Davor steht - aus keiner anderen Abbildung bekannt - eine hübsche Teekuppel im holländischen Geschmack des 18. Jhs; sie ist bei Jan de Beyer (1745) noch nicht zu sehen. Vorn am Wasser ist die Holzbleiche. Das große Gebäude links war der Lommert; er lag an der Klosterstraße auf dem Grundstück neben der 1906 erbauten Reichsbank. Die Häuser in der Mitte sind alle erst nach 1905 abgebrochen und durch die Bauten an der neuen Herzogstraße ersetzt worden. Von der Großen Straße sind die ansteigenden Dächer zu sehen. Am Hang des Burgberges ist noch das Gartenhaus von Bogerts-Bank. Ganz links auf der Höhe ist der Prinzenhof.

Eine schöne, eine stille Stadt. Es ist die Stadt, in der B. C. Koekkoek seine stillen Landschaften malt. Fischer werfen ihr Netz aus; und das Wasser ist so klar, dass die Frauen darin die Wäsche waschen.

Friedrich Gorissen im Klever Heimatkalender auf das Jahr 1973

Adolph Wegelin - Die klever Schwanenburg vom Opschlag (um 1840)

Aquarell 407 x 294 mm, Potsdam, Neues Palais (Plankammer) 3584.

In den letzten zwei Jahrhunderten sind die Veränderungen im Erscheinungsbild - sieht man von den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges ab - in keinem Bereich der Stadt Kleve gravierender verlaufen, als im Umfeld des Opschlags. Von einer ruhigen Stadtrandlage mit kleineren Häusern und großen Gärten, die zum Anbau von Obst und Gemüse für den Eigenbedarf genutzt wurden, entwickelte sich der Opschlag zu einer an der Peripherie der City gelegenen Hauptverkehrsachse. 

Die Geschichte des Opschlags beginnt in den zwanziger Jahren des 15. Jahrhunderts. Während der Regierungszeit des ersten Klever Herzogs Adolf I. wurde der Spoykanal - nach Utrechter Vorbild - geschaffen. Damit verfügte die Stadt wieder über eine lebenswichtige Anbindung an den Rhein. Der Spoykanal gehört lt. Gorissen zu den ältesten Wasserstraßen in Westdeutschland, wenn er nicht überhaupt älter ist als alle anderen. Der "Opslag" war der Platz am Ufer, an dem die von den Schiffen herangebrachten Güter (mittelst Hebekran oder von Hand) aufgeschlagen wurden.(1) "Der Ausdruck Opschlag ist herzuleiten von Opslach oder Opslaan, was soviel wie ophoffen und ein- und ausladen bedeutet. ... Als älteste auffindbare Bezeichnung ergibt sich im Protocollum Panperum von 1653/54 die Bezeichnung "aufm Aufschlag" (Anm.: In der Senhemsche Karte von 1650 (zur Orientierung: links unterhalb der Burg) findet sich bereits drei bis vier Jahre früher die Bezeichnung Opschlag) . Im Jahre 1721 heißt die Straße "Aufschlag".(2) 

Ausschnitt aus dem Pharus Plan (ca. 1925)

Da das Gelände als zu feucht galt, setzte eine intensive Erschließung des Opschlags, der außerhalb der Stadtmauern lag, erst Ende des 19. Jahrhunderts ein. Über die Jahrhunderte verbot das alte Stadtrecht eine Bebauung und Bepflanzung des Gebietes, um nicht die Schifffahrt zu beeinträchtigen. Daher war der Opschlag ursprünglich öffentliches Gebiet und städtisches Eigentum, das nach und nach an Private veräußert worden ist. 

Die Firma Sack errichtete 1772 in der Nähe der städtischen Werft (siehe links "Ausschnitt aus dem Pharus Plan") eine königliche Brauerei. "Dort wurde ein allbeliebtes Bier gebraut, das bis dahin in erheblichen Mengen aus Nymwegen eingeführt worden war. ... Um 1780 wurde das Unternehmen eingestellt. Das Gebäude wurde im Obergeschoss von da ab als Theatersaal benutzt, während unten Stallungen eingerichtet wurden, wodurch die Besucher des Obergeschosses nicht wenig belästigt wurden." (2)

Im Laufe der Industrialisierung beschleunigt sich der Bebauungsprozeß, so dass an dieser Stelle Kellen mit Kleve zusammenwuchs.

In den Jahren 1903 bis 1905 wurden die Neue Brücke ("Herzogbrücke") und Herzogstraße gebaut und so der neue Eingang zur Stadt geschaffen. Im dem o. a. Pharaus Plan ist der Straßenverlauf bis zum Zweiten Weltkrieg ersichtlich. Das Erscheinungsbild des Straßenzuges hat sich mit dem Wiederaufbau deutlich verändert. Werft und Hafenbecken (heute Parkplatz und Standort des Baumarktes Swertz) wurden mit dem Trümmern der zerstörten Stadt aufgefüllt, die Rampenbrücke errichtet und anstelle eines abgerissenen Industriegebäudes ("Hokovit") ein weiterer Parkplatz errichtet.

 

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Klever Verkehrspavillon. 1953. Dieses Gebäude neben der Herzogbrücke wurde im Rahmen des Wiederaufbaus als Ersatz für einen im Krieg zerstörten Pavillon in der Nähe des Bahnhofs errichtet, nach einem Plan des städtischen Architekten M.A. Butz. Anfang der 1980er Jahre wurde es abgebrochen. 

Aufnahme: Fritz Getlinger.

 

Am 29.12.2004 schrieb ich: Seit dem Jahr 2002 findet ein weiterer Umbau des Areals statt. Im Rahmen der Unterstadt- und Minoritenplatz-Bebauung wird der Opschlag endlich aufgewertet und deutlich verkehrsberuhigt. "Hierbei ist daran gedacht, den vorhandenen Gebäuden eine zusätzliche überbaubare Fläche im vorderen Bereich zu geben, um ggf. Wintergärten oder sonstige Vorbauten (Arkaden) zu ermöglichen, was zum einen die Attraktivität der Gebäude und der Lage erhöht, zum anderen den ansonsten nicht zu nutzenden Raum zwischen Gebäude und Wasser deutlich einengt. In diesem Bereich sollte zwischen den Gebäuden und der Erschließungsstraße eine Art Promenade geplant werden, die über eine ausreichende Breite verfügt, um beispielsweise Außengastronomie aufnehmen zu können. Die Straße selbst ist auf ein Minimum zu reduzieren. Ggf. kann auf die Unterbringung eines Bordsteines verzichtet werden, um einen Platzcharakter zu unterstreichen. Die Fläche zwischen Straße und Wasser ist als Grünanlage mit hoher Aufenthaltsqualität anzulegen. Hierbei ist insbesondere an die Integration von Treppen- oder Steganlagen gedacht, um den Faktor Wasser in die Gestaltung zu integrieren. Zu überlegen wäre auch, hier dauerhaft ein historische Schiff z.B. als Restaurant, zu vertäuen." (3)

 

Nun, gut fünf Jahre weiter ist der Plan Wirklichkeit geworden. Die Umsetzung der guten Vorsätze ist misslungen! Wieder eine vertane Chance! 

 

Fußnoten:

1) Friedrich Gorissen: "Kleve so wie es war", Seite 20, Droste-Verlag GmbH, Düsseldorf, 1977

2) Gerhard Hunscheidt: "Die Clever Straßennahmen und ihre Geschichte nach archivalischen und anderen Quellen", Seiten 96f, Verlag von Frau Boß Ww., Kleve, 1925

3) Internetangebot der Stadt Kleve vom 29.12.2004

 

Fotografien vom Opschlag (25. September 2002)

 

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Blick von der "Alten" zur "Neuen Brücke" ("Herzogbrücke") Blick auf die Brücktorstraße Das Spoycentrum - missglücktes Bauherrenobjekt und heute sozialer Brennpunkt im Herzen der Stadt Die Bebauung am Opschlag Ungenutzte Grünflächen am Spoyufer
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Die Kommune bemüht sich um ein gutes Erscheinungsbild am Eingang zur Stadt. Das Schüsterke ...  oder auch der Beltermann Der Spoykanal von der Herzogbrücke in Richtung "Alte Brücke" gesehen. Das Klever Wappen
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Blick von der Herzogbrücke in Richtung Opschlag Blick von der Herzogbrücke in Richtung Brienen - auch dies war einmal der Opschlag. Der Parkplatz zwischen Rampenbrücke und Spoykanal ("Hokovit"-Gelände) - auch das war einmal der Opschlag.

zuletzt bearbeitet am 11.02.2011