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Die Klever Straßennamen und ihre Geschichte

StechbahN

(mehr zur "Stechbahn")

(Straßen-) Verbindungen: Am Ehrenmal, Backermatt, Brabanterstraße, Fischmarkt, Große Straße, Gruftstraße, Hagsche Poort, Hagsche Straße, Rahmstraße, Ringstraße, Römerstraße

 

aus: Ernst Hannen - Ich denke oft an Cleve - Erinnerungen mit alten Ansichtskarten (Kleve, Janßen-Druck GmbH, 1994)

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"Als diese Aufnahme im Jahr 1904 entstand, konnte man die wenigen Häuser an der oberen Stechbahn, wie man hier sieht, noch an einer Hand abzählen." (1)

aus: Ernst Hannen - Ich denke oft an Cleve - Erinnerungen mit alten Ansichtskarten (Kleve, Janßen-Druck GmbH, 1994)

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"Diese Ansicht (Anm. um 1906), vielleicht aus einem der vielen Fenster des neuen Gymnasiums heraus aufgenommen, zeigt im Vordergrund die obere Stechbahn. Lediglich der Kassierer Wilhelm Terheiden hat sich dort ein etwas von der Stechbahn abgelegenes Mietshaus erbauen lassen." (2)

aus: Friedrich Gorissen - Kleve so wie es war (Düsseldorf, Droste Verlag GmbH, 1977)

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Die Stechbahn, vom Kapuzinerkloster (um 1925)

aus: Friedrich Gorissen - Kleve so wie es war (Düsseldorf, Droste Verlag GmbH, 1977)

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Im Garten des katholischen Vereinshauses (um 1905)

Die Stechbahn wird erstmals 1377 urkundlich erwähnt. (3) Damit ist sie zweifelsohne eine der ältesten Straßen der Mittelstadt. Der Name leitet sich von den mittelalterlichen Ritterspielen, die sogenannten Stechspiele hin, die dort stattgefunden haben. "Das Gelände erscheint dazu wie geschaffen: In unmittelbarer Nähe der Burg, von der man einen herrlichen Blick über die ganze Bahn hat, ein hinlänglich langer und breiter, ebener Platz, allseitig von mehr oder weniger steilen Hängen umgeben, die die Anlage von Rängen für die Zuschauer gestatten. Das ganze überragt von der alten Stadtmauer auf der Höhe des Heideberges. ... Die eigentliche Turnierbahn ist rund 200 m lang und etwa 75 m breit. Ihr Anfang liegt nur 100 m von der Burg entfernt ... . Beiderseits der Stechbahn findet man durchgehendes Mauerwerk, alte Futtermauern am beiderseitigen Abstich der Hänge gegen Heideberg und Kamp. Offensichtlich sind die dadurch geschaffenen Terrassen ("Grüner Heideberg" und "Böllenstege") Zuschauerränge gewesen. Darauf scheinen namentlich eine Rampe und eine Treppenanlage an der Seite des Grünen Heideberges hinzuweisen." (4)

Als das Hagsche Viertel nach 1341 ummauert und die Stechbahn in die Stadt eingezogen wurde, begann mit der Verlegung des Turniergeländes (lt. Gorissen "zwischen der unteren Lindenallee und dem Mausgarten" (5)) die Bebauung der Stechbahn, die jedoch nur sehr langsam vor sich ging zumal durch den großen Stadtbrand im Jahre 1528 die meisten Häuser niederbrannten. 

Die bauliche Erschließung der Stechbahn begann nur spärlich vom Fischmarkt her. Um die Mitte des 17ten Jahrhunderts war noch "reichlich Platz, um unterhalb des Grünen Heidebergs ein Kapuzinerkloster mit Kirche, Friedhof, Wohnungen, Krankenhaus und den erforderlichen Nebengebäuden zu errichten. ... Die ersten Kapuziner haben sich in Kleve um das Jahr 1629 niedergelassen, wo sie ein einfaches Heim in einem ehemaligen Kanonikerhaus zwischen dem Papenpütt und der Stiege zum Prinzenhof an der Nassauerstraße innehatten. Von 1630 bis 1650 etwa hatten sie fortwährend Schwierigkeiten, um eine regelrechte Niederlassungsgenehmigung zu erlangen. ... Bis dann endlich der Große Kurfürst ihnen im Jahre 1649 die Niederlassungsgenehmigung erteilte, worauf sie an der Stechbahn mit dem Klosterbau begannen und diesen so förderten, dass die Kirche im Rohbau 1652 fertig ist. ... Das Kloster (entwickelte sich) immer mehr und zwar zu Nutz und Frommen, insbesondere auch der Armen, so dass das Bedauern über die Unterdrückung und Aufhebung des Klosters im Jahre 1802 unter französischer Herrschaft allgemein war. Eine neue Niederlassung der Kapuziner befindet sich, mit einer längeren Unterbrechung während der Kulturkampfzeit, seit 1865 in der großen Spyck zu Kleve, früher zu Rindern gehörig." (6) Nach Aufhebung des Klosters in der Stechbahn nutzte die französische Gendarmerie das Objekt u. a. als Reitschule, andere Teile - insbesondere der oberen Terrasse zum Grünen Heideberg hin - wurden an Private verkauft. Nach der französischen Besatzung wechselte das Anwesen in den Besitz der Stadt, die dort Schulen und Dienstwohnungen einrichtete. (7) Der Zweite Weltkrieg vernichtete sämtliche Spuren einer dreihundertjährigen Geschichte.

Dem Kloster gegenüber - und ebenfalls im Krieg zerstört - stand u. a. das Elternhaus von Johan-August Sack (1764 - 1831). "Er war im Frühjahr 1814 mit der Verwaltung der eroberten Länder am Mittel- und Niederrhein betreut (und) im Sommer 1815 zum Oberpräsidenten der preußischen Rheinprovinzen bestellt worden." (8) Das Haus ist auf der Fotografie "Die Stechbahn, vom Kapuzinerkloster (um 1925)" vorne links abgebildet. In dem schmalen Objekt zwei Häuser weiter rechts wuchs Kleves großer Historiker Friedrich Gorissen auf. Die Eltern verdienten dort ihr Geld mit dem Verkauf von Fisch, Obst und Gemüse.  Der große Torbogen gehört zum Vereinshaus, das 1903 erbaute Haus war die Hochburg des katholischen Vereinslebens. An dieser Stelle stand einmal die Druckerei des Tobias Silberling, "der seit 1650 nicht nur kurfürstliche Edikte, sonder auch des Caspar Barlaeus "Brasilianische Geschichte" druckte". (9)

 

Kaspar van Baerle (1584 - 1648) 

Rerum per Octennium in Brasilia (Geschichte der Ereignisse während der acht Jahre in Brasilien)

1647 - Vorderseite

In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts standen Teile des heutigen Brasilien im niederländischen Besitz. Der Höhepunkt dieser Epoche wurde unter dem Gouverneur Graf Johan Maurits (1604 - 1679) in der Zeit von 1637 bis 1644 erreicht. Als Prinz Moritz ("Maurits") nach Europa zurückkehrte beauftragte er Kaspar van Baerle ("Caspar Barlaeus") ein Buch über seine Gouverneurszeit zu schreiben. Es ist ein sehr aufwendig erstelltes Werk, von dem einige Exemplare  mit Goldprägung erstellt wurden. Acht Karten zeichnet Frans Post (1612 - 1680), der den Prinzen nach Brasilien begleitet hatte und auch während dessen Zeit als Statthalter in Kleve architektonische Arbeiten für ihn ausführte.

Ein Exemplar dieses sehr selten Werkes ist im Eigentum der "Courtesy of the Fundação Biblioteca Nacional, Brazil" 

siehe auch "Treasures from the worlds great Libraries" 

 

Etwas höher vor der Haagsche Poort befand sich seit dem 17ten Jahrhundert ein lutherischer und reformierter Friedhof. An der Einmündung der Straße Haagsche Poort stand noch bis 1977 das 1892 erbaute Klösterchen. Oberhalb der Rahmstraße bis zum Gymnasium, die sogenannte "verlängerte Stechbahn" ist mit der Bebauung erst um 1899/1900 begonnen worden. (10)

Die Stechbahn - "um die Zeit von 1720 heißt die Straße allgemein Steckbahnen, um 1820 Stegbahn, im Jahre 1836 Steckbahn, 1843 wieder Stegbahn, seit 1857 etwa wird sie Stechbahn genannt" (11) - ist heute durchgängig vom Fischmarkt bis zur Ringstraße bebaut. Lediglich im unteren Bereich zur Stadtmitte befindet sich noch ein freiliegendes Trümmergrundstück. Die Bebauung des daran angrenzenden Grundstücks in den neunziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts ist gescheitert. Ein großer Teil der Ladenlokale stehen leer, die Tiefgarage ist ein Zuschussbetrieb und der Architekt hat es nicht verstanden den reizvollen Hang des Grünen Heidebergs in das Ensemble einzubinden. Neben dem Spoyzentrum ist dies die größte Bausünde in der Klever Innenstadt nach der Phase des Wiederaufbaus!

Die Stechbahn ist Bestandteile der Planungen um die "Neue Mitte". Diese Maßnahme hat das Gesicht der unteren Stechbahn zum Positiven verändern.

Im weiteren Verlauf der Stechbahn sind in den letzten Jahren neue Objekte hinzugekommen (z. B. IKK, 1989), die die Straße aufwerten. Mit verhältnismäßig geringem Aufwand ließe sich das Gesamterscheinungsbild verbessern: 

  • Die Allee sollte auf den gesamten Straßenverlauf ausgedehnt werden. 

  • Der Parkplatz gegenüber der IKK, 

  • genauso wie der alte evangelische Friedhof, 

  • die große Rasenfläche an der Kreuzung "Stechbahn / Ringstraße" 

  • und der Hang unterhalb des Grünen Heidebergs sind landschaftsarchitektonisch aufzuwerten. 

  • Eine Verkehrsberuhigung der Stechbahn könnte schließlich der krönende Abschluss sein. ... 

Fußnoten:

1) Ernst Hannen: "Ich denke oft an Cleve - Erinnerungen mit alten Ansichtskarten", Seite 32, Janßen-Druck GmbH, Kleve, 1994

2) siehe 1)

3) Gerhard Hunscheidt: "Die Clever Straßennahmen und ihre Geschichte nach archivalischen und anderen Quellen", Seiten 117 bis 120, Verlag von Frau Boß Ww., Kleve, 1925. Anmerkung: Gorissen datiert die erste Erwähnung der Stechbahn auf den 19. März 1413 (Quelle: siehe 4)

4) Friedrich Gorissen: "Historische Topographie der Stadt Kleve", Seiten 122 und 123, Boss-Verlag, Kleve, 1992

5) siehe 4)

6) siehe 3)

7) siehe 3)

8) Friedrich Gorissen: "Kleve so wie es war", Seite 59, Droste-Verlag GmbH, Düsseldorf, 1977

9) siehe 8)

10) siehe 3)

11) siehe 3)

 

Fotografien von der Stechbahn (14. Juni 2002)

 

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Ein unbebautes Trümmergrundstück am unteren Ende der Stechbahn Eine Bausünde ist auf dem ehemaligen Klostergelände entstanden. Von den Terrassen, die einmal die Zuschauerränge bei den Ritterturnieren bildeten, ist kaum noch etwas zu erkennen.
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Rest der Stadtmauer am Grünen Heideberg   Die Baustelle "Neue Mitte"
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Der große Historiker ... Ein Blick in den unteren Abschnitt der Stechbahn Der ehemalige Friedhof, oben die evangelische Kirche Ein Blick zurück in Richtung Stadtmitte
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An der Einmündung der Straße "Hagsche Poort" Parkfläche gegenüber der IKK Backermatt Das Gebäude der IKK wurde 1989 errichtet.
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Das Haus des Handwerks Eine Allee mit Lindenbäumen am oberen Abschnitt der Stechbahn   Erst Verwaltungsgebäude der AOK, dann Sitz der Volksbank Kleve und nunmehr Bürogebäude: Ein häßlicher Zweckbau ...
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Am Ehrendenkmal - Paradeplatz der Nationalsozialisten  Blick vom oberen Teil der Stechbahn in Richtung Stadtmitte  
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Modernisierung,wie man es besser nicht macht    

 

zuletzt bearbeitet am 10.09.2010