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Die Klever Straßennamen und ihre Geschichte

Wasserstrasse

(Straßen-) Verbindungen: Bleichen, Bleichenberg, Gasthausstraße, Gerwin, Große Straße, Königsgarten, Lohstätte, Schloßtorstraße

 

aus: Friedrich Gorissen - Conspectus Cliviae ... (Kleve, Boss-Druck und Verlag, 1964)
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Burg und Altstadt von Ost, 1653

Am Wasser von links: der Pulverturm (9) mit der Holzbrücke, die Wassermühle, das Wassertor (16) und das Weyersche Haus. 

3. Tafel aus 122

Kupfer, 408 x 545 mm

Folgen Sie dem Link und erfahren Sie mehr über den Stadtprospekt aus dem Jahr 1653.

aus: "Das Schloss zu Kleve" von Gerard Lemmens, Kleve 1994.
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Pieter Jan van Liender (Utrecht 1727 - 1779): Der nördliche Teil des Ostflügels der Burg mit dem Wassertor, 1752 (Ausschnitt), Federzeichnung in Grau, 185 x 245 mm, Kleve, Museum Kurhaus

aus: "Das Schloss zu Kleve" von Gerard Lemmens, Kleve 1994.
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Bauinspektor H. Brix: Grundriß der Schwanenburg, 1785 (Ausschnitt), aquarellierte Federzeichnung, 365 x 456 mm, Kleve, Museum Kurhaus

aus: Klaus Radermacher - Bad Cleve in Photographien um die Jahrhundertwende (Kleve, Boss-Verlag, 1985)
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"Den >Blick von der weißen Brücke< auf die gut bestückte Ruderauswahl des Boothauses Scho zeigt diese relativ häufige, aber dennoch sehr reizvolle Aussicht. Im Hintergrund ein vielen Klevern aus der Vorkriegszeit noch gut bekanntes Haus, die Villa des Bauunternehmers Kleindorp, ein Schmuckstück des Kermisdahlufers." (1)

aus: Klaus Radermacher - Bad Cleve in Photographien um die Jahrhundertwende (Kleve, Boss-Verlag, 1985)
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"Was wäre eine Kahnpartie auf dem Kermisdahl ohne gemütliche Rast im Bootshaus Scho, von dessen Terrasse wir hier auf die Wasserstraße und den Burgberg blicken." (2)

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Im unteren Bildteil erkennt man die Zerstörungen im Bereich der Wasserstraße. Wenige Objekte überstanden das Bombardement. Als Orientierungshilfe mag das schmale Haus in der Mitte dienen. Es steht im renovierten Zustand noch heute. Links davon befindet sich die Stadtbücherei. 

"Die Wasserstraße schließt das Gelände zwischen dem nordöstlichen Hang des Burgberges und dem Stadtwasser auf. Dieses Gelände liegt namentlich östlich der Straße sehr niedrig und wäre somit dem alljährlichen Hochwasser ausgesetzt gewesen, hätte nicht der Deich geschützt... . Überdies verband die Straße die Altstadt mit der Burgmühle und war somit auch Mühlenweg. Dieser Umstand erklärt die eigenartige Doppelbenennung der Straße um die Wende des 15. und in der ersten Hälfte des 16. Jhs.. Während nämlich noch im 15. Jh. allein der Name Mühlenstraße gebraucht wird, begegnet zu Beginn des 16. Jhs. erstmalig der heutige Name. ... Bis zum Ende des 14. Jhs. ist die Wassermühle am Burgberg die einzige Mühle und vor allen Dingen ist sie die älteste Mühle im Raume der Stadt (die Heideberger Mühle lag ja ein ziemliches Stück vor dem Heideberger Tor). Dann wird die Windmühle auf der Stadtmauer erbaut. ... Während die Wassermühle, fortan nur noch als Malzmühle gebraucht, mehr und mehr an Bedeutung verliert, um endlich im 17. Jh. ganz niedergelegt zu werden. Die Straße aus der Stadt zur Burgmühle ist jetzt nicht mehr so sehr ein Mühlenweg als die Verbindung zum Stadtwasser und zur Bleiche. Nur so konnte sich der Name der Wasserstraße und des Wassertores entwickeln." (3)

Hunscheid erwähnt, dass der Name sich nach "einem alten Rheinlauf, der früher am Kermisdahlhang vorbeifloss und den Fuß des Hertenberg umspülte (ableitet). Am Auslaufe des letzteren in die Niederung soll dann dieser Rhein sich geteilt haben, ein Teil, die Waal, sei am Höhenzug nach Donsbrüggen, Wyler und nach Nimwegen hin geflossen, ein anderer Teil dagegen, der sich ungefähr auf dem Grundstücke der jetzigen Minoritenkirche abgetrennt habe, sei durch die Spyck nach Elten zu geflossen. Dieser Arm habe sich dann in der Nähe von Nellewardje wieder geteilt. Ein Arm, der heutige Tweestrom sei nach Rindern geflossen, und der andere Arm habe das ursprüngliche Bett des heutigen Spoykanals gebildet." (4; dort auch Anm.)

Die Bebauung der Wasserstraße ging von der Stadtmitte aus. Bis zum Gerwin wurden Wohnhäuser, darüber hinaus überwiegend Wirtschaftsgebäude, wie z. B. Ställe, errichtet. Die Objekte stießen an die Stadtmauer bzw. an die Burgringmauer an. Erste Hinweise für eine Bebauung finden sich lt. Gorissen bereits Anfang des 14. Jh.. (5) 

"Die Häuserverzeichnisse von 1748 bis 1831 weisen eine Anzahl jüdischer Familien in der Wasserstraße wohnhaft auf, darunter als Schutzjuden auch die bekannte Familie Gombertz oder Gomperts. Die Nähe des Wassers und der Beruf als Gerber oder Häutehändler scheint für das Wohnen jüdischer Bürger in jenem Stadtteil mitbestimmend gewesen zu sein. So findet man dann auch die ältere Synagoge nicht weit davon, im mittleren Teil des Gerwin, der zur Wasserstraße hinunterführt." (6) Das Haus des Rabbiners aus dem Jahr 1680 lag nicht weit davon entfernt und zwar in der Nähe der Poortkamer. (7)

"Auch sonstige in der Klever Geschichte bekannte Familien hatten in der Wasserstraße ihren Wohnsitz, so eine Familie Criminalrat und Fiskal van Oven, Geh. Reg. Rat von Motzfeldt, Dr. med. de Vries und andere mehr." (8)

Am anderen Ende der Wasserstraße in der Nähe der sog. "Weißen Brücke" (heute: "Worcester-Brücke") hat der Maurermeister Friedrich Kleindorp (1804 - 1875) in den vierziger Jahren des 19. Jh. "einen Bauhof übernommen und zu einem Großbetrieb entwickelt, der in den Jahrzehnten der katholischen Renaissance die neogotischen Kirchen des Klever Landes erbaute... . Auf dem versumpften Gelände vor der alten Stadtmauer, bis wohin einst die Wasserfläche des Altrheins gereicht hatte, erstand der neue Bauhof mit der Villa. Der Architekt Franz Kleindorp (1881 - 1937) war der Wiederbegründer der Klever Kunstvereinigung, die im Jahre 1907 im neuen großen Atelierhaus ihre zweite Ausstellung ausrichtete." (9)

In Innenstadtnähe weist die Wasserstraße nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wieder eine durchgehende Bebauung auf. Beim Objekt vis à vis der Einmündung der Gasthausstraße fehlt immer noch die Errichtung des Ober- und Dachgeschosses. 

In den letzten Jahren wurden entlang der Burgmauer, die in Teilabschnitten noch gut zu erkennen ist, neue Mehrfamilienhäuser errichtet. Ein Provisorium ist der Parkplatz hinter der Stadthalle und die daran anschließenden Garagenbauten - hier besteht dringender Handlungsbedarf!

Eine Verkehrsberuhigung einhergehend mit einer neuen einheitlichen Bepflasterung der Straße sowie der Bürgersteige bis zur Worcester-Brücke - am besten in Verbindung mit einer alleeartigen Bepflanzung - würde die Besucher der Innenstadt in das landschaftliche reizvolle Kermisdahlgelände locken. Gastronomie und Freizeiteinrichtungen sollten davon profitieren. Nach einer Ruhephase kann der Besucher über verschiedene Wege in Richtung Oberstadt spazieren und sich dort z. B. wieder in den Einkaufstrubel stürzen ... 

Fußnoten:

1) aus: Klaus Radermacher - "Bad Cleve in Photographien um die Jahrhundertwende", Seite 80, Boss-Verlag, Kleve, 1985

2) aus: Klaus Radermacher - " Bad Cleve in Photographien um die Jahrhundertwende", Seite 83, Boss-Verlag, Kleve, 1985

3) Friedrich Gorissen: "Historische Topographie der Stadt Kleve", Seite 91, Boss-Verlag, Kleve, 1992

4) Gerhard Hunscheidt: "Die Clever Straßennahmen und ihre Geschichte nach archivalischen und anderen Quellen", Seiten 128 bis 130, Verlag von Frau Boß Ww., Kleve, 1925; Anm.: "Da es jetzt nach den gründlichen geologischen bzw. siedlungsgeschichtlichen Untersuchungen von Braun und Gorissen feststeht, "dass seit tausenden von Jahren zwischen Rindern und Kleve kein Rhein geflossen sein kann""... - Zitat aus dem Klever Heimatkalender von 1981, Jan-Wellem Euwens "Grundsätzliches über die Düffel", Seite 83, Boss-Verlag, Kleve, 1980

5) siehe 3)

6) siehe 4)

7) siehe 4)

8) siehe 4)

9) Friedrich Gorissen: "Kleve so wie es war", Seite 25, Droste-Verlag GmbH, Düsseldorf, 1977

Die Grundstücke des Elias Gompertz sind schraffiert. Die Hausnummern sind die aus dem Jahre 1830.

aus: Kalender für das Klever Land für das Jahr 1981, Friedrich Gorissen - "Klevischer Klassizismus" (Auszug), Kleve 1980, S. 186

Haus Gompertz

 

"... Er (Elias Gompertz) wird wohl um diese Zeit nach Kleve übergesiedelt sein, wo seine Nachkommenschaft bis ins 19. Jh. lebte. Das Haus, worin im Jahre 1673 mit großem Pomp die Hochzeit seines Sohnes Cosman mit Zipora Hameln (Passwortgeschützter Bereich) gefeiert und mit dem Besuch des Kurprinzen und des Statthalters beehrt und dessen reiche Ausstattung bei dieser Gelegenheit gerühmt wurde, war der von Elias Gompertz errichtete Neubau. Er muss spätestens 1671 vollendet gewesen sein, weil die diesem Haus annexe und wahrscheinlich gleichzeitig (gewiss aber nicht früher) erbaute Synagoge im Gerwin einen Stein mit dem Gründungsdatum 5431 (= 1670/71) getragen hat.

Das Areal, das Elias Gomperts - wohl erst in den sechziger Jahren - zusammengekauft hat, nahm den größten Teil des von den beiden Gerwinarmen umschlossenen Baublocks ein; nur die drei obersten Parzellen mit ihren Scheuern blieben weiterhin mit den an der Großen Straße (unterhalb der Gerwin - Einmündung) gelegenen Haupthäusern verbunden. Die Front an der Wasserstraße betrug etwa 40, die Tiefe etwa 50 m. Das eigentliche Palais war ein zur Wasserstraße hin offenes Geviert. Beiderseits des etwa 20 m tiefen Innenhofes lagen die Flügel; aus dem Mittelbau ging man über einen Hof in die geräumige Synagoge. Für die Rekonstruktion der Anlage sind wir allein auf den Katasterplan und die Häuserlisten angewiesen; vielleicht bot die enge Wasserstraße nicht genügend Abstand zur bildlichen Erfassung des ganzen Komplexes.

Nach dem Tode des Elias (+1684) erfolgte die erste Teilung des Blocks. Jacob erhielt das Haupthaus mitsamt der Synagoge, Moses das Nebenhaus an der Wasserstraße nächst einer aufgelassenen Gasse. Jacob verschrieb sein Haus am 26. Juli 1739 seinem Sohn Philipp Jacob als Heiratsgut. Als dieser es 1767 verkaufte, wurde die Synagoge ausgeschieden. Dann wechseln die Besitzer in rascher Folge."  

 

Fotografien von der Wasserstraße (10. Juni 2002)

 

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Die Einmündung der Wasserstraße in die Große Straße Nur bis zur 1. Etage wieder aufgebaut.  Der Ausblick auf die Schwanenburg wird durch die hässliche "Fassade" verunziert! Die Einmündung des Gerwins in die Wasserstraße Hier muss das Anwesen der Familie Gompertz gestanden haben ...
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Weinhandlung Peters Die Burgmauer Ein Blick in die Wasserstraße in Richtung Innenstadt auf Höhe der Stadthalle
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Neu errichtete Mehrfamilienhäuser lehnen sich an der Burgmauer an. Nur wenige Objekte überstanden die Bombardierung. Die Stadtbücherei Ein Kleinod errichtet im Winkel zwischen Wasserstraße und Bleichen.
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Die Worcester-Brücke Blick auf die Schwanenburg  Einmündung des Bleichenbergs in die Wasserstraße Cafè Königsgarten  

 

zuletzt bearbeit am 05.01.2005