|
zurück
zur Einstiegsseite |
|

|
|
Die
Klever Straßennamen und ihre Geschichte
StechbahN
(mehr zur "Stechbahn")
(Straßen-)
Verbindungen: Am Ehrenmal, Backermatt,
Brabanterstraße, Fischmarkt,
Große
Straße, Gruftstraße, Hagsche Poort,
Hagsche
Straße, Rahmstraße, Ringstraße,
Römerstraße |
|

58.42
KB |
"Als diese Aufnahme im Jahr
1904 entstand, konnte man die wenigen Häuser an der oberen Stechbahn, wie man
hier sieht, noch an einer Hand abzählen." (1) |
|

67.23
KB |
"Diese Ansicht
(Anm. um 1906), vielleicht aus einem der vielen Fenster des neuen Gymnasiums
heraus aufgenommen, zeigt im Vordergrund die obere Stechbahn. Lediglich der
Kassierer Wilhelm Terheiden hat sich dort ein etwas von der Stechbahn
abgelegenes Mietshaus erbauen lassen." (2)
|
|

69.33
KB |
Die Stechbahn, vom
Kapuzinerkloster (um 1925)
|
|

85.58
KB |
Im Garten des
katholischen Vereinshauses (um 1905)
|
|
|
Die Stechbahn wird erstmals 1377
urkundlich erwähnt. (3)
Damit ist sie zweifelsohne eine der ältesten
Straßen der Mittelstadt. Der Name leitet sich von den mittelalterlichen
Ritterspielen, die sogenannten Stechspiele hin, die dort stattgefunden haben.
"Das Gelände erscheint dazu wie geschaffen: In unmittelbarer Nähe der
Burg, von der man einen herrlichen Blick über die ganze Bahn hat, ein
hinlänglich langer und breiter, ebener Platz, allseitig von mehr oder weniger
steilen Hängen umgeben, die die Anlage von Rängen für die Zuschauer
gestatten. Das ganze überragt von der alten
Stadtmauer auf der Höhe des Heideberges. ... Die eigentliche Turnierbahn
ist rund 200 m lang und etwa 75 m breit. Ihr Anfang liegt nur 100 m von der Burg
entfernt ... . Beiderseits der Stechbahn findet man durchgehendes Mauerwerk,
alte Futtermauern am beiderseitigen Abstich der Hänge gegen Heideberg und Kamp.
Offensichtlich sind die dadurch geschaffenen Terrassen ("Grüner
Heideberg" und "Böllenstege") Zuschauerränge gewesen. Darauf
scheinen namentlich eine Rampe und eine Treppenanlage an der Seite des Grünen
Heideberges hinzuweisen." (4) Als
das Hagsche
Viertel nach 1341 ummauert und die Stechbahn in die Stadt eingezogen wurde,
begann mit der Verlegung des Turniergeländes (lt. Gorissen "zwischen der
unteren Lindenallee und dem Mausgarten" (5))
die Bebauung der Stechbahn, die jedoch nur sehr langsam vor sich ging zumal
durch den großen Stadtbrand im Jahre
1528 die meisten Häuser
niederbrannten. Die
bauliche Erschließung der Stechbahn begann nur spärlich vom Fischmarkt her. Um
die Mitte des 17ten Jahrhunderts war noch "reichlich Platz, um unterhalb
des Grünen Heidebergs ein Kapuzinerkloster mit Kirche, Friedhof, Wohnungen,
Krankenhaus und den erforderlichen Nebengebäuden zu errichten. ... Die ersten
Kapuziner haben sich in Kleve um das Jahr 1629 niedergelassen, wo sie ein
einfaches Heim in einem ehemaligen Kanonikerhaus zwischen dem Papenpütt und der
Stiege zum Prinzenhof an der Nassauerstraße innehatten. Von 1630 bis 1650 etwa
hatten sie fortwährend Schwierigkeiten, um eine regelrechte
Niederlassungsgenehmigung zu erlangen. ... Bis dann endlich der Große Kurfürst
ihnen im Jahre 1649 die Niederlassungsgenehmigung erteilte, worauf sie an der
Stechbahn mit dem Klosterbau begannen und diesen so förderten, dass die Kirche
im Rohbau 1652 fertig ist. ... Das Kloster (entwickelte sich) immer mehr und
zwar zu Nutz und Frommen, insbesondere auch der Armen, so dass das Bedauern
über die Unterdrückung und Aufhebung des Klosters im Jahre 1802 unter
französischer Herrschaft allgemein war. Eine neue
Niederlassung der Kapuziner befindet sich, mit einer längeren Unterbrechung
während der Kulturkampfzeit, seit 1865 in der großen Spyck zu Kleve, früher
zu Rindern gehörig." (6)
Nach Aufhebung des Klosters in der Stechbahn nutzte die französische
Gendarmerie das Objekt u. a. als Reitschule, andere Teile - insbesondere der
oberen Terrasse zum Grünen Heideberg hin - wurden an Private verkauft. Nach der
französischen Besatzung wechselte das Anwesen in den Besitz der Stadt, die dort
Schulen und Dienstwohnungen einrichtete. (7)
Der
Zweite Weltkrieg vernichtete sämtliche Spuren einer dreihundertjährigen
Geschichte. Dem Kloster
gegenüber - und ebenfalls im Krieg zerstört - stand u. a. das Elternhaus von Johan-August
Sack (1764 - 1831). "Er war im Frühjahr 1814 mit der Verwaltung der
eroberten Länder am Mittel- und Niederrhein betreut (und) im Sommer 1815 zum
Oberpräsidenten der preußischen Rheinprovinzen bestellt worden." (8)
Das Haus ist auf der Fotografie "Die Stechbahn, vom
Kapuzinerkloster (um 1925)" vorne links abgebildet. In dem schmalen Objekt
zwei Häuser weiter rechts wuchs Kleves großer Historiker Friedrich Gorissen
auf. Die Eltern verdienten dort ihr Geld mit dem Verkauf von Fisch, Obst und
Gemüse. Der große Torbogen gehört zum Vereinshaus, das 1903 erbaute
Haus war die Hochburg des katholischen Vereinslebens. An dieser Stelle stand
einmal die Druckerei des Tobias Silberling, "der seit 1650 nicht nur
kurfürstliche Edikte, sonder auch des Caspar Barlaeus "Brasilianische
Geschichte" druckte". (9) |
 |
Kaspar van Baerle (1584 -
1648)
Rerum per Octennium in Brasilia (Geschichte der Ereignisse während der acht Jahre in Brasilien)
1647 - Vorderseite
In der ersten Hälfte des 17.
Jahrhunderts standen Teile des heutigen Brasilien im niederländischen Besitz.
Der Höhepunkt dieser Epoche wurde unter dem Gouverneur
Graf Johan Maurits (1604 - 1679) in der Zeit von 1637 bis 1644 erreicht. Als
Prinz Moritz ("Maurits") nach Europa zurückkehrte beauftragte er
Kaspar van Baerle ("Caspar Barlaeus") ein Buch über seine
Gouverneurszeit zu schreiben. Es ist ein sehr aufwendig erstelltes Werk, von dem
einige Exemplare mit Goldprägung erstellt wurden. Acht Karten zeichnet
Frans Post (1612 - 1680), der den Prinzen nach Brasilien begleitet hatte und
auch während dessen Zeit als Statthalter in Kleve architektonische Arbeiten
für ihn ausführte.
Ein Exemplar dieses sehr selten
Werkes ist im Eigentum der "Courtesy of the Fundação Biblioteca Nacional,
Brazil"
siehe
auch "Treasures from the worlds great Libraries" |
|
|
Etwas höher vor der Haagsche Poort
befand sich seit dem 17ten Jahrhundert ein lutherischer und reformierter
Friedhof. An der Einmündung der Straße Haagsche Poort stand noch bis 1977 das
1892 erbaute Klösterchen.
Oberhalb der Rahmstraße bis zum Gymnasium, die sogenannte
"verlängerte Stechbahn" ist mit der Bebauung erst um 1899/1900
begonnen worden. (10) Die
Stechbahn - "um die Zeit von 1720 heißt die Straße allgemein Steckbahnen,
um 1820 Stegbahn, im Jahre 1836 Steckbahn, 1843 wieder Stegbahn, seit 1857 etwa
wird sie Stechbahn genannt" (11)
- ist heute durchgängig vom Fischmarkt bis zur Ringstraße bebaut. Lediglich im
unteren Bereich zur Stadtmitte befindet sich noch ein freiliegendes
Trümmergrundstück. Die Bebauung des daran angrenzenden Grundstücks in den
neunziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts ist gescheitert. Ein großer Teil
der Ladenlokale stehen leer, die Tiefgarage ist ein Zuschussbetrieb und der
Architekt hat es nicht verstanden den reizvollen Hang des Grünen Heidebergs in
das Ensemble einzubinden. Neben dem Spoyzentrum ist dies die größte Bausünde
in der Klever Innenstadt nach der Phase des Wiederaufbaus! Die
Stechbahn ist Bestandteile der Planungen
um die "Neue Mitte". Diese Maßnahme hat das Gesicht der unteren
Stechbahn zum Positiven verändern.
Im weiteren Verlauf der Stechbahn
sind in den letzten Jahren neue Objekte hinzugekommen (z. B. IKK, 1989), die die
Straße aufwerten. Mit verhältnismäßig geringem Aufwand ließe sich das
Gesamterscheinungsbild verbessern:
-
Die Allee sollte
auf den gesamten Straßenverlauf
ausgedehnt werden.
-
Der
Parkplatz gegenüber der IKK,
-
genauso
wie der alte evangelische Friedhof,
-
die
große Rasenfläche an der Kreuzung "Stechbahn / Ringstraße"
-
und
der Hang unterhalb des Grünen Heidebergs sind landschaftsarchitektonisch
aufzuwerten.
-
Eine
Verkehrsberuhigung der Stechbahn könnte schließlich der krönende Abschluss
sein. ...
|
|
Fußnoten:
1) Ernst Hannen: "Ich denke oft
an Cleve - Erinnerungen mit alten Ansichtskarten", Seite 32, Janßen-Druck
GmbH, Kleve, 1994
2) siehe 1)
3) Gerhard Hunscheidt: "Die
Clever Straßennahmen und ihre Geschichte nach archivalischen und anderen
Quellen", Seiten 117 bis 120, Verlag von Frau Boß Ww., Kleve, 1925.
Anmerkung: Gorissen datiert die erste Erwähnung der Stechbahn auf den 19. März
1413 (Quelle: siehe 4)
4)
Friedrich Gorissen:
"Historische Topographie der Stadt Kleve", Seiten 122 und 123, Boss-Verlag,
Kleve, 1992
5) siehe 4)
6) siehe 3)
7) siehe 3)
8) Friedrich Gorissen: "Kleve
so wie es war", Seite 59, Droste-Verlag GmbH, Düsseldorf, 1977
9) siehe 8)
10) siehe 3)
11) siehe 3)
|
|
Fotografien von der Stechbahn
(14. Juni 2002)
|

106.97 KB |

101.96 KB |

77.11 KB |

124.45 KB |
| Ein unbebautes Trümmergrundstück am unteren Ende der Stechbahn |
Eine Bausünde ist auf dem ehemaligen Klostergelände entstanden. |
Von den Terrassen, die einmal die Zuschauerränge bei den Ritterturnieren bildeten, ist kaum noch etwas zu erkennen. |

145.29 KB |

120.77 KB |

46.07 KB |

81.63 KB |
| Rest der Stadtmauer am Grünen Heideberg |
|
Die Baustelle "Neue Mitte" |

66.11 KB |

74.94 KB |

101.08 KB |

73.78 KB |
| Der große Historiker ... |
Ein Blick in den unteren Abschnitt der Stechbahn |
Der ehemalige Friedhof, oben die evangelische Kirche |
Ein Blick zurück in Richtung Stadtmitte |

78.28 KB |

117.14 KB |

78.18 KB |

67.37 KB |
| An der Einmündung der Straße "Hagsche Poort" |
Parkfläche gegenüber der IKK |
Backermatt |
Das Gebäude der IKK wurde 1989 errichtet. |

98.89 KB |

76.34 KB |

85.23 KB |

72.16 KB |
| Das Haus des Handwerks |
Eine Allee mit Lindenbäumen am oberen Abschnitt der Stechbahn |
|
Erst Verwaltungsgebäude der AOK, dann Sitz der Volksbank Kleve und nunmehr Bürogebäude: Ein häßlicher Zweckbau ... |

85.33 KB |

65.83 KB |

60.56 KB |

77.28 KB |
| Am Ehrendenkmal - Paradeplatz der Nationalsozialisten |
Blick vom oberen Teil der Stechbahn in Richtung Stadtmitte |
|

98.97 KB |

59.66 KB |

88.02 KB |
| Modernisierung,wie man es besser nicht macht |
|
|
|
|